Couch-Wertung:

58°

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
 50° 100°

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

7 x 91°-100°
3 x 81°-90°
1 x 71°-80°
1 x 61°-70°
0 x 51°-60°
0 x 41°-50°
0 x 31°-40°
2 x 21°-30°
1 x 11°-20°
4 x 1°-10°
B:62.263157894737
V:19
W:{"1":1,"2":0,"3":1,"4":0,"5":1,"6":0,"7":0,"8":0,"9":1,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":1,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":1,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":1,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":1,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":1,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":1,"88":0,"89":1,"90":1,"91":0,"92":0,"93":1,"94":0,"95":1,"96":0,"97":2,"98":0,"99":0,"100":3}
Thomas Gisbertz
Zwischen Gesetz und Moral

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Apr 2020

Strafverteidiger Hannes Jansen steht vor dem brisantesten Fall seiner Karriere: Er vertritt den Polizisten Maik Winkler, der wegen Mordes an einem Asylbewerber angeklagt ist. Seine Kontrahentin ist ausgerechnet die Frau, die er liebt: Rechtsmedizinerin Sophie Tauber, die ein neues rechts-medizinisches Gutachten erstellt hat, das die Unschuld von Jansens Mandant in Frage stellt. Wie viel Wahrheit verträgt die Liebe zweier Menschen, wenn sie sich auf unterschiedlichen Seiten von Recht und Gerechtigkeit wiederfinden?

Chance zum beruflichen Aufstieg

Nach jahrelanger Arbeit als Anwalt in einer Hamburger Kanzlei erhält Hannes Jansen unerwartet von seinem Chef Boogs das Angebot, zum Partner aufzusteigen. Nicht nur das: Von dem versprochenen Bonus könnte er seine horrenden Privatschulden begleichen. Die Voraussetzung hierfür ist, dass er den Prozess als Verteidiger des mutmaßlichen Mörders gewinnt, das Opfer ist ein inhaftierter Senegalese. Abba Oteke wurde 2005 in seiner Zelle tot aufgefunden. Todesursache: Ersticken durch Verbrennen.

Winkler wurde damals in einem Indizienprozess freigesprochen. Dennoch wird er aufgrund neuer Beweise zum zweiten Mal angeklagt. Ist Winkler tatsächlich ein Mörder - oder selber Opfer?

Traurige Realität

Autor Markus Thiele ist hauptberuflich Rechtsanwalt und kennt den Gerichtssaal damit bestens. In seinem Roman verwebt er Fiktion und Realität am Beispiel eines wahren, bis heute ungeklärten Kriminalfalls. Die Geschichte ist angelehnt an das Schicksal von Oury Jalloh, einem in Deutschland lebenden Sierra-Leoner, der am 7. Januar 2005 bei einem Brand in Polizeigewahrsam ums Leben kam.

Der in diesem Zusammenhang wegen Körperverletzung mit Todesfolge angeklagte Dienstgruppenleiter des Polizeireviers,  und ein weiterer, wegen fahrlässiger Tötung angeklagter Beamter, wurden 2008 freigesprochen. Auch ein 2014 erneut eingeleitetes Ermittlungsverfahren blieb bis heute folgenlos.

Spiel mit den Zeiten

Thieles Roman spielt auf verschiedenen Zeitebenen, wobei zwei Handlungsstränge im Mittelpunkt stehen. Zum einen geht es dabei um die aktuelle Gerichtsverhandlung im Fall Winkler sowie die sich anbahnende Beziehung zwischen Hannes und Sophie, zum anderen greift der Autor die dramatischen Geschehnisse um Sophies Großmutter Lea in den Wirren des Zweiten Weltkrieges auf.

Das macht eine Bewertung schwierig, da es Thiele meines Erachtens nur bedingt gelingt, beides zusammenzuführen. Auch ist die literarische Qualität beider Handlungsstränge grundverschieden. Wenn der Autor über die Ereignisse der Kriegsjahre - beginnend im Jahr 1938 - rund um die Familiengeschichte von Sophie Tauber schreibt, dann gelingt es ihm, den Leser mit einer spannenden, aber auch  nachdenklich machenden Geschichte zu fesseln.

Es geht um Flucht, Verrat unter Brüdern, aber auch um Liebe in Zeiten des Hasses während des NS-Regimes. Die Hauptrollen spielen dabei die Jüdin Lea, und der deutsche Unternehmer Carl, der gemeinsam mit seinem Bruder Heinrich eine Kräuterlikörfabrik besitzt, und alles unternimmt, um Lea und deren Verwandte zu schützen. Die Liebe zwischen den beiden Protagonisten und die Beweggründe für ihr Handeln erfasst der Autor in teilweise bewegender Weise. Die Beschreibung der damaligen Ereignisse ist Thiele insgesamt ansprechend gelungen.

Ethisch-sittliche Normen

Im Gegensatz dazu verliert sich der aktuelle Gerichtsprozess in einer zu oberflächlichen Darstellung. Persönliche Verantwortung und ein instrinsisch  motiviertes Handeln - auch gegen äußere Widerstände - sind sicherlich zentrale Themen des Romans. Wenn es aber um moralische und ethische Wertmaßstäbe und das eigene Gewissen als höchste Instanz des Handelns geht, dann lässt sich das Verhalten eines jungen Mannes im Zweiten Weltkrieg, der auch auf eigene Gefahr für Leib und Leben hin einer Jüdin samt Familie hilft, nicht mit dem sittlichen Empfinden eines Anwalts vergleichen, der eigentlich nichts zu verlieren hat. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum der historische Teil des Romans deutlich besser gelungen ist.

Literarische Vielfalt

Das Hauptproblem ist, dass Autor Markus Thiele sich nicht entscheiden kann: Soll sein Roman einem Historien-, Familien- oder Gerichtsdrama entsprechen? Auf jeden Fall ist er kein Thriller und auch keine Kriminalerzählung. Ein Blick ins Nachwort genügt, um feststellen, welcher historischen und gegenwärtigen Quellen sich der Autor bedient.

Leider ist Thiele kein Georg Büchner, der aus nüchternen Fakten lebensnahe Menschen schafft. Man erwartet von „Echo des Schweigens“ mehr: einen Anwalt, der zwischen Gesetz und Moral schwankt, wenn er Zweifel an der Unschuld seines Mandanten bekommt. Hannes Jansen ist aber eher zwischen seiner Überzeugung und der Liebe zu Sophie, die er erst kurze Zeit kennt und die von Winklers Schuld überzeugt ist, hin- und hergerissen. Des Weiteren fehlt dem Gewissenskonflikt, dem sich Hannes ausgesetzt fühlt, die nötige Tiefe. Zweifel werden nur rudimentär thematisiert und Lösungen zu wenig diskutiert. Dass es dem Ende dann an dramaturgischer Konsequenz fehlt, ist leider zu erwarten gewesen.

Fazit:

Thiele legt mit „Echo des Schweigens“ einen ambitionierten, aber nicht konsequent genug umgesetzten Roman vor. Eine Diskussion, was Gerechtigkeit ist, und ob es sie überhaupt geben kann, wird nur ansatzweise geführt. Der Roman erreicht diesbezüglich nicht annähernd die Brillianz wie „Der Besuch der alten Dame“ von Friedrich Dürrenmatt. Wenn es um Moral und Recht geht, bietet auch Ferdinand von Schirachs Theaterstück „Terror“ deutlich mehr literarische Ausdrucksstärke und gesellschaftliche Brisanz.

Echo des Schweigens

Echo des Schweigens

Deine Meinung zu »Echo des Schweigens«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
22.05.2020 08:28:03
buecherwurm1310

Ein Polizist ist des Mordes an einem Asylbewerber angeklagt. Der Fall wird dem Strafverteidiger Hannes Jansen angetragen, der sich auf der sicheren Seite sieht. Doch das Gutachten der Rechtsmedizinerin Sophie Tauber lässt Zweifel daran aufkommen, dass Jansens Mandant unschuldig ist. Zufällig haben sich Hannes und Sophie kennengelernt und nun steht dieses Verfahren zwischen ihnen. Kann es ihrer Beziehung schaden?
Ich muss zunächst einmal sagen, dass ich eigentlich etwas anderes erwartet hatte. Dieser Gerichtsprozess ist zwar wichtig für die Entwicklung der Geschichte, aber es gibt da einen weiteren Handlungsstrang der weitaus umfangreicher erzählt wird. Das soll allerdings nicht heißen, dass mir das Buch nicht gefallen hätte. Es hat aber auch ein bisschen gedauert, bis ich in der Geschichte drin war.
Der Autor Markus Thiele hat sich für seinen Roman von den Fall Oury Jalloh in Dessau inspirieren lassen, der zu einem großen Justizskandal wurde.
Ich finde, dass die Charaktere gut gezeichnet sind.
Strafverteidiger Hannes Jansen kommt aus einer wohlhabenden Familie und lebt selbst auf zu großem Fuß. Da kommt ihm das Angebot des Seniorpartners gerade recht, denn es bedeutet eine Beförderung und eine Menge Geld. Er ist von sich überzeugt und glaubt, dass alles glasklar ist und der Fall so gut wie gewonnen.
Nachdem Sophies Mutter gestorben ist, findet sie Hinweise auf ihren Vater, der die Familie verlassen hat, als Sophie noch ein Kleinkind war. Sie macht sich auf die Suche nach ihm und kommt einer Familiengeschichte auf die Spur, die bis in die Nazizeit zurückreicht.
Die unterschiedlichen Handlungsstränge verbinden sich zu einem Ganzen. Es geht um Schuld, Moral, Recht und Gerechtigkeit. Wie werden die Protagonisten damit umgehen? Ich fand es interessant, wie ihnen diese Konflikte und ihr Gewissen zusetzen.
Es ist eine komplexe Geschichte, die mir gut gefallen hat.

28.03.2020 19:01:03
Petra Sch.

Spannender Roman auf zwei Zeit- und Handlungsebenen

Zum Inhalt:
Dieser Fall könnte Strafverteidiger Hannes Jansen einen Karriereschub bringen: er vertritt den zum zweiten Mal angeklagten Polizisten Maik Winkler, der wegen Mordes an einem Asylanten angeklagt ist, und soll dessen Unschuld beweisen.
Erst später bemerkt er, dass genau jene Rechtsmedizinerin, die das Gutachten verfasst hat, die die Schuld von Maik Winkler beweisen soll, seine neue Liebe Sophie Tauber ist.
Kann ihre Liebe diese unterschiedlichen Meinungen über den Justizskandal überstehen?
Erst recht, als Sophie Dinge über ihre Vergangenheit erfährt, an die auch Hannes' Schicksal geknüpft ist...

Meine Meinung:
"Echo des Schweigens" ist ganz korrekt als Roman deklariert, auch wenn man laut Klappentext eher einen Thriller erwartet bzw. einen Roman über die Wiederaufrollung eines Justizskandals.
Es geht natürlich auch um die Aufdeckung der Wahrheit des Justizirrtums - ist Maik Winkler der Mörder von Abba Okeke?
Doch hauptsächlich handelt das Buch um die Verstrickungen zwischen den beiden Protagonisten - dem Rechtsanwalt Hannes Jansen sowie der Rechtsmedizinerin Sophie Tauber.
Es gibt immer wieder Rückblicke in die Nazi-Zeit, wo man als Leser anfangs verwirrt ist und sich fragt, was das mit der eigentlichen Geschichte zu tun hat. Erst nach und nach merkt man, wie dies zur Handlung beiträgt und wie Hannes und Sophie durch die Vergangenheit miteinander verbunden sind.
Sophie kennt ihren Vater nicht, und als ihre Mutter starb, hinterließ sie ihr einen Brief, der von Richard Tiller geschrieben wurde. Weiters fand sie eine Postkarte von Daphne. Sie macht sich auf die Suche und geht allen Hinweisen nach, bis sie tatsächlich ihren Vater findet. Und dieser verrät ihr die Wahrheit über ihre Familie, und was ihre Mutter getan hat...
Es ist somit eher ein Familien-Drama als ein Thriller, der mich aber trotzdem von der ersten Seite an überzeugt hat, auch wenn es trotz eines runden Abschlusses zwei mehr oder weniger offene Enden gibt.
Im Nachwort stellt der Autor fest, dass er diesen Roman an Tatsachen angelehnt hat - im Jahr 2005 kam ein inhaftierter Sierra-Leoner bei einem Brand in Polizeigewahrsam ums Leben, dessen genaue Hintergründe bis heute ungeklärt sind.
Zu erwähnen ist auch das schlichte Cover in schwarz/weiß … Und was erst auf den zweiten Blick auffällt, ist - wenn man den Schutzumschlag entfernt - der reliefartig bedruckte Buchdeckel im negativ zum Schutzumschlag. Einfach nur toll!

Fazit:
Familiendrama, Liebesgeschichte und Aufarbeitung eines Justizskandals in einem Buch - hat ich von der ersten Seite an überzeugt und ich vergebe 4,5 Sterne.

23.03.2020 17:04:14
dorli

Strafverteidiger Hannes Jansen ist nur noch zwei Stunden von seinem größten Karrieresprung entfernt - die Partnerschaft in seiner Kanzlei. Nur noch das Plädoyer. Der Freispruch seines Mandanten ist sicher; obwohl die Indizien gegen den Polizisten Maik Winkler, der den Senegalesen Abba Okeke in seiner Zelle ermordet haben soll, erdrückend sind, reichen sie für eine Verurteilung nicht aus. In diesem Moment bringt Jansens Referendarin ihm ein weiteres Beweisstück und alles gerät ins Wanken…

Mit dieser Szene beginnt Markus Thiele seinen Roman „Echo des Schweigens“. Danach springt er einige Monate zurück und lässt den Leser an den Ereignissen teilhaben, die vor diesem Tag am Magdeburger Schwurgericht geschehen sind.

Neben den Fall Winkler gibt es drei weitere Handlungsstränge. So lernt Hannes die Ärztin Sophie Tauber kennen und lieben. Die aufkeimende Beziehung bekommt einen mächtigen Dämpfer, als die beiden feststellen, dass sie in dem Fall Winkler auf gegensätzlichen Seiten kämpfen, denn Sophie ist diejenige, die ein äußerst belastendes Gutachten vorgelegt hat.
Das ist nicht der einzige Grund, der Sophies Leben derzeit kopfstehen lässt. Ihre Mutter ist kürzlich verstorben und hat ihr unter anderem einen Brief ihres vor ihrer Geburt verschwundenen Vaters sowie einige Fotos hinterlassen, die Sophie zu einer Spurensuche animieren.
Außerdem gibt es noch einen historischen Part, der in den 1940er Jahren spielt und die Liebe zwischen dem Unternehmersohn Carl und der Jüdin Lea Rosenbaum zum Inhalt hat.

Der Roman beruht sowohl auf der zeitgenössischen wie auch auf der historischen Ebene auf wahren Begebenheiten. Die Ereignisse rund um den Fall des Sierra-Leoners Oury Jalloh, der am 7. Januar 2005 in einer Zelle des Polizeireviers Dessau-Roßlau aus bis heute nicht gänzlich geklärten Umständen ums Leben kam, spielen in der Handlung genauso eine Rolle, wie die nach wie vor unklaren Verflechtungen eines Wolfenbütteler Kräuterlikörherstellers mit dem NS-Regime.

Die Geschichte wird spannend erzählt und übt einen ungeheueren Sog aus. Stets ist man begierig darauf zu erfahren, wie es in den einzelnen Handlungssträngen weitergeht und ist gleichzeitig neugierig, wie am Ende alles zusammenpassen wird. Dass es gleich mehrere Zufälle sind, die die einzelnen Fäden schließlich zu einem Ganzen verknüpfen, hat mich dabei nicht gestört; manchmal schlägt das Schicksal eben seltsame Kapriolen.

Der Autor wirft im Verlauf der Handlung viele interessante Fragen auf. Besonders die Zwickmühle zwischen Gesetz und Moral hat mich beschäftigt. Wie schafft es ein Strafverteidiger, der von der Schuld seines Mandanten überzeugt ist, auf Freispruch zu plädieren? Wie kann er es mit seinem Gewissen vereinbaren, dass ein Mörder ungeschoren davonkommt? Ein Dilemma, das intensiv von den Protagonisten diskutiert wird.

„Echo des Schweigens“ hat mir sehr gut gefallen – ein tiefgründiger Roman, der kurzweilig erzählt wird und zum Nachdenken über Recht und Gerechtigkeit einlädt.

Echte Täter,
wahre Ereignisse

Wir berichten über spannende Kriminalfälle und spektakuläre Verbrechen, skrupellose Täter und faszinierende Ermittlungsmethoden – historisch, zeitgeschichtlich, informativ. Aktueller Beitrag: Der große Wall-Street-Anschlag von 1920, ein Krimi-Couch Spezial von Dr. Michael Drewniok. Titel-Motiv: © istock.com/EXTREME-PHOTOGRAPHER

mehr erfahren