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Jörg Kijanski
Viel Handlung, wenig Krimi

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Okt 2019

Robert Fallner, Ex-Polizist, arbeitet in der Sicherheitsfirma seines Bruders. Der hat womöglich einen neuen Auftrag an Land gezogen, einen wahrlich dicken Fisch sogar, wenn es denn mit rechten Dingen zugeht. Ein eher unscharfes Foto von einem Mann mit Vollbart sowie ein Hinweis auf die Adresse dessen Cousins – beides aus unbekannter Quelle - ist schon alles. Und, ach ja, der Unbekannte soll demnächst zu Besuch kommen und ist irgendwelchen Amerikanern angeblich zwei Millionen wert.

„Nichts passt zusammen, aber irgendwas ist dran.“
„Ich fasse mal zusammen: Wir sollten die Finger davon lassen.“

Fallner wittert eine Falle, doch sein Bruder drängt ihn, mit seinem Partner Landmann und Computerexperte Nico zumindest mal der Sache nachzugehen. Es könnte ja was dran sein. Die Adresse des Cousins führt zu einem Gemüseladen, der von einer irakischen Familie betrieben wird, und praktischerweise direkt gegenüber von Fallners griechischem Lieblingslokal liegt. So richtet man sich ein und beobachtet die Lage.

Rund 200 Seiten später kommt dann Bewegung in die ursprüngliche Handlung - mit einem überraschenden Finale. Zuvor kümmert sich Fallner mit seiner Frau Jaqueline, aktive Polizistin, um die 14-jährige Nadine, die unlängst von zuhause weggelaufen ist und nun bei ihnen wohnt. Die quält Fallner mit zahlreichen Fragen und schlägt später einem sie mobbenden Mitschüler die Nase blutig. Derweil observieren Fallner und Landmann noch in einem weiteren Fall und haben dabei viel Zeit, um über Gott und die Welt zu reden.

Schräge Dialoge entscheiden über „Daumen rauf oder runter“

Fallner stellt vier Jugendliche, die einer jungen schwarzen Frau drohend an einer U-Bahn-Station gegenüber stehen. Mit Nadine besucht er seinen dementen Vater und seine Ex Johanna und abends geht es mitunter ins auf der gegenüberliegenden Straßenseite liegende „Bertls Eck“.

„Eine letzte Tankstelle vor dem Friedhof, eher dunkel als erhellt, und nicht romantisch dunkel, sondern als wären ein paar Lampen kaputt und kein Geld da für neue Lichter, und eher nach einer Leichenhalle riechend als nach einer Trinkhalle. Kein Ort für Leute, die in schicker Gesellschaft Drinks genießen wollten, für deren Zubereitung Barkeeper auf drei Kontinenten studiert haben mussten.“

Immer wieder trifft er auf alte Bekannte, so etwa Jorgos, dem das griechische Lokal gehört, und der von Reparationszahlungen der Deutschen an Griechenland träumt. Punker Armin ist Fallners bester Freund und dem obdachlosen Bruno begegnet er ebenfalls mehrmals. Dieser Mikrokosmos aus Nachbarschaft und Alltagsbegebenheiten bildet einen Großteil der auf den ersten 200 Seiten nur rudimentär erscheinenden Krimihandlung. Dabei entscheiden die zahlreichen Dialoge – vor allem zwischen Fallner und Landmann – ob bei der Bewertung des Romans der Daumen nach oben oder nach unten zeigt.

Man schwankt zwischen teils anarchisch-komischem Brachialhumor oder schlicht unsäglichem Blödsinn, wobei letzteres nicht ganz korrekt ist. Denn sprachlich ist Franz Doblers Fabulierkunst auf jeden Fall bemerkenswert, etliche Sätze schlängeln sich über viele Zeilen. Wer herrlich verwinkelte Schachtelsätze mag, der kommt auf seine Kosten. Nachfolgend ein Beispiel, wie die „Ermittler“ den aktuellen Sachstand diskutieren.

„Aber wenn ich ehrlich bin, ich würde gern wissen, ob wir auf dem Holzweg sind.“
„Und außerdem würde ich gern wissen, ob uns jemand verarschen will, und ich möchte mich auf die Art nicht verarschen lassen.“

„Auf welche Art lässt du dich denn gerne verarschen?“
„Ich fasse für’s Protokoll zusammen: Wir sind einen entscheidenden Schritt weitergekommen.“
„Auf jeden Fall, wir haben uns bis zum Arsch raufgearbeitet.“

Die einzelnen „Handlungsstränge“ finden im Finale teilweise wieder zusammen, einige Nebenkriegsschauplätze verschwinden im Nebel des Geschehens. Nicht ganz unwesentlich ist jedoch die Ermittlungsarbeit von Jaqueline, die einem Kollegen näher kommt, der Kontakte zu einer Ku-Klux-Klan-Sektion sowie zur Naziszene haben soll. Auf ihn wird man später noch einmal aufmerksam werden.

Bis dahin wird eine Geschichte von früheren Ermittlungen in der Naziszene erzählt, in denen die Polizei (vorsichtig formuliert) offenbar nicht allen Spuren nachgegangen ist. „Auf dem rechten Auge blind“, diese weit verbreitete Erkenntnis musste wohl einmal mehr  thematisiert werden. Dazu liefert der profunde Kenner Franz Dobler etliche Einblicke in die Welt der Musik und verweist auf teils in Vergessenheit geratene Gruppen.

Fazit:

Wer keinen stringenten Krimiplot erwartet, sondern durchaus über – je nach Sichtweise mehr oder wenige amüsant erzählte – Umwege zum Ziel kommen möchte, der erlebt mit „Ein Schuss ins Blaue“ einen unkonventionellen Roman, der sich aus der breiten Masse hervorhebt.    

Ein Schuss ins Blaue

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