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Thomas Gisbertz
Ein Muss für alle Liebhaber des klassischen Krimis

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Mär 2020

Winter 1957. Detective Inspector Strafford wird kurz vor Weihnachten von Dublin zu einem irischen Herrenhaus auf dem Land beordert. Ein katholischer Pfarrer wurde tot in der Bibliothek aufgefunden. Bei der Leiche handelt es sich um Father Tom Harkins, dem übel mitgespielt wurde: Ihm wurde nicht nur mit einem Messer in den Hals gestochen, sondern auch sämtliche Genitalien abgeschnitten.

Neben Colonel Osborne, dem Herrn des Hauses, zählen dessen eigenartige Tochter Lettie, der gutaussehende Sohn Dominic, Sylvia Osborne, die zweite Ehefrau des Colonels und 25 Jahre jünger als er, ihr smarter Bruder Freddie Harbison, der auf dem Landsitz als persona non grata gilt, und der leicht debile Stallbursche Fonsey zu den Hauptverdächtigen. Ist der Mörder in diesem kleinen Kreis zu finden?

Schwierige Ermittlungen

Während der Schnee immer weiter fällt, versucht Detective St. John Strafford zusammen mit Detective Sergeant Ambrose Jenkins dem Mörder des Pfarrers auf die Spur zu kommen. Auch wenn der verdächtige Personenkreis klein ist, gestalten sich die Ermittlungen doch eher schwierig.

Das hat unter anderem mit dem Erzbischof zu tun, der gerade in seinem Sommerhaus residiert und mit allen Mitteln verhindern will, dass die Wahrheit über den Tod des Pfarrers ans Licht kommt. Auch Straffords Vorgesetzter, Detective Chief Superintendent Hackett, scheint die Ermittlungen bremsen zu wollen. In Strafford wächst mehr und mehr das Gefühl, dass der Mordfall überhaupt nicht aufgeklärt werden soll.

Geheimnisvoller Autor

Es ist nicht erst seit den Diskussionen um die italienische Schriftstellerin Elena Ferrante durchaus verkaufsfördernd, die wahre Identität eines Autors regelrecht zu mystifizieren. Laut dem Verlag Kiepenheuer & Witsch handelt es sich beim Autor von „Tod in der Bibliothek“ um einen bekannten Schriftsteller, der unter seinem Pseudonym eine neue Krimi-Reihe veröffentlicht. Da der Roman aus dem Englischen übersetzt wurde, lässt sich die Herkunft des unbekannten Autors zumindest etwas einschränken.

Erstaunlich ist aber, dass es zwar einen Originaltitel des Romans gibt („Snow“), anscheinend aber keinen Verlag, der ihn veröffentlicht hat. Mit dem deutschen Titel des Debütromans stellt der Verlag ganz bewusst eine Verbindung zu Agatha Christies Klassiker „Der Tote in der Bibliothek“ her. Unabhängig davon greift der Autor in seinem Werk aber ein hochaktuelles Thema auf.

Krimi mit eigenem Charme

„Ein klassischer Whodunit vor wunderbar winterlicher Kulisse im ländlichen Irland und ein Muss für alle Agatha-Christie-Fans.“ Mit diesen Worten wirbt der KiWi-Verlag. Dem kann man nur zustimmen - wenn man Liebhaber der Kriminalliteratur der 30er- bis 50er-Jahre ist. Der ersten Fall der Reihe um Detective Strafford mit aktuellen Krimis und Thrillern zu vergleichen, verbietet sich an dieser Stelle.

JB Lawless trifft wundervoll den Sound der damaligen Zeit und dieser war anders als heutzutage: Statt DNA-Analysen und Profilern gibt es ein drei Mann umfassendes Team der Spurensicherung, das noch eifrig mit Pinseln nach Fingerabdrücken sucht. Statt knallharten Verhören sucht der Ermittler nach und nach das Gespräch mit den Verdächtigen.

Und statt den Täter durch halb Europa zu jagen, hält sich Strafford lediglich in dem kleinen irischen Dorf Ballyglass auf. Man muss diese tempoarme, aber atmosphärisch sehr dichte Erzählart mögen. Es ist sicherlich kein Buch, dass man einfach nebenher lesen kann, denn dann verpasst man interessante Dialoge und eine wundervolle Figurenzeichnung.

Atmosphäre statt Hochspannung

Über das Motiv des Täters muss man nicht lange grübeln, wenn der Geistliche Tom Harkins von seinem Mörder kastriert wird. Dennoch ist die Handlung spannend bis zum Schluss, da es immer wieder zu interessanten Wendungen kommt. Des Weiteren wird die winterliche Atmosphäre vom Autor sehr gut eingefangen. Im Mittelpunkt der Handlung steht aber zweifellos der junge Detective St. John Strafford.

Der 35-jährige Ermittler tritt ganz klassisch mit Dreiteiler, Taschenuhr samt Kette, grauem Gabardine-Trenchcoat und schwarzem Filzhut auf. Er stammt aus wohlhabenden Verhältnissen und ist gegen den Willen des Vaters zur Polizei gegangen. Er überzeugt durch eine ruhige, gründliche Ermittlungsarbeit, besitzt aber nicht die herausragenden Fähigkeiten eines Hercule Poirot - was auch gut ist, denn Strafford hat seine ganz eigene, nüchterne Art. Der eher menschenscheue Ermittler ist überwiegend auf sich alleine gestellt, tritt durchaus konsequent auf und zeigt - anders als so manches „klassisches“ Vorbild - auch seine menschliche Seite.

Fazit:

Das Buch richtet sich vor allem an Leser, die klassische, britische Krimis mögen. Fans von Agatha Christie, Dorothy L. Sayers, Ronald A. Knox oder Gilbert K. Chesterton werden um die neue Reihe um Detective Strafford nicht herumkommen. Wer einen temporeichen Thriller mit viel Action sucht, ist hier falsch. Allerdings würde er eine durchaus vielversprechende Reihe verpassen. Man sollte sich ruhig einmal Zeit für diesen Krimi nehmen.

Tod in der Bibliothek

Tod in der Bibliothek

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Letzte Kommentare:
03.04.2020 14:45:05
harimau

Nach dem Vorwort verbirgt sich hinter dem Pseudonym JB Lawless „ein bekannter Autor“. Weiter heißt es im Klappentext, der Krimi spiele „vor wunderbar winterlicher Kulisse im ländlichen Irland“ und sei „ein Muss für alle Agatha Christie-Fans“.

Diese Aussagen sehe ich sehr relativ:
Der „bekannte Autor“ könnte stimmen: Der Stil ist sicher, man merkt dem Autor auch in der guten Übersetzung (ist es überhaupt eine?) die Erfahrung im Schreiben an. Der Plot ist stimmig, aber relativ vorhersehbar. Die Personen - na ja. Die führenden Vertreter der in Irland damals noch sehr mächtigen Katholischen Kirche sind schlimm, die immer noch tonangebende protestantische Oberschicht eher noch schlimmer. Das ländliche Irland lange vor der EU und dem damit einziehenden Denken an ›profitability‹ ist vermutlich treffend dargestellt. Die ständige Kälte in den zugigen Räumen, die nassen Füße und der zu dünne Mantel des Inspektors tragen zur Atmosphäre bei; „wunderbare winterliche Kulisse“ würde ich dazu eher nicht sagen.

Und von Agatha Christie trennen den Autor doch Welten. Diese schreibt meist recht zielgerichtet auf den Kriminalfall hin, beschreibt die Personen eher knapp und erreicht Stimmung mit wenigen Details. Bei Lawless überwuchert gelegentlich das Roman-Beiwerk die Krimihandlung. Mir machte das nichts aus, z.B. das ausführliche Gespräch zwischen dem Inspektor und dem Erzbischof las ich mit Vergnügen, auch wenn es für die Handlung wenig bringt. An Christie erinnern eher die Grundlagen des Ermittelns: Große Action sollte man in der Provinz Irlands nicht erwarten, auch die Kriminaltechnik spielt keine Rolle, es wird ohne Hektik intensiv befragt, beobachtet und gefolgert.

Ganz neuzeitlich hat der Inspektor ein Sexualleben, eine weitere Hauptperson auch - so etwas gab es bei Christie nicht.

Insgesamt also kein Roman für Leser, die Aufregung mögen. Aber als Unterhaltung auf literarischem Niveau mit passabler Krimihandlung kann ich ihn empfehlen.

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