Der Revolver

Erschienen: September 2019

Bibliographische Angaben

Thomas Eggenberg (Übersetzer)

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Jörg Kijanski
Wenn die Waffe zur Obsession wird

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Dez 2019

Tôru Nishikawa ist ein Student, 21 Jahre jung, dessen Leben eher ereignis- und trostlos dahinplätschert. Den Sinn des Lebens hat der junge Mann noch nicht gefunden, er ist vielmehr davon überzeugt, dass es diesen gar nicht gibt. So schlendert er oft nachts, eine Dose heißen Kaffee trinkend, ziellos durch die Gegend. Eines späten Abends findet er unter einer Brücke am Ufer des Arakawa einen Toten. Die Wunde am Kopf zeigt eindeutig, dass er an einer Schussverletzung starb, der diese auslösende Revolver liegt unmittelbar neben dem Leichnam.

Nishikawa ist von der Waffe fasziniert, nimmt sie auf und eilt zügig in seine kleine Wohnung. Fortan bestimmt das Mordwerkzeug zunehmend seine Gedanken und schleicht sich in sein Leben ein. Bald wird klar, dass es nicht ausreicht, die Waffe zu putzen und zu bewundern; sie will benutzt werden …

Der Debütroman von Nakamura erstmals in deutscher Sprache erhältlich

Die knapp 180 Seiten lange Novelle „Der Revolver“ erschien in Japan bereits 2003 (Originaltitel „Ju“) und ist nun erstmals in deutscher Sprache erhältlich. Inzwischen ist der Name des Autors bei uns ein Begriff, mit den Romanen „Der Dieb“ (2015) und „Die Maske“ (2018) hat er ein größeres Publikum erreicht und die Kritiker begeistert. So vergleicht ihn Elmar Krekeler, bekannt durch seine Kolumne „Krekeler killt“ (Die Welt), mit Haruki Murakami und bezeichnet das Werk des 1977 geborenen Fuminori Nakamura als Hochliteratur.

„Soweit ich das beurteilen konnte, war das vielleicht sogar ein Selbstmord gewesen. Doch plötzlich stutzte ich. Natürlich ging die Polizei von einem Mord aus. Wenn die Tatwaffe nicht aufzufinden war, konnte ein Suizid ausgeschlossen werden. Und der Besitzer der Waffe war wohl, zumindest aus ihrer Sicht, der Mörder.“

Nakamura, der im Genre des Noir verortet ist, erzählt in „Der Revolver“ eine düstere Geschichte, die auf den ersten Blick nicht in das Krimigenre zu passen scheint. Denn Ausgangssituation für die weitere Handlung ist der Fund des Revolvers neben besagter Leiche. Normalerweise würden sich nun die Fragen aufdrängen, ob es sich um ein Tötungsdelikt oder einen Suizid handelt, wer Opfer und möglicherweise Täter sind.

Diese Fragen streift der Autor nur vage, denn der Ich-Erzähler Nishikawa ist völlig im Bann der Waffe gefangen. Erst später erfährt man en passant, dass der Tote ein zwielichtiger Geschäftsmann mit Verbindungen zur Yakuza war und die Polizei wegen Mordes ermittelt. Kein Wunder, denn bei einem eindeutigen Suizid müsste ja die Tatwaffe noch neben der Leiche liegen.

„Der Revolver war ein Teil von mir geworden, hatte mein ganzes Denken und Handeln durchdrungen. Zu schießen war die eigentliche Bestimmung eines Revolvers, und so war es nur logisch, dass auch ich das wollte. Mich dagegenzustellen hätte bedeutet, zu meinem früheren Ich, meinem früheren Leben zurückzukehren – ein nicht nur sonnloser, sondern auch trostloser Gedanke.“

Was es mit dem Mord oder Suizid auf sich hat, ist jedoch für den Plot weitgehend belanglos, denn den Autor interessiert vor allem, welche Auswirkungen der Revolver auf seinen Protagonisten entfacht. Sehr düstere, so viel sei vorweggenommen, denn allein der Besitz der Waffe reicht Nishikawa bald nicht mehr. Immerhin erhält sein Leben dank des Revolvers wieder einen Sinn und so beginnt er gleich zwei Beziehungen mit Frauen. Eine namenlose, eher unscheinbare Frau dient dem fleischlichen Genuss; bei der attraktiven Yuko scheint tatsächlich Liebe im Spiel.

Während Nishikawa über den Sinn des Lebens neu nachdenkt, philosophiert er reichlich über den Revolver, über die Macht, die diese Waffe ausübt und die Frage, ob es nicht der Selbstbestimmungszweck des Werkzeuges schlechthin ist, auch als solches genutzt zu werden. Und was sagt die Polizei? Die erscheint nach gut zwei Dritteln des Buches, denn bei einem „Zwischenfall“ war Nishikawa unvorsichtig beziehungsweise wurde von einem Augenzeugen beobachtet. Während der Kriminalbeamte klar zu erkennen gibt, dass er glaubt, dass sich die Tatwaffe vom Ufer des Arakawa in Nishikawas Besitz befindet, bleibt dieser vermeintlich gelassen, da dem Beamten Beweise für seine Thesen fehlen.

Fazit:

Was macht eine Waffe aus einem Menschen? Kann sie Besitz von ihm ergreifen und dazu führen, dass die Waffe für den Zweck, für die sie erschaffen wurde, eingesetzt wird? Ein düsterer Plot, der das Krimigenre des Noir literarisch erweitert. Bereits das Cover, eine Illustration von Andy Warhol, bietet den perfekten Einstieg.

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