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Thomas Gisbertz
Brutaler Thriller mit Schwächen

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Jul 2019

"Verdammte Scheiße.“ Mehr bekommt Kommissar Mike Köster nicht heraus, während er in den Augenwinkeln erkennt, wie sich sein Kollege Peter Groß übergeben muss. Ein Junge sitzt zusammengesunken auf einem Stuhl, die Augen weit aufgerissen. Mindestens drei Projektile aus der Waffe von Groß haben den Kopf des Jungen getroffen.

Die beiden Nürnberger Polizisten sind im Rahmen ihrer Ermittlungen unbeabsichtigt in die Falle eines sadistischen Kindermörders getappt. Dieser hat bereits 21 Jungen auf dem Gewissen. Alle wurden entführt, vor ihrem Tod skalpiert und auf grausame Art gequält. Der Täter scheint vor nichts zurückzuschrecken. Beide Ermittler werden vom Fall abgezogen. Während Groß sich im Krankenhaus vom Schrecken erholen muss, wird Köster mit seiner Familie in einen Zwangsurlaub nach Finnland geschickt. Doch irgendetwas scheint nicht mit dem idyllisch gelegenen Ferienhaus am See zu stimmen.

Seltsame Vorfälle im Ferienhaus

Nach dem erschreckenden Tod des Kindes und auf Befehl des Polizeichefs bleibt dem Vorgesetzten der beiden Kommissare nichts anderes übrig, als den Fall an die Spezialisten von Interpol zu übergeben. Köster und Groß sollen erst einmal Abstand zu dieser Sache bekommen und sich freinehmen. Kurz entschlossen bucht daher Köster gemeinsam mit seiner Frau Petra, seinem Sohn Felix und seiner Tochter Katja einen Urlaub in den finnischen Wäldern.

Bereits auf dem Weg dorthin sieht Mike für einen kurzen Augenblick einen Fahrer im Stau, der ihm seltsam bekannt vorkommt. Auch vor Ort häufen sich eigenartige Vorfälle: Mike meint für einen kurzen Moment, jemanden im Garten des Ferienhauses zu sehen, beobachtet Rauch im Wald und findet außer einem geköpften Eichhörnchen auch Kratzspuren im Haus. Zudem scheint es mit seinem Handy auf einmal Probleme zu geben.

Und was hat es mit dem kauzigen alten Mann auf sich, von dem Felix angesprochen wird und der immer öfters in der Nähe des abgelegenen Ferienhauses anzutreffen ist? Richtige Urlaubsstimmung scheint sich erst einzustellen, als Mike darüber informiert wird, dass man den vermeintlichen Kindermörder in Deutschland tot in seiner Badewanne gefunden hat. Doch dann nehmen die Geschehnisse eine dramatische Wendung.

eBook-Bestseller-Autor aus Franken

Über den Autor ist nur wenig bekannt. Mark Franley ist das Pseudonym eines 1972 in Nürnberg geborenen und noch immer dort lebenden Autors, der erst spät zu seiner Karriere als Schriftsteller fand. Sein Werk umfasst Thriller und Psychothriller, mit kleinen Ausflügen ins historische Genre. Franley war lange Zeit ein „Indie-Autor“, der seine Bücher selbst verlegt und vermarktet hat. „Heuchler“ ist der erste Band der Thriller-Reihe um die Kommissare Köster und Groß. Der Roman wurde bereits 2012 geschrieben und zunächst im Self-Publishing Anfang 2013 veröffentlicht. Nun erscheint die sieben Bände umfassende Reihe in einer Neuauflage im Amazon-Verlag (Edition M). Dort führte „Heuchler“ Anfang Juni 2019 die eBook-Bestsellerliste an.

Viele offene Fragen

Wenn man dem ersten Band der Reihe um Kommissar Köster etwas nicht absprechen kann, dann die Tatsache, dass der Fall auf eine gewisse Weise spannend ist. Das liegt zum einen an der atmosphärisch gut dargestellten Hintergrundkulisse in den finnischen Wäldern. Und zum anderen an den in dem Plot immer wieder auftauchenden abstoßenden Schockmomenten, die der Autor dem Leser dank detailreicher Beschreibungen von unmenschlichsten und widerwärtigsten Grausamkeiten zu Gemüte führt.
Franley lässt in seinem Roman fast keine auch nur denkbare Abartigkeit aus, um den Leser zu schockieren. Was fehlt ist aber ein durchgängiger Thrill, der während des gesamten Handlungsverlaufs präsent ist. Die „Lücken“ zwischen den mehr als grauenhaften Schilderungen füllt er stattdessen mit einer oftmals nicht nur belanglosen, sondern auch nicht immer nachvollziehbaren Handlung.

Schon während der Lektüre fällt auf, dass der Thriller in sich nicht immer logisch ist und den Leser mit zahlreichen Fragen zurücklässt. So erleben sämtliche Familienmitglieder rund um Polizeikommissar Köster mehrfach seltsame Momente bzw. Situationen in dem Ferienhaus, die zumindest bei einem erfahrenen Polizisten ein ungutes Gefühl erzeugen sollten. Ganz zu schweigen davon, dass Köster selber sowohl bei der Buchung der Reise, als auch auf der Fahrt und vor Ort immer wieder in Situationen gerät, die ihn zwar stutzig werden lassen, denen er aber auch nicht weiter nachgeht.

Des Weiteren erscheint das Verhalten des Täters in vielerlei Hinsicht nicht ganz schlüssig. So bleibt vollkommen unklar, warum der Täter, der bereits 21 Jungen getötet hat, auf einmal Jagd auf Köster und seine Familie macht, während er die Familien der anderen Opfer in Ruhe lässt. Über das eigentliche Motiv darf man über den Schluss hinaus rätseln, auch wenn dieses zumindest angedeutet wird. Dies gilt ferner für die familiären Gründe für die grausamen Taten, die weit in der Vergangenheit des Täters liegen.

Unglaubwürdiger Ermittler

Mike Köster wird im Klappentext des Romans als „unkonventioneller Ermittler“ beschrieben. Leider besteht das Außergewöhnliche darin, dass sein Verhalten häufig nicht zu dem eines erfahrenen Kommissars passt. Als ein weiterer Mord in der Nähe des Ferienhauses geschieht und deutlich wird, dass es der Täter nicht mehr nur auf kleine Jungen abgesehen hat, stellt die finnische Polizei, die einfältiger nicht hätte dargestellt werden können, die Familie unter Hausarrest, da ein Familienmitglied verdächtigt wird. Warum aber Köster, der diesen Vorwurf natürlich vehement zurückweist, dennoch mit seiner Frau und den Kindern alleine in der abgelegenen finnischen Wildnis zurückbleibt und sich damit einer großen Gefahr aussetzt, ist nicht nachvollziehbar.

Gesteigert wird dies nur noch durch die unfassbare Idee des Autoren, Köster mit seinem Sohn trotz aller Geschehnisse und Gefahren auf eine Schnitzeljagd zu schicken, bei der sie „zufälligerweise“ auch noch mehr als teures Kinderspielzeug finden. Der Kommissar lässt also seine Tochter und seine Frau alleine zurück, während der Killer sich in unmittelbarer Nähe aufhält, nur weil er seinem Jungen eine schöne Zeit bereiten möchte.

Brutalität am Ende kaum steigerbar

War der Thriller an einzelnen Stelle während des Verlaufs der Handlung bereits ekelerregend und abstoßend, so nimmt die Grausamkeit zum Ende hin dermaßen zu, dass man als Leser kaum mehr weiterlesen möchte. Wenn man den zahlreichen Bewertungen im Internet trauen darf, scheint es aber genügt Leser zu geben, die von derartigen Widerwärtigkeiten fasziniert und begeistert sind.

Unabhängig davon bleibt aber das Problem, dass weder das Verhalten des Täters, noch das des Kommissars nachvollziehbar ist. Statt eines geistigen oder emotionalen Konflikts zwischen den beiden Hauptfiguren lebt dieser Thriller von zunehmender widerlicher Brutalität, verstörenden Abscheulichkeiten und abgestumpfter Gewalt.

Fazit:

Mark Franley scheint mit seiner Reihe um Kommissar Köster seine Berechtigung zu haben, wenn man die Verkaufszahlen sieht, die „Heuchler“ zur Nummer Eins der eBook-Bestsellerliste machen. Zugegeben: Der Thriller lässt sich leicht und mit nur 222 Seiten schnell lesen, die Handlung ist durchaus spannend und zumindest atmosphärisch gut geschrieben. Allerdings muss man dann auch inhaltliche und erzählerische Schwächen verschmerzen können und auf schockierende bzw. mehr als grauenhafte Schilderungen stehen. Insgesamt kann der Start dieser Reihe leider nicht überzeugen.

Heuchler

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