Arrowood - Die Mördergrube

Erschienen: Juni 2019

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen unter dem Titel „The Murder Pit“
London : HQ/HarperCollins Publishers UK 2017
München : HarperCollins Verlag 2019. Übersetzung: Kerstin Fricke. ISBN-13: 978-3-95967-293-1. 480 Seiten
München : HarperCollins Verlag 2019 (eBook). Übersetzung: Kerstin Fricke. ISBN-13: 978-3-95967-840-7. 5,3 MB (ePUB)

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Michael Drewniok
Verboten ist es nur, wenn man erwischt wird

Buch-Rezension von Michael Drewniok Sep 2019

Im Januar des Jahres 1896 übernimmt William Arrowood, Privatermittler aus London, gemeinsam mit seinem Assistenten (und Leibwächter) Norman Barnett einen neuen Fall. Das Ehepaar Barclay klagt über die Unmöglichkeit, Kontakt mit ihrer Tochter Birdie aufzunehmen, die einige Monate zuvor den Bauern Walter Ockwell geheiratet hat. Arrowood soll Birdie ‚nach Hause‘ holen.

Die Ockwells züchten Schweine auf einem einsam gelegenen Hof außerhalb Londons unweit des Dorfes Catford. Dort ist Birdie unglücklich und wird schlecht behandelt, fürchten die Barcleys, die außerdem zögerlich offenbaren, dass Birdie geistig behindert ist - eine Eigenschaft, die sie mit dem Gatten teilt. Tatsächlich wurde die Hochzeit von den Barcleys und der gerissenen Rosanna Ockwell eingefädelt; die einen wollten die gesellschaftlich ‚peinliche‘ Tochter loswerden, die andere eine kostenlose, willfährige Arbeitskraft gewinnen.

Überhaupt enthüllen Arrowood und Barnett eine Kette von Ungereimtheiten, die rasch in sorgsam vertuschtes Unrecht umschlagen. Offensichtlich dient der Ockwell-Hof als Sklavenlager, auf dem geistig Behinderte sich schier zu Tode schuften müssen. ‚Nachschub‘ liefert das örtliche „Irrenhaus“, und gedeckt wird das Ganze von der korrupten lokalen Polizei.

Lange vergeblich versuchen die Detektive herauszufinden, was vor sich geht. Vor allem Barnett steckt dabei manche Tracht Prügel ein, aber auch Arrowood bleibt nicht ungeschoren. Nach und nach enthüllen sie trotzdem hässliche wie lukrative Praktiken, von denen auch gesellschaftlich weit oben stehende ‚Ehrenmänner‘ profitieren. Diese wollen keineswegs auf diese sprudelnde Geldquelle verzichten oder gar ihr Tun öffentlich gemacht sehen, weshalb es für Arrowood und Barnett bald nicht mehr nur um Wissen, sondern um das nackte Leben geht …

Nostalgie als sarkastisch parodiertes Stilmittel

Dass es in ‚alten Zeiten‘ überaus interessant, gleichzeitig jedoch extrem ungemütlich zugehen konnte, ist eine Erkenntnis, die sich in der Unterhaltungsliteratur erst allmählich als Stilmittel einbürgerte. Politische Willkür und gesellschaftliche Schranken wurden seit jeher als spannungstreibende Elemente genutzt. Schmutz, Krankheit und daraus geborener Tod sowie Sex kamen später hinzu; in unserer zynisch gewordenen Gegenwart sind sie mehr oder weniger unverzichtbar geworden.

Auch Mick Finlay schwelgt förmlich in entsprechenden Ekelszenen, die freilich Anno 1896 zum Lebensalltag gehörten. Manchmal geht die ‚Fantasie‘ im Dienst des Effekts allerdings mit ihm durch; so muss sich Arrowood einmal unter einem Pferd verstecken, das daraufhin kräftig uriniert. Man kann den Dreck, die Läuse, den allgegenwärtig die Straßen bedeckenden Unrat, die kohlenstaubgeschwängerte Luft förmlich schmecken. Finlay macht uns die Folgen eindringlich deutlich, indem er eine breite Palette parasitenkrankhaft und anderweitig entstellter Zeitgenossen präsentiert.

Detektiv Arrowood selbst ist schlampig, schmuddelig, fett und verfressen. Er säuft, nimmt allerlei zu seiner Zeit frei erhältliche Drogen (u. a. Wein mit Kokainzusatz) zu sich und bietet ein Bild hart an der Grenze der Überzeichnung. Dies wird - ein witziger, freilich oft genutzter Einfall - dadurch verstärkt, dass Arrowood ein Zeitgenosse des Ermittlers Sherlock Holmes ist, der hier ‚real‘ existiert und ständig Arrowoods Zorn erregt, weil Holmes erfolgreich und berühmt ist sowie gut honoriert wird, obwohl sein ‚Kollege‘ aus eigener Sicht mindestens ebenso findig ist.

Böse oder einfach ‚nur‘ gleichgültig?

Das trifft sogar zu, denn Arrowood hat geniale kriminalistische Geistesblitze, die davon künden, dass er seinen Job gelernt hat und beherrscht. Sein Pech liegt in der Unfähigkeit begründet, sich so gut zu verkaufen wie Holmes, der sich außerdem hervorragend in der Gesellschaft zu vernetzen weiß. Arrowood ist zwar eine ehrliche Haut, kann sich aber nicht verstellen, um in diese Sphären vorzustoßen - eine Tatsache, die ihm durchaus bewusst ist und die ihn quält, was Finlay gern aufgreift; u. a. kommt es sogar zu einem Briefwechsel zwischen Arrowood und Holmes.

Während die Schilderung einer gleichermaßen faszinierenden wie ekligen Kulisse makellos ist - wenn auch nicht originell, da wie erwähnt viele Autoren in dieses Horn stoßen -, rollt das kriminalistische Geschehen recht gemächlich ab. „Die Mördergrube“ müsste definitiv keine eng bedruckten 500 Seiten zählen, um die darin enthaltene Geschichte zu erzählen. Viel zu oft reisen Arrowood und Barnett zwischen London und Catford hin und her, ohne dadurch neue, die Handlung belebende Erkenntnisse zu gewinnen. Die Aufklärung eines Verbrechens ist zwar durch Sackgassen und Ermittler-Fehlschläge geprägt, doch in der Fiktion sollte dies gerafft werden, um nicht gar zu viel Stroh zu dreschen.

Dabei hat Finlay ein echtes Eisen im Feuer: Die Ignoranz psychisch beeinträchtigter und rechtlich machtloser Mitmenschen ist auch in der Gegenwart eine viel zu oft trübe Realität. Im viktorianischen Zeitalter galten die Betroffenen als „Irre“ oder „Idioten“, die man zum eigenen Schutz wegsperren und streng behandeln musste, um ihre ‚Triebe‘ zu kontrollieren und zu unterdrücken. (Autor Finlay erläutert dies in einem Nachwort.) Die daraus resultierenden Ungerechtigkeiten, die oft nahtlos ins Verbrechen überlappten, thematisiert Finlay ohne erhobenen Zeigefinger, was ungeachtet des schleppenden Erzähltempos eine lohnende Lektüre ergibt.

Fazit:

Band 2 der Serie um das Detektiv-Duo Arrowood und Bartlett schwelgt in viktorianischer Grusel-Gemütlichkeit - das ein wenig zu intensiv, was sich auf die Handlung niederschlägt: Hier geht es gemächlich zu, was einem durchaus interessanten und schlüssigen Plot manchmal schadet. Ansonsten bietet Mick Finlay einen nie originellen, aber soliden Historienkrimi.

Arrowood - Die Mördergrube

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