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Thomas Gisbertz
Packender, aber auch nachdenklicher Thriller

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Feb 2020

Als Nina die Nachricht erhält, dass Tim, ihr bester Freund aus Kindertagen, unerwartet gestorben ist, bricht eine Welt für sie zusammen. Vor allem, als sie erfährt, dass er sie noch kurz vor seinem Tod versucht hat, zu erreichen. Tim hat ihr nicht nur eine geheimnisvolle letzte Nachricht hinterlassen, sondern auch einen Auftrag: Sie soll seine Schwester finden, die vor vielen Jahren in den schier endlosen Wäldern verschwunden ist, die das Dorf, in dem sie alle aufgewachsen sind, umgeben. Gemeinsam mit David, der ebenfalls einen Brief von Tim erhalten hat, macht sie sich auf den Weg in die Wälder, um sich auch ihrer Vergangenheit zu stellen.

Düstere Schatten der Vergangenheit

Dass Tim, ein Freund seit Kindestagen, an einer Überdosis gestorben sein soll, mag die junge Ärztin Nina kaum glauben. Schließlich schien er das letzte Puzzleteil gefunden zu haben, um das Rätsel des mysteriösen Verschwindens seiner Schwester Gloria zu lösen. Für Tim und seine Freunde stand damals schnell fest, dass das 17-jährige Mädchen ermordet worden ist. Der vermeintliche Täter: Wolff, der angsteinflößende Besitzer des Schrottplatzes. Zahlreiche Indizien schienen darauf hinzudeuten, ein endgültiger Beweis aber fehlte. Den behauptet Tim nun gefunden zu haben. Seinen Plan zur Überführung des Täters müssen jetzt aber Nina und David umsetzen. Dabei scheint sie ihre Vergangenheit wieder einzuholen.

Queen des deutschen Thrillers

Melanie Raabe, 1981 in Jena geboren und später in Wiehl aufgewachsen, arbeitete nach dem Studium in Medienwissenschaften und Literatur zunächst als Journalistin. Ihr Thriller „Die Falle“ stürmte 2015 gleich die Bestsellerlisten. Nach „Die Wahrheit“ (2016) und „Der Schatten“ (2018) erscheint mit „Die Wälder“ nun ihr vierter Thriller im Münchener btb-Verlag. Ihre Romane werden in über 20 Ländern veröffentlicht, mehrere Verfilmungen sind in Arbeit. Melanie Raabe betreibt zudem gemeinsam mit der Künstlerin Laura Kampf einen wöchentlichen Podcast rund um das Thema Kreativität, „Raabe & Kampf“.

Packender, atmosphärisch dichter Thriller

Vordergründig geht es in Raabes aktuellem Roman darum, dass die einstige Jugendclique das „Monster ihrer Kindheit“, den unheimlichen Schrotthändler Wolff,  endlich zur Strecke bringen wollen. Dabei gelingt es der Autorin sehr geschickt, den Leser immer wieder im Unklaren darüber zu lassen, ob die damaligen Ereignissen wirklich so geschehen oder ob sie lediglich einer kindlichen Fantasie entsprungen sind.

Die Atmosphäre des Thrillers erinnert an Stephen Kings Novelle „Die Leiche“ (1982), die 1986 von Rob Reiner unter dem Titel „Stand by me“ verfilmt wurde. Sehr glaubwürdig beschreibt Raabe in Rückblicken, wie die Freunde den vermeintlichen Mord an der jungen Gloria aufklären wollten. Dabei spielen die unheimlichen Wälder, die das Dorf umgeben, eine besondere Rolle. Die Angst vor dem Unbekannten, Düsteren und Albtraumhaften des Waldes steht stellvertretend für das Rätsel um das Verschwinden Glorias. Die Freiheit und die jugendliche Leichtigkeit des Lebens ging durch die Ereignisse, die die Figuren bis heute prägen, damals abrupt verloren.

Rückkehr ins ungeliebte Dorf

Der Tod Tims und dessen Plan, den Täter zu überführen, zwingen Nina und David plötzlich dazu, sich ihren Ängsten aus Jugendtagen zu stellen. Beide machen sich auf den Weg in ihre Vergangenheit – und das als Fahrgäste im Wagen des unheimlichen Wolff, der sich etwas dazu verdient, indem er immer wieder Reisende von der Stadt mit ins Dorf nimmt.

Spätestens ab diesem Zeitpunkt kann man den Roman nicht mehr aus den Händen legen. Man wird förmlich in die Geschichte hineingezogen. Die Handlung nimmt ein unfassbares Tempo auf. Im Sekundenstil beschreibt Raabe sehr detailliert das Geschehen, sodass sich die Spannung ins Unermessliche steigert. Dabei verwebt sich die Vergangenheit zunehmend mit der Gegenwart. Raabes wundervolle Sprache betont dabei die unheimliche, fast schon mystische Atmosphäre.

Mehr als nur eine Kriminalgeschichte

Als es Nina und David gelingt, die Wälder und das, was sie damit verbinden, im wahrsten Sinne des Wortes endlich hinter sich zu lassen und das Rätsel um Gloria zu lösen, ist der Roman noch nicht zu Ende. Auf den letzten gut sechzig Seiten wechselt plötzlich der Sound des Thrillers. In sehr gefühlvoller und nachdenklicher Weise konfrontiert Raabe ihre Figuren mit ihrem aktuellen Leben, das sie mehr und mehr in Frage stellen.

Der Weg zurück scheint aufgrund der Ereignisse nicht mehr möglich. Wenn die Autorin ihre Protagonisten deren Vergangenheit, aber auch deren Gegenwart reflektieren lässt, so geschieht dies auf emotionale, aber niemals kitschige Art. Spätestens hier merkt man, dass es weniger um das Rätsel der verschwundenen Gloria geht, sondern darum, wie uns das Schicksal den Weg im Leben weist.

Der verstorbene Tim, der schon zu Lebzeiten eine Art Katalysator für seine Freunde war, beeinflusst deren Leben auch jetzt noch mehr, als diese zunächst denken. Das letzte Puzzleteil hat seinen Platz gefunden, wenn das Rätsel um Gloria gelöst wird. Die Protagonisten selber haben sich mit der gemeinsamen Reise in ihre Vergangenheit verändert. Aber der Schatten der Vergangenheit scheint sich endlich zu heben. So stellt Nina am Ende fest: „Alles, was wir jetzt noch tun müssen, ist leben.“

Fazit:

Melanie Raabe gelingt nach „Die Falle“ ihr bester Thriller. Besonders die Mischung aus Kriminalgeschichte, Kindheitserinnerung und Entwicklungsroman macht „Die Wälder“ zu einem mehr als lohnenswerten Thriller. Die Handlung zieht den Leser schnell in seinen Bann. Neben einer spannenden Geschichte überzeugt Raabe aber auch mit einer eindringlichen Sprache und einer beeindruckenden Figurendarstellung. Die Entwicklung ihrer Protagonisten steht im Zentrum des Thrillers und bietet auch Anlass, sein eigenes Leben zu reflektieren.

Die Wälder

Die Wälder

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Letzte Kommentare:
02.03.2020 13:38:55
Chaoscreator

Ich fand den Roman sehr enttäuschend, da am Ende nichts so ist, wie es schien. Diese Wendung der Geschichte vollführt Raabe aber nicht der Art, dass man als Leser denkt "Ach so ist es gewesen", sondern ähnlich schon wie in "Die Wahrheit" dadurch, dass es eigentlich gar keinen Fall zu lösen gab. Das vermeintliche Mordopfer lebt, der Mörder ist zwar ein schlechter Mensch, aber kein Mörder und alle sonstigen Wendungen in der Geschichte kündigen sich mit Blaskapelle und Megaphon an.

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