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Michael Seitz
Juden und Nazis in Hamburg 1929

Buch-Rezension von Michael Seitz Aug 2019

Ilka Bischop ist eine sehr emanzipierte Frau, zumal für das Jahr 1929, in dem dieser Roman spielt. Die gebürtige Hamburgerin arbeitet als Journalistin für die Vossische Zeitung in Berlin, sie kann ein Flugzeug fliegen, ein Türschloss knacken und sich ob Ihres guten Aussehens die Männer selbst erwählen. Kein Wunder, ist sie doch dank eines reichen Vermächtnisses ihres verstorbenen Nenn-Onkels Martin Hellwege wirtschaftlich unabhängig und damit ohne die für die späten Zwanzigerjahre typischen Sorgen einer Frau, zumal einer Deutschen. Allerdings ist Ilka schwanger, weiß allerdings nicht so recht, von wem. Mehrere Verehrer kommen in Betracht. Im Herbst des Jahres 1929 ist Sie auf dem Weg in Ihre Heimatstadt Hamburg, vor allem um ihren geliebten Laurens wiederzusehen und ihm von ihrer Schwangerschaft zu berichten, ist er doch mit einiger Wahrscheinlichkeit der Vater. Während Ilka noch auf der Reise von Skandinavien in die Hansestadt ist, wird ein jüdischer Bankier tot in der Alster gefunden. Ein Selbstmord? Manches spricht dagegen, und Kommissar Laurens Rosenberg beginnt mit den Ermittlungen. Und alsbald – wie sollte es anders sein – steckt auch Ilka mittendrin in dem mysteriösen Kriminalfall, nicht nur weil der Kommissar ihr Geliebter ist, sondern auch, weil der Verstorbene sich mit seiner Familie in der Villa Hellwege eingemietet hatte, die nun Ilka gehört. Ihr Spürsinn führt sie alsbald auf die Fährte krimineller Elemente, die scheinbar mit den auch in Hamburg erstarkenden Nazis gemeinsame Sache machen. Umso größer ist ihr Schrecken, als sie feststellen muss, dass ihr kleiner Bruder Robert, den sie länger nicht gesehen hat, weil er im Süden Jura studierte, sich offenbar dieser von Ilka verabscheuten politischen Bewegung angeschlossen hat. Haben die Nazis oder gar Robert persönlich mit dem Tod des Bankiers etwas zu tun oder war der nur in die Machenschaften gewöhnlicher Krimineller verstrickt? Auf Ihrer Spurensuche gerät Ilka nicht nur buchstäblich in die Unterwelt, nämlich das Labyrinth der Hamburger Kanalisation, sondern auch gleich in eine ganze Reihe lebensbedrohlicher Situationen.

Hamburger Ermittler in dritter Generation

Über nun schon neun Bände und drei Generationen lässt Boris Meyn die Familie Bischop in Hamburg ermitteln und deckt damit mittlerweile einen Zeitraum von mehr als hundert Jahren Stadt- und Nationalgeschichte ab. Außerordentlich geschickt versteht es der Autor dabei, bekannte und weniger bekannte historische Ereignisse mit fiktiven Figuren so zu einer spannenden Geschichte zu verweben, dass sie weit mehr sind als nur das Vehikel für einen historischen Kriminalroman. So real wirken die geschilderten Ereignisse, dass man dem Autor dankbar ist, wenn er im Nachwort – wie in den vorherigen Bänden auch – darüber aufklärt, welche Teile der Geschichte auf realen Begebenheiten beruhen und welche seiner Phantasie entspringen. Die Realität behält dabei meist die Oberhand, und das verwundert nicht, ist doch Meyn promovierter Kunst- und Bauhistoriker mit einer großen Liebe zum Detail und zu Hamburg. Und so ermittelt Ilka nicht nur, sie besucht auch Theateraufführungen, Ausstellungen und – mit Ihrem Adoptivbruder David, der für Hamburgs berühmten Oberbaudirektor Schumacher arbeitet – auch moderne Neubaugebiete. All diese Ereignisse und Orte sind historisch verbürgt, und mit präziser Detailtreue führt uns Meyn durch eine lange versunkene, deshalb aber nicht weniger faszinierende Welt.

Bauwerke als Protagonisten

Ebenso bemerkenswert ist die Vorliebe Meyns für die Bauwerke der Elbmetropole, die in seinen Romanen stets –und so auch hier – eine tragende Rolle spielen. Nicht nur die Kanalisation, auch das Stadthaus, damals Sitz der Polizei (später dann der Gestapo, noch später der Baubehörde und soeben als „Stadthöfe“ zu einem neuen, nicht unumstrittenen Leben als Einkaufspassage erweckt), der Schlachthof und der nahe Wasserturm (heute ein Hotel) sind Protagonisten der Handlung, und zwar so eindrücklich, dass man wohl nicht mehr lange warten muss, bis gewiefte Stadtführer (gleich denen in Donna Leons Venedig) Touren anbieten zu den Schauplätzen von Meyns Bischop-Romanen. Aber auch ohne sachkundige Führung kann man sich die Schauplätze dieses Romans beinahe alle noch heute selbst ansehen, vielleicht mit einem leichten Schaudern ob der Geschichte, die sie verkörpern.

Fazit:

Für Hamburger und alle, die diese Stadt lieben, ein Muss. Aber auch diejenigen, die diese Stadt nicht oder nur flüchtig kennen, werden an diesem Roman ihre Freude haben, ein wenig zeitgeschichtliches Interesse einmal vorausgesetzt.

Sturmzeichen

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