Der Mistelzweig-Mord

Erschienen: Oktober 2019

Bibliographische Angaben

Übersetzt von Christa E. Seibicke und Susanne Wallbaum

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Almut Oetjen
Drei Morde und ein Versehen

Buch-Rezension von Almut Oetjen Dez 2019

Diese Anthologie von Kurzgeschichten enthält vier Kurzkrimis, jeder umfasst etwa 40 Seiten. Sie erschienen zwischen 1969 und 1996 in verschiedenen englischsprachigen Zeitungen und Magazinen. Bis auf die Titelgeschichte liegen sie erstmals in deutscher Übersetzung vor. Der Untertitel lautet im Original treffender „and other Stories“, denn nur drei Geschichten spielen zur Weihnachtszeit, die vierte („Ein ganz banaler Mord“) spielt im Winter ohne Bezug zu Weihnachten.

Das Buch enthält ein Vorwort von P.D. James aus dem Jahr 2001, in dem sie sich über die besondere Herausforderung und den Reiz von Short Storys in Abgrenzung zum Roman auslässt, sowie ein Geleitwort von Val McDermid über den Band, in dem sie die besonderen Markenzeichen von P.D. James hervorhebt, schließlich einen Quellennachweis der Erstveröffentlichungen.

Der Mistelzweig-Mord (1995)

Eine namenlose Ich-Erzählerin und erfolgreiche Kriminalschriftstellerin berichtet mit der Distanz von 60 Jahren von einem Mordfall, in den sie verwickelt war. Im Kriegsjahr 1940 wird die Autorin, gerade 18 Jahre alt, Kriegswitwe und Luftwaffenhelferin in London, von ihrer Großmutter eingeladen, Weihnachten in ihrem Herrenhaus Stutleigh Manor auf dem Land zu verbringen. Anwesend sind außerdem ihr Vetter Paul, dessen Bruder vor vielen Jahren unter geheimnisvollen Umständen starb, sowie der Butler und seine Frau.

Mit ihrem entfernten Vetter Rowland Maybrick trifft ein weiterer Gast ein. Er ist Antiquitätenhändler und soll den Wert eines Satzes Münzen schätzen, den die Großmutter verkaufen will. Am nächsten Morgen liegt in der Bibliothek eine Leiche. Die Autorin betätigt sich als Amateurdetektivin. Einzige Anhaltspunkte sind sechs Beeren auf den Dielen, die von einem Mistelzweig an der Bibliothekstür abgefallen sind, und eine Wasserlache am Fuß der Treppe. Die Autorin kommt einem Komplott auf die Spur, behält jedoch die Entdeckung für sich.

Ein ganz banaler Mord (1969)

Der Ich-Erzähler und Protagonist Ernest Gabriel erinnert sich an ein 16 Jahre zurückliegendes Ereignis. Damals arbeitete Gabriel als Archivar einer Firma im Londoner Stadtteil Camden Town. Man vertraut ihm, aber die Kollegen mögen ihn nicht. Als er nach dem Tod des Seniorchefs Mr. Bootman pornographische Schriften in dessen Schreibtisch findet, schleicht er sich nachts heimlich ins Bürogebäude, um sie zu lesen.

Zufällig findet er heraus, dass sich im Haus nebenan die verheiratete Eileen Morrisey und der junge Schlachtergehilfen Denis Speller regelmäßig treffen. Als Eileen erstochen und Denis wegen Mordes angeklagt wird, könnte Gabriel mit seiner Aussage einem Unschuldigen das Leben retten.

Das Boxdale-Erbe (1979)

Chief Superintendent Adam Dalgliesh wird von seinem Patenonkel, Chorherr Hubert Boxdale, gebeten, einem alten Mordfall nachzugehen. Seine Großtante Allie, eigentlich seine Stiefgroßmutter, ist kürzlich mit 86 Jahren gestorben und hat ihm ein kleines Vermögen hinterlassen. Er könnte das Geld wahrlich gebrauchen, hat jedoch Skrupel es anzunehmen.

Denn Allie soll Weihnachten 1902 ihren Mann, Huberts Großvater, mit Arsen vergiftet haben. Allie war Boxdales zweite Frau, eine ehemalige Variete-Künstlerin und kaum älter als seine Enkelin. Sie wurde angeklagt und freigesprochen, doch die Zweifel blieben. Dalgliesh löst den fast 70 Jahre alten Cold Case. Er kann seinen Paten beruhigen, doch nur indem er die Wahrheit mit einem neuen Geheimnis zudeckt.

Die zwölf Weihnachtsindizien (1996)

Adam Dalgliesh, frisch beförderter Sergeant bei der Metropolitan Police, ist unterwegs zu seiner Tante in Suffolk, um mit ihr die Weihnachtstage zu verbringen. Auf der verschneiten Landstraße wird er von einem Mann angehalten, der dringend mit der Polizei telefonieren muss, um den Selbstmord seines Onkels Cuthbert anzuzeigen. Dalgliesh, der Helmut nach Harkerville Hall zurück begleitet, findet nicht weniger als zwölf Hinweise, die ihn an einem Selbstmord zweifeln lassen.

Alle vier Geschichten sind spannend erzählt und haben ein überraschendes, mitunter hinterhältiges und böses Ende. Nicht jeder Mord ist ein Mord, nicht jeder Selbstmord ein Selbstmord, und nicht jeder Täter wird bestraft. James hält sich an die Konventionen des traditionellen Cosy-Krimis, unterminiert sie jedoch und verortet Handlung, Setting und Figuren im realen England, ebenso die Morde und ihre Motive, blickt hinter die Fassaden der middle und upper class, führt die Schwächen von Institutionen wie Polizei und Justiz vor. Manchmal kann es ein Gesetz sein, das über Umwege zu einem Mord führt, wie in „Der Mistelzweig-Mord“.

Am gelungensten sind „Ein ganz banaler Mord“ und „Das Boxdale-Erbe“, die beiden ältesten Geschichten. Denn hier spielt James ihre besondere Stärke aus, psychologische Tiefgründigkeit und Einsicht in menschliche Bosheit und Gemeinheit. „Die zwölf Weihnachtsindizien“ ist eine explizite Verneigung vor Agatha Christie, reproduziert selbstironisch den Golden Age Style und erreicht nicht diese Tiefe.  

Fazit:

P. D. James hat mit „Der Mistelzweig-Mord. Weihnachtliche Kriminalgeschichten“ vier Kurzkrimis vorgelegt, die auf dem englischen Land oder in London spielen. Die Storys verwenden die traditionellen Muster des Cosy-Krimi, unterminieren sie jedoch. Teils düster und deprimierend realistisch, teils spielerisch in ihrer Selbstironie erzählen sie von Mord in den verschiedensten Varianten und einem tragischen Versehen.

Elegante und intelligente Unterhaltung von gelegentlich psychischer Brutalität.

Der Mistelzweig-Mord

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