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Thomas Gisbertz
Temporeicher Thriller - aber mit deutlichen Schwächen

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Jan 2020

Ein brutaler Mord an der Familie des Privatiers und Kunsthändlers Ferdinand Meersen erschüttert Frankfurt. Kriminalhauptkommissarin Marie Winter und BKA-Profiler Daniel Parkov ermitteln gegen eine Gruppe von Menschenhändlern, die sich selber die „Vier Apostel“ nennen. Die Spur führt das bewährte Ermittlerteam von Deutschland über Russland bis in die französischen Alpen, doch ist ihnen ein Auftragskiller, der „Panther“, immer einen Schritt voraus. Sein Ziel: die Tötung aller vier Apostel. Winter und Parkov geraten in einen Kampf zwischen zwei verfeindeten Organisationen, in dem sich die Grenzen zwischen Gut und Böse immer weiter auflösen.

Schatten der Vergangenheit

Parkov war nach dem letzten Fall zunächst drei Monaten verschwunden. Er suchte europaweit nach den Hintermännern des Verbrechersyndikats „Solitude“. Dessen Kopf Mads Argo, der sich selber nur „Der Professor“ nannte, ist zwar tot, doch zuvor vergiftete er den BKA-Profiler mit der Droge M-CotroX. Da ein Gegenmittel dessen Wirkung zwar verringern, aber nicht aufheben konnte, kämpft Parkov täglich mit starken Schmerzen. Sollte es seinem engen Vertrauten und Gehilfen Johann Münz nicht gelingen, auf seiner weltweiten Suche ein Mittel zu finden, welches die Vergiftung vollständig neutralisiert, wird Parkov sterben müssen.

Erfolg mit Debütroman

Autor Martin Krüger studierte zunächst Jura in Frankfurt. Heute lebt, arbeitet und schreibt er als freier Autor und Musiker in Süddeutschland und der Schweiz. Mit dem Thriller „Gaben des Todes“, dem ersten Teil der Winter-Parkov-Reihe, gelangt ihm direkt der Sprung in die Top 3 der Amazon Kindle-Charts und der BILD-Bestseller-Liste. Mit „Der Zorn der Vergeltung“ ist mittlerweile der vierte Band seiner Thriller-Serie erschienen.

Popcorn-Kino in Buchformat

Wenn man das zentrale Motiv des Thriller, „Leid ist Gerechtigkeit. Je größer das Leid, desto größer die Gerechtigkeit“, aufgreift, dann hat man als Leser sehr viel Gerechtigkeit bei der Lektüre erfahren - aber leider auch viel Leid. Denn der bei Edition M erschienene Thriller hat doch deutliche Schwächen.

Zunächst zum Positiven: Die Handlung besitzt Dynamik und Tempo. In bester Blockbuster-Manier verfolgen Hauptkommissarin Marie Winter und Profiler Daniel Parkov das Böse durch halb Europa. Das hat sicherlich zusammen mit der Tatsache, dass man eine Verbrecherorganisation jagt, einen ganz besonderen Reiz. Verletzungen werden dann auch schon einmal in bester John-McClane-Manier ignoriert oder selber von Parkov versorgt.

Russischer Milliardär als Profiler

Die exzentrische Hauptfigur Daniel Parkov ist Sohn russischer Einwanderer und Erbe eines milliardenschweren Unternehmens. Der Autor macht es sich mit dieser Figur sehr einfach: Parkov ist aufgrund seines immensen Reichtums nicht auf seine Arbeit bei der Polizei angewiesen, sondern kann sich finanziell alles leisten, was das Herz begehrt. Da wäre zum Beispiel E.L.V.I.S., das elektronische Lage- und Verwaltungssystem, mit dem Handy-Ortungen unkompliziert und ohne große richterliche Beschlüsse möglich sind.

Gegenüber seinen Vorgesetzten und Kollegen kann sich Parkov alles herausnehmen, was er nur will. Konsequenzen hat sein Fehlverhalten so gut wie keine. Wobei man sich fragen muss, warum der Milliardär als Profiler beim BKA angestellt ist. Dieser Tätigkeit kommt er bestenfalls ansatzweise nach, wobei er sich ständig in Spekulationen ergeht. Als es zum Beispiel darum geht, wer einen geheimnisvollen Schlüssel im Rahmen eines Gemäldes hinterlegt hat, das dem ersten Opfer gehörte, ist sich der Profiler sicher: Infrage kommen entweder das Opfer selbst, der unbekannte Täter oder einer der ermittelnden Polizisten. Allesamt Personen, die am Tatort waren. Puh, darauf kann auch nur ein Profiler kommen.

Kommissarin als Tollpatsch

Die Partnerin von BKA-Mann Parkov ist Hauptkommissarin Marie Winter, alleinerziehende Mutter einer Tochter. Da Mama damit ständig beschäftigt ist, trotz anders lautender Absprachen in brenzligen Situationen unerwartet aufzutauchen und alle in Gefahr zu bringen, hat sie für ihre Tochter leider keine Zeit. Dafür ist sie ständig um ihren Kollegen Parkov besorgt. Der verspricht Winter fast schon obsessiv, dass ihr nichts geschehen und er sie beschützen werde. Das ständige erotische Knistern zwischen beiden nervt irgendwann.

Erzählerische Schwächen

Martin Krüger hat es mit der Darstellung in seinem Thriller ab und an arg übertrieben. Wenn eine Geisel vom Dach eines Krankenhauses geworfen wird und dennoch überlebt, da der „Panther“, der die Verbündeten der Gegenseite töten will, schnell die Feuerwehr angerufen hat, damit diese ein Sprungtuch ausbreiten kann, muss man laut lachen. Mit dem „Orakel“, einem geheimnisvollen Auftraggeber, dem „Panther“ oder den „Vier Aposteln“ trägt der Autor doch etwas zu dick auf. Die Dialoge sind oftmals hölzern und stereotyp. Die Figuren sind eher Karikaturen. Sie besitzen keinerlei Tiefe und wirken zu klischeehaft. Da ist es kaum verwunderlich, dass im Laufe der Lektüre schnell deutlich wird, wer hinter dem geheimnisvollen Orakel steckt.

Nervend ist auch der ständige Kursivdruck. Ist dieser bei Gedanken der Protagonisten noch nachvollziehbar, dient er ansonsten dazu, den scheinbar unfähigen Leser darauf hinzuweisen, welches Wort in der jeweiligen Aussage betont werden soll. Hier scheint der Autor wenig Vertrauen in seine Leserschaft zu setzen.

Fazit:

Wer eine leichte Bettlektüre sucht, und dabei auch inhaltliche sowie erzählerische Schwächen verschmerzen kann, für den mag „Der Zorn der Vergeltung“ ebenso eine lesenswerte Lektüre sein wie für alle Liebhaber von Verschwörungstheorien und Geheimbünden. Tempo hat der Thriller allemal. Die Figurenzeichnung ist aber banal, die Handlung zum Teil vollkommen absurd und das Verhalten der Figuren oftmals nicht ansatzweise nachvollziehbar.

Der Zorn der Vergeltung

Der Zorn der Vergeltung

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