Was in jener Nacht geschah

Erschienen: März 2019

Bibliographische Angaben

Kathrin Razum (Übersetzung)

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Jörg Kijanski
Intensives Familiendrama vor indigener Kulisse

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Jun 2019

Winnipeg, North End. Stella, eine junge Mutter indigener Abstammung, schaut in einer kalten Winternacht nach ihren Kindern und bemerkt bei einem Blick aus dem Fenster, dass auf einem Feldstück vor ihrem Haus offenbar eine Schlägerei im Gange ist. Sie wählt den Notruf, doch die Polizei lässt auf sich warten. Auseinandersetzungen sind in dieser Gegend keine Seltenheit.

Später berichtet sie Officer Scott und Officer Christie von der Vergewaltigung eines jungen Mädchens. Angesichts der tiefwinterlichen Temperaturen glauben ihr die Polizisten nicht. Am Tatort fanden sich Blutspuren und eine zerbrochene Bierflasche, also wohl eher die übliche Schlägerei unter alkoholisierten Jugendlichen. Bereits am nächsten Tag müssen die Polizisten umdenken, denn im Krankenhaus wird die - auch im Intimbereich - schwerverletzte Emily, die elfjährige Tochter von Stellas Cousine, eingeliefert…

Vielschichtiger Plot mit wenig krimineller Spannung

Was zunächst wie ein düsterer, harter Thriller beginnt, entpuppt sich sehr schnell als ein vielschichtiges Familiendrama, in dem die Familien des Opfers sowie der Täter beleuchtet werden; allerdings ohne Thriller. Dabei wird aus ständig wechselnden Perspektiven erzählt, in denen die mitwirkenden Figuren abwechselnd im Fokus stehen. Von Beginn an hat man als Leser größte Not, die familiären Verwandtschaftsverhältnisse nachvollziehen zu können. Zumal auch mit Abkürzungen und indigenen Begriffen hantiert wird.

Die Großmutter ist die Kookom, Paulina ist Paul, Louisa Lou und Cheryl mal Tochter, Mutter, Oma, Auntie oder eben Cheryl und so weiter. Der kleine Tipp (des Rezensenten), dass am Ende des Romans ein Stammbaum abgedruckt ist, hätte fett auf der ersten Textseite stehen müssen; hilft jedoch auch nur bedingt beim Verständnis. Sehr irritierend ist außerdem, dass drei Personen in der Ich-Form erzählen, während die anderen Figuren in der dritten Person vorkommen. Hat man sich einigermaßen orientiert, erschließt sich die Tiefe des Romans, zumal es auch Beziehungen zwischen Angehörigen der Opfer- und der Täterfamilie gibt.

„Wir wissen nichts über Pete, außer dass er ein anständiger Kerl ist, der deine Schwester glücklich macht. Und ehe wir nicht irgendetwas anderes erfahren, sagen wir nichts.“
„Man muss Menschen auch mal vertrauen, Louisa. Nicht jeder ist ein Monster.“

In North End leben entlang der McPhillips Street zwei unterschiedliche Arten von Menschen. Auf der einen Seite jene Arbeiterklasse, die sich aufgrund ihrer harten Arbeit zum Pfeiler der Gesellschaft zählt, auf der anderen der Mob. Kriminelle, Drogenhändler und Junkies. Immer wieder spielen Angehörige der Métis, ein Stamm mit indianisch-europäischen Wurzeln, eine zentrale Rolle.

Fast alle Figuren des Romans gehören diesem Stamm an, und so erzählt die Geschichte auch davon, wie die indigenen Menschen mit Alltagsrassismus konfrontiert werden und damit umgehen. Exemplarisch dienen hierfür der fette, behäbige, weiße Polizist Christie und dessen Partner Scott, der - selbst ein Halbblut -  mit einer Weißen verheiratet ist.

„Sie ist außer sich, völlig außer sich. Wie könnte es auch anders sein?“

„Und ihr Mädchen?“

„Ich weiß nicht, ob es Em je wieder richtig gut gehen wird.“

„Gilt das nicht für uns alle?“

„Was in jener Nacht geschah“ ist kein „Frauenroman“, wenngleich die Frauen nicht nur in der Überzahl sind, sondern vielmehr deren Leben im Fokus steht. Wie kommen sie in einer fremden, städtischen Welt zurecht? Was wird aus dem Traum von Freiheit, der Rückkehr zu einem Leben unter freiem Himmel und sei es nur in einem begrenzten Reservat?

Klar ist, die Frauen sind auf sich allein gestellt. Männer benutzen sie schon seit Generationen, doch bis heute haben sie es nicht geschafft, dagegen aufzubegehren. Sie arrangieren sich mit ihrem Schicksal, greifen zu Alkohol und Drogen, kämpfen dennoch hart für ihre Kinder. Auf ihre Weise starke Frauen und dennoch Fatalismus wohin man sieht: „Wir sind am Arsch, aber nicht am Ende.“

Fazit:

Der Spannungsbogen in puncto „Wer war es denn?“ ist maximal simpel, wobei es noch ein kleines Hintertürchen gibt. Daher wird „Was in jener Nacht geschah“ reine Krimileser enttäuschen, es sei denn, sie lassen sich auf die zahlreichen Facetten des Stoffs ein. Frauen, auf sich allein gestellt, am Rande der Gesellschaft, gepaart mit der kulturellen Vorgeschichte des eigenen Volkes. In Kanada wurde der Roman mehrfach ausgezeichnet. 

Was in jener Nacht geschah

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