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Thomas Gisbertz
Spannungsroman mit viel Gesellschaftskritik

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Jul 2020

„Guten Morgen, Claire. Sie dürften bemerkt haben, dass sich Ihr Fahrzeug nicht mehr unter Ihrer Kontrolle befindet. Ab sofort bestimme ich, wohin Ihre Fahrt geht. Im Augenblick gibt es nur eines, das Sie wissen sollten: In zwei Stunden und dreißig Minuten sind Sie höchstwahrscheinlich tot.“ Als die hochschwangere Claire Arden diese Worte aus dem Lautsprecher ihres nagelneuen selbstfahrenden Autos vernimmt, hält sie es zunächst für einen schlechten Scherz.

Schnell stellt sich jedoch heraus, dass sie tatsächlich in ihrem Wagen gefangen ist. Und sie ist nicht die Einzige – noch sieben weitere Passagiere sind in derselben Situation: Die Systeme ihrer autonomen Autos wurden geknackt, und nun befinden sie sich auf einem fatalen Kollisionskurs. Doch damit nicht genug: Der Hacker streamt das ganze live im Internet, und die Zuschauer entscheiden über Leben und Tod der acht Passagiere.

Autonome Verkehrswende

Das britische Oberhaus hat erst vor Kurzem einstimmig die Einführung autonomer Fahrzeuge auf Großbritanniens Straßen innerhalb von fünf Jahren beschlossen. Ein Verbot nicht autonomer Wagen wird in zehn Jahren erwartet. Aber nicht jeder kann sich damit anfreunden. Zu ihnen gehört auch eine der zahlreichen Hauptfiguren: die Psychiatrie-Krankenschwester Libby Dixon, die zufällig aus der Bevölkerung ausgewählt wird, um in einer Untersuchungskommission Verkehrsunfälle mit autonomen Fahrzeugen zu analysieren und zu bewerten. Diese sollen dank künstlicher Intelligenz in der Lage sein, innerhalb einer Millisekunde sämtliche Szenarien durchzurechnen, wie sie sich bei einem drohenden Unfall „verhalten“ sollen.

Ein Hacker zweifelt gerade diese Entscheidungsfähigkeit an und nimmt acht Personen in ihren Fahrzeugen als Geiseln und droht ihnen mit dem Tod. Eine Geisel will der Entführer aber leben lassen. Auf wen die Wahl trifft, darüber lässt er unter anderem die Zuschauer in den sozialen Medien abstimmen. Während die Welt zuschaut, läuft den Beteiligten der Unfallkommission die Zeit davon.

Britischer Bestseller-Autor

John Marrs arbeitete über zwanzig Jahre als freischaffender Journalist für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften. Seinen ersten Roman, „The Wronged Sons“, veröffentlichte er bereits 2013. Mit seinem dritten Roman „The One - Finde dein perfektes Match“ gelang ihm nicht nur in England 2017 der Durchbruch. Aktuell laufen die Dreharbeiten für eine zehnteilige TV-Serie zu diesem Roman, die auf Netflix ausgestrahlt werden soll. Mit „The Passengers“ legt er nun einen Near-Future-Thriller der besonderen Art nach, der sich kritisch mit dem Thema „Künstliche Intelligenz“ und das unreflektierten Verhalten der modernen Gesellschaft auseinander setzt.

Vielschichtiger Roman

Vom Heyne-Verlag als Roman beworben kann man dennoch bei John Marrs aktuellem Werk von einem Near-Future-Thriller sprechen, auch wenn der Roman - typisch für dieses Genre - zahlreiche Handlungsebenen und Erzählstränge aufweist. Im Mittelpunkt stehen auch nicht unmittelbar der Täter und seine Opfer, sondern eine Untersuchungskommission. Diese repräsentiert in ihrer Zusammensetzung unterschiedliche „Instanzen“, die verschiedene moralische, ethische und rationale Sichtweisen zum Thema „Künstliche Intelligenz“ einnehmen. Letztendlich geht es dabei um die Frage, ob wir der fremdgesteuerte Technik blind vertrauen dürfen.

Der Autor warnt ganz offensichtlich vor den Gefahren der künstlichen Intelligenz. So ersetzen unter anderem lernfähige Algorithmen den logischen Menschenverstand. Hieraus erklärt sich auch die Motivation des Hackers: „Wir haben zugelassen, dass unser Leben Tag für Tag von Entscheidungen bestimmt wird, die Systeme mit künstlicher Intelligenz für uns treffen. […] Wir schätzen unser Leben so gering, dass wir uns freiwillig der künstlichen Intelligenz unterwerfen, einer von Menschen geschaffenen Kraft, die weder Mitgefühl noch Sympathie kennt und zu keinem moralischen Urteil fähig ist. Wir haben der Menschheit ihre Menschlichkeit geraubt.“

Naiver Umgang mit den Sozialen Medien

Darüber hinaus übt John Marrs auch Kritik am Umgang mit den Social Media. Es ist an Perversität kaum zu überbieten, mit welchen unfassbaren Maßstäben und banalen Kriterien die Zuschauer, die die Geiselnahme live über Facebook, YouTube und Co. verfolgen, ihr Urteil über die Geiseln fällen. Letztendlich ist es sogar der Hacker selber, der aufzeigt, wie leicht sich Menschen durch die sozialen Medien manipulieren lassen. Viele der Zuschauer erkennen den Ernst der Situation überhaupt nicht und diskutieren lieber mit Hingabe das Verhalten und Aussehen der Kommissionsmitglieder sowie der Entführungsopfer.

Im Laufe der Handlung werden immer mehr Lügen, Intrigen und Geheimnisse ans Tageslicht gebracht, die auf den ersten Blick eine ganz andere Wertung zulassen. Im Zeitalter von Fake News wird hier ein leichtgläubiges und oftmals realitätsfernes Denken angeprangert. Mit bewusster Manipulation werden so Lügen und Propaganda über die sozialen Medien verbreitet.

Schwächen und Stärken

Leider hat Autor John Marrs seinen Roman an der ein oder anderen Stelle inhaltlich etwas überfrachtet. Dies betrifft vor allem die Anzahl der Handlungsstränge und Protagonisten. Die Darstellung der einzelnen Figuren gelingt nicht in allen Fällen gut. Mitunter verlieren sich diese etwas in ihrem stereotypen Verhalten. Auch der ein oder andere Clou - hierzu zählt auch die Identität des Hackers - ist leider zu vorhersehbar, worunter auch der Spannungsbogen etwas leidet.

Dennoch packt John Marrs den Leser mit seinem Roman. Unweigerlich muss man sich der Frage stellen, was das geringe Übel ist: sein Leben in die Hände der künstlichen Intelligenz zu legen oder doch eher auf das Urteil einer Gesellschaft zu vertrauen, die bereits am kritischen Umgang mit den sozialen Medien scheitert.

Fazit: 

„The Passenger“ ist ein beängstigend realistischer Roman, der das blinde Vertrauen in Bezug auf künstliche Intelligenzen sowie den unreflektierten Umgang mit den sozialen Medien kritisiert. Auch wenn das aktuelle Werk von John Marrs kein typischer Thriller ist, wirkt er als Spannungsroman mit einer deutlichen Kritik am Verhalten der modernen Gesellschaft lange nach.

The Passengers

The Passengers

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