Das Ritual des Wassers

Erschienen: Oktober 2019

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen unter dem Titel „Los ritos del agua”
- Barcelona : Editorial Planeta 2017
- Frankfurt/Main : Scherz/Fischer Verlag 2019. Übersetzung: Alice Jakubeit. ISBN-13: 978-3-651-02584-4. 528 Seiten
- Frankfurt/Main : FISCHER E-Books 2019 [eBook]. Übersetzung: Alice Jakubeit. ISBN-13: 978-3-1049-1132-8. 1,29 MB [ePUB]

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Michael Drewniok
Dreifachtode für unwürdige Väter und Mütter

Buch-Rezension von Michael Drewniok Jan 2020

Vitoria ist die Hauptstadt des spanischen Baskenlandes - und Schauplatz eines bizarren Mordes: In einem abgelegenen Waldstück wurde eine Frau an Fußknöcheln und Händen gefesselt kopfüber an einem Seil in die Höhe gezogen und in einem mit Wasser gefüllten Kessel ertränkt. Der Fall geht an Subcomisaria Alba Diaz de Salvatierra, die mit ihrem Team die Ermittlungen beginnt.

Umgehend stellen sich heikle Probleme jenseits der Täterfahndung ein: Das Opfer - die relativ prominente und deshalb medientaugliche Comic-Zeichnerin Annabel Lee alias Ana Belén Liaño - war nicht nur schwanger, sondern auch die erste Geliebte des zum Ermittlerteam zählenden Inspector Unai de Ayala, den man wegen seiner überlangen Arme den „Kraken“ nennt.

Unai ist nach einem im Dienst erlittenen Kopfschuss stumm und eigentlich noch in der Rehabilitation, gedenkt aber trotzdem an der Fahndung teilzunehmen, obwohl er selbst in den Fall verwickelt ist: Im Sommer 1992 nahmen Unai und seine Freunde Asier, Lutxo und Jota an einer archäologischen Ausgrabung teil. Dort trafen sie Ana, die mit allen schlief und die Freundschaft auf eine harte Probe stellte. Wer ist über zwei Jahrzehnte später der Vater von Albas Kind? Warum hat sie den Kontakt wiederaufgenommen, was Unais Freunde verdächtig leugnen?

Der Kessel, in dem Ana ertrank, ist ein zweieinhalbtausend Jahre altes Relikt der Keltenzeit. Wie es aussieht, fiel Ana einem vorzeitlichen Ritual zum Opfer - und sie ist nicht die erste: Vor Jahren starb so schon Rebeca, die Tochter des Dozenten Saúl Tovar; er war der Leiter der verhängnisvollen Grabung von 1992! Weitere Hinweise deuten auf die Fortsetzung einer Rache hin, die damals ihren Anfang nahm. Wie sich herausstellt, soll der Tod von Annabel Lee keineswegs den Schlusspunkt setzen. Wer hier nach keltischem Vorbild mordet, hat noch weitere Namen auf der Liste. Zu denen, die entweder sterben oder wenigstens leiden sollen, gehört auch Unai, der verzweifelt versucht herauszufinden, was damals geschah, um mit diesem Wissen die Vollendung der Rache zu verhindern …

Der „Regio-Krimi“ - kein allein deutsches Phänomen

Er gilt gleichzeitig als Segen und als Fluch der Unterhaltungsliteratur: der in einer Region oder Stadt nicht nur spielende, sondern dort - und nur dort - tief verwurzelte Krimi. Die Handlung muss hier spielen, weil sie die örtliche Landschaft, ihre Bevölkerung, ihre Geschichte elementar aufgreift.

Das kann durchaus reizvoll sein, wenn die gewählte Region interessante Eigenheiten aufweist, die sie und damit den hier lokalisierten Krimi formen. Leider ist dies ein Kriterium, das offensichtlich alle Regionalkrimi-Autoren für ihre Werke in Anspruch nehmen. Eva Garcia Sáenz stellt keine Ausnahme dar, weshalb es dieser Rezensent übernimmt festzustellen, dass Vitoria zweifellos eine schöne, historisch reizvolle Stadt ist, die von der Autorin beschriebenen Untaten sich jedoch an jeder beliebigen Stätte vergleichbarer Einwohnerzahl ereignen könnten - oder auch nicht, denn was Sáenz hier zu einem Plot schnitzt, ist reichlich mit Ast- und Wurzellöchern versehen.

Wieder einmal geht ein ebenso wirrer wie genialer Killer um, der erlebtes, für ungesühnt gehaltenes Unrecht auf eine Weise strafen will, die in erster Linie umständlich ist, sich aber als Vorlage für einen modernen Kriminalroman, der auch Reiseführer und Drama sein möchte, perfekt eignet. Wenn man für einen anstehenden Ritualmord erst einen keltischen Kupferkessel klauen muss, hemmt das die Kill-Geschwindigkeit, denn diese Dinger sind relativ rar gesät. Als der Mörder die Schlagzahl erhöht, wird die Abmurks-Zeremonie in der Tat vereinfacht, was deren Aufdeckung und Erklärung über viele, viele Buchseiten faktisch überflüssig macht.

Leben und Tod - Fest und Trauerspiel

Wenn man auf jenen Bestseller-Listen erscheinen möchte, die oft gekaufte Zeitschriften veröffentlichen, muss man darauf achten, möglichst viele potenzielle Leser/innen ins Boot zu holen. Dies bedeutet nicht nur einen kruden, komplizierten, in eklig-interessanten Details schwelgenden Kriminalfall, sondern auch eine Schar von Figuren, die entweder verdächtig sind bzw. ein Verbrechen aufklären sollen, jedoch mindestens ebenso intensiv mit privaten Konflikten ringen. Soll eine TV-Produktion folgen, ist ein ‚Aufpilchern‘ des Inhalts sogar unumgänglich. Etwaige Lücken werden mit Aufnahmen schöner Landschaften und Städte gefüllt.

Man darf der Autorin nicht vorwerfen ihre Leser ohne Warnung zu lassen: Im ausführlichen Nachwort philosophiert Sáenz mächtig über ihren Roman, der nicht nur ein Krimi sein, sondern auch „das Leben feiern“ soll, sie weshalb u. a. die schöne Subcomisaria vom Kraken schwanger sein lässt - oder ist doch ihr Ex, ein im ersten Teil dieser Serie dramatisch zu Tode gekommener Serienkiller, der Vater? Um solcher Rabäh!-Romantik ein wenig Zusatzwürze zu verleihen, ist des Kraken hochgradig geliebte Gattin vor Jahren tragisch umgekommen, als sie gerade Zwillinge ausbrütete. Nun umkreisen Alba und Unai einander, halten dabei die Gefühls-Schutzschilde hoch und treten endlos auf der Stelle; so lautet jedenfalls die Interpretation aus Sicht eines Krimi-Lesers, während die Anhänger des aktuellen „Lady Thrillers“ womöglich noch mehr Seelenschmalz wünschen.

In die Sparte „Warum logisch, wenn’s auch spektakulär geht?“ fällt der Plot an sich. Wahnsinn, inzüchtiger Missbrauch, jahrelang gehegte und gepflegte Sehnsüchte bzw. Rachepläne, Erinnerungen an amouröse und/oder absurde Erlebnisse in Jugendjahren: Solchen Triggern steht eine Polizeiarbeit gegenüber, die in ihrer Zufälligkeit weniger das diesbezügliche Unwissen der Autorin, sondern ihre Gleichgültigkeit belegt: Sáenz stellt das Drama in den Vordergrund und wandelt dabei auf ähnlichen Pfaden wie ihre Schriftsteller-Kollegen Luca D’Andrea oder Carmen Mola, die ebenfalls eine Bedeutungsschwere lieben, die sie in der Regel behaupten müssen.

Karussell der Klischee-Figuren

Mit Action ist Sáenz nie knauserig. Immer geschieht etwas, das unsere Fahnder mit Vollgas oder schnellsten Schrittes durch Vitorias Gassen treibt. Überaus lebensecht muss der Kraken feststellen, allseits von ‚Freunden‘ und ‚Kollegen‘ umgeben zu sein, die seit Jahr und Tag düstere Geheimnisse vor ihm verbergen, welche nach und nach pathetisch gelüftet werden. Faktisch ist Unai eine Marionette, die an unzähligen Fäden zappelt, an denen auch ein kleinwüchsiger, chronisch verliebter Bruder und ein fast 100-jährigen Großvater, der es an Vitalität leicht mit Rübezahl aufnehmen kann, ziehen.

Emotional gut durchgeschüttelt sind auch die zahlreichen Nebenfiguren. Sàenz tränkt sie gießkannengleich mit Traumata, unheilvollem Schweigen, Ehebruch und unzähligen anderen attraktiven oder wenigstens erschütternden Problem(ch)en. Darüber hinaus ist das an den Tag gelegte Verhalten oft so widersinnig, dass es sich weder ignorieren noch durch gelungene Passagen - die es durchaus gibt - ausgleichen lässt.

Der theatralisch aufgeladenen Handlung folgt ein denkbar kümmerliches Finale. Es kommt plötzlich, und es ist bar jeglicher Raffinesse, sondern folgt ausgelaugten Klischees. Eigentlich kommt die Geschichte ohnehin nicht zu ihrem Ende. Ein Epilog wird zur verheißungsvollen Munkelei über aus- und anstehende Neu-Probleme, denen im schon angekündigten dritten Band die wiederum über viele Seiten ausgewalzte Lösung droht.

Fazit:

Teil 2 einer Krimi-Trilogie konfrontiert die eingeführten Figuren mit einer vor allem bizarren Mordserie. Fieberhaft wird gefahndet, doch mindestens ebenso zeitaufwändig arbeitet man sich durch eine breite Palette privater-zwischenmenschlicher Probleme. Die publizistisch breitbandwirksame Mischung spielt an tatsächlichen Schauplätzen, welche zur Freude der heimischen Tourismusbranche ausführlich ins Bild gesetzt werden: Krimi-Mainstream der turbulent-gefühlsduseligen, aber ideenarmen Art.

Das Ritual des Wassers

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