Die Wächter

Erschienen: März 2020

Bibliographische Angaben

Kristiana Dorn-Ruhl (Übersetzung), Bea Reiter (Übersetzung), Imke Walsh-Araya (Übersetzung)

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Almut Oetjen
Über das Versagen des US-Justizsystems

Buch-Rezension von Almut Oetjen Mär 2020

Vor 22 Jahren wurde in der Kleinstadt Seabrook in Florida der weiße Anwalt Keith Russo mit einer Schrotflinte erschossen, als er spätabends in seinem Büro arbeitete. Es gab keine Zeugen und anscheinend kein Motiv. Nach einem Hinweis von Russos Witwe verhaftete Sheriff Pfitzner den jungen Quincy Miller, einen Angehörigen der schwarzen Minderheit in der weißen und  konservativen Stadt. Das ihm unterstellte Motiv: Unzufriedenheit über Russos Arbeit in seinem Scheidungsprozess.

Die Tatwaffe blieb verschwunden. Doch der Sheriff fand in Quincys Wagen eine blutbespritzte Taschenlampe, die er mit dem Mord verband. Sie verbrannte vor Prozessbeginn zusammen mit anderen Asservaten. Erhalten blieb nur ein Foto.

Ein Expertengutachten, die Aussagen der Exfrau, einer Drogenabhängigen und eines Gefängnisspitzels komplettierten eine Indizienkette, die Sheriff und Staatsanwalt um Quincys Hals legten. Die bis auf eine Ausnahme aus Weißen bestehende Jury verurteilte Miller zu lebenslänglich. Zwei Jahre nach dem Mord wurde Pfitzners Deputy Kenny Taft, einziger Schwarzer in seinem Team, erschossen - angeblich von Drogendealern.

Wiederaufnahme des Verfahrens ist offenbar gefährlich

Quincy hat sich an Guardian Ministries gewendet, eine kleine Non-Profit-Organisation in Savannah, Georgia, die Justizirrtümer aufklärt. Die Organisation besteht aus der Gründerin und Chefin sowie zwei Anwälten. Einer von ihnen, Cullen Post, ist auch Priester der Episkopalkirche. Unterstützt werden die Guardians durch ein gut funktionierendes Netzwerk in der Justiz sowie von dem smarten Schwarzen Francis Tatum, den Post als seinen ersten Mandanten aus dem Gefängnis geholt hatte.

Bei seinen Bemühungen um ein Wiederaufnahmeverfahren wird Post gewarnt. Russos Killer haben keine Skrupel, weitere Morde zu begehen, um Quincys Entlassung zu verhindern. Die Spur führt zu einem südamerikanischen Drogenkartell.

Wer verurteilt ist, muss schuldig sein

Derzeit sitzen mehr als 1600 Häftlinge in US-Todeszellen. Schätzungsweise vier Prozent davon sind unschuldig. Seit 1973 wurden mindestens 340 der fälschlich Verurteilten hingerichtet.

Grisham thematisiert in seinem neuen Thriller das Justizsystem in den USA, sein Handlungsraum konzentriert sich auf den ‚death belt’, den Todesgürtel, der sich von North Carolina bis Texas über Arkansas, Mississippi, Alabama, Louisiana, Georgia und Florida erstreckt, alles Staaten, die die Entscheidung des Supreme Court von 1976, die Todesstrafe wiedereinzuführen, enthusiastisch begrüßt haben.

Handlung und Figuren sind fiktiv, doch die dargestellte Welt ist realistisch und bezieht wichtige Themen mit ein, wie Erz-Konservatismus und Rassismus der Südstaaten sowie das System der privat geführten Haftanstalten als lukratives Geschäftsmodell. Inspiriert wurde Grisham nach eigener Anmerkung von dem Gründer einer Organisation, die Unschuldige aus dem Gefängnis holt, sowie der wahren Geschichte eines Mannes, der Opfer des Versagens des Rechtssystems wurde.

Protagonist und Ich-Erzähler ist der Anwalt Cullen Post. Er begann seine Karriere mit 30 als Pflichtverteidiger und beendete sie am gleichen Tag, als er angesichts der Verbrechen und des Charakters seines ersten Mandanten einen Burn Out erlitt. Er fand Rettung in der Kirche, wurde Priester und begegnete als solcher im Gefängnis Francis Tatum, durch den er zu den Guardians fand.

Zur Zeit hat er sechs Mandanten, zwei davon stehen im Fokus, Quincy Miller und Duke Russell. Der Roman beginnt damit, dass Post seinen Mandanten Russell, einen Weißen, in einem Todestrakt in Alabama besucht. Der Wärter serviert bereits die Henkersmahlzeit. Gemeinsam warten sie darauf, dass der Gouverneur ihn begnadigt oder der Bezirksrichter die letale Injektion verschiebt.

Komplizierte Welt der Justiz hat zahlreiche Fallstricke

Die parallel verlaufenden Geschichten von Duke und Quincy sind unterschiedlich angelegt, um die verschiedenen Facetten, Herangehensweisen, Strategien und Taktiken von Posts Arbeit zu schildern. Dabei wird der Leser in die komplizierte Welt der Justiz mit ihren zahlreichen Fallstricken eingeführt und erhält einen Einblick in das Prozesssystem, in Wiederaufnahmeverfahren, Berufungen, Zuständigkeiten, die Suche nach Gesetzeslücken, die verschiedenen Typen von Richtern, Staatsanwälten, Experten, dem Gefängnisalltag mit seinen Ritualen und Gangs, dem Ablauf einer Hinrichtung.

Post sieht sich als Mann, der Verbrechen aufklärt, um Menschen aus dem Gefängnis zu befreien. Es ist seine Berufung. Im Gegensatz zu den meisten anderen Menschen will er die Wahrheit wissen. Dabei wird in erschreckender Weise deutlich, mit welchen Strategien involvierte Personen mit einem Fehlurteil umgehen, für das sie mitverantwortlich sind.

Grisham entwirft seinen Protagonisten als Helden, der für seine Arbeit Privatleben und Karriere geopfert hat. Der Erfolg kompensiert ihn. In den letzten zehn Jahren haben die Guardians acht Menschen gerettet, wobei sie bisweilen auch am Rande der Legalität operieren, mit dem Ausschluss aus der Anwaltskammer, dem Gefängnis oder dem Tod bedroht werden.

Grisham legt die Schwachstellen des US-Justizsystem offen: korrupte Strafverfolger, desinteressierte Richter, lügende Zeugen, gekaufte Pseudo-Sachverständige, dumme Jurymitglieder. Das Credo von Strafverfolgung und Politik ist nicht die Suche nach der Wahrheit, sondern die Verurteilung, ob schuldig oder nicht. Das macht es so einfach, einen Menschen zu verurteilen, und so schwierig, ihn zu rehabilitieren.

Fazit:

John Grishams beklemmender Justizroman „Die Wächter“ spielt im „death belt“ der Vereinigten Staaten und erzählt vor realistischem Hintergrund die Geschichte von Cullen Post und den Guardian Ministries, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, schwere Justizirrtümer aufzuklären. Dabei lenkt Grisham den Fokus auf die Haltung der US-Strafverfolgung, nicht Recht zu sprechen, sondern zu verurteilen, denn jemand, der angeklagt ist, muss auch schuldig sein. Entlang einer fiktiven Geschichte seziert er ein System, dem die Ungerechtigkeit immanent ist.

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