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Almut Oetjen
Polly, Annie, Elizabeth, Catherine und Mary Jane

Buch-Rezension von Almut Oetjen Feb 2020

Polly Nichols, Annie Chapman, Elizabeth Stride, Catherine Eddowes und Mary Jane Kelly sind sich nie begegnet, aber sie haben eine Gemeinsamkeit: sie alle wurden 1888 vom selben Mann im Londoner Stadtteil Whitechapel ermordet. Sein Name wurde zu einem Synonym für den Serienmörder: Jack the Ripper. Schon zu Lebzeiten wurde er zu einem Mythos. Bis heute weiß man nichts über ihn.

Das Anliegen der Sozialhistorikerin Hallie Rubenhold ist es, die längst überfälligen Geschichten seiner fünf kanonischen Opfer zu erzählen, ihren Lebensweg und ihre Erfahrungen im Kontext ihrer Zeit nachzuvollziehen. Dafür hat sie unter anderem bislang nicht gesichtetes Archivmaterial verwendet.

In der Einführung vermittelt Rubenhold einen Einblick in die Metropole eines Landes, das seit den 1870ern in einer schweren Depression steckte. London war eine geteilte Stadt, hier das schicke West End, dort das elende East End, dazwischen die City of London. Anfang der 1890er lebten rund 30 Prozent der Londoner in Armut, davon 60 Prozent unter dem Existenzminimum. Knapp ein Fünftel der Bevölkerung war obdachlos, in Arbeitshäusern, Asylen oder Krankenhäusern untergebracht. Die meisten dieser Menschen lebten im East End, das zum Synonym für Elend und Kriminalität wurde. Eines der verruchtesten Viertel war Whitechapel.

Erst die Presse deckt die unwürdigen Lebensbedingungen auf

Die meisten Londoner wussten nichts von den grauenhaften Lebensbedingungen dort. Sie erfuhren davon erst durch die Presse, die das gerichtliche Verfahren zur Untersuchung der Todesursache, die nach jedem Mord öffentlich in Whitechapel und der City of London abgehalten wurde, intensiv begleitete.

Nach Angaben des Commissioners der Metropolitan Police gab es 1888 in Whitechapel geschätzt 1200 Prostituierte. Das bedeutete auch, dass die meisten Frauen keine Prostituierten waren. Obwohl die Polizei nicht wusste, wie sie zwischen Prostituierten und Nicht-Prostituierten unterscheiden sollte, ging sie von der Annahme aus, dass alle Opfer der Prostitution nachgingen. Die Presse griff das Urteil dankbar auf. Es wurde zur herrschenden Annahme, wurde nie hinterfragt und hielt sich mehr als 130 Jahre.

Rubenhold hat nun genau hingesehen und keinen Beweis dafür gefunden, dass drei der fünf Opfer sich prostituierten.

Jeder der fünf Frauen widmet sie einen eigenen Teil, wobei die ersten vier Teile etwa je siebzig Seiten umfassen, der fünfte über Mary Jane Kelly rund die Hälfte. Ihr Leben war nur halb so lang, und sie verstand es, ihre Identität zu verschleiern.

Die Fünf waren unterschiedlicher Herkunft, kamen aus der Fleet Street, Knightsbridge, Wolverhampton, Schweden und Wales oder Irland. Ihr Leben war typisch für viele Frauen der Viktorianischen Ära, bis auf das Ende.

Pollys Vater war Schmied in der Fleet Street. Nach dem Tod der Mutter kümmerte sie sich um Haushalt und Geschwister. Sie heiratete und bezog eine der begehrten Wohnungen des Philanthropen Peabody an der Stamford Street. Die Ehe scheiterte, sie zog aus. Ihr Mann, der eine neue Partnerin hatte, behielt die Kinder und zahlte Unterhalt. Als er erfuhr, dass sie mit einem anderen Mann zusammenlebte, stellte er die Zahlungen mit der Begründung ein, sie sei eine Prostituierte.

Annie, außereheliches Kind eines Gentleman-Dieners im noblen Knightsbridge, arbeitete als Dienstmädchen, bis sie mit 27 heiratete. Ihr Mann war Privatkutscher eines Adeligen in London, bis er einen Posten bei einem Industriellen annahm und mit Frau und Kindern auf das stattliche Anwesen St Leonard’s Hill bei Schloss Windsor zog. Es hätte gut laufen können, wäre Annie nicht schwere Alkoholikerin gewesen.

Elizabeth Stride wurde auf dem Land in Schweden geboren und ging nach Gothenburg, um in einem Haushalt zu arbeiten. Sie geriet an einen Mann, der ihr Syphilis anhängte und sie schwängerte. Das Baby starb. Die Polizei führte sie offiziell als Prostituierte. Sie wanderte nach England aus und heiratete einen Schreiner. Die Ehe blieb kinderlos. Sie eröffnete mit ihrem Mann in London ein Coffee House. Doch der Laden lief nicht, ein erwartetes Erbe fiel aus. Elizabeth verließ ihren Mann. Um Unterstützung von der schwedischen Kirche zu erlangen, erfand sie eine abenteuerliche Geschichte. Sie arbeitete, manchmal auch als Prostituierte.

Als Hausierer werden selbstverfasste Balladen verkauft

Kates (Catherines) Geschichte dürfte eine der ungewöhnlichsten sein. Geboren in Wolverhampton kam sie als Baby mit der Familie nach London. Sie war intelligent und erhielt einen Platz in der Dowgate School. Nach dem Tod der Eltern zerfiel die Familie. Kate kam zu Verwandten nach Wolverhampton, arbeitete in einer Fabrik. Sie traf den jungen Tom, einen Veteranen aus Indien. Gemeinsam zogen sie als Hausierer quer durchs Land, verkauften selbstverfasste Balladen, bekamen Kinder, wurden in London sesshaft. Es folgten häusliche Gewalt, Alkohol, eine On-Off-Beziehung bis zur endgültigen Trennung. In Whitechapel tat sich Kate mit einem Mann zusammen, Alkoholiker wie sie, lebte von dem, was sie von ihrer ältesten Schwester erbettelte, sowie verschiedenen Arbeiten. Wie im Fall von Polly Nichols und Annie Chapman gibt es keine zuverlässigen Hinweise, dass sie sich prostituierte.

Mary Jane Kelly behauptete, Irin zu sein, kam aber vermutlich aus Wales. In London begann sie eine Laufbahn als Edel-Prostituierte im West End. Wegen ihrer Schönheit, Fröhlichkeit und ihres eleganten Stils war sie sehr beliebt. Ein angeblicher Freund lockte sie nach Paris, wo sie an ein Bordell verkauft werden sollte. Sie konnte nach London fliehen und tauchte in Whitechapel unter, wo sie als Prostituierte arbeitete. Als einziges Opfer wurde sie nicht auf der Straße oder in einem Hinterhof, sondern in ihrem Bett ermordet.

Der Coroner stellte fest, dass Jack the Ripper keinen Sex mit seinen Opfern hatte. Er fand keine Kampfspuren, die Morde schienen in aller Stille durchgeführt worden zu sein. Die Opfer wurden getötet, als sie sich in einer zurückliegenden Position befanden. Rubenhold zieht daraus eine Schlussfolgerung: Der Ripper ermordete Frauen, die schliefen.

Eine Straßenkarte von London, zwei ergänzende Kurzkapitel, eines über die Rolle der Frau und Prostitution im Viktorianismus, sowie ein umfangreicher Anhang runden das Buch ab.

Fazit:

Hallie Rubenstein erzählt in „The Five“ die erschütternden Lebensgeschichten der fünf Opfer des Rippers, eingebettet in den sozialhistorischen Kontext der viktorianischen Zeit. Dabei verbindet sie Faktenreichtum und wissenschaftliche Korrektheit mit einem Stil, der lesbar ist und die Geschichten lebendig macht. Rubenholds Ergebnisse werfen ein neues Licht auf die Opfer – und damit auch auf den Täter.

The Five: The Untold Lives of the Women Killed by Jack the Ripper

The Five: The Untold Lives of the Women Killed by Jack the Ripper

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