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Carola Krauße-Reim
Das schmutzige Geschäft mit den Offshore-Konten

Buch-Rezension von Carola Krauße-Reim Sep 2019

Cristina Alger war Finanzanalystin und Wirtschaftsanwältin, bevor sie sich dem Schreiben widmete. Das merkt man ihrem Thriller „Das Kartenhaus“ an, der in der Welt der Schweizer Privatbanken angesiedelt ist. Gekonnt erklärt sie dem unwissenden Laien die Feinheiten des Finanzgeschäfts, und hier besonders die legale, aber fragwürdige Praxis der Offshore-Konten, auf denen Leute mit zu viel oder illegal erworbenem Geld ihren Reichtum vor dem Fiskus verbergen. Und genau darum geht es in der Geschichte.

Annabel erfährt, dass ihr Mann bei dem Absturz eines Privatjets ums Leben kam. Brisant ist, dass Matthew als Anwalt bei einer Bank in Genf arbeitete, die offensichtlich nicht nur Nummernkonten führte, sondern auch im Geschäft der Briefkasten-Firmen mitmischte. Gleichzeitig erhält die amerikanische Journalistin Marina, in Vertretung für einen Kollegen, anonyme Informationen eines Whistleblowers. Sie geben Auskunft über geheime Offshore-Konten und ihre Inhaber, darunter auch die Familie des syrischen Machthabers Al-Assad. Am Morgen nach der Übergabe an Marina ist ihr Kollege tot.

Hier agieren zwei starke Protagonistinnen

Annabel ist eine junge Frau, die ihren Beruf als Galeristin aufgab um mit ihrem Mann von New York nach Genf zu ziehen. Hier verdient Matthew zwar jede Menge Geld, und auch ansonsten bietet das Leben in Bankerkreisen viel Annehmlichkeiten, aber Annabel ist meistens allein und einsam.

Marina ist eine taffe Journalistin. Sie ist mit Grant Ellis, dem Sohn des republikanischen Präsidentschaftskandidaten, verlobt. Ihren Beruf will sie zugunsten der politischen Laufbahn ihres Schwiegervaters und den geschäftlichen Interessen ihre Zukünftigen aufgeben.

Hier wird das Bild zweier Frauen gezeichnet, die für ihre Männer ihren Beruf, ihre Karriere und damit auch ein Stück ihres Lebens aufgeben. Obwohl sie es freiwillig tun und ein Leben im Luxus vor ihnen liegt, sind sie damit nicht glücklich. Cristina Alger schafft es, dieses für viele Frauen durchaus bekannte Dilemma dem Leser nahe zu bringen. Dabei gestaltet sie die beiden Figuren aber nicht unterwürfig und ohne den Willen, etwas aus dem Leben zu machen, sondern als starke Frauen, die sich zwar zurücknehmen, dies aber aus Liebe tun. Wenn dann aber beide in die Situation kommen handeln zu müssen, sind sie dazu bereit und zwar mit allen Konsequenzen.

Annabel und Marina sind zwei starke Protagonistinnen. Ihre gute Einführung und ihre Entwicklung von der Frau an der Seite des Mannes hin zu einer willensstarken Kämpferin, machen sie zu echten Charakteren. Aber auch alle anderen Personen in der Geschichte sind durchgängig glaubhaft. Alle Charakterzüge sind gut herausgearbeitet, aber nicht überzeichnet. Man könnte diese Typen durchaus im wirklichen Leben treffen (wenn man sich denn in Bankerkreisen oder unter den Schönen und Reichen dieser Welt bewegt).

Spannung von Anfang bis Ende

Mit einem unkomplizierten und flüssig zu lesenden Schreibstil zieht die Autorin den Leser in den Bann der Geschichte. Denn schnell wird klar, mit dem Flugzeugabsturz stimmt etwas nicht. Ebenso offensichtlich ist nach dem Mord an Marinas Kollegen, dass die Informationen des Whistleblowers sensationell sind, und einigen Personen richtig große Probleme bereiten könnten.

In zwei Erzählsträngen begleitet der Leser Annabel und Marina während ihrer temporeichen und gefährlichen Suche nach der Wahrheit. Die dreckigen Geschäfte der Banken, ihre Skrupellosigkeit und auch ihre Macht sind spannend und überaus nachvollziehbar geschildert. In kurzen Kapiteln wird langsam das ganze Ausmaß der Verstrickungen deutlich. Das Geschehen entwickelt sich zu einem echten Page-Turner, denn mit jeder neuen Wendung nimmt die Spannung zu, und man fragt sich, ob es überhaupt noch Moral und Anstand in diesen Kreisen gibt.

Für beide Frauen endet die Geschichte dramatisch. Für den Leser ist sie einfach atmosphärisch dicht und überaus packend erzählt und, das Ende lässt doch noch ein bisschen die Hoffnung aufkommen, dass die Mächtigen nicht immer gewinnen.

Fazit:

In Zeiten der Panama-Papers und Offshore-Leaks ist „Das Kartenhaus“ fast schon dokumentarisch. Ein Thriller, der packend und temporeich erzählt ist, wenn er auch im Mittelteil einige Längen hat. Eine Kaufempfehlung für alle, die mal nicht auf John Grisham zurück greifen wollen, um in den Genuss eines gut erzählten und anspruchsvollen Polit-Thrillers zu kommen.

Das Kartenhaus - Macht ist ein gefährliches Spiel

Das Kartenhaus - Macht ist ein gefährliches Spiel

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Letzte Kommentare:
11.03.2020 17:36:37
ChrissyHannover

Das Kartenhaus- Macht ist ein gefährliches Spiel von Cristina Alger

Genf: Als Annabel erfährt, dass ihr Ehemann bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen ist, ist sie am Boden zerstört. Doch die Umstände seines Todes sind mehr als mysteriös. Was hatte ihr Mann Matthew, der als Banker in Genf arbeitete, in London zu tun? Und wer war die junge Frau, die als einzige mit ihm in der Maschine saß? Annabel zweifelt mehr und mehr an den Informationen, die man ihr gibt und beginnt, Nachforschungen anzustellen.
Paris: Mitten in der Nacht erhält die Journalistin Marina einen Anruf eines Kollegen. Dieser bittet sie um Hilfe bei der Übergabe streng geheimer Informationen. Marina tut ihm den Gefallen, doch am nächsten Morgen nach dem Telefonat ist er tot. Marinas Recherchen führen zu einem gefährlichen Abgrund, in denen die gesamte Weltelite verstrickt ist und zu einem Flugzeugabsturz in den Alpen…

Als ich den Klappentext das erste Mal las, wurde mir das Buch als Finanzthriller angepriesen. Dies klingt auf den ersten Blick nicht so spannend, aber zumindest interessant. Dieser Eindruck ist völlig falsch, denn dieser Thriller entpuppte sich als das spannendste Katz- und Mausspiel, was man sich vorstellen kann. In einer Welt von Offshore-Konten und Weltmacht, zwischen Kartellbossen und hohen Politikern, können Insiderinformationen ein tödliches Ende nehmen.
Ich habe dieses Buch zum Glück in meinem Urlaub begonnen, somit hatte ich die Zeit und habe das Buch tatsächlich in einem Tag durchgelesen.
Die Geschichte beginnt zunächst langsam und seicht. Wechselnde Szenenwechsel berichten über das glamouröse Leben von der Künstlerin Annabel, die mit ihrem Mann nach Genf gezogen ist, um schnell Geld für ihre gemeinsamen Träume zu verdienen. Dies gewährt einen Einblick in ein etwas trostloses Leben einer Bankersgattin, was für mich anfangs noch etwas schleppend lief.
Dann Szenenwechsel zu Marina. Diese verbringt gerade Urlaub mit ihrem Verlobten Grant in Paris, als sie den Anruf ihres Kollegen und Mentors Duncan Sanders erhält, der sie um die Übernahme geheimer Informationen zu der größten Story ihres Lebens bittet. Marina, die eigentlich als Journalistin aufhören wollte um ihren Verlobten bei der Präsidentschaftswahl ihres Schwiegerveters zu unterstützen, nimmt dieses als den letzten Gefallen an. Als die von Duncans Tod am nächsten Tag erfährt, bricht sie den Urlaub sofort ab. Marina stößt auf viele Ungereimtheiten und beginnt zu recherchieren.
Anfangs ist noch nicht klar, wie sehr die Leben von Annabel und Marina ineinander verwoben werden, doch beide Szenen steigen unaufhörlich in der Spannung, denn noch ahnt niemand, in was für ein Wespennest die beiden gestochen haben.
Die Autorin war vor ihrer Autorentätigkeit als Finanzanalystin und Wirtschaftsanwältin tätig, was ihr einen guten Background zu der Geschichte liefert.
Fazit: Ein äußerst spannender Finanzthriller, der zum Pageturner wird. Von mir eine absolute Leseempfehlung!