Die Frau in der Themse

Erschienen: September 2019

Bibliographische Angaben

Übersetzt von Anna-Nina Kroll und Lisa Kögeböhn

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Almut Oetjen
Bleak House, Ripper Street, London E1

Buch-Rezension von Almut Oetjen Nov 2019

Das Beziehungsdreieck des Lebens wird oft bestimmt durch eine Frau zwischen zwei Männern. Davon leben ganze Roman- und Fernsehwelten. Nicht nur Rosamunde Pilcher fällt mir hier ein. Auch eine Krimiserie wie Ripper Street: eine Frau und ein Mann von rechtlich und moralisch zweifelhaftem Ruf bilden ein Dreieck mit einem Detektiv, der an sich selbst hohe moralische Anforderungen stellt. Sie sind beste Freunde, oder sie waren beste Freunde, sie hassen oder sie lieben einander. Eine so simple wie fruchtbare Prämisse, auch tragfähig für Steven Prices „Die Frau in der Themse“.

Diogenes wirbt für den bald 1000 Seiten umfangreichen Roman punktgenau damit, dass Charlotte Reckitt, eine schöne Gesetzlose, Traumfrau und Objekt der Besessenheit, eine Schlüsselfigur im Leben des Detektivs William Pinkerton und des Diebes Adam Foole ist.

Ein Todesfall mit Konsequenzen

Die Geschichte beginnt im Februar 1885 in London, als an verschiedenen Plätzen Teile des Leichnams einer Frau gefunden werden. Sie wird identifiziert als Charlotte Reckitt beziehungsweise Le-Roche. Zu dieser Zeit treibt es auch Adam Foole in die Metropole, weil seine große Liebe, die 20 Jahre ältere Charlotte, ihn um Hilfe gebeten hatte. Adam ist ein Gauner mit violetten Augen und mit den Altlasten einer traumatischen Kindheit ausgestattet. Außerdem ist er ein durch den Kolonialismus beeinträchtigter Mann mit dubiosen Geschäftsinteressen.

William Pinkerton befindet sich in London auf der Spur des ominösen Diebes und Tresorknackers Edward Shade. Seine aktuelle Spur war Charlotte Reckitt, zehn Jahre zuvor Shades Komplizin, die zu verhören er nach London gereist ist. William, ein sensibler Macho, der die Welt kaum ertragen kann, betrauert noch den sechs Monate zurückliegenden Tod seines dominanten Vaters. Während ihn die Unterwelt der USA fürchtet, hat er nur Angst vor seinem toten Vater.

Jagd auf einem Unsichtbaren

Die Erzählung wechselt zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit. In der Rückschau erfahren wir die Geschichte von Allan Pinkerton, Einwanderer aus Glasgow, und der Gründung seiner berühmten Detektei in Chicago während der 1850er Jahre. Während des Sezessionskrieges rekrutierte er Edward Shade, der für ihn beinahe ein Sohn wurde. Aus mehreren Gründen suchte er ihn später. Shade wurde zu dem einen Kriminellen, den Pinkerton nie fassen konnte. Sein Sohn William setzt die Suche fort. Im Roman wird die Frage gestellt, wer Shade denn ist. Niemand kann sie beantworten, niemand vom Personal hat ihn je gesehen. Erzählt jemand William, was er über Shade zu wissen vorgibt, hört der immer etwas anderes, widersprüchliches.

Warum sucht William ihn überhaupt? Hat die Antwort darauf etwas mit der gestörten Beziehung zu seinem Vater zu tun? Williams einzige von ihm als gesichert angesehene Spur zu Shade ist Charlotte, die mit scharfen Zähnen, langen weißen Fingern und einer tiefen, teuflischen, betörenden Stimme vorgestellt wird. William untersucht auch den Tod Charlottes, wodurch er Kontakt zu Adam Foole bekommt, dessen Vergangenheit als Konföderierter in einer Parallelhandlung vermittelt wird. 

Die Lösung des Rätsels um Charlotte hängt zusammen mit Edward Shade, William und Adam werden in der Bearbeitung des Falls zu Verbündeten. Die Gegenwart verstehen können sie nur durch Einbeziehung der Vergangenheit, die breiten Raum einnimmt.

Steven Price erzählt in „Die Frau in der Themse“ eine lange und verwickelte Geschichte, die besonders Liebhabern von Wilkie Collins und Charles Dickens gefallen könnte. Sie ist geschrieben wie Sensationsromane dieser Autoren, die als Serials in Zeitungen und Magazinen veröffentlicht wurden. Einmal würdigt ein Polizist einen Untergebenen als Leser von Sensationsromanen herab und nennt Wilkie Collins als Beispiel.

Konfliktgeladene Protagonisten in einer komplizierten Welt

Die Protagonisten sind nicht oberflächlich entwickelt und weisen einiges an innerem Konfliktpotenzial auf. Die Nebenfiguren sind ebenfalls auffällig. Dazu gehören ein unangenehmer Diener namens Japheth Fludd und die Diebin Molly, die Adam in seine Organisation aufgenommen hat. Sie alle haben eine dunkle Seite und Geheimnisse.

Price strickt eine moralisch komplizierte Welt für seine Protagonisten, in der alles von Gewalt durchdrungen ist.

Er beschreibt lebhaft die viktorianische Unterwelt in der Zeit vor Jack the Ripper. Die Handlung zeigt sich als Labyrinth, dessen Gänge bestimmt sind durch Geheimnisse und Lügen, die oft in die Irre führen, so dass ein anderer Weg beschritten werden muss, in der Hoffnung, er möge zum Ziel führen. Wie seine Vorläufer ist der Roman formulaisch grundiert und stilistisch einfallsreich ausgestaltet.

Enger Betrachtungsraum im Panorama

Die Haupthandlung spielt im London der viktorianischen Zeit, der Amerikanische Bürgerkrieg, Chicago, Brindisi und Port Elizabeth gehören zu den weiteren Schauplätzen. Trotz der vielen Schauplätze entwickelt Price kein großes Bild, die Erzählung wirkt nur vordergründig episch. An keiner Stelle wird der enge Betrachtungsraum aufgegeben, der nur seine wenigen Hauptakteure kennt. Das ist der wohl wesentliche Unterschied zu den genannten Vorbildern. Manche Beschreibungen ähneln nicht nur Collins und Dickens, sondern auch der TV-Serie Ripper Street, die zudem ebenfalls mit einem Trio aus integrem Ermittler, Gauner und einer Frau aufwartet, dessen Wurzeln in die USA des Sezessionskrieges hineinreichen. Price thematisiert auf einer Überlagerungsebene Fragen nach Schein und Wirklichkeit, die Unzuverlässigkeit von Erinnerungen und das Wesen des Erzählens von Geschichten.

Fazit:

Steven Price präsentiert in seinem Mystery-Thriller „Die Frau aus der Themse“ die Erzählung über zwei Männer, William Pinkerton und Adam Foole, die für eine Suche zusammenfinden. Ihr Leben wurde in unterschiedlicher Weise berührt von Charlotte Reckitt und Edward Shade.

Die Frau in der Themse

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Letzte Kommentare:
21.11.2019 16:43:53
elke17

William Pinkerton, Detektiv in der Tradition seines Vaters, ist zu spät. Die Hoffnung gestorben, an Informationen zum Verbleib des ominösen Tresorknackers Edward Shade zu gelangen, den sein Vater Allan, Gründer der weltberühmten der Pinkerton's National Detective Agency, zeit seines Lebens gesucht hat. Und auch Adam Foole, der geniale Dieb, konnte Charlotte Reckitt nicht retten, die nicht immer gesetzestreue Femme fatale, obwohl er nach ihrem Ruf um Hilfe bei einem großen Coup umgehend nach London gereist ist. Denn seine große Liebe ist tot, ertrunken in der Themse und zerstückelt.

Die beiden Männer begegnen sich im viktorianischen London, in dessen düsteren Gassen, unzureichend von den Gaslaternen ausgeleuchtet, allerhand zwielichtige Gestalten ihr Unwesen treiben. Detektiv und Dieb eint die Suche nach demjenigen, der für den mysteriösen Tod Charlottes verantwortlich zeichnet, nicht wissend, dass Edward Shade der eigentliche Dreh- und Angelpunkt und der Schlüssel zu des Rätsels Lösung ist.

„Die Frau in der Themse“ erinnert an die viktorianischen Schauergeschichten der großen Autoren dieser Zeit, allen voran Wilkie Collins, wobei Steven Price wesentlich ausladender erzählt, dabei aber immer seine Protagonisten im engen Blick behält, obwohl an den verschiedenen Handlungssträngen eine Vielzahl von Personen beteiligt sind. Tiefe Blicke in die Vergangenheit (er)klären Gegenwärtiges, ebenso die verschiedenen Schauplätze auf unterschiedlichen Kontinenten. Jeder hat Geheimnisse, verbirgt etwas, ist unzuverlässig im Erinnern und in dem, was er preisgibt. Die Handlung ist zwar komplex und reich an Details, aber jederzeit räumlich und zeitlich durch die entsprechenden Vermerke in den Kopfzeilen einzuordnen.

Ein faszinierendes Katz-und-Maus Spiel von Jägern und Gejagten, an dem sowohl Fans viktorianischer Schauergeschichten als auch Freunde des klassischen Spannungsromans ihre Freude haben werden.