Die junge Frau und die Nacht

Erschienen: Juni 2019

Bibliographische Angaben

Übersetzung: Eliane Hagedorn, Bettina Runge

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Thomas Gisbertz
Ein kriminalistischer Roman auf hohem Niveau

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Dez 2019

Nur auf Drängen seines besten Freundes Maxime kehrt der erfolgreiche Schriftsteller Thomas Degalais anlässlich der 50-Jahr-Feier ihrer alten Schule aus den USA in seine französische Heimatstadt Antibes zurück – an den Ort, an dem vor 25 Jahren Vinca, seine große Liebe, spurlos verschwand. Damals beging Thomas mit Maximes Hilfe aus Liebe und Verzweiflung ein grausames Verbrechen.

Nun droht die Vergangenheit sie einzuholen, denn jemand ist hinter ihr Geheimnis gekommen und will nur eines: Rache. Um sich und ihre Familien zu schützen, müssen Thomas und Maxime herausfinden, warum Vinca damals das Internatsgelände verließ. Doch je näher sie der Wahrheit kommen, desto größer wird die Gefahr.

Was geschah vor 25 Jahren wirklich?

Als Thomas die Einladung zur Jubiläumsfeier des Lycée international Saint-Exupéry erhält, werden schmerzhafte Erinnerungen in ihm wachgerufen. Die Nacht des 19. Dezember 1992 hat ihn für immer mit seinem Freund Maxime verbunden. Nun droht anlässlich des Abrisses der alten Sporthalle das dunkle Geheimnis der beiden aufgedeckt zu werden. Als Thomas` Jugendliebe Vinca in jener Nacht verschwand, vermutete die Öffentlichkeit damals, dass sie mit ihrem Philosophielehrer Alexis Clément, mit dem sie eine geheime Liaison hatte, durchgebrannt sei. Doch Thomas und Maxime wissen, dass das nicht stimmt, da sie den Lehrer in dieser Nacht töteten und dessen Leiche in den Wänden der Sporthalle, die zu dieser Zeit gebaut wurde, einbetonieren ließen.

Beide erhalten plötzlich anonyme Hinweise von jemandem, der Vergeltung für die Geschehnisse von damals will. Aber wer kann davon wissen? Und warum hat er solange geschwiegen? Aufgrund des baldigen Abrisses der Halle beginnt für die Freunde ein Wettlauf mit der Zeit. Dabei müssen sie vor allem eines herausfinden: Was geschah damals wirklich mit Vinca?

Autor schreibt über seine Heimat

Guillaume Musso, geboren 1974 in Antibes, arbeitete als Dozent und Gymnasiallehrer. Musso ist einer der erfolgreichsten Gegenwartsautoren Frankreichs, seine Romane wurden in über 20 Sprachen übersetzt und haben sich als internationale Bestseller erwiesen. Während die übrigen Romane des Franzosen in den USA spielen, hat er mit „Die junge Frau und die Nacht“ zum ersten Mal die Côte d‘Azur und seine Heimatstadt Antibes als Schauplatz gewählt. In dieser Stadt zwischen Nizza und Cannes lebt Musso nicht nur, sondern er verbindet mit ihr viele Jugenderinnerungen.

Mehr als nur ein Kriminalroman

Auch wenn das aktuelle Werk von Musso ein Kriminalroman ist, so stehen die damaligen und aktuellen Verbrechen nicht im Vordergrund, sondern sind eher Triebfeder einer Verkettung von Ereignissen, in deren Zentrum Freundschaft, Familie und Liebe stehen. Im Roman greift der Autor ein Zitat aus „The Genius“ von Jesse Kellerman auf: „Dieses Buch ist vielleicht ein Krimi, aber ich bin kein Kriminalist“. Diese Worte beschreiben anschaulich die Art, wie Musso seinen Roman verfasst hat. Der französische Autor ist den Lesern eher als Verfasser ungewöhnlicher Liebesromane bekannt, auch wenn er zuweile Krimi-Elemente in seine Werke einfließen lässt.

Bestimmung und Schicksal spielen nicht nur in seinem aktuellen Werk eine wichtige Rolle. Die Figuren bleiben oftmals wie der Schriftsteller Thomas in ihrer Vergangenheit hängen. Er glaubt – oder hofft zumindest – weiter, dass er irgendwann mit seiner großen Liebe Vinca zusammenkommt. Auch wenn ihm klar ist, dass sie ihm nicht gut tut, ist er nach 25 Jahren immer noch von ihrem einzigartigen Charme fasziniert. Er, der selber früher „so anders als die anderen“ war, versucht die Wirklichkeit zu negieren, um ihr eine Ersatzwelt gegenüberzustellen. Für ihn soll Vinca immer noch die eine Seelenverwandte sein, mit der er die Turbulenzen des Lebens meistern will.

Romane als Schutz vor der Realität

Guillaume Musso gelingt in der Tat ein poetisierter Kriminalroman, der deswegen aber keineswegs an Spannung einbüßt. Der Autor lässt viele literarische Werke in sein Buch einfließen, nimmt Bezug zu ihnen und zeigt Parallelen auf. Genau hierdurch gewinnt sein Werk an Stärke und hebt sich vom literarischen Einerlei der Kriminalromane ab. „Die junge Frau und die Nacht“ besitzt Tiefgang und rückt die Figuren in den Mittelpunkt. Daher braucht der Roman keine psychisch labilen oder alkoholabhängigen Ermittler. Mussos Charaktere sind immer auf der Suche nach sich selbst und ihrem Leben – und das ohne jeglichen philosophischen Kitsch.

So ist zum Beispiel Thomas nicht ohne Grund Schriftsteller geworden. Zum einen wurde er stark von seinen Lehrern, insbesondere von seinem Literaturlehrer Jean-Christophe Graff, zu dem er ein ganz besonderes Verhältnis hatte, beeinflusst, zum anderen stellen Bücher und damit auch das Schreiben für ihn seit jeher eine Art Fluchtmöglichkeit vor der Realität dar: „Die Romane haben mich nicht geheilt, mich aber vorübergehend von der Last befreit, ich selbst zu sein. Sie boten mir ein Ventil, um Druck abzulassen, und bildeten einen Schutzwall gegen das Grauen, das sich meiner zu bemächtigen drohte“. Die Fiktion wird für Thomas tatsächlich, wenn auch nur für wenige Stunden, stärker als die Realität und er gewinnt den Kampf gegen die unwirkliche Wirklichkeit.

Vielfältige und tiefgehende Figurenzeichnung

Das Faszinierende beim Lesen des Romans ist es, dass es keinerlei Nebenfiguren gibt. Jegliche Charaktere besitzen Tiefgang und spielen für die Handlung eine wichtige Rolle. Das Schicksal scheint das Leben aller seit dieser kalten Dezembernacht 1992 miteinander verwoben zu haben und jeder hat seine Sichtweise auf die Geschehnisse von damals: sei es Fanny Brahimi, die damals kurze Zeit mit Thomas liiert war und noch immer von einem Leben mit ihm träumt, oder der Journalist Stéphane Pianelli, ein ehemaliger Schulfreund, der wie besessen davon scheint, das dunkle Geheimnis um das Verschwinden Vincas endlich auflösen zu können. Die Figurenkonstellation wirkt wie ein großes Puzzle, bei dem kein Teil fehlen darf, um sich ein vollständiges Bild machen zu können.

Fazit:

Guillaume Musso gelingt ein wunderbarer Roman, der neben Spannung vor allem mit seiner Figurenzeichnung zu überzeugen weiß, die eine große psychologische Tiefe aufweist. Wer Literatur liebt, der wird von „Die junge Frau und die Nacht“ mehr als begeistert sein. Der Roman ist voller literarischer Anspielungen, sprachlich auf einem hohen Niveau und voller Überraschungen - bis zum Schluss. Mussos neues Werk ist eine Mischung aus Kriminal-, Liebes- und Familienroman, denn besonders Letzteres spielt eine zunehmend wichtigere Rolle in der Handlung. Man braucht Zeit, wenn man den Roman liest, denn man wird ihn nicht mehr aus der Hand legen wollen.

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