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Thomas Gisbertz
Ein mehr als überzeugender deutscher Thriller

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Aug 2019

Bei einer Wanderung in der Schwäbischen Alb verschwanden vor über einem Jahr zwei junge Frauen spurlos. Beide wurden im Keller des abgelegenen Mühlsteinhofes von ihrem Peiniger auf das Widerlichste gequält und erniedrigt, bis durch Zufall Thimo Sattler und seine Frau Melanie auf beide aufmerksam wurden, als sie sich vor einem schweren Unwetter auf dem Bauernhof in Sicherheit bringen wollten. Tessa Maertens, eine der Geiseln, konnte aus den Fängen des Entführers befreit werden, während ihre Freundin Jasmin ebenso bei der Rettungsaktion starb wie der Entführer und Thimos Frau. Als Tessa Wochen später ein mit Nadeln gespicktes menschliches Herz zugeschickt bekommt, ahnt sie, dass der Albtraum noch nicht vorbei ist. Hat ihr Peiniger einen Nachfolger bestimmt?

Bizarre Darstellung der Leichen

Die Mannheimer Kriminalkommissarin Alexis Hall und ihr Team stehen vor einem Rätsel. Warum hat der unbekannte Täter ausgerechnet Tessa ausgewählt und ihr das „Nadelherz“ geschickt? Und wo ist die Leiche, der man das Herz entnommen hat? Kurz darauf machen Kommissarin Hall und Kriminalbiologin Karen Hellstern einen erschreckenden Fund.

Sie entdecken einen weiblichen Körper, aufgespießt auf Stangen, übersät mit Schnittwunden und mit einem aufgebrochenen Brustkorb. Außerdem leuchtet die Leiche auf mysteriöse Weise grünlich. Die tatsächliche Todesursache wirft aber weitere Fragen auf, denn das Opfer ist ertrunken.

Während die Ermittlungen kaum vorankommen, taucht plötzlich ein weiteres „Nadelherz“ bei Tessa auf. Das ehemalige Entführungsopfer, das sich sein Zuhause wie eine Festung eingerichtet hat, scheint der Polizei etwas zu verheimlichen und lehnt jegliche Unterstützung ab. Ein fataler Fehler, denn da draußen wartet jemand, der etwas zu Ende bringen will. Was ist auf dem Mühlsteinhof damals tatsächlich passiert?

Dritte Fall der Ermittlerinnen

Mit ihrem aktuellen Thriller „Nadelherz“ veröffentlicht Julia Corbin, die unter ihrem bürgerlichen Namen Kerstin Pflieger auch Fantasie-Romane schreibt, nach „Die Bestimmung des Bösen“ (2017) und „Das Gift der  Wahrheit“ (2018) den dritten Band ihrer Reihe um die eigenwillige Kriminalkommissarin Alexis Hall und die Kriminalbiologin Karen Hellstern. Julia Corbin, geboren 1980, studierte Biologie in Heidelberg. Die Arbeit als Biologin inspiriert sie zu ihren Thrillern.

Wie auch bei den anderen Fällen des Ermittlerduos gelingt es der gebürtigen Niederrheinerin, die wissenschaftlichen Arbeitsmethoden und Fakten glaubwürdig und nahezu korrekt darzustellen, auch wenn man aufgrund der Dramaturgie ab und an Abstriche machen muss. Gleichzeitig wählt sie - wie in diesem Fall das unerklärliche Leuchten der Leichten - nicht nur sehr interessante biologische Phänomene aus, sondern ihr gelingt es darüber hinaus, diese verständlich und nachvollziehbar im Roman darzustellen.

Die Spannung steigt ins Unermessliche

Julia Corbin versteht es sehr geschickt, ihren Thriller auf zwei Zeitebenen spielen zu lassen. Der Leser erfährt zunächst lediglich, dass Tessa ein ehemaliges Entführungsopfer ist, das nun erneut von einem Psychopathen heimgesucht wird. Spannend wird es für den Leser, wenn die Autorin nach und nach die Geschehnisse in der Gefangenschaft mit einfließen lässt.

So viel sei vorweg gesagt: Es gibt für den Leser die eine oder andere Überraschung. Man rätselt gleichzeitig auf mehrfache Art mit: Was ist damals auf dem Mühlenhof tatsächlich geschehen? Was hat dies mit dem aktuellen Fall zu tun und wer könnte der Täter sein?

Dass die Auswahl der beiden aktuellen Opfer durch den Täter keineswegs zufällig ist, müssen die Ermittlerinnen schnell feststellen: Die Toten ähneln Tessa und Jasmin äußerlich sehr und scheinen sich jede auf ihre Weise für die Geschehnisse auf dem Bauernhof interessiert zu haben.

Durch den ständigen Wechsel zwischen den vergangenen Ereignissen auf dem Hof und den aktuellen Ermittlungen wächst die Spannung stetig und lässt den Leser nicht mehr los, bis Julia Corbin am Ende mit einer unerwarteten Auflösung des Falls überrascht.

Brutalität und Ekel prägen die Gefangenschaft

Es ist nicht leicht zu verdauen, was mit den beiden jungen Frauen in der Gefangenschaft geschieht. Auch wenn es immer nur kurze Momentaufnahmen sind, in denen die Autorin die Ereignisse im Keller den Bauernhofes darstellt, sind diese nur schwer zu ertragen. Wenn Tessa und Jasmin wie Tiere in zwei Käfigen gehalten werden, leidet der Leser durch die personale Erzählweise aus der Sicht Tessas regelrecht mit.

Der Entführer treibt ein perfides Spiel mit den beiden Opfern: Sobald sich eine von ihnen seinen Befehlen widersetzt, bestraft er dafür die andere. Nach und nach beginnt nicht nur ein Kampf mit dem Peiniger, sondern auch das Verhältnis der beiden Frauen zueinander verändert sich zunehmend. Beide müssen sich fragen, wie gut sie tatsächlich miteinander befreundet sind.

Ermittlerin mit dunkler Vergangenheit

Im Mittelpunkt der Handlung steht erneut Kommissarin Alexis Hall. Diese wird auch in diesem Band immer wieder mit ihrer Kindheit konfrontiert. Ihre beiden Eltern waren Serienmörder, die ihre Tochter aber über alles liebten. Ihre Vergangenheit lässt sie nicht los und gegen den Willen ihres Stiefvaters forscht sie weiter, um mehr über ihre Eltern zu erfahren. Dennoch bleibt das Privatleben sowohl bei ihr als auch bei den anderen Protagonisten wohltuend im Hintergrund und trägt eher zur Ausdifferenzierung der Charaktere bei. Jeder im Team scheint sein Päckchen zu tragen und dennoch steht immer der aktuelle Fall im Vordergrund. Es dürfte interessant werden, wie sich die Figuren in den nächsten Bänden weiterentwickeln.

Fazit:

Julia Corbin gelingt ein derart temporeicher und spannender Thriller, dass man kaum glauben mag, dass dieser aus deutscher Feder stammt. Der Roman überzeugt durch einen klug durchdachten Handlungsplot, atemraubenden Thrill und interessante Einblicke in die Arbeit einer Kriminalbiologin. Die tragenden Figuren sind mit dem Ermittlerduo Hall und Hellstern sowie der Staatsanwältin Landgraf durchweg weibliche Charaktere, die anders als so mancher männliche Kollege nicht mit derben Sprüchen und Alphatiergehabe überzeugen sondern mit fachlicher Kompetenz und kluger Auffassungsgabe. Ein wohltuend anderer Thriller, der mit Hall und Hellstern an Judith Winters Capelli-Zhou-Reihe erinnert.

Nadelherz

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