Der Sprengsatz

Erschienen: Juni 2019

Bibliographische Angaben

Jan Schönherr (Übersetzung)

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Jörg Kijanski
Subtiler Geheimdienstthriller

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Dez 2019

Dezember: Jake Winter, Offizier des britischen Geheimdienstes, beobachtet den von ihm geführtem V-Mann Abu Omar bei einem Einsatz. Am Hauptbahnhof soll ein Attentat simuliert werden, Omar die vermeintliche Bombe in seinem Rucksack zünden, danach der Zugriff auf seine echten Helfer sowie nach Möglichkeit den großen Mann im Hintergrund erfolgen. Doch der Einsatz geht schief, denn die Bombe in Omars Rucksack ist echt. 63 Menschen werden getötet.

März: Ein Untersuchungsausschuss soll für die Hinterbliebenen und Angehörigen der Opfer endlich Klarheit bringen, was damals am Bahnhof schiefgelaufen ist. Winter, als Verantwortlicher für den Attentäter, wird scharf angegriffen. Aber war Omar tatsächlich der Täter oder wurde die Bombe, nachdem der Rucksack in einer öffentlichen Toilette heimlich getauscht wurde, per Fernzündung von einem Dritten ausgelöst?

„Das Risiko geht er im Zweifel sicher ein.“
„Woher weißt du das?“

„Weil wir unsere verdammten Hausaufgaben machen. Wir schauen die Videoaufnahmen der Treffen an. Befragen die betreuenden Beamten. Setzen Psychologen auf die Sache an. Wir lesen Teeblätter, opfern dem Gott der guten Informationen eine Ziege und deuten die Zeichen in den Eingeweiden besonders vorausschauender Eidechsen.“

Was niemand wissen darf: Vier junge Muslime bereiten ein neues Attentat vor, welches dem damaligen Anschlag von der Ausführung stark ähnelt. Dieses Mal soll das Ziel jedoch das Fußballstadion sein, wo in wenigen Tagen ein Spitzenspiel der Champions-League stattfindet. Wie einst Omar ist einer der vermeintlichen Attentäter namens Rashid ein V-Mann des Geheimdienstes. Der ihn führende Offizier: Jake Winter.

Ein großartiges Kammerspiel, das auf Action nahezu gänzlich verzichtet

Nicholas Searle ist mit „Der Sprengsatz“ ein herausragender Thriller gelungen, welcher tiefe Einblicke in die Welt der Geheimdienste sowie der Vorbereitung von IS-Kämpfern auf deren Anschläge gibt. Wer nun aber einen Action-Knüller erwartet, der wird tief enttäuscht sein. Das Gegenteil ist der Fall, denn der Plot spielt zu gefühlten 90 Prozent in geschlossenen Räumen. Beim Geheimdienst, wo sich Jake und seine Partnerin Leila auf den großen Einsatz mit Rashid vorbereiten; im Untersuchungssaal, wo sich ein übereifriger Anwalt auf Jakes Kosten profilieren will; in geheimen Räumen, in denen sich die angehenden Selbstmordattentäter Adnan, Bilal, Abdullah und Rashid treffen und in jenen ebenso geheimen Räumen, in denen ihr „Auftraggeber“ sie instruiert. Auch zwei Gespräche zwischen Jake und der muslimischen Mutter eines der ermordeten Opfer des Bahnhofsanschlags haben es in sich – und werden Jake letztlich zu dem gesuchten Hintermann führen.

„Ihr Beruf ist allerdings die Täuschung. Ihre gesamte Karriere beruht auf ihrer Fähigkeit, Dinge zu verbergen.“
„Das kommt schon mal vor, ja.“

„Täuschen Sie mich auch gerade?“
„Nein. Eigentlich muss ich das auch nur selten. Und dann ist es notwendige Täuschung.“
„Notwendige Täuschung. Ein interessantes Konzept.“

Selbstredend darf die Chefebene im Geheimdienst sowie im politischen Bereich nicht fehlen. Mit unglaublichen Scharaden und Intrigen versucht man die Handlung zu steuern und gleichzeitig jegliche Verantwortung von vornherein anderen zuzuspielen. „Der Sprengsatz“ kommt wie ein tiefgründiges Kammerspiel daher, welches in hohem Maße von Dialogen geprägt wird.

Man kann hier nicht schnell durchlesen, sondern muss die Ränkespiele, die Fragen und Antworten, die sich oft im Ungefähren verlieren, all jene wild geworfenen Nebelkerzen sprachlich genießen. Allein schon, um nicht den Überblick zu verlieren, sofern es denn jemals einen gibt. Spät merkt Jake, dass er selbst die Rolle des Opfers übernehmen soll, denn es steht beim Fußballspiel ein zweites Fiasko wie schon beim Bahnhof zu befürchten. Einer muss politisch schuld sein, einer wie Jake. Doch dieser hat seinen eigenen Plan B in der Tasche.

Fazit:

Ein großartiger Thriller, der überwiegend in geschlossenen Räumen spielt und von Dialogen geprägt ist, die oft mehr zur Verwirrung beitragen als zur Auflösung. Doch wem kann man glauben, wenn schon die eigenen Vorgesetzten nicht mit offenen Karten spielen? Wenn deren politisches Überleben, zudem die eigene Karriere, wichtiger sind als der nächste Terroranschlag? Und kann überhaupt ein Muslim, der im Krieg für den IS an vorderster Front gekämpft und getötet hat, ein zuverlässiger V-Mann sein? Und, nur der Vollständigkeit halber: Welche Rolle spielen eigentlich die Amerikaner?

Der Sprengsatz

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