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Thomas Gisbertz
Durchschnittlicher Krimi mit zeitgeschichtlichem Hintergrund

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Mai 2020

Düsseldorf, 1965: Für den jungen Kommissar Thomas Engel ist die Versetzung in die Stadt am Rhein der verheißungsvolle Beginn eines neues Lebens. Auf dem Lande aufgewachsen stellt die rheinische Metropole eine private wie berufliche Herausforderung für ihn dar. Er stürzt sich in das Leben und in seine Arbeit, die ihm gleich einen spannenden Fall beschert. Ein junges Mädchen wird in der Ruine Kaiserswerth tot aufgefunden. Engel versteht nicht, dass seine Kollegen nicht gleich die Spur verfolgen, die geradewegs in die dunklen 1930er Jahre führt. Versucht man etwas vor ihm zu verheimlichen? Warum will niemand sehen, was so offensichtlich auf der Hand liegt?

Ungeklärter Mordfall

Die zehnjährige Lotte Reimann hat keinen größeren Wunsch als eine blaue Mütze zu besitzen, die ihr für die vollständige Uniform des Jungmädelbundes noch fehlt. Das Geld hierfür will sie sich mit dem in Düsseldorf traditionellen Radschlagen verdienen. Als ihr ein Unbekannter das Angebot macht, ihr die Mütze zu bezahlen, nimmt das junge Mädchen den Vorschlag begeistert an. Wenige Stunden später findet man sie misshandelt und tot an einem abgelegenen Ort in der Nähe des Rheins. Die Gestapo braucht einen schnellen Ermittlungserfolg und verhaftet hierfür den erstbesten Verdächtigen.

26 Jahre später wird erneut ein Mädchen in der Ruine am Rhein misshandelt und tot aufgefunden. Hat der Täter nach fast drei Jahrzehnten wieder zugeschlagen? Thomas Engel muss erkennen, dass scheinbar nicht alle Kollegen an einer Aufklärung des Falls interessiert sind.

Krimidebüt eines Drehbuchautors

Thomas Christos ist das Pseudonym des Drehbuchautors Christos Yiannopoulos. 1964 kam er als Sohn griechischer Gastarbeiter nach Deutschland. Er studierte Germanistik und Pädagogik in Düsseldorf. Yiannopoulos arbeitet hauptsächlich als Drehbuchautor für das Fernsehen und wirkte an vielen erfolgreichen Produktionen mit. Unter anderem wurde er für seinen Film „Schräge Vögel“ für den Adolf-Grimme-Preis nominiert. Unter seinem Pseudonym Thomas Christos veröffentlichte er auch zahlreiche Kinderbücher.

Zeitgeschichte trifft auf Kriminalerzählung

Das Schreiben von spannender Kriminalliteratur vor einem zeitgeschichtlichen Hintergrund ist aktuell nicht zuletzt durch Volker Kutschers Gedeon-Rath-Reihe, die seine Hauptfigur durch das Berlin der 20er-/30er-Jahre und mitten in die politischen und gesellschaftlichen Umbrüche der Zeit schickt, sehr angesagt. Jeder Autor muss sich aber auch - ob dies gerecht ist oder nicht - mit dieser Krimi-Reihe der Extraklasse vergleichen lassen. Die Messlatte liegt dabei nicht nur für Thomas Christos extrem hoch.

Leider fällt der Start um den jungen Kommissar Thomas Engel bestenfalls durchschnittlich aus. Das hat zwei Gründe: Zum einen wirkt das Aufeinandertreffen von Kriminalerzählung und zeitgeschichtlichem Hintergrund noch sehr gezwungen. Zum anderen ist die Geschichte um den Düsseldorfer Kommissar erzähltechnisch wie sprachlich nur mäßig umgesetzt.

Zeitliche Anbindung fehlt

Christos hätte wohl besser daran getan, seine Erzählung zunächst fest im Jahr 1965 zu verankern, statt sie gleich mit Geschehnissen aus der Zeit um den Zweiten Weltkrieg zu kombinieren. Als Leser fragt man sich natürlich, warum der Autor sich das Jahr 1965 ausgesucht hat und seine Handlung in dieser Zeit spielen lässt. Politisch geschieht in Deutschland damals wenig, wenn man von den ersten diplomatischen Beziehungen mit Israel einmal absieht. Weltweit beschäftigt natürlich der Vietnam-Krieg die Menschen. Beides wird vom Autor in seinem Werk aber nicht thematisiert. So steht der zeitgeschichtliche Hintergrund in keinerlei Beziehung zur Handlung. Einzig die Tatsache, dass der Autor selber 1964 mit sechs Jahren nach Deutschland kam, lässt erahnen, warum Christos dieses Jahr gewählt hat.

Das Einbringen zeitgenössischer Details und Hintergrundinformationen, wie ein Konzert der Rolling Stones in Essen, bietet immer wieder Lokalkolorit, ist aber eher etwas für Nostalgiker. Alles zusammen wirkt zu konstruiert. Gelungen sind dagegen die Textpassagen, die sich mit den Gräueltaten des Zweiten Weltkriegs auseinandersetzen. Thomas Engel ermittelt deswegen zeitweilig sogar in Polen, was inhaltlich nachvollziehbar ist, aber ebenfalls nicht dazu beiträgt, den Serienstart zunächst in Düsseldorf im Jahr 1965 zu verordnen.

Ein Kriminalroman ist kein Film

Leider spürt man auch an vielen erzähltechnischen Merkmalen, dass Thomas Christos Drehbuchschreiber ist. Überdeutlich wird dies an der einfachen Figurenzeichnung, die speziell bei Thomas Engels Vorgesetztem Kurt Strobel in Auftreten und Handeln vollkommen überzogen und unglaubwürdig erscheint. Dessen Aussage, er sei „mit Leib und Seele Polizist“, wirkt vor dem Hintergrund zahlreicher beruflicher wie menschlicher Verfehlungen absolut unpassend. Thomas Engel selber wird anfänglich als Landei dargestellt, das - der damaligen Zeit durchaus entsprechend - in sexuellen Fragen prüde und verklemmt agiert. Dass er auch in seinem beruflichen Verhalten oftmals mehr als naiv auftritt, später aber gleichwohl den Täter überführen und den Fall lösen kann, nimmt man dem jungen Kommissar leider nicht ab.

Fazit:

Der erste Fall des Düsseldorfer Kommissars bietet noch viel Luft nach oben. Wenn es Christos gelingen sollte, künftige Fälle und damit auch seine Figuren stärker im Düsseldorf der 60er-Jahre zu verankern und dem Kommissar zum Beispeil einen starken Partner an die Seite zu stellen, der als alter Fuchs dem Jungen zur Seite steht, würde die Serie sicherlich an Stärke gewinnen. So aber wirken der Handlungsort, die Figuren und auch der zeitliche Hintergrund noch austauschbar.

1965 - Der erste Fall für Thomas Engel

1965 - Der erste Fall für Thomas Engel

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