Das Dorf der toten Seelen

Erschienen: April 2020

Bibliographische Angaben

Nina Hoyer (Übersetzung)

Couch-Wertung:

45°

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
 50° 100°

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

8 x 91°-100°
8 x 81°-90°
4 x 71°-80°
3 x 61°-70°
1 x 51°-60°
2 x 41°-50°
1 x 31°-40°
3 x 21°-30°
2 x 11°-20°
4 x 1°-10°
B:63.388888888889
V:36
W:{"1":2,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":1,"9":0,"10":1,"11":0,"12":1,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":1,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":1,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":1,"29":1,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":1,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":1,"46":1,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":1,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":2,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":1,"71":0,"72":1,"73":0,"74":1,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":2,"81":1,"82":1,"83":0,"84":1,"85":1,"86":0,"87":0,"88":1,"89":0,"90":3,"91":1,"92":1,"93":0,"94":0,"95":2,"96":0,"97":1,"98":0,"99":1,"100":2}
Carola Krauße-Reim
Das einzig Gruselige war die 60 Jahre alte Fischkonserve

Buch-Rezension von Carola Krauße-Reim Jun 2020

Die Schwedin Camilla Sten legt mit „Das Dorf der toten Seelen“ ihr Thriller-Debüt vor. Per definitionem sollte bei einem Thriller die Spannung nicht nur in einzelnen Szenen vorhanden sein, sondern die gesamte Handlung beherrschen. Das ist hier wirklich nicht der Fall.

Ein verlassenes Städtchen dient als Kulisse

Silvertjärn war eine kleine Stadt im schwedischen Nirgendwo, die durch Bergbau florierte und zweifelhaften Ruf erlangte, als 1959 sämtliche Bewohner auf ungeklärte Weise verschwanden. Lediglich ein Säugling und eine, auf grausame Weise zu Tode gekommene, Frau wurden gefunden. 60 Jahre später macht sich ein Trupp junger Filmschaffender auf, um einen Dokumentarfilm rund um diese Vorkommnisse zu drehen. Ein seit so langer Zeit verlassener Ort sollte allein schon eine dramatische Kulisse für einen Film bilden, mit einer solchen Geschichte im Hintergrund erst recht.

Doch was dann kommt, erstaunt den wachsamen Leser schon enorm. Es stehen noch Tassen auf den Tischen, die Haustüren sind nur angelehnt, Wäsche hängt auf der Leine… Anscheinend ist seit 60 Jahren niemand in die Stadt gekommen, nicht einmal Neugierige, die es doch gegeben haben müsste, keine Andenkenjäger, Plünderer oder auch nur ein Sturm, der die Wäsche weggerissen hätte. Sogar Fischkonserven finden sich in einem Küchenschrank – und zwar nicht kugelrund aufgequollen, sondern wie neu und scheinbar auch noch essbar, denn sie rufen nach gierigem Verzehr nicht die geringsten Magenprobleme hervor.

Da krankt der Plot doch sehr an Glaubwürdigkeit. Auch der Verbleib der ganzen Gemeinde, immerhin rund 900 Personen, scheint nur geringfügig untersucht worden zu sein. Keiner hat im Bergwerk nach ihnen geforscht oder im nahegelegenen See getaucht. Ging ja auch nicht – hätte doch dann nicht zum Geschehen 2019 gepasst. Oh Logik, wo bist du hin? So eine Geschichte zu lesen tut regelrecht weh - und Spannung kommt keine auf.

Spannung verspricht nur der Klappentext

Der Klappentext sollte ein Appetizer sein und den potentiellen Leser neugierig auf das Buch machen. Das ist hier gelungen, spricht er doch von „seltsamen Dingen“, die dem Filmteam passieren, einem Toten und er stellt die Frage „werden sie diesen grausamen Ort lebend verlassen?“. Doch sobald man die Lektüre beginnt, ist der Dampf schon raus. Bis ungefähr zur Hälfte des Buches passiert so gut wie nichts Aufregendes. Ständige Wiederholungen, zu lange Beschreibung von Nebensächlichkeiten und Erwähnung von Lappalien schleppen die Geschichte dahin. Als dann endlich jemand verschwindet, weiß der Leser eigentlich schon, was dahinter steckt und kann alle anderen Bemühungen, doch noch Spannung zu erzeugen (die x-te morsche Treppe ruft nur noch ein Gähnen hervor) nur als langweilig empfinden.

Was man nach über 370 Seiten als Lösung verkraften muss, ist genauso unglaubwürdig, wie der Zustand des Ortes. Ich will nicht zu viel verraten, aber das in diesem Umfang und nach 60 Jahren ist nun wirklich unrealistisch, passt aber vom Logik-Niveau zum Rest des Buches. Das Potential der Thematik wurde bei Weitem nicht ausgeschöpft und die fehlende Plausibilität katapultiert den Leser jedes Mal kopfschüttelnd aus der Geschichte zurück in die Realität. Leider ist dazu noch dem Verlag im Klappentext ein Fehler unterlaufen: Alice hat nicht gerade erst die Filmhochschule abgeschlossen, sondern schon vor einigen Jahren, was für den Verlauf des Thrillers nicht ganz unerheblich ist.

Alice hat mehr als ein Problem

Alice erzählt das Geschehen während der Exkursion aus der Ich-Perspektive. Sie ist ganz besessen von Silvertjärn. Ihre Oma lebte hier bis kurz vor der Tragödie und hat sie mit Briefen und Erzählungen über ihre verschwundene Verwandtschaft neugierig gemacht. Doch, wie schon erwähnt, Alices Budget für die Sondierung ist knapp, das Vorhaben muss gelingen um mehr Geld zu generieren. Dazu kommen die Probleme mit Mitarbeiterin Emmy. Die beiden kennen sich noch aus dem Studium, waren beste Freundinnen, doch dann ist etwas passiert, dass sie zu Feindinnen werden ließ. Erst jetzt, Jahre später, in denen Alice weit weniger erfolgreich war als Emmy, haben sie wieder Kontakt. Alice könnte einen vielschichtigen Charakter abgeben, doch herausgekommen ist eine egoistische Person ohne Tiefgang, deren ganzes Dasein sich um Silvertjärn dreht.

Auch die anderen Teilnehmer der Exkursion sind weder sympathisch oder mehr als oberflächlich charakterisiert. Die Verknüpfungen und Verwicklungen untereinander offenbaren sich erst im Laufe der Geschichte, hauen dann aber keinen mehr vom Hocker, weil vorher keine Bindung an den Leser statt gefunden hat. Lediglich Elsa, Alices Urgroßmutter schafft es Interesse beim Leser zu wecken. Von ihr erfährt der Leser, in einem immer wieder eingebauten Handlungsstrang, was 1956 passiert ist.

Mit ihrer Person und ihren Erlebnissen lässt sie das Leben in Silvertjärn lebendig werden: Die einkehrende Armut, als die Mine schließt; der charismatische neue Pastor, der die Menschen zu verhexen scheint; die abschließende Katastrophe, die nur einen schreienden Säugling verschont. Mit den anderen Personen hat die Autorin Potential verschenkt, indem sie es versäumt hat Charaktere zu schaffen, die den Leser ansprechen, ihn in die Geschichte saugen und ihn mitfiebern lassen, wenn es schwierig wird in Silvertjärn.

Fazit:

„Das Dorf der toten Seelen“ hat viel versprochen, doch wenig gehalten. Keine Spannung, kein Grusel, keine Gänsehaut. Dafür fehlende Logik, Plausibilität und Realität. Es ist einfach ein durchschnittlicher Roman, der mit seinem anspruchslosen Stil und simplen Dialogen keinen eingefleischten Thriller-Fan umhauen dürfte.

Das Dorf der toten Seelen

Das Dorf der toten Seelen

Deine Meinung zu »Das Dorf der toten Seelen«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
27.07.2020 15:18:31
Michael

Das erste Drittel des Buches wartete ich darauf, dass sich die erhoffte Spannung aufbaute, beim zweiten Drittel wurde ich zunehmend gelangweilt und das letzte Drittel habe anfangs nur diagonal gelesen und das Buch schließlich deutlich vor dem Ende zugeklappt ohne jegliches Interesse, wie sein Ausgang ist. Das Buch ist kein Krimi, die Autorin versucht erfolglos, Spannung aufzubauen und verliert sich dabei zu sehr in irgendwelche Beschreibungen etc. Zum mageren Inhalt ist schon genug geschrieben worden, ich beschränke mich daher auf wenige Worte meiner Würdigung. Ich hatte mir von dem Plot viel mehr versprochen, er hebt sich deutlich von üblichen Krimistoffen ab. Aber die Autorin konnte meiner Erwartung nicht ansatzweise entsprechen. Mit einer 30-Prozent-Wertung kommt das Buch eigentlich noch zu gut weg.

26.07.2020 09:23:46
Darts

Leider hatte ich mir von diesem Thriller mehr erwartet. Der Klappentext klang vielversprechend und da ich die Krimireihe von Viveca Sten, an der Camilla Sten ja mitgearbeitet hat, sehr gerne lese, hatte ich mich auf dieses Buch gefreut. Nur des guten Schreibstils wegen, habe ich bis zum Ende durchgehalten.
Das Buch wechselt ständig zwischen den beiden Erzählsträngen, welche einmal in der heutigen Zeit mit Alice und andererseits 60 Jahre früher, als Alices Urgroßmutter und Großtante in diesem Dorf Silvertjärn lebten, spielen. Damals ein abgelegenes Bergbaudorf, heute ein sehr weit abgelegenes Geisterdorf ohne Zufahrtsstrassen, Zugverbindung und Handyempfang. Damals verschwanden alle Einwohner spurlos. Was war geschehen?
Kann Alice das herausfinden, zumindest möchte sie einen Dokumentarfilm darüber drehen.
Sie und vier weitere junge Leute reisen in drei Autos und Filmausrüstung an. Leider dauert es schon über 100 Seiten, bis die Verhältnisse untereinander und Gründe, warum sie überhaupt dabei sind, einigermaßen klar sind.
Die düstere, dunkle Atmosphäre, die sich durch das ganze Buch zieht, ist zwar oft typisch für skandinavische Krimis und Thriller, aber ich habe davon mittlerweile genug gelesen und meide sie eigentlich.
Außerdem bin ich von der Handlung enttäuscht, das Thema hätte bestimmt mehr hergegeben. Richtige Spannung kam nicht auf, alles wurde immer düsterer und irgendwann war auch klar, in welche Richtung das Ende lief.
Es war für mich leider kein Lesevergnügen.

27.06.2020 20:49:37
gerlisch

Inhalt:

Alice Lindstedt plant eine Dokumentation über das ausgestorbene Dorf Silvertjärn. Was ist hier vor 60 Jahren passiert. Alle Bewohner verschwanden plötzlich spurlos. Kaum ist Alice mit ihrem Team in dem Dorf angekommen, passieren seltsame Dinge. Ihre Handys haben keine Empfang und aus den mitgebrachten Walkie Talkies ertönen seltsame Geräusche. Bald darauf ist der erste von ihnen tot. Sind sie nicht allein in Silvertjärn?

Meinung:

Dies ist das erste Buch der skandinavischen Autorin Camilla Sten. Die Story ist in zwei Handlungssträngen aufgebaut. Zum Einen das Geschehen von vor 60 Jahren und zum Anderen die Gegenwart, erzählt aus der Sicht von Alice als Ich-Erzähler.

Die Story braucht etwas Zeit um in Gang zu kommen, die Charaktere der Protagonisten werden gut beschrieben. Hervorhebenswert finde ich die Art und Weise wie die Autorin eine tolle mystische und unheimliche Atmosphäre erschafft.

Allerdings war es an manchen Stellen der Geschichte etwas unglaubwürdig. Meiner Meinung nach hätte das Ende noch etwas dramatischer ausfallen können.

Fazit:

Im Großen und Ganzen durchaus ein guter Thriller, der viel Potenzial für weitere Werke verspricht.

20.06.2020 15:09:04
mrs rabes bookaccount

Silvertjärn war ein kleiner abgelegener Grubenort im schwedischen Norrland. Nur eine Straße durch den Wald und eine wenig frequentierte Bahnlinie ließ diese Stadt erreichen. Die Leute dort waren eine kleine, gottesfürchtige Gemeinschaft, abhängig vom Grubenstandort, jeder kannte jeden. Doch vor 60 Jahren geschah dort Unerklärliches. Alle Bewohner des Ortes verschwanden spurlos, zurück blieb nur eine geschändete Tote und ein Neugeborenes.
Diese Geschichte soll die junge Filmschaffende Alice Lindstedt beruflichen Erfolg bringen. Mit einer kleinen Crew begibt sie sich an den geheimnisvollen Ort, um eine Dokumentation zu drehen. Doch Alice hat auch ganz persönliches Interesse an dem Ort. Denn Alices Großmutter hat kurz vor den tragischen Ereignissen ihren Geburtsort Silvertjärn verlassen.
„Das Dorf der toten Seelen“ ist der Debütroman von Camilla Sten, der Tochter der schwedischen Bestseller-Autorin Viveca Sten. Der Plot dieses Mystery-Thrillers hat alle Anlagen für einen spannenden Roman mit Gänsehautfaktor. Aber leider ist die Geschichte derart an den Haaren herbeigezogen, sehr wackelig konstruiert und unglaubwürdig.
„Das Dorf der toten Seelen soll meine Fahrkarte in ein anderes Leben sein.“ Dieser Zug scheint allerdings abgefahren.
Schon allein Alices Sorgen um den Geldgeber für ihre Dokumentation, in Zeiten wo True Crime, Lost Places und Mystery Crime nur so boomen, sind nahezu unverständlich. Das Team inklusive der Leiterin ist absolut unvorbereitet für diese Projekt, stapfen unmotiviert von Schauplatz zu Schauplatz und erschrecken vor ihren eigenen Schatten. Hinweise auf das vor 60 Jahren begangene Verbrechen an Gitta liegen so vor ihrer Nase. So ist es absolut unbegreiflich, dass die damaligen Ermittler diese nicht gefunden haben. Die Auflösung des ganzen Rätsel ist letztlich einzig ein haarsträubender Unsinn.
Der bekannte Name der Mutter der Autorin verleitet, auch von der Tochter gewohnt Solides zu erwarten. Hier wurde ich leider enttäuscht. Der jungen Autorin muss man zu Gute halten, dass sie einen flotten Schreibstil beherrscht. So ist man wenigstens schnell durch mit diesem Ärgernis.

05.06.2020 16:07:34
hoonili

Alice möchte ihre erste Dokumentation über Silvertjän drehen, ein Geisterort. Denn dort passierte vor 60 Jahren etwas Unheimliches und alle Bewohner verschwanden. Bei ihren Recherchen trifft sie auf Erschreckendes und begibtsich selbst in Gefahr.

Die Handlung spielt in zwei Zeitebenen und zieht dadurch einen sehr hohen Spannungsbogen durch das ganze Buch. Die Autorin zieht den Leser gekonnt in den Bann dieser Geschichte.

Durchweg wird man mitgenommen und rätselt immer wieder über die Zusammenhänge. Dazu sind die Personen authentisch beschrieben und stets hat man das Gefühl dabei zu sein. Besonders gut hat auch das regnerische Wetter gepasst, was alles sehr mysthisch macht.
Die Auflösung war schlüssig und tragisch. Und vor allem nicht vorhersehbar.

Ein Thriller, der mich sehr begeistert hat!

27.05.2020 19:26:26
books4ever

Spannung und Gänsehaut pur trotz kleiner Schwächen

In ihrem Debüt „Das Dorf der toten Seelen“ nimmt die Autorin Camilla Sten den Leser mit an einen schaurigen und doch auf unheimliche Weise anziehenden Ort namens Silvertjärn. In diesem einsamen Grubenort im schwedischen Norrland fernab von jeglicher Zivilisation verschwanden vor 60 Jahren über Nacht sämtliche Dorfbewohner spurlos. Niemand fand heraus, was damals geschehen ist. Doch nun soll das Geisterdorf Schauplatz eines Dokumentarfilms werden, den die junge Filmstudentin Alice Lindstedt gemeinsam mit ihrem Team drehen möchte. Kaum sind sie jedoch in Silvertjärn angekommen, geschehen unheimliche Dinge. Ist der Ort doch nicht so verlassen, wie es scheint?

Die Handlung spielt auf zwei Zeitebenen „Damals“ und „Heute“. Einerseits wird die Geschichte von Alice’ Urgroßmutter Elsa erzählt, welche zur Zeit des Verschwindens der Dorfbewohner in Silvertjärn gewohnt und daher die Geschehnisse im Dorf miterlebt hat. Auf der anderen Seite stehen Alice und ihr Filmteam, welche im Rahmen eines Crowdfunding-Projekts eine Dokumentation über den Ort drehen wollen. Dieser Film liegt insbesondere Alice sehr am Herzen, da sie durch ihre Großmutter, welche Silvertjärn kurz vor dem Verschwinden verlassen hat, viel über den Ort erfahren hat und nun nach all den Jahren endlich Licht ins Dunkel der Ereignisse bringen möchte.
Die treibenden Charaktere dieser Geschichte sind eindeutig Alice und ihre Urgroßmutter Elsa. Über sie erfährt der Leser sehr viel und ich konnte mich gut in die beiden hineinversetzen. Die anderen vier Mitglieder des Filmteams sowie die restlichen Bewohner von Silvertjärn bleiben hingegen leider etwas blass. Über die meisten Charaktere erfährt man - bis auf einzelne Ausnahmen - nur am Rande etwas und so bleiben ihre Gedanken und Motive überwiegend im Dunkeln.

Die schaurige Geschichte rund um den verlassenen Grubenort hat mich vom Prolog an gefesselt und bis zum Ende nicht mehr losgelassen. Stellenweise bin ich nur so über die Seiten geflogen, da ich unbedingt wissen wollte, wie die Geschichte weitergeht und wer hinter den mysteriösen Geschehnissen steckt. Die unheimliche Atmosphäre des verfallenen Dorfes mit seinen verlassenen Häusern, welche nach all der Zeit noch voller persönlicher Gegenstände der ehemaligen Bewohner sind, wird so detailliert und greifbar beschrieben, dass ich stets das Gefühl hatte, gemeinsam mit Alice und den anderen die Orte zu erkunden und nach Hinweisen zu suchen. Als dann auch noch merkwürdige Geräusche aus den Walkie-Talkies kommen und sich beängstigende Vorkommnisse häufen, steigt die Spannungskurve noch einmal an. An einigen Stellen habe ich mich dann auch wirklich gegruselt.

Insgesamt konnte mich das Debüt von Camilla Sten bis auf wenige Ausnahmen überzeugen. Einige Charaktere hätten noch etwas besser ausgearbeitet sein können und auch bei der Auflösung am Ende bleiben kleinere Logiklücken. Da dies mein Lesevergnügen jedoch nicht wesentlich geschmälert hat, vergebe ich schließlich 90°! Ich freue mich schon darauf, mehr von der Autorin zu lesen.

24.05.2020 18:14:56
Büchermaulwurf

Typisch skandinavischer Thriller mit Gänsehautgarantie
Alice Linstedt plant einen Dokumentarfilm über die ehemalige Bergarbeitersiedlung Silvertjärn, Schwedens einige Geisterstadt, zu drehen. In 1959 verschwanden hier alle 900 Einwohner unter bis heute ungeklärten Umständen von einem Tag auf den anderen, nur ein Säugling wurde gefunden. Alice hat einen biografischen Bezug zu Silvertjärn, denn ihre Großmutter ist dort aufgewachsen und kurz vor dem Verschwinden der Bewohner fortgezogen. Nun kommt sie mit ihrem vierköpfigen Team zu Probeaufnahmen in den verfallenen Ort, in der Hoffnung herauszufinden, was damals geschehen ist.
Doch kurz nach der Ankunft geschehen unheimlichen Dinge, die ihnen das Gefühl geben, nicht allein in dem verlassenen Ort zu sein. Ihre Handys haben hier keinen Empfang und so sind sie von der Außenwelt abgeschnitten, als ein Teammitglied spurlos verschwindet und ein anderes ermordet wird. Werden sie den Ort je wieder lebend verlassen?

Nach der Leseprobe hatte ich hohe Erwartungen, die nicht enttäuscht wurden. Ich war von Anfang an gefesselt von der Geschichte. Der Schreibstil von Camilla Sten war für einen Erstling sehr fesselnd und angenehm zu lesen, so dass ich das Buch kaum zur Seite legen wollte. Sie erzählt sie Handlung auf zwei Zeitebenen, die sich abwechseln - heute und damals (1959), die sie sehr geschickt miteinander verwoben hat.

In der Gegenwart folgen wir Alice und ihrem Team bei ihrer Erkundung des verlassenen Dorfs und haben durch die Ich-Pespektive das Gefühl hautnah dabei zu sein. Die unheimlichen Dinge, die passieren, sorgten bei mir für so manche Gänsehaut, ebenso wie die düstere Atmosphäre des verfallenen Dorfes. Außer Alice hat auch ihre psychisch angeschlagene Freundin Tone einen biografischen Bezug zum Dorf, denn ihre Mutter war der überlebende Säugling von damals. Als sie plötzlich verschwindet, beginnt die Situation zu eskalieren. Es war sehr spannend zu verfolgen, wie sich aus dem anfangs harmlosen Filmprojekt ein Kampf ums Überleben entwickelte.

Der andere Erzählstrang schildert die Geschehnisse in 1959 aus der Sicht von Alices Urgroßmutter Elsa und durch Briefe von ihrer Tochter Aina, die diese an ihre Schwester (Alice Großmutter) schrieb. So erfährt man häppchenweise was damals wirklich geschah. Die meisten Sympathien hatte ich für Elsa, die für ihre Zeit eine sehr starke Frau war, hilfsbereit und stets mit einem offenen Ohr für die Probleme der anderen Dorfbewohner. Sie kümmert sich rührend um eine Außenseiterin im Dorf, selbst gegen die Widerstände der Dorfbewohner und des neuen Pfarrers. Diese Rückblenden fand ich besonders fesselnd.
Die Auflösung war für mich überraschend, schlüssig und nachvollziehbar, auch wenn nicht alles erklärt wurde.

Camilla Sten ist ein spannender und düsterer Thriller mit leichten Horrorelementen ganz in der skandinavischen Tradition gelungen. Mir hat er sehr gut gefallen und ich freue mich schon auf weitere Bücher von ihr.

10.05.2020 13:25:25
Gaby K.

Spannend bis zur letzten Seite! Obowhl die Story eingangs - zumindest ansatzweise - an das Blair Witch Project erinnert , kippt man spätestens in dem Moment voll hinein, als die ersten Ungereimtheiten auftauchen. Die Vergangenheit ist ebenso präsent wie die Verbindung einiger der Protagonisten in die Geschehnisse damals. Seltsame Dinge geschehen und die Gruppe versucht, diese mit "normalem Hausverstand" zu erklären. Und doch breitet sich zunehmend Misstrauen aus ..... Die Stroy wird zusehends dichter, bedrückender, gruseliger und es gelingt dem Leser nicht, das Buch aus der Hand zu legen, bevor nicht Gestern & Heute restlos aufgeklärt sind. Mag das Ende auch etwas konstruiert wirken, der Weg dorthin ist es auf jd. Fall wert, gelesen zu werden!

28.04.2020 17:18:48
SaintGermain

Alice Lindstedt begibt sich nach Silvertjärn, einem schwedischen Dorf in dem bis auf einen Säugling und eine Leiche alle Menschen spurlos verschwunden sind. Dort ist auch ihre Großmutter geboren und sie möchte das Rätsel in einem Dokumentarfilm lösen. Mit wenig Budget, und 5 Tagen Zeit begibt sie sich mit 3 anderen auf die Suche.

Das Cover ist düster und passt auch zum Buch. Wirklich aufregend ist es aber nicht.

Das Buch beginnt nach einem spannendem Prolog sehr langsam; man wird in die Personen und den Ort gut eingeführt. Allerdings passiert die ersten 150 Seiten (also etwa bis zur Hälfte des Buches) nicht wirklich viel und hat bis hierhin das Genre "Thriller" nicht irgendwie verdient.

Danach geht es aber mit erhöhter Spannung weiter, allerdings zeigen sich kaum nennenswerte Überraschungen.

Gut gemacht finde ich, dass das Buch in 2 Zeitsträngen geschrieben ist - Damals und Heute. Zu Beginn des Buches war das "Damals" definitiv die spannendere Handlung.

Ebenfalls gut gemacht ist die Erzählperspektive aus Sicht von Alice - also in der Ich-Form; genauso wie die düstere Atmosphäre, die gerne in Skandinavien-Thrillern herrscht.

Manches war mir einfach zu detailreich (obwohl ich Details normalerweise mag); diese wurden dann auch unnötigerweise noch wiederholt.

An vielen Stellen erinnerte mich das Buch irgendwie an einen Abklatsch von "Blair Witch Project".

Fazit: Zu viele detaillierte Beschreibungen, die auch gerne wiederholt werden, nehmen viel der Spannung. 3,5 von 5 Sternen

24.04.2020 12:47:29
Oberchaot

Alice reist nach Nordschweden in das Geisterdorf Silvertjärn. Vor sechzig Jahren verschwand die gesamte Dorfbevölkerung. Der Grund wurde nie herausgefunden. Alice hat an der Filmhochschule studiert und möchte nun eine Dokumentation darüber machen. Mit ein Grund ist, dass die Grossmutter von Alice kurz vor dem Verschwinden aller Bewohner das Dorf verliess. Sie erhofft sich Antworten zu finden. Doch als das Team ankommt, geschehen unheimliche Dinge. Dass aus dem Walkie-Talkie ein schauderhaftes Lachen einer unbekannten Person erklingt, ist noch eine Kleinigkeit, denn bald schon stirbt jemand aus dem Team.
Ich finde das Thema, eine Geisterstadt oder -dorf zu besuchen, sehr spannend und faszinierend. Die Autorin erzählt auch ausführlich darüber, den Verfall, das zieht einem in den Bann. Immer wieder finden sich Kapitel, die aus der Zeit vor dem Verschwinden berichtet. Und auch diese sind eindrücklich und mitreissend. Mir hat das Debüt von Camilla Sten gepackt, ich habe das Buch innerhalb kürzester Zeit verschlungen.

20.04.2020 15:04:19
malin19

Pageturner mit kleinen Schwächen
Silvertjärn - ein von der Welt vergessenes Dorf.Doch geschah gerade dort in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts etwas sehr Merkwürdiges . Fast tausend Menschen verschwanden scheinbar spurlos , nach einer brutalen Tötung , und nur ein Baby wurde unversehrt aufgefunden. Alice, die von einer der Familien aus Silverjärn abstammt, sieht ihre große Chance und will mit einem vierköpfigen Team eine Dokumentation über den rätselhaften Fall drehen. 
Ich konnte sehr gut in die Story einsteigen, der Schreibstil ist sehr flüssig und angenehm . Ein Wechsel zwischen den Geschehnissen um Alice und ihre Crew und den Berichten von Alices Urgroßmutter geben der Geschichte eine zusätzliche Abwechslung. Die Kapitel sind recht kurz und enden oft mit einem Cliffhanger .Die meiste Zeit konnte mich" Das Dorf der toten Seelen" positiv überzeugen , die gruseligen Szenen werden erst behutsam in die Geschichte eingebaut und wirken spannend Die Charaktere handeln überzeugend und realitätsnah.Doch etwa in der zweiten Hälfte erinnert mich die Story an Blair Witch Project, was nicht unbedingt schlecht sein muss. Aber es gab einige Situationen , die langatmig aufgebaut wurden, um sie Kapitel später als Nebensache zu behandeln.Auch entgleitet hier die Story für meinen Geschmack ein wenig , die Protagonisten benehmen sich eher wie Teenager und nicht wie Erwachsene um die dreißig. Ein Pageturner mit kleinen Schwächen , aber absolut lesenswert.

19.04.2020 10:59:02
leseratte1310

In dem kleinen abgelegenen Ort Silvertjärn verschwanden 1959 von einem Tag zum anderen die Bewohner. Übrig blieben nur eine Leiche und ein schreiendes Baby. Nun 60 Jahre später will Alice Lindstedt, die gerade ihren Abschluss an der Filmhochschule gemacht und deren Großmutter einst in Silvertjärn gelabt hat, eine Dokumentation drehen über diesen Ort. Sie möchte herausfinden, was damals geschehen ist. Doch kaum sind sie dort, passieren seltsame Dinge und dann gibt es einen Toten.
Dieser Thriller ist das Debüt von Camilla Sten, der Tochter der Bestsellerautorin Viveca Sten.
Der Schreibstil lässt sich gut und flüssig lesen, allerdings ist mir vieles auch zu detailliert beschrieben. Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen. Die Vergangenheit erleben wir aus der Sicht von Alices Urgroßmutter Elsa.
Die Charaktere sind gut und lebendig gezeichnet, auch wenn mir kaum jemand sympathisch war. Alice hat in ihrem Team frühere und jetzige Freunde. Doch was da in dem abgelegenen Grubenort geschieht, sorgt für Probleme, denn niemand weiß, wem er trauen kann. Aber auch in der Vergangenheit gab es Probleme in der Dorfgemeinschaft und die Situation eskaliert.
Es ist ein spannender Thriller mit einer düsteren und recht gruseligen Atmosphäre. Die Auflösung der beiden Handlungsstränge hätte ich so nicht erwartet, trotzdem bin ich nicht so ganz überzeugt vom Ende.

17.04.2020 16:03:44
Steffi

Packend und mitreißend!

Ich weiß nicht wann ich das letzte Mal so ein spannendes, packendes und mitreißendes Buch gelesen habe. Eigentlich gehören Thriller sonst nicht zu meiner Standardlektüre, aber dieses Buch hat mich von den ersten Zeilen an so gefesselt, dass ich es nicht mehr aus der Hand legen konnte und binnen weniger Tage durchgelesen habe. Schon allein der Titel und das Cover, in Verbindung mit der Beschreibung im Paperback haben mich extrem angesprochen. Die ganze Story war wirklich wahnsinnig interessant und spannend. Im August 1959 verschwanden in der nordschwedischen abgelegenen Bergarbeitersiedlung Silvertjärn von einem Tag auf den anderen alle 900 Bewohner spurlos.
Das Buch beginnt mit einem Rückblick zum Anfang der Geschichte, als sich 2 Polizisten auf den Weg nach Silvertjärn machen. Dort angekommen bietet sich ihnen ein abscheuliches Bild. An einem Schandpfahl hängt eine Leiche. In dem Ort ist niemand zu sehen, nichts zu hören – Totenstille. Nur das Schreien eines Säugling aus einem der umliegenden Gebäude durchdringt die Stille...
60 Jahre später plant die Absolventin der Filmhochschule Stockholm
Alice Lindstedt einen Dokumentarfilm darüber zu drehen: über den Ort, die "einzige Geisterstadt Schwedens" und die Ereignisse von damals. Sie hat einen persönlichen Bezug zu dem Ort: ihre Großmutter stammt auch aus diesem Ort, ist jedoch schon lange vorher weg gezogen. Zusammen mit ihrem Team macht sie sich auf den Weg in den abgelegenen, von der Außenwelt abgeschnittenen Ort. Schon kurz nach der Ankunft geschehen merkwürdige Dinge: das Funknetz bricht zusammen sowie seltsame Stimmen und Geräusche aus den Walkie-Talkies sind zu hören. Immer wieder werden Gestalten von einzelnen Crew-Mitgliedern wahrgenommen, wobei nicht sicher ist ob es sich dabei um reale Personen handelt oder Visionen aus der Phantasie der Beteiligten. Die Spannung wird noch gesteigert als plötzlich eines der Crew-Mitglieder verschwindet. Spätestens ab diesem Zeitpunkt lässt einen das Buch nicht mehr los!
Die sehr detaillierten Beschreibungen im Buch lassen den Leser förmlich mit eintauchen in die Geschichte, so dass man eine gute Vorstellung davon bekommt, wie es in Silvertjärn aussehen könnte. Auch die handelnden Personen werden sehr detailreich beschrieben, so dass man sie förmlich „vor Augen hat“. Immer im Wechsel von DAMALS und HEUTE offenbart sich dem Leser die ganze Handlung und auch die Bedeutung der handelnden Personen. Einigen davon kommt eine bedeutende Schlüsselrolle zu.
Ich persönlich kann mir gut vorstellen, dass man diese Geschichte auch gut in einem spannenden Spielfilm verarbeiten kann.
Ich kann dieses Buch nur jedem empfehlen, der spannende und fesselnde Geschichten mag, die einen Hang zur Mystik und Paranormalität haben.

Echte Täter,
wahre Ereignisse

Wir berichten über spannende Kriminalfälle und spektakuläre Verbrechen, skrupellose Täter und faszinierende Ermittlungsmethoden – historisch, zeitgeschichtlich, informativ. Aktueller Beitrag: Der große Wall-Street-Anschlag von 1920, ein Krimi-Couch Spezial von Dr. Michael Drewniok. Titel-Motiv: © istock.com/EXTREME-PHOTOGRAPHER

mehr erfahren