Maigret im Haus der Unruhe

Erschienen: April 2019

Bibliographische Angaben

Daniel Kampa (Nachwort)
Thomas Bodmer (Übersetzer)

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Jörg Kijanski
Der Auftakt-Fall für Maigret als Hauptfigur erstmals in deutscher Übersetzung

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Okt 2019

Zwei Uhr in der Nacht. Kommissar Jules Maigret sitzt allein am Quai des Orfèvres, als ihm eine junge Frau gesteht, einen Mann ermordet zu haben. Ein Telefonanruf in der Zentrale erfordert kurz seine Aufmerksamkeit, doch bei seiner Rückkehr ist die Frau verschwunden. Am folgenden Morgen wird Maigret nach Montreuil gerufen, Kapitän Truffier wurde in seiner Wohnung erstochen.

Am Tatort bemerkt Maigret einen jungen Mann, der der jungen Frau erstaunlich ähnelt, bei der es sich um Mademoiselle Hélène Gastambide handelt, die mit ihrem Vater und Bruder im Haus des Ermordeten wohnt. Allerdings hat die Sache zwei Haken, denn die Concierge sagt aus, dass am Vorabend ab 22 Uhr niemand mehr das Haus verlassen oder betreten hat und auch Hélène bestreitet vehement, Maigret besucht zu haben. Der Fall wird komplexer als zunächst gedacht und Maigret muss sich auf seine Intuition verlassen und seine größte Fähigkeit, die stille Beobachtung.

Seit 2018 erscheinen Maigret-Romane im Kampa Verlag

Vier Jahrzehnte erschienen die Maigret-Romane von Georges Simenon im Diogenes Verlag, doch seit 2017 hat sich der Kampa Verlag die Rechte gesichert. Das dürfte vor allem in der Person von Daniel Kampa begründet sein, der zuvor das Werk Simenons bei Diogenes betreute. Eigentlich glaubte man als Maigret-Leser schon alles zu wissen, doch ein Teil der Geschichte muss wohl doch neu geschrieben werden.

Das Maigret-Werk besteht aus 103 Teilen (75 Romane und 28 Erzählungen) und sein Erfinder Georges Simenon ist einer der erfolgreichsten Autoren aller Zeiten. Seine weltweite Gesamtauflage beträgt über 500 Millionen Bücher. Tendenz weiter steigend, aktuell wird Maigret gerade im asiatischen Raum entdeckt. Nur wenige Autoren wurden häufiger übersetzt und verfilmt. Zu den bekanntesten Darstellern zählen Charles Laughton, Jean Gabin und (vielleicht der Beste) Bruno Cremer; außerdem Heinz Rühmann und (nun ja) Rowan „Mister Bean“ Atkinson.

„Maigret und Pietr der Lette“ ist offiziell die Nummer eins

Im Maigret-Kanon ist „Maigret und Pietr der Lette“ der erste Maigret-Roman, und genau an dieser Stelle muss eine Korrektur erfolgen. Denn bevor „Maigret und Pietr der Lette“ erschien, veröffentlichte ein gewisser Georges Sim vier Proto-Romane, in denen die Figur Maigrets zunächst noch eine Nebenrolle spielte. Zumindest in den ersten drei Folgen, doch im vierten Roman „Maigret im Haus der Unruhe“ steht Maigret vom ersten Satz an im Zentrum des Geschehens und ist hier bereits die Hauptfigur, die später weltberühmt wurde.

Das verqualmte Büro mit Kanonenofen am Quai des Orfèvres, mitunter Biergläser auf dem Tisch, dazu sein Mantel mit Samtkragen, eine Melone und die unverzichtbare Pfeife, wenngleich diese bei einem kurzen Handgemenge zu Bruch geht. Auch die Figur selbst ist eindeutig gezeichnet, leicht übergewichtig aber kraftvoll, oft mürrisch aber mit Blick für die Schutzbedürftigen und einer herausragenden Beobachtungsgabe.

Inspektor Torrence und Richter Coméliau spielen bereits mit und Madame Maigret wird immerhin im letzten Absatz erwähnt. Keine Frage also, dass „Maigret im Haus der Unruhe“ – wie es der Kampa Verlag so schön schreibt – „Maigrets 0. Fall“ ist. Erst danach erschien „Maigret und Pietr der Lette“, wie auch literaturwissenschaftlich inzwischen belegt. Insofern ist das knapp 20 Seiten lange Nachwort von Daniel Kampa mindestens genau so interessant wie der eigentliche Roman.

Fazit:

Ein „neuer“ Fall für den weltberühmten Kommissar, erstmals in deutschsprachiger Übersetzung. Mehr muss der Krimifan eigentlich gar nicht wissen. Außer vielleicht noch, dass die erste deutschsprachige Gesamtausgabe von Georges Simenon (die 103 Maigret-Werke bis Herbst 2020 sowie seine 117 großen Romane und alle Erzählungen) beim Kampa Verlag erscheint.

Maigret im Haus der Unruhe

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12.11.2020 19:59:06
Buchbesprechung

REZENSION – Neunzig Jahre nach der Erstveröffentlichung erschien 2019 im Schweizer Kampa-Verlag und nun auch im Hamburger Atlantik-Verlag erstmals eine Übersetzung des Kriminalromans „Maigret im Haus der Unruhe“. Es ist nach neuesten Erkenntnissen der erste Roman von Georges Simenon (1903-1989) um seinen Pariser Kommissar Jules Maigret, der den belgischen Schriftsteller weltbekannt machte und in 75 Romanen sowie 28 Erzählungen als Hauptfigur in mehr als 40 Jahren begleitete.
Fast noch spannender als dieser Krimi ist die Geschichte seiner Wiederentdeckung. Denn bisher galt, wie Verleger Daniel Kampa in seinem lesenswerten 20-seitigen Nachwort berichtet, der 1931 veröffentlichte Krimi „Maigret und Pietr der Lette“ als Auftakt der Maigret-Reihe. Doch ist, wie man heute weiß, die Figur Maigrets älter, zumal schon in frühen Romanen des jungen Simenon verschiedentlich Ermittler auftraten, gelegentlich sogar mit Namen Maigret. Doch erst 1929 ließ der damals 26-jährige Autor bei seinem Versuch, sich vom Groschenroman-Schreiber zu einem seriösen Schriftsteller zu wandeln, in drei Romanen seinen Kommissar zur Hauptfigur heranreifen, bis endlich im vierten, dem Krimi „Maigret im Haus der Unruhe“, Maigret seinen endgültigen Charakter hatte. Simenons Kommissar war nun ein Mann mittleren Alters mit stämmiger Figur, mit Melone, Mantel und unverzichtbarer Pfeife, der sich durch unerschütterliche Ruhe, Einfühlungsvermögen und seinem Verständnis für die Täter auszeichnete. Maigret war zum „Schicksalsflicker“ geworden, wie Simenon seinen Protagonisten nannte. Dieser vierte Roman aus dem Jahr 1929, der im Frühjahr 1930 in einer französischen Zeitung abgedruckt wurde, kam erst 1932 unter dem Pseudonym Georges Sim als Buch in den Handel, also ein Jahr nach „Maigret und Pietr der Lette“.
Worum geht es nun in diesem mit 90-jähriger Verspätung erstmals übersetzten Maigret-Roman? Während seines Nachtdienstes bekommt der Kommissar den Besuch einer jungen Frau. Sie bezichtigt sich, einen Mann erstochen zu haben. Als Maigret nach kurzem Telefonat im Nebenzimmer in sein Büro zurückkommt, ist sie verschwunden. Doch Maigret findet sie in einem Mehrfamilienhaus im Pariser Vorort Montreuil, wohin er am nächsten Morgen gerufen wird: Einer der Bewohner wurde ermordet. Die Ermittlungen sind schwierig, denn hinter ihrer bürgerlichen Fassade scheinen alle etwas zu verbergen.
Wir Leser stehen an den folgenden Tagen an Maigrets Seite bei den Vernehmungen, folgen ihm durch die Pariser Straßen auf der Suche nach dem Mörder. Verdächtige gibt es viele, der Fall ist verzwickt. Sogar Maigret weiß nicht, wie er damit umgehen und die darin verwickelten Personen einschätzen soll. Natürlich gelingt ihm trotz eines großen Verwirrspiels am Ende die Aufklärung. Doch darin findet Maigret keine Genugtuung. Schon in diesem ersten Krimi empfindet Simenons Kommissar Mitleid mit Täter und Opfern: „Er war missmutig. Er stand beim Ofen, die Hände auf dem Rücken, wie es seine Art war.“
Dieser nun nach 90 Jahren als erster Maigret-Krimi wiederentdeckte Roman ist literarisch nicht unbedingt anspruchsvoll. Aber er ist ein spannender Unterhaltungsroman und mit seinen nur 200 Seiten in großer Schrift bestens als Lektüre zum Feierabend geeignet. Für alle Freunde und Sammler der weltberühmten Krimireihe ist „Maigret im Haus der Unruhe“ allerdings eine unverzichtbare Ergänzung im Bücherregal.

BEHIND THE DOOR
Der Raum. Die Tat. Das Rätsel.

Lies die Geschichte, erkunde den Tatort und bringe Licht in das Dunkel um einen mysteriösen Kriminalfall. Welche Auffälligkeiten bringen die Ermittlungen voran? Welches Indiz überführt den Täter? BEHIND THE DOOR ist der unterhaltsame und kurzweilige Rätselspaß auf Krimi-Couch.de.

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