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Thomas Gisbertz
Ein mitreißender Spannungsroman und eine berührende Geschichte

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Sep 2019

Nach dem plötzlichen und unerwarteten Tod seiner geliebten Frau will Tom Kennedy mit seinem kleinen Sohn Jake ganz neu anfangen - in Featherbank, einem beschaulichen Ort mit düsterer Vergangenheit. Vor 20 Jahren wurden hier fünf Kinder entführt und getötet. Der Mörder wurde unter dem Namen „Kinderflüsterer“ bekannt und schließlich von Detective Inspector Pete Willis gefasst. Nur ein Leichnam blieb bis heute unauffindbar.

Während Tom mit seinem Sohn nach Featherbank in ein befremdlich wirkendes Haus zieht, weiß er von den damaligen Geschehnissen noch nichts. Als jedoch der sechsjährige Neil Spencer verschwindet, scheinen sich nicht nur die Befürchtungen und Ängste von DI Willis zu bestätigen: Hatte der Serienmörder einst einen Komplizen? Oder hat man es aktuell mit einem Nachahmungstäter zu tun?

Toms Sohn Jake beginnt, sich zunehmend merkwürdiger zu verhalten: Er spricht mit einer imaginären Freundin und distanziert sich zunehmend von seinem Vater. Das Grauen scheint beide einzuholen, als Jake eines Tages  gesteht, dass er nachts ein Flüstern am Fenster höre.

Geheimnisumwitterter Ort

Regelmäßig trifft sich DI Pete Willis im Gefängnis mit Frank Carter, den er vor 20 Jahren wegen des Mordes an den fünf Jungen verhaften konnte, um das letzte Rätsel aus ihm herauszukitzeln: den Ort, wo er den siebenjährigen Tony Smith vergraben hat. Willis belastet der Fall bis heute sehr. Die Erinnerungen, die ihn immer wieder begleiten, werden schmerzvolle Realität, als mit Neil Spencer ein weiterer Junge entführt und Wochen später tot aufgefunden wird. Gemeinsam mit DI Amanda Beck macht er sich auf die Suche nach dem Täter.

Schnell gerät Norman Collins in den Fokus der Ermittlungen. Dieser sammelt nicht nur „Artefakte des Todes“, indem er alles aufkauft, was er an Gegenständen von Mördern im Darknet als „Erinnerungsstücke“ finden kann, um diese zuhause auszustellen. Er hat auch über einen Mittelsmann im Gefängnis Kontakt mit Frank Carter hergestellt. Nicht zuletzt wollte er das Haus von Kennedy zu einem deutlich überhöhten Preis kaufen. Was hat er zu verbergen? Das, was er beim Verhör zu sagen hat, wirft neue Rätsel auf.

Plötzlich verschwindet ein weiteres Kind. Dass der damalige Mörder Carter im Rahmen seiner Gespräche mit Willis diesem tatsächlich Hinweise auf den aktuellen Täter gibt, bemerkt dieser erst spät. Wird er den Jungen dennoch rechtzeitig finden?

Erfolg mit Debütroman

Alex North, geboren und aufgewachsen in Leeds, England, studierte Philosophie und arbeitete nach seinem Abschluss an der Fakultät für Soziologie und Sozialpolitik. Insgeheim hegte er aber immer den Wunsch zu schreiben. Auf die Idee zu seinem Roman „Der Kinderflüsterer“ brachte ihn ein merkwürdiger Ausspruch seines kleinen Sohnes, der sagte, er wolle mit einem „Jungen im Boden“ spielen.

Dieser Junge spielt in seinem Debütroman ebenso eine wichtige Rolle wie ein Kinderreim, den Jake, der Sohn von Tom Kennedy, immer wieder aufsagt:

„Wenn die Tür halb offen steht, ein Flüstern zu dir rüberweht.
Spielst du draußen ganz allein, findest bald nicht mehr heim.

Bleibt dein Fenster unverschlossen, hörst du ihn gleich daran klopfen.
Denn jedes Kind, das einsam ist, holt der Flüsterer gewiss.“

Alleine mit diesen beiden Motiven, dem Bild des „Jungen im Boden“ und dem Kinderlied, schafft es North, eine derart beklemmende Atmosphäre zu schaffen, dass einem mehr als ein Mal der Atem stockt. Kein Wunder also, dass Hollywood sich bereits die Filmrechte gesichert hat.

Furchterregende Atmosphäre

Der Roman hat alles, was einen guten Thriller ausmacht: Spannung, Action und überraschende Wendungen. Was ihn aber aus der breiten Masse der Spannungsliteratur noch heraushebt, ist, dass North auch ein unglaublich guter Geschichtenerzähler ist. Er versteht es nicht nur, die Jagd nach dem Täter auf eine beängstigende und verstörende Art zu schildern, sondern er erzählt auch auf eine sehr behutsame und mitreißende Weise die Geschichte eines alleinerziehenden Vaters, dem es schwer fällt, einen Zugang zu seinem kleinen Sohn zu bekommen.

Einfühlsame Vater-Sohn-Geschichte

Tom Kennedy ist eigentlich Schriftsteller. Seit dem Tod seiner Frau Rebecca vor zehn Monaten quält ihn aber eine Schreibblockade. Gleichzeitig versucht er sich seinem Sohn anzunähern, obwohl es beiden noch nie leicht gefallen ist, miteinander zu reden. Jack ist ein sehr sensibler, empfindsamer, aber auch kluger und kreativer Junge. Er lebt zum Teil in seiner Welt. So sammelt er für ihn wichtige Dinge in seinem „Päckchen mit Besonderen Sachen“.

Alex North gelingt es, den Leser mit sehr einfühlsamen Worten für diese schwierige Beziehung zwischen Vater und Sohn zu gewinnen. Man muss lachen, wenn Jake mit seinen Aussagen oftmals etwas altklug redet, aber zumeist fühlt man eine unglaubliche Nähe zu den beiden - man leidet und trauert mit ihnen.

Geschickter, aber auch einfühlsamer Erzähler

Dass es sich bei „Der Kinderflüsterer“ um einen Debütroman handeln soll, lässt den Leser erst recht staunen, wenn man die vielschichtige Schreibweise berücksichtigt. North wechselt ständig zwischen der Ich-Erzählperspektive Tom Kennedys und dem Er-/Sie-Erzähler. Hier nimmt er wechselnde Perspektiven ein (unter anderem auch die des Täters), sodass man zwar immer näher bei Tom ist, aber dennoch sehr genau die Stimmungen, Gedanken und Motive der anderen handelnden Personen sichtbar werden.

Besonders die Figur des alternden Ermittlers Pete Willis wird auf eine beeindruckende Weise dargestellt. Der Detective ist trockener Alkoholiker. Anders als in so manchem skandinavischen Krimi wird er aber nicht rückfällig und stellt damit auch  nicht seinen Ermittlungserfolg in Gefahr. Der Autor lässt den Leser an den Gedanken von Willis teilhaben. So wird das Bild eines an sich zweifelnden Mannes deutlich, der unter seinem Vater gelitten hat, der von seiner Frau verlassen wurde und der sich als Resultat aus beidem für einen Versager hält. Unvermittelt ergibt sich für ihn aber die Möglichkeit, seinem Leben wieder einen Sinn zu geben.

Fazit:

Norths Erzählung ist mehr als wendungsreich und lässt den Leser oft verblüfft zurück. Dabei schafft es der Autor, trotz der Nebenhandlungen nie Langeweile aufkommen zu lassen. Seine Erzählung nimmt immer mehr Tempo auf und reißt den Leser regelrecht mit in die Handlung. North ist ein begnadeter Schriftsteller. Man wird regelrecht süchtig von seinem Werk. Die Schreibweise des Autors ist dabei unnachahmlich: beängstigend, gruselig, aber zugleich nachdenklich und mitfühlend. Alex North ist sicherlich einer der Newcomer des Jahres - und er hat sich das mehr als verdient.

Der Kinderflüsterer

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