Blood Orange - Was sie nicht wissen

Erschienen: Oktober 2019

Bibliographische Angaben

Aus dem Englischen von Kerstin Winter
Originaltitel: Blood Orange
Originalverlag: Headline

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Thomas Gisbertz
Wichtiges Thema, langatmig umgesetzt

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Jan 2020

Der erste Mordfall ihrer Karriere verlangt Anwältin Alison alles ab. Sie will aber das Schuldeingeständnis ihrer neuen Mandantin nicht anerkennen. Ein untrügliches Gespür sagt ihr, dass die seit Jahren körperlich und seelisch misshandelte Frau ihren Mann nicht erstochen hat. Und so treffen zwei Frauen aufeinander, die etwas gemeinsam haben - ohne jedoch davon zu wissen.

Zwischen Eheleben und Affäre

Eigentlich müsste Alison glücklich sein: Sie ist mit Carl verheiratet, hat eine Tochter und endlich landet der erste Mordfall auf dem Tisch der Londoner Prozessanwältin. Eine vielversprechende Karriere liegt vor ihr. Aber die Ehe kriselt zunehmend, Alison hat ein Alkoholproblem und eine Affäre mit Patrick Saunders, dem Inhaber einer großen Anwaltskanzlei. Eigentlich will sie diese Beziehung beenden, kommt aber vom charismatischen Anwalt nicht los - obwohl dieser sie sexuell ausnutzt und öfters demütigt.

Ihre Tochter Matilda distanziert sich - angestachelt von Carl - immer stärker von ihr. Alison hat das Gefühl als Ehefrau und Mutter zu versagen. Während sie darum kämpft, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen, erhält sie eine schockierende SMS: „Ich weiß, was du tust, du miese Schlampe.“ Jemand scheint ihr Geheimnis mit Patrick zu kennen und wird nicht eher ruhen, bis Alison alles verloren hat.

Debütroman einer ehemaligen Anwältin

Die Autorin Harriet Tyce wuchs in Edinburgh auf und studierte in Oxford Anglistik, ehe sie an der City University ein Studium zur Juristin absolvierte. Fast zehn Jahre lang praktizierte sie als Prozessanwältin in London. Im Augenblick promoviert sie an der University of East Anglia in „Creative Writing“. „Blood Orange“ ist ihr erster Roman, der in Großbritannien bereits für mehrere Literaturpreise nominiert wurde und als TV-Serie adaptiert werden soll.

Parallele Handlungsstränge

Im Zentrum der Handlung stehen eigentlich zwei Geschichten: Zum einen geht es um Alisons Beziehung zu ihrem Ehemann Carl sowie ihre Affäre mit dem Anwalt Patrick. Zum anderen wird ihre Arbeit an dem Mordfall Madeleine Smith immer wieder thematisiert. Diese soll ihren cholerischen, streitsüchtigen und gewalttätigen Ehemann brutal ermordet haben. Darüber hinaus gibt es noch den Unbekannten, der Alison ständig SMS schickt und scheinbar von ihrer Beziehung mit Patrick weiß. Was hier spannend klingt, ist eine sehr zähe Angelegenheit für Thrillerfans. Dabei greift die Autorin aber gleichwohl ein wichtiges Thema auf: Gewalt gegen Frauen.

Streitsüchtiger Ehemann

Alison wird von ihrem Lebensgefährten Carl zunehmend psychisch erniedrigt, indem er sie als unfähige Mutter und alkoholsüchtige Ehefrau dargestellt, die ihr Leben nicht unter Kontrolle hat. Carl lässt keine Möglichkeit aus, Alison vor ihrer Tochter Matilda schlecht darzustellen. Dabei versucht die junge Anwältin alles, um die familiären Probleme zu beheben. Ihr Ehemann tritt sehr dominant auf und richtet die Beziehung nach seinen Wünschen aus. Aber auch Carl, der ironischerweise als Psychotherapeut für Paartherapie und Sexsucht arbeitet, scheint Geheimnisse zu haben. Ständig muss er spät nachts noch zu seinen Patienten und es riecht im Haus immer wieder nach Zigarettenrauch, obwohl keiner von beiden zu Hause raucht.

Ambivalente Affäre

Mit dem Anwalt Patrick verbindet Alison eine Hass-Liebe. Obwohl sie die Beziehung zu ihm immer wieder beenden will, kommt sie nicht von ihm los. Er ist sehr charmant und gibt Alison das Gefühl, attraktiv und begehrenswert zu sein, aber er nutzt sie auch sexuell aus - oftmals auf mehr als erniedrigende Art und Weise. Er schafft es aber stets aufs Neue, die junge Anwältin um den Finger zu wickeln. Gleichzeitig weiß Alison, dass sie ihren beruflichen Aufstieg ihm zu verdanken hat.

Zäher Handlungsverlauf

So wichtig das Thema psychische und physische Gewalt gegen Frauen ist, so wenig will dieser Thriller Fahrt aufnehmen. Der aufmerksame Leser weiß frühzeitig, wer hinter den SMS-Drohungen steckt, die Alison ständig erhält.

Des Weiteren ist die junge Anwältin derart damit beschäftigt, die Spuren ihrer heimlichen Affäre zu beseitigen, dass sie nicht mitbekommt, wie ihr Mann Carl ein perfides Spiel mit ihr treibt. Das einzige, was den Leser bei der Stange hält, ist die Frage nach dem Motiv des Ehemanns.

Schwaches Debüt

Die Autorin als „neue Paula Hawkins“ (Cosmopolitan UK) anzupreisen, ist ein mehr als gewagter Vergleich. Natürlich ist Gewalt gegen Frauen ein gesamtgesellschaftliches Problem, das spätestens nach der „MeToo“-Debatte verstärkt in den Fokus gerückt ist. Tyce gelingt es aber nicht, einen atmosphärisch dichten Thriller zu schreiben, der einen schockiert und gleichzeitig zum Nachdenken anregt. Stattdessen kommt es zur großen Abrechnung am Ende, die viel zu dick aufträgt, statt sich dem Thema in einer kritischen und differenzierten Weise zu nähern.

Zudem können weder der Plot noch die Sprache oder die Charaktere in besonderer Weise überzeugen. In der Tat gibt es offenbar nur gewaltbereite Männer in der Welt von Harriet Tyce. Es hätte dem Thriller gut getan, hier auch eine Kontrastfigur einzubauen. Diese Chance verpasst die Autorin aber.

Fazit:

Harriet Tyce gelingt ein Domestic-Crime-Thriller auf durchschnittlichem Niveau. Vielleicht hätte die Autorin besser daran getan, aus dem Stoff einen Roman zu machen. Echte Thrillerfans werden nur mäßig unterhalten. Zwar nähert sich Tyce dem Thema „Gewalt gegen Frauen“ inhaltlich in eindringlicher und durchaus überzeugender Weise, erzählerisch weiß sie aber mit ihren stereotypen und klischeehaften Figuren wenig zu überzeugen.

Blood Orange - Was sie nicht wissen

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Letzte Kommentare:
24.11.2019 13:39:05
Eidechse

Anders als erwartet

Das Buch war anders, als ich erwartet hatte. Das kann ich allerdings nicht auf den Klappentext schieben, sondern vielmehr auf meine Fehlinterpretation von diesem. Vielleicht liegt es daran, dass ich bisher den Ausdruck „Domestic Noir“ nicht kannte, und noch kaum etwas derartiges gelesen hatte. Aber auch, wenn das Buch auf diese Art und Weise zu einer Überraschung für mich wurde, hat es mir ganz gut gefallen.
Der Mordfall war eher Nebensache. Und auch Spannung spielte für mich in der Geschichte nur die zweite Geige. Im Vordergrund stand die Psyche. Die ist in Büchern selten ein leichtes Thema, so auch bei „Blood Orange“. Es hat mich zum Teil abgeschreckt: die Protagonistin war mir zu egozentrisch und unbelehrbar. Ich wollte sie an den Schultern packen und wachrütteln. Das ging natürlich nicht. Eine dementsprechend hoffnungslose, deprimierende Atmosphäre hat die Geschichte ausgeströmt. Nicht unbedingt eine angenehme Unterhaltung. Dazu kam eine Derbheit in Handlung und Erzählstil, die mich ebenfalls manchmal abgeschreckt hat.
Trotzdem – ich kann nicht genau benennen warum – habe ich das Buch nicht zur Seite gelegt, sondern weitergelesen. Vielleicht ist es das Befremdliche, der natürliche Drang danach seine Mitmenschen zu verstehen und die Neugier zu erfahren, wie sich dieser verworrene Knoten am Ende lösen lässt.
Zu letzterem: der Schluss hat mich nicht überzeugt. Er passt nicht zum Rest der Geschichte. Für die düstere, ausweglose Stimmung zuvor, war es mir am Ende zu optimistisch und unproblematisch.
Zusammenfassend lässt sich sagen: unerwartet, keine leicht Kost, aber ganz gut gemacht.

15.11.2019 18:35:28
Annabell95

Nicht überzeugend

Alison ist Anwältin und Ehefrau und Mutter einer Tochter zugleich. Beruflich geht es bei ihr bergauf. Sie bekommt ihren ersten Mordfall zugewiesen. Madeleine die Frau des Ermordeten hat die Schuld bereits eingestanden, aber der Fall scheint dennoch etwas unklar zu sein. Alison wächst das alles etwas über den Kopf und sie trinkt zu viel. Dadurch vernachlässigt sie ihre Familie und sie hat eine Affäre mit einem Anwaltskollegen. Sie bekommt anonyme SMS, irgendjemand scheint von den Affäre zu wissen...

Der Schreibstil war sehr flüssig und daher lies sich das Buch ganz gut und zügig lesen. Mir hat es auch gefallen, dass es aus der ICH-Perspektive geschrieben war, so konnte man sich ganz gut in Alison hineinfühlen auch wenn ich nicht immer mit ihr mitfühlen konnte, weil ich kein Verständnis für ihre Taten hatte.
Die Hauptcharaktere waren mir allesamt unsympatisch und ich hatte teilweise Hass auf sie, weil ich ihre Taten nicht ganz nachvollziehen konnte.

Der Hauptbestandteil des Buches war Sexualität und Alkoholmissbrauch, was mir nicht gefallen hat. Es hat irgendwie immer vom eigentlichen Fall abgelenkt.

Mir hat leider der Nervenkitzel in den Buch gefehlt. Erst zum Schluss kam etwas mehr Spannung auf und ab da wollte man dann auch wissen wie es zu Ende geht.
Auf dem Cover steht "Thriller". Meiner Meinung ist es mehr ein Roman, ein Familiendrama als ein Thriller.

Ehrlich gesagt wurde ich von dem Buch enttäuscht. Ich habe mir etwas anderes vorgestellt.

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