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Thomas Gisbertz
Familientragödie vor provencialischem Flair

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Jun 2019

Eigentlich ist Hannah Richter, Kommissarin aus Köln, auf der Suche nach Erholung und Freizeit während ihres Urlaubs in der Provence. Doch stattdessen findet sie einen Toten. Louis Prinderre, ein durchaus rüstiger Rentner, ist in seinem Haus scheinbar die Treppe hinunter gestürzt. Hannahs französische Kollegin Emma, die zur Zeit als Verstärkung bei der Gendarmerie in Vaison-la-Romaine arbeitet, übernimmt die Ermittlungen.
Beide glauben nicht so recht an einen Unfall. Kurz vor seinem Ableben hat der Tote Andeutungen über ein düsteres Familiengeheimnis gemacht, welches weit in die Vergangenheit reicht. Hannahs Neugier ist geweckt. Gemeinsam mit Emma macht sie sich auf die Suche nach einem möglichen Täter. Dabei ahnt die junge Kommissarin aus Deutschland nicht, dass dieser ihnen bereits auf den Fersen ist.

Ein neuer Fall für Hannah Richter

Im Rahmen des deutsch-französischen Austauschprogramms der Polizei hat Hannah vor nicht allzu langer Zeit bereits den Fall eines Toten im römischen Theater in Orange gelöst. Diesmal wollte sie nur Urlaub in Südfrankreich bei ihrer Freundin Penelope machen, die Hannah ihr kleines Natursteinhaus für die Dauer des Urlaubs überlassen hat. Nach dem Fund eines Toten wird die deutsche Kommissarin von den französischen Kollegen erneut in eine Mordermittlung eingebunden, denn die Zahl der möglichen Verdächtigen ist lang und das Personal bei der Gendarmerie knapp.

Der ehemalige Staatsanwalt Louis Prinderre arbeitete bis kurz vor seinem Ableben an einem Manuskript, dessen Inhalt niemand kannte und das jetzt unauffindbar scheint. Hatte jemand Angst vor dessen Veröffentlichung? Oder hat sich ein von ihm verurteilter Verbrecher gerächt? Auch Prinderres Nachbar, Monsieur Delmas, hätte ein Motiv, da er schon seit Jahren vergeblich versucht, das Grundstück des Toten zu erwerben. Nicht zuletzt stellt sich für Hannah die Frage, warum Prinderre kurz vor seinem Tod bei seinem alten Freund und Pastor Chabert beichten wollte.

Nach und nach offenbart sich den beiden Ermittlerinnen der wahre Grund für den Mord, der eng mit Geschehnissen im Winter 1971 zusammenhängt. Als ein weiterer Mord geschieht, spitzen sich die Ereignisse immer mehr zu.

Deutsche Autorin mit Liebe für die Provence

Sandra Åslund, geboren 1976, ist am Niederrhein nahe der holländischen Grenze aufgewachsen. Sie studierte zunächst Lehramt, bevor sie sich an der Oper Köln zur Maskenbildnerin ausbilden ließ. Aus Liebe zum Schreiben absolvierte sie zusätzlich ein Fernstudium in Kreativem Schreiben an der Textmanufaktur. Unter ihrem Mädchennamen Sandra Maus veröffentlichte die Autorin bereits diverse Kurzgeschichten und Erzählungen in Anthologien sowie den Erzählband „Vielleicht war es nur der Wind“. Åslund ist Mitglied im Autorenkreis Würzburg und bei den Mörderischen Schwestern. Von 2007 bis 2011 moderierte und gestaltete sie das Kleinkunstformat LiteraturLounge. Mit ihrem Roman „Mord in der Provence“ startete die Autorin 2016 ihre Krimireihe um die Kölner Kommissarin Hannah Richter. Sandra Åslund lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Berlin.

Zwischen Roman und Kriminalerzählung

Seine Stärke zieht der Roman unzweifelhaft aus der pittoresken, fast schon greifbaren Darstellung der provencialischen Natur und Lebensart. Die Figuren wirken äußerst realistisch und irgendwie vertraut. Man taucht als Leser ein in die Schönheit der Provence: man riecht förmlich den Lavendel, spürt die Sonne auf der Haut und bekommt ein Gefühl von Urlaub. Åslund ist eine gute Geschichtenschreiberin und man spürt, wie sehr sie ihre Figuren mag und sich mit ihnen verbunden fühlt.

Auch die Kriminalgeschichte hat durchaus Potential, man kann ihr aber aufgrund der zahlreichen familiären Verwandtschaftsbeziehungen anfänglich nicht immer leicht  folgen. Nicht umsonst ist eine Zeichnung des Familienstammbaums am Ende des Romans angefügt. Dies erinnert schon beinahe an die komplexen Figurenkonstellationen in den Kriminalromanen Nele Neuhaus'. Das dünstere Familiengeheimnis, welches weit in die Vergangenheit zurückreicht, ist dabei durchaus interessant und klug durchdacht gestaltet.

In der Figurendarstellung zu brav

Auch wenn „Tödliche Provence“ aufgrund der genannten Aspekte seinen Charme und Reiz besitzt, so spricht er wahrscheinlich eher die weibliche Leserschaft an – nicht zuletzt auch wegen Penelopes Rezept für Badepralinen im Anhang des Romans. Wenn Hannah an der Treue ihres Freundes Serge zweifelt, ihre Freundschaft zu Penelope sowie die kollegiale Beziehung zu Emma auf die Probe gestellt werden, so sind dies nicht unbedingt die Themen, die jeder Leser an einem Kriminalroman liebt.

Die Figuren sind darüber hinaus oftmals einfach zu nett, es fehlt ihnen bisweilen an Ecken und Kanten. Auch nutzt die Autorin mitunter deren Potential zu wenig: Wenn Prinderres Nachbar Delmas als sexistisches Ekelpaket beschrieben wird, der dem Opfer darüber hinaus mehrfach gedroht hat, in der weiteren Handlung aber nicht mehr wirklich vorkommt, hätte man auf diese Figur auch verzichten können.

Für Abwechslung sorgt aber der junge Gendarme François Rigaud. Eigentlich Emmas Assistent hat er nur ein Ziel: möglichst schnell die Karriereleiter zu erklimmen. Stets ist er bemüht, dem Polizeichef Bernard alles recht zu machen. Er hat Probleme damit, sich einer Frau wie Emma unterzuordnen und eckt bei ihr ständig an, auch wenn er ohne Zweifel fachliche Kompetenzen besitzt.

Viele Spuren verlaufen im Sande

Die zahlreichen falschen Fährten, die von der Autorin gelegt werden, sind zum Teil etwas zu weit hergeholt und wirken daher doch eher unwahrscheinlich. Diesen Eindruck dürfen sie auch erwecken, wenn sie dann trotzdem - für den Leser in überraschender aber letztlich doch nachvollziehbarer Weise - zum Täter führen. Dies ist hier aber leider überwiegend nicht der Fall. Der aufmerksame Leser wird zudem bereits sehr früh erkennen, wo das Manuskript des Toten versteckt sein dürfte.

Der Fall hält darüber hinaus zu viele Zufälle parat. Dagegen lässt die Auflösung am Ende doch Spannung aufkommen, auch wenn der Schluss nicht vollkommen überraschend ist.

Fazit:

„Tödliche Provence“ ist ein unaufgeregter, handwerklich gelungener Kriminalroman, der durch eine entspannte Atmosphäre und sympathische Figuren überzeugt. Wer allerdings eine temporeiche, nervenaufreibende Handlung sucht, wird dies hier vergeblich suchen. Auch wenn der Roman zum Schluss hin deutlich spannender wird, so fehlt der Geschichte doch etwas die nötige Dynamik. Dafür stehen die Beziehungsprobleme der Protagonistin zu sehr im Vordergrund und wird der Fall zu oft durch Nebensächlichkeiten unterbrochen. Wer aber die Provence und die französische Lebensart liebt und auf der Suche nach einem ruhigeren Kriminalroman ist, der sollte hier zugreifen.

 

Tödliche Provence

Tödliche Provence

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