Er will sie sterben sehen

Erschienen: Juni 2019

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen unter dem Titel „La novia gitana“
- Madrid : Alfaguara 2018. 408 Seiten
- München : Penguin Verlag 2019. Übersetzung: Sybille Martin. ISBN-13: 978-3-328-10416-2.464 Seiten
- München : Random House ebook 2019 [eBook]. Übersetzung: Sybille Martin. ISBN-13: 978-3-6412-3820-9. 2,55 MB [ePUB]

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Michael Drewniok
Den Kopf voller Grillen (bzw. Maden)

Buch-Rezension von Michael Drewniok Dez 2019

Die Familie Macaya ist zwar reich, aber auch vom Pech verfolgt. Schon vor sieben Jahren fiel Tochter Lara einem ebenso bizarren wie grässlichen Mord zum Opfer: Der Täter bohrte ihr Löcher in den Schädel, die er mit den fleischfressenden Maden einer tropischen Fliegenart füllte. Laras Gehirn wurde aufgefressen, während sie Stück für Stück starb.

Der Fall erregte nicht nur in Madrid, sondern auch überregional großes Aufsehen. Das wiederholt und steigert sich, als nun Susana, Laras Schwester, auf die gleiche groteske Weise umgebracht wird. Dabei wurde vor sieben Jahren der Fotograf Miguel Vistas als Mörder überführt und zu einer hohen Haftstrafe verurteilt, die er noch immer abbüßt. Zwar hat Vistas seine Schuld stets geleugnet, aber erst jetzt wird die Ermittlung hinterfragt, wobei sich besorgniserregende Polizeifehler abzeichnen.

Ein Ermittlungsteam des BAC, einer spanischen Sondereinheit der Polizei, übernimmt den auch politisch heiklen Fall: Hat man damals einen Unschuldigen hinter Gitter gebracht sowie dem eigentlichen Mörder eine neue Bluttat ermöglicht? Inspectora Elena Blanco leitet ein Team ausgewiesener Spezialisten. Sie gilt als erfolgreiche, aber exzentrische Polizistin, die nie das Verschwinden ihres Sohnes überwunden hat, der vor acht Jahren entführt wurde.

Zum Team stößt der Neuling Ángel Zárata, der gern in die BAC berufen werden möchte. Wer hat die Schwestern umgebracht? Die Art des Verbrechens spricht gegen zwei ‚unabhängige‘ Verbrechen. Susana führte ein unauffälliges Leben, doch es gibt Brüche: Ihre anstehende Heirat war ein Bluff; und Susana musste eine lesbische Beziehung vor Vater Moisés verheimlichen, der nicht nur überaus streng, sondern auch kriminell ist. Die Wahrheit ist allerdings so bizarr, dass der wahre Täter seinen detaillierten Mordplan nicht nur vorantreiben, sondern auch die lästige Inspectora in eine Falle locken kann, während ihre Kollegen ratlos im Dunkeln tappen …

Das Geheimnis hinter dem Geheimnis

Es ist nie ein gutes Zeichen, wenn aus dem Verfasser ein größeres Geheimnis gemacht wird als aus dem Täter, der eigentlich möglichst spannend sein Unwesen treiben sollte. Vor allem die spanischen Medien konzentrieren sich auf „Carmen Mola“, die (oder der?) ein Geheimnis aus ihrem (oder seinem?) Realnamen macht. Zumindest jene Leser, die sich auf einen Kriminalroman gefreut haben, können „Carmen Mola“ zu ihrem/seinen Entschluss nur beglückwünschen: Man sollte in der Deckung bleiben, wenn man sich einerseits so großspurig vermarkten lässt, aber andererseits so wenig zu bieten hat.

„Er will sie sterben sehen“ ist ein Retorten-Thriller, der aus den aktuell dafür typischen Bausteinen zusammengewürfelt wurde. Die primäre Denkarbeit scheint in die Suche nach einer noch unbekannten, scheußlichen und damit publicitytauglichen Mord-Methode geflossen zu sein. Über deren faktische Umsetzung sollte man sich lieber keine Gedanken machen, da man dem möglichen Lektürevergnügen auf diese Weise einen seiner höchstens zwei Pfeiler rauben würde.

„Mola“ ist kein Trick zu billig. Die Schilderung der Ermittlung fesselt vor allem aufgrund ihrer offensiven Vermeidung systematischer Nachforschungen. Stets im Vordergrund steht das Spektakel. Geistesblitze zucken, und überraschende Wendungen schießen wie Pilze aus dem Boden, wobei die Plausibilität schamerfüllt in den Hintergrund tritt. Lange funktioniert dies sogar, denn das Tempo ist hoch und überwindet manche Logiklücke. Doch in der Auflösung muss die Autorin/der Autor Farbe bekennen - und prompt bricht der Handlungsbogen zusammen.

Inspectora Blancos finaler Alleingang wird schmerzhaft plump ‚begründet‘ und straft die Vorgeschichte Lügen. Dem folgt ein Epilog der besonders groben Art, der schon die Fortsetzung vorbereitet: Erica Blanco wird in Serie ermitteln, sollte „Er will sie sterben sehen“ sich auflagenstark bewähren. Der Erfolg soll buchstäblich herbeigezwungen werden - eine Welle, die bricht, bevor sie die gesamte Leserschaft planmäßig überrollen kann.

Grauen - Tragik - Fußpilz

„Er will sie sterben sehen“ ist ein kühl kalkulierter Bestseller. „Mola“ kümmert es nicht, dass ihre/seine Tricks als solche offensichtlich sind. Sie/er spekuliert - wohl nicht grundlos - auf ein Publikum, das entweder dieses Vorgehen noch nicht erkennt oder es akzeptiert, weil es sich unterhalten fühlt und ihm glückgültig ist, dass es dreist manipuliert und mit Klischees abgespeist wird. Insofern hat dieser Roman seine Mission erfüllt.

Relevanz bleibt ausschließlich Behauptung. Weniger ausführlich als geschwätzig werden falsche Fährten gelegt. Hinter den beiden Maden-Morden steckt ein armes Würstchen mit Dachschaden, das nichtsdestotrotz einen Masterplan ausheckt, der sich im zweiten Drittel der Handlung auf eher wundersame Weise erfüllt. Die verbleibenden Seiten füllt ein Action-Finale, das endlich, aber unfreiwillig bzw. auf ungeplante Weise realisiert, was uns Lesern versprochen wurde: Jetzt wird’s wirklich schaurig - oder peinlich; es kommt auf die Sichtweise an.

Um für die Serien-Zukunft vorzusorgen, legt „Mora“ ein Primitiv-Biotop „Hostel“-typischer Grausamkeiten an: Irgendwo, irgendwie munkelt eine Rotte vertierter Strolche herum, die sich ihren Lebensunterhalt durch „Snuff“-Filme oder/und Kinderschändungen verdient. Auf abenteuerliche Weise wird die Inspectora in diese Düsterwelt verschlagen, die uns in Band 2 entweder begleiten oder primär beschäftigen wird: Ist es altmodisch darüber zu klagen, dass man die Fortsetzung voraussagen kann, bevor sie geschrieben wurde?

Fazit:

Moderner Instant-Thriller, zugeschnitten auf die Abverkaufs-Tische moderner Buchhandelsketten, d. h. den größten gemeinsamen Leser-Nenner anvisierend und dafür vordergründigen Grusel mit bewährten Mainstream-Stereotypen mischend. Die Fortsetzung wird im Absurd-Epilog quasi herbeigezwungen, während der eigentliche Plot längst aufgelöst ist, aber noch durch ein spannungsloses Action-Finale ‚gekrönt‘ wird.

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