Der rote Apfel

Erschienen: August 2020

Bibliographische Angaben

Ki-Hyang Lee (Übersetzung)

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Jörg Kijanski
Die nächste Überraschung aus Südkorea

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Aug 2020

Der Serienmörder Lee Byongdo entführte und ermordete dreizehn Frauen in den letzten drei Jahren. Seit einem Jahr sitzt er im Todestrakt des Seoul Detention Centers und verweigerte bislang jede Aussage. Dann die Überraschung: Er ist bereit zu reden, allerdings nur mit der jungen Kriminalpsychologin Sonkyong. Als Gegenleistung solle sie ihm bei den Gesprächen einen Apfel mitbringen.

Sonkyong ist überrascht, denn sie hat keinerlei Verbindung zu Byongdo, Warum aber hat er ausgerechnet sie ausgewählt? Nach und nach gelingt es dem Mörder, die Psychologin in seinen Bann zu ziehen. Derweil hat Sonkyong noch ein privates Problem. Nachdem bei einem Wohnungsbrand die Ex-Schwiegereltern ihres Mannes Chaesong starben, soll nun dessen zehnjährige Tochter Hayong aus erster Ehe bei ihnen wohnen, da die leibliche Mutter vor einem Jahr starb.

Schnell stellt sich heraus, dass ihr Chaesong über seine Ex-Frau nicht die ganze Wahrheit erzählt hat und das mit dem jungen Mädchen etwas nicht stimmt. Hayong wirkt verstört, was sich durch den Brand erklären ließe, dem sie selber entkam. Doch mehr und mehr erkennt Sonkyong beängstigende Ähnlichkeiten zwischen Byongdo und Hayong …

Feines psychologisches Kammerspiel

Mi-ae Seo ist in ihrer Heimat eine erfolgreiche Krimiautorin und hat gute Chancen mit dem vorliegenden Titel auch im deutschsprachigen Raum eine breite Fangemeinde zu erreichen. Überhaupt ist Südkorea ein interessanter Hotspot für Krimifans: Romane von Jeong Yu-jeong („Der gute Sohn“), Un-Su Kim („Die Plotter“) und Young-ha Kim („Aufzeichnungen eines Serienmörders“) haben überzeugt, um nur drei zu nennen. Allerdings muss man hinzufügen, dass die genannten Autorinnen und Autoren keine üblichen Krimis im traditionellen Sinne schreiben, sondern vielmehr spielerisch die Grenzen des Genres sprengen.

Den bekannten Dreiklang aus „Verbrechen – Ermittlung – Auflösung“ findet man eher selten. Wie sich am Beispiel „Der rote Apfel“ bestens erkennen lässt, denn der Serienmörder sitzt ja bereits seit einem Jahr und seine Schuld ist unbestritten. Die Vergangenheit Hayongs hingegen, lässt Fragen offen.

„Die Mutter verschwand, als er sechzehn war. Es ist nicht wahr, dass er sich nicht an ihr Gesicht erinnern kann.
Er lügt. Es gibt keinen Grund zu lügen, trotzdem behauptet er, dass er nicht mehr weiß, wie sie ausgesehen hat. Aber über das Fell und die Augen der Katze, um die seine Mutter sich ab und zu gekümmert hat, weiß er genau Bescheid.

Nein, vielleicht lügt er nicht. Kann schon sein, dass er sich an ihr Gesicht nicht mehr erinnert. Aber warum hat sein Gehirn die Erinnerung verdrängt? Diese Manipulation seines Gedächtnisses ist der Schlüssel zu dem Fall.“

Der Roman, der bewusst einige Anspielungen auf „Das Schweigen der Lämmer“ von Thomas Harris enthält, ist gewissermaßen ein doppeltes Kammerspiel, welches durch seine psychologischen Fallstricke zu überzeugen versteht. Hier der Besucherraum, in dem sich der Serienmörder und die Kriminalpsychologin belauern, dort das heimische Haus, in dem Sonkyong der zunehmend unheimlicher werdenden Hayong gegenübersteht.

Nach und nach ergeben sich in vielen Gesprächen und präzisen Beobachtungen neue Erkenntnisse, die den Leser von Beginn in ihren Bann ziehen. Ein Psychothriller, der nahezu ohne Action und große Blutmassen auskommt. Dafür erfährt man viel über die Grundlagen der Kriminalpsychologie und über Serienmörder.

Mi-ae Seo ist hier in ihrem Element, verweist auf den britischen Kriminalpsychologen Paul Britton („Das Profil der Mörder“) und den amerikanischen Kriminologen Robert Ressler („Ich jagte Hannibal Lecter“), während für den Serienmörder Byongdo, der Ähnlichkeiten zu Ted Bundy aufweist, ein Lied eine wichtige Bedeutung hat: „Maxwell's Silver Hammer“ vom legendären Beatles-Album „Abbey Road“. Made sure that she was dead.

Während ihre Protagonistin, von ihrem überforderten Mann meist allein gelassen, sich zunehmend in einen gewaltigen Abwärtssog hineinziehen lässt, gibt es für Byongdo und Hayong zwei reale Vorbilder. Yoo Young-chul, einer der bekanntesten Serienmörder Südkoreas (dessen Name im Roman, warum auch immer, Yoo Yongchol geschrieben wird) und Mary Bell (wenn Sie den Namen nicht kennen, „googeln“ Sie ihn erst nach der Lektüre).

Fazit:

Mi-ae Seo legt mit „Der rote Apfel“ einen spannenden Psychothriller vor, dessen furioses Ende womöglich nicht jeden Leser überraschen, dennoch vermutlich schockieren wird. Wer Südkorea bislang auf seiner Landkarte für Kriminalliteratur noch nicht hatte, sollte einen Einstieg wagen oder auf die angekündigte Verfilmung warten. Aber nein, „denn lesen ist spannender.“

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