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Thomas Gisbertz
Mörderjagd auf Usedom

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Mai 2020

Der Hotelbesitzer Holger Simonsmeyer, angeklagt des Mordes an einer 20-jährigen Frau aus seinem Heimatdorf Trenthin, wird freigesprochen. Er und seine Familie hoffen, dass damit nun endlich alles überstanden ist. Doch im Dorf herrscht Misstrauen, nur wenige glauben an die Unschuld des Hoteliers. 

Für die meisten Bewohner auf der Ostsee-Insel Usedom steht fest, dass der Freispruch des Hoteliers ein Skandalurteil ist. Schließlich wurde dieser zuletzt mit der ermordeten Susan Illing von einer Zeugin gesehen. Außerdem schwieg Simonsmeyer während des Prozesses zu den Gründen seines Treffens mit dem Opfer. Was versuchte er zu verbergen? Hatte der vermeintliche Täter ein Verhältnis mit der jungen Frau? Oder wurde er zu unrecht verdächtigt?

Von Schuldgefühlen geplagt

Zum Schutz der Mädchen und jungen Frauen gründet man auf der Insel nach der Rückkehr des mutmaßlichen Täters eine Bürgerwehr. Als erneut ein Mord geschieht, eskaliert die Situation zunehmend. Hilfesuchend wendet sich Bettina Simonsmeyer an die Journalistin Doro Kargel: „Sie müssen uns helfen […], sie sind unsere letzte Hoffnung“.

Dennoch ignoriert die Reporterin deren Wunsch. Wer interessiert sich schon für einen freigesprochenen mutmaßlichen Mörder? Einige Monate später steht  Doro Kagel schockiert vor den Ruinen eines ausgebrannten Hauses in Trenthin. Hat die Familie einen schrecklichen Blutzoll bezahlen müssen? Von Schuldgefühlen geplagt beginnt Doro, den Fall neu aufzurollen.

Doro Kargel ist zurück

Eric Walz, der unter seinem Pseudonym Eric Berg Kriminalromane schreibt, landete 2013 mit seinem Roman „Das Nebelhaus“ einen Volltreffer. Die gelungene Mischung aus Whodunit-Krimi, Drama und teils mystisch anmutenden Thrillerelementen begeisterte sowohl Leser als auch Kritiker. 2017 wurde der Roman mit Felicitas Woll für Sat.1 verfilmt. Seit Jahren gehört Berg zu den besten deutschen Krimiautoren und steht mit seinen Werken regelmäßig in den Bestsellerlisten. Mit „Die Mörderinsel“ veröffentlicht der Wahl-Berliner nun den zweiten Band um die Journalistin Doro Kagel.

Typischer Berg-Krimi

Kaum einem Autor ist es in den letzten Jahren derart gut gelungen, seinen ganz besonderen Schreibstil zu finden, auch wenn Eric Bergs Romane bekannte klassische Elemente enthalten. So verbindet er Suspense-Effekte, wie man sie meisterhaft bei Alfred Hitchcock findet, mit der typischen Personen-Konstellation einer Agatha Christie. In den Romanen der Queen of Crime wird zumeist ein geschlossener Personenkreis eingeführt, dessen Mitglieder allesamt in gewisser Weise verdächtig erscheinen und direkt oder indirekt am Mord beteiligt sind. Diese Personen sind bei Berg normale Leute von Nebenan, die jeder kennt, und keine Psycho- oder Soziopathen.

Die Täter geraten eher aus Verzweiflung und durch zufällige Ereignisse in Situationen, die sie zu Mördern machen. Die eigentliche Geschichte schwächelt diesmal aber etwas, da es Berg nicht schafft, den Spannungsbogen konstant hochzuhalten. Mitunter erscheint die Handlung etwas zu verschachtelt. Die besondere Stärke des Autors ist es aber erneut, Menschen und ihre Beziehungen in den Mittelpunkt der Handlung zu stellen. Berg geht es in seinem aktuellen Roman weniger um ausufernde Gewalt, sondern um emotionale Zwangslagen und persönliche Ausweglosigkeiten.

Multiperspektivischer Erzählstil

Ebenfalls typisch für den Autor ist sein ganz besonderer Erzählstil. Er zeichnet sich unter anderem durch die Darstellung der Handlung auf verschiedenen Zeitebenen aus. Hier werden sowohl die Ereignisse zum Zeitpunkt der Ermordung der jungen Susan dargestellt, wie auch die Reaktionen der Inselbewohner, nachdem der mutmaßliche Mörder zurückgekehrt ist. Zuletzt geht es um die Ermittlungen der Journalistin einige Monate später. Dadurch, dass Eric Berg auch die Erzählperspektiven munter wechselt, setzt sich für den Leser erst nach und nach ein Bild zusammen, wobei man mitunter mehr Informationen besitzt als die ermittelnde Doro Kagel. Trotz allem verliert man als Leser nie die Überblick.

Kritisches Gesellschaftsbild

Berg zeichnet auf dem eng begrenzten Raum einer Insel das Bild einer zerrissenen, selbstgerechten Gesellschaft. Hinter der Fassade der Dorfgemeinschaft kommt es zu Streitigkeiten, ja sogar blankem Hass. Alte, bisher unterdrückte Feindseligkeiten kommen zum Vorschein. Aus Freunden und Bekannten werden verbitterte Gegner. Vor dem Idyll einer friedliebenden Insel geschieht Schreckliches.

Die Menschen lassen sich von eigenen Interessen, Neid und persönlichem Vorteil leiten. Da ist es nur konsequent, dass selbst der Mörder letztendlich nur Opfer einer Gesellschaft wird, die selber festlegt, was richtig und was falsch ist. Statt Selbstkritik gibt es nur gegenseitige Schuldzuweisung. Familiäre Probleme spielen ebenso eine zentrale Rolle wie die Frage nach Loyalität und Freundschaft. Am Ende muss jeder Dorfbewohner für sich klären, welchen Anteil er an den Morden hat. Hier fehlt es dem Roman aber an einer tiefer gehenden Darstellung.

Fazit:

Berg selber hat die Messlatte durch sein beeindruckendes Krimidebüt extrem hoch gelegt. Auch wenn sich ein Vergleich eigentlich verbietet, mag es dem einen oder anderen Leser etwas an Tempo und Nervenkitzel fehlen. Seine Stärke zieht der Roman aus etwas anderem: Der Autor zeichnet in beeindruckender Weise das Bild einer narzisstischen, selbstgerechten Dorfgemeinschaft, die in der dargestellten Extremsituation ihr wahres Gesicht offenbart. Hinsichtlich des zu erwartenden Endes lässt Berg den Leser lange Zeit im Unklaren, da erst spät alle Handlungsfäden zusammengeführt werden. Insgesamt ein lesenswerter Krimi.

Die Mörderinsel

Die Mörderinsel

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Letzte Kommentare:
13.06.2020 16:02:01
SaintGermain

Nach dem Mord an einer jungen Frau wird der Hotelier Holger Simonsmeyer verhaftet, aber aufgrund von mangelnden Beweisen freigesprochen. Der Großteil der Einwohner des Dorfes ist allerdings der Meinung, dass er schuldig ist und macht alles, um ihm das Leben schwer zu machen. Als auch noch ein 2. Mädchen auf die gleiche Art ermordet wird, überlegt man nicht lange wer denn schuld sei. Und schon kurz danach brennt das Haus von Holger Simonsmeyer und es gibt 4 weitere Tote. Die Gerichtsreporterin Doro Kagel hat wegen dem Fall Schuldgefühle und versucht herauszufinden, was geschehen ist.

Das Cover passt zu den Büchern des Autors und es passt auf unschuldige Weise auch zum Buch, wobei es nicht auf das Genre Krimi hindeutet. Und obwohl es nicht sonderlich originell ist, ist es passend und gefällt mir.

Der Schreibstil des Autors ist genial, denn nur sehr langsam deckt der Autor hier Puzzlestein für Puzzlestein auf und das ganze (wie in allen seinen Büchern) in 2 Zeitlinien. Dies macht das Buch von der ersten bis zur letzten Seite hochspannend. Dazu bleibt auch am Anfang meist verdeckt, wer denn genau die Opfer sind. Gekonnt spielt er damit die Dramaturgie des ganzen aus.

Nach "Das Nebelhaus" ist dies der 2. Krimi mit Doro Kagel, insgesamt aber Eric Bergs 5. Krimi. Von "Das Nebelhaus" habe ich die SAT 1-Verfilmung gesehen, die mir nicht sehr gefallen hat. "Totendamm" aka "So bitter die Rache" hat mir als Buch ausgezeichnet gefallen, aber in diesem Buch übertrifft der Autor das bisher Gelesene bei Weitem. Die anderen Bücher habe ich (noch) nicht gelesen.

Die Orte werden ausgezeichnet dargestellt, genauso wie die Charaktere.

Mit extremer Hochspannung und vielen Verdächtigen (und damit vielen falschen Fährten) ist dem Autor ein echtes Krimi-Meisterwerk gelungen, wie ich es sonst nur von Agatha Christie kenne. Dabei kommt der Autor mit wenig Action aus, hat aber dafür umso interessantere Charaktere in einen spannenden Plot eingebaut.

Mit der Auflösung war ich hochzufrieden, obwohl ich nie im Leben draufgekommen wäre.

Fazit: Hochspannender Krimi - ein echter Pageturner. 5 von 5 Sternen (mehr geht ja nicht).

09.05.2020 17:39:40
Melanie Schweiger

Sehr gut konstruierter Krimi mit interessantem Plot. Die Spannung ergibt sich durch die schwierige Beziehung der Figuren. Mit "zwei Worten": Toller Roman!

09.05.2020 16:16:26
rg

In einem Wort: Tod langweilig. Interessante Grundidee leider vollkommen kaputt geschrieben. Keinerlei Spannung. Endloses Gerede. Die "Auflösung" ist unrealistisch und an den Haaren herbei gezogen. Die Figur der Rosemarie Busch ... anfangs ganz nette Idee aber bis zum geht nicht mehr über strapaziert. Das Fazit: Nie wieder Haiku" man nur voll unterstreichen. Definitiv ein ganz schwaches Buch von Eric Berg. P.S. Tana French lässt grüßen.

26.04.2020 06:59:04
Bintang

Welch ein grauenvoller Unsinn. Leider kann ich kein Haiku Reimen welchen diesem Blödsinn gerecht wird. So viele durchgeknallte und völlig unlogisch agierende Typen gibt es auf Usedom sicher nicht. Durch den Wechsel der verschiedenen Zeitebenen und den zahlreichen cliffhangern wird die Spannung wirklich nicht erhöht. Das Buch ist dilettantisch und gehört auf den Müll. Schade ums Geld.

31.03.2020 18:39:00
stefan

Inhaltlich war der erste Teil sehr spannend und viel versprechend angelegt. Ein allgemein als schuldig angesehener Mörder wird freigesprochen und kehrt in sein Heimatdorf zu seiner Familie zurück, wenige Monate später wird diese Opfer eines Brandanschlags. Und damit ist eigentlich schon so ziemlich alles an Spannung verpufft. Mörderjagd mittels stundenlangem Widerkauen schwülstig-nerviger japanischer Haiku, alberne pubertäre lyrische Ergüsse, was für ein an den Haaren herbeigezogenes absurdes Geschwafel! MDI, Haiku, Mutter der Insel, Gewäsch zum Seitenfüllen. Die Figuren bleiben flach und farblos, Konflikte zwischen Freunden, Verwandten und Einwohnern verlieren sich in egozentrischem Mitleidsgejammer. Die Figuren der Susann und der Journalistin Kagel wurden mir im Laufe des Romans immer unsympathischer, weil mir das ihnen vom Autor übergeholfene pseudointellektuelle Getue einfach zu nervig war. Ein Krimi muss nicht Dostojewski sein, auch nicht versuchsweise. So ein toller Ausgangs-Plot und dann so viele verschenkte Möglichkeiten. Fazit: Nie wieder Haiku!

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