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Jochen König
Ein Einblick in die Rechtsmedizin

Buch-Rezension von Jochen König Sep 2019

Prof. Dr. Klaus Püschel ist seit 1991 Direktor des Hamburger Instituts für Rechtsmedizin. Er ist einer der führenden Rechtsmediziner Deutschlands und war als Gutachter an so spektakulären Fällen wie dem Selbstmord Uwe Barschels, der Anklage gegen den populären Wetter-Moderator Jörg Kachelmann und der Erforschung eines Schädels, der mutmaßlich dem Piraten Klaus Störtebeker gehörte, beteiligt.  Drei Untersuchungen, die in „Tote schweigen nicht“, dem ersten von derzeit drei Büchern, die Püschel gemeinsam mit der Journalistin Bettina Mittelacher verfasst hat, ihren Niederschlag finden.

Umstritten ist Püschel wegen seines Wunsches nach einer verbindlichen Altersprüfung für junge Flüchtlinge und der Einführung einer genetischen Datenbank, in der die DNA jedes Bundesdeutschen gespeichert ist. Datenschützer sehen gerade beim letzten Thema die Rechtsstaatlichkeit außer Kraft gesetzt. Anlass für kontroverse Diskussionen zuhauf, doch irrelevant für das vorliegende Buch.

Vom Allgemeinen zum Speziellen

Hier wählen Püschel und Mittelacher einen zweigeteilten Ansatz, sie informieren über die Grundlagen des Arbeitsfeldes Rechtsmedizin und verbinden diese theoretischen Auslassungen mit Beispielfällen der mehr oder minder spektakulären und medial weitläufig aufbereiteten Art. So finden sich im vorliegenden Band, neben den Kapiteln zu  den bereits oben erwähnten Fällen, Hintergründe zum spektakulären Abgang des „St. Pauli-Killers“ Werner „Mucki“ Pinzner, der im Gerichtsgebäude erst einen Staatsanwalt, dann seine Frau und sich selbst hinrichtete und zum sogenannten Oma-Mörder. Ein besonders schmerzlicher Beitrag ist das Kapitel zur langsamen und brutalen Tötung der kleinen Yagmur durch ihre eigene Mutter.

Püschel versucht anhand der Ergebnisse seiner Arbeit zu belegen, warum der Tod des CDU-Politikers Barschels eindeutig Selbstmord ist, und er Jörg Kachelmann für unschuldig hält. Das geschieht auf angenehm sachlichem Niveau, das effekthascherische Schielen Richtung Thriller, welches Kollege Michael Tsokos und seine Co-Autoren mitunter pflegen, geht Mitteracher und Püschel ab. Stattdessen setzen sie auf Erläuterungen und (kurze) Darstellungen von Faktenlagen. Angesichts der Länge der einzelnen Kapitel zwischen neun und zwanzig Seiten geht dies natürlich nicht besonders weit in die Tiefe, reicht aber für einen Überblick und als Diskussionsgrundlage.

Unaufgeregt und diskussionsanregend

Püschel bezieht gerade in den prominenten Fällen eine klare Position, die man sehr gut nachvollziehen kann. Trotzdem bleiben Fragen offen. Laut Püschel ließen die Indizien und Beweise im Fall Kachelmann keinen Zweifel daran, dass dem TV-Meteorlogen eine Straftat untergejubelt werden sollte. Und doch entschloss sich das Gericht in erster Instanz nur zu dem zweitklassigen Freispruch „In dubio pro reo“ („im Zweifel für den Angeklagten“). Laut Püschel ein Unding, das später tatsächlich korrigiert wurde. Hier würde man trotzdem gerne mehr über die Gegengutachten und die Entscheidungsfindung des Gerichts erfahren. Doch dafür reicht der Platz nicht, und es liegt – verständlicherweise – auch nicht im Fokus der Autoren.

Zu den bekannten Fällen gesellen sich allgemeinere Betrachtungen zu den Themen Flugzeugabsturz als Folge eines erweiterten Suizids (sehr schwierige Beweislage), Morden im Alter, Unfalltode in Verbindung mit Kohlenmonoxid und Tieren, ein Serienmord und das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom. Letzteres stellt nicht nur das Krankenhauspersonal, sondern auch die Rechtsmedizin auf eine harte Probe. Denn herauszufinden, ob eine Mutter ihr Kind bewusst krank macht oder eine schwere Erkrankung des Kindes natürliche Ursache hat, erfordert eine genaue Beobachtungsgabe, psychologisches Geschick und Erfahrung sowie ein Verdachtsmoment, das sich belegen lässt. Die Autoren liefern zu den genannten Themen komprimierte, aber fundierte Hintergrundinformationen.

Von Klaus Störtebeker zu Prof. Boerne – Fakten und Fiktion

Diese finden sich auch beim letzten Themenblock, den historischen Rekonstruktionen. Ob Identifizierung eines im zweiten Weltkrieg verstorbenen italienischen Soldaten oder die Annäherung an die letzten Lebensminuten von Klaus Störtebeker (oder eines ähnlich gearteten Zeitgenossen), „Tote schweigen nicht“ füttert den wissbegierigen Geschichtsinteressierten mit Fakten.

Hochspannend ist die Fall-Sammlung aus dem Arbeitsleben des Klaus Püschel nicht, sehr interessant schon. Keine Bange, das Buch ist keine dröge geschriebene Selbstbeweihräucherung. Aber auch kein marktschreierischer Aufhänger für einen möglichen Thriller. Stattdessen eine informative und unterhaltsame Einführung in die unterschiedlichen Bereiche der Rechtsmedizin. Dass die wenig mit dem Schaffen von Professor Boerne und Kollegen zu tun haben, dürfte niemand bereits vor der Lektüre des Buchs verwundern. Nachher erst recht nicht.

Tote schweigen nicht

Tote schweigen nicht

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