Goldwäsche

Erschienen: Juli 2019

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Almut Oetjen
Die relative Leichtigkeit von Goldbarren

Buch-Rezension von Almut Oetjen Aug 2019

Die Kurzgeschichte „Goldwäsche“ („Cleaning the Gold“) ist eine Gemeinschaftsarbeit der beiden bekannten Krimiautoren Karin Slaughter und Lee Child. Mit einem Umfang von 90 Seiten und einer 14-seitigen Leseprobe aus Slaughters neuem Roman, „Die letzte Witwe“, ist die gebundene Druckfassung zu einem Preis von 5 Euro, das ebook für 99 Cent erhältlich. Den ungekürzten Text als Audiobook, gelesen von Nina Petri, gibt es für 4,99 Euro.

In ihrem gemeinsamen Vorwort erklären Slaughter und Child, seit rund 20 Jahren Fans der Bücher der jeweils anderen Person zu sein und oft über eine Begegnung ihrer beiden Serienfiguren Will Trent und Jack Reacher gesprochen zu haben. Sie wollten herauszufinden, wie Trent und Reacher bei ihrem unterschiedlichen Arbeitsethos miteinander umgehen würden, und wie die Zusammenarbeit in einem Kriminalfall aussehen könnte. Herausgekommen ist dabei „Goldwäsche“.

Jack Reacher scheint gerne mit ungewöhnlichen Charakteren zusammenzuarbeiten. Vor der Kooperation mit Trent traf er auf Kathy Reichs Temperance Brennan in der Gemeinschaftsarbeit „Faking a Murderer“, zu finden in der von Lee Child herausgegebenen Kurzgeschichten-Anthologie „MatchUp“ (2017), die es sich zum Programm gemacht hat, jeweils zwei Serienfiguren verschiedener Autoren zusammenzubringen. 

Slaughters Will Trent bearbeitet einen ungelöst zu den Akten gelegten Fall aus den 1990er Jahren. Auf der Suche nach einem Polizistenmörder führt ihn die beste Spur zum United States Bullion Depository, bekannter als Fort Knox, wo ein großer Teil der US-Goldvorräte lagert. Er kann aber nicht einfach dort hereinschneien und den Verdächtigen festnehmen, weshalb er einen Job als ehemaliger Soldat Captain Jack Phineas Wolfe sucht, und Goldreserven katalogisieren muss, während er verdeckt weiterermittelt.

Er trifft dort auf seinen Verdächtigen, Jack Reacher. Als Trent ihm näherkommt, erfährt er, wer Reacher ist und dass dieser einen Korruptionsfall untersucht, in den zwei hochrangige Armeebedienstete verwickelt sind, Major Dave Baldani und seine Vorgesetzte Colonel Stephanie Lukather, Leiterin des Depository. Trent und Reacher arbeiten zusammen, weil sie sicher sind, nur so das diffizile kriminelle Netzwerk aufdecken zu können, in das Baldani und Lukather involviert sind. Dabei vergisst Trent jedoch nicht seinen eigentlichen Auftrag, der ihn nach Kentucky gebracht hat.

Wer Jack Reacher aus Lee Childs Romanen kennt, weiß gleich, dass er kein Mörder ist. Zudem ist er der Held aus mehreren Verfilmungen und einer TV-Serie, dürfte also auch einigen Nicht-Lesern der Reacher-Romane bekannt sein. Reacher, der archetypische Charakter, ist ein mysteriöser Einzelgänger, zwar nicht für die Leserinnen und Leser, wohl aber für die meisten Menschen, auf die er in seiner erheblichen Anzahl an Romanen und Kurzgeschichten trifft, ein Mann ohne Geschichte. Er weist eine gewisse Nähe zu moralisch integren Western-Archetypen auf, die am Rande der Zivilisation leben. Er ist lieber alleine, auch wenn er ganz gerne, meist kurze, Beziehungen zu Frauen hat. Reacher ist durch die Vielzahl der Bücher, die Verfilmungen und seine Beliebtheit bei den Lesern mittlerweile eine Marke.

Trent und Reacher misstrauen sich gegenseitig

Will Trent ist der Protagonist aus vergleichsweise wenigen Romanen der Atlanta-Serie Karin Slaughters und im Verhältnis zu Reacher eher ein Unbekannter. Der bemerkenswert gute Agent des Georgia Bureau of Investigation leidet an Dyslexie und kommt aus erbärmlichen sozialen Verhältnissen.

Die beiden Männer arbeiten mit einem gehörigen Vorschuss an Misstrauen zusammen. Hilfreich ist dabei auch nicht, dass Trent sich als ehemaliger Soldat ausgibt und in Fort Knox zwar seine Arbeitgeber täuschen kann, weil der Kontakt an der Oberfläche verbleibt, jedoch in Reacher ein Gegenüber mit militärischer Vergangenheit hat, weshalb dieser anhand einiger von Trent falsch verwendeter militärischer Begriffe schnell bemerkt, dass er es nicht mit einem Armeeveteranen zu tun hat. Natürlich finden beide Männer zusammen und erleben eine Überraschung, als sie feststellen müssen, dass sie einer starken antagonistischen Kraft gegenüberstehen.

Will Trent ist ein recht komplizierter Charakter, dessen Entwicklung und Vertiefung mitzuerleben einen guten Teil des Reizes an der Lektüre „seiner“ Geschichten ausmacht.

Wer Trent kennt, weiß, dass er ein großer Mann ist. Für ihn überraschend trifft er mit Reacher jemanden, der noch größer ist als er. Zudem ist Trent mit dem Tragen von zwei Goldbarren an seiner Grenze, während Reacher zwei je Hand nimmt. Das frustriert Trent, bis er feststellen muss, dass Reacher auch noch mehr tragen kann.

Fazit:

Slaughter und Child spielen in vielfältiger Weise die Story hindurch ironisch mit Vorstellungen von Kraft und Männlichkeit, in der Beziehung zu den beiden führenden Militärs in der Anlage, dem Offizier und seiner Vorgesetzten, auch mit Vorstellungen von Macht und Männlichkeit. Das ist so oberflächlich, wie es sich lustig lesen lässt. Auch wird, wenn man Reacher zuvor nicht als Romanfigur kannte, klar, warum die Wahl von Tom Cruise als Darsteller des Jack Reacher für intensive Diskussionen gesorgt hat.

Die Charaktere Reacher und Trent sind in „Goldwäsche“ nicht ausgearbeitet. Ihre Kenntnis scheint vorausgesetzt zu werden, sind sie doch wenig mehr als Karikaturen der Romanfiguren.

Aber Slaughter und Child geben immerhin genügend Informationen über sie bekannt, um das Interesse derer zu wecken, die einen oder beide bislang nicht kennen. Mit Trent und Reacher treffen zwei Charaktere aufeinander, die verschiedene berufliche Philosophien vertreten: Trent will dem Gesetz zur Durchsetzung verhelfen, Reacher Ungerechtigkeiten beseitigen.

Goldwäsche

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Letzte Kommentare:
18.08.2019 12:42:50
K.-G. Beck-Ewerhardy

Und wieder wurden die Möglichkeiten des modernen Veröffentlichens genutzt, um eine einmalige Kooperation zweier Autoren zu vereinfachen, die sonst hätten warten müssen, bis ein Verlag eine entsprechende Anthologie plant, in der ihre Geschichte dann eine unter vielen gewesen wäre.
Wie so oft dient auch diese kooperative Kurzgeschichte dabei nicht nur der Möglichkeit, zwei Thrillergrößen miteinander eine Geschichte schreiben zu lassen, sondern auch dazu, dass im Anschluss das nächste "richtige" Buch eines der beiden Kooperationspartner vorgestellt wird - in diesem Fall "The Last Widow" von Karin Slaughter. Aber keine Sorge, auch von Lee Child wird es dieses Jahr noch einen neuen Titel geben.
Willy Trent vom Georgian Bureau of Investigation soll einen Mann verhaften, weil dieser anscheinend vor etwa 20 Jahren einen Polizisten vor einer Bibliothek angeschossen hat, der seitdem im Koma gelegen hat. Nachdem dieser nun an einer Lungenentzündung gestorben ist, wurde aus der schweren Verletzung ein Mord und so landete die alte Akte auf Trents Schreib-tisch, der bei den Ermittlungen nach dem Mörder auf verlässliche Aussagen stößt, die auf einen Mann namens Jack Reacher hingewiesen haben, der gerade als Goldzähler in Fort Knox arbeitet - was natürlich ein Cover für eine eigene Ermittlungstätigkeit ist. Als Veteran in Schwierigkeiten getarnt lässt sich der absolut unsoldatische Trent selbst in Fort Knox ein-schleusen und beginnt hinter seinem sehr großen Arbeitspartner her zu ermitteln. Und dabei stellt sich heraus, dass es in Fort Knox weiterreichende Probleme gibt, die Trent von seinem primären Ziel ablenken.
Dies ist eine interessante Kooperation zwischen zwei etwas gegensätzlichen Ermittlern, die hier in einem ungewöhnlichen Umfeld aufeinander treffen. Child-Fans mögen mit den Trent-Teilen, die von Slaughter geschrieben worden sind, ein wenig unzufrieden sein – wie auch umgekehrt wahrscheinlich den Slaughterfans die Childteile eventuell nicht zusagen -, mir allerdings hat die Geschichte insgesamt ziemlich gut gefallen. Ich könnte mir eine solche Ko-operation sogar in Romanlänge vorstellen – man wird sehen.