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Jörg Kijanski
Reminiszenz an das Goldene Zeitalter

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Mär 2020

London, 1924. Um Mitglied im Britannia Club werden zu können, muss man ein Gentleman sein und für das Britische Reich auf dem Schlachtfeld gekämpft haben. Vorstandsmitglied Mortimer Wolfe ist daher gar nicht begeistert, dass Albert Benson als neues Clubmitglied vorgestellt wird, denn dieser war Kriegsdienstverweigerer und lediglich als Blessiertenträger im Einsatz, in dem er früh verletzt wurde. Zur Genesung kam er in das Kriegshospital Sotheby Manor, wo er später als Krankenpfleger arbeitete und die Tochter von Sir Sotheby heiratete.

Wolfe macht seiner Unzufriedenheit Luft und bietet eine Wette an, wonach er in der Lage sei, einen Gegenstand Bensons aus dessen Tresorfach zu entwenden. Der frühere Leutnant Eric Peterkin wird zum Schiedsrichter ernannt, und so erhält er vorab einen Einblick in Bensons Tresorfach, in dem sich eine Injektionsspritze, eine chirurgische Schere, eine Fotografie seiner Frau sowie die Krankenakte von Horatio Parker befinden. Am nächsten Tag begeben sich zur verabredeten Zeit Wolfe und Peterkin im Beisein von Clubpräsident Aldershott und Schriftführer Bradshaw in den Tresorraum, wo sie Benson ermordet auffinden. In seinem Hals steckt ein Brieföffner, der Aldershott gehört.

„Es ist ein Mord geschehen, Sir!“
„Albert Benson. Er wurde vor einer knappen halben Stunde mit einem Messer in der Kehle im Tresorraum gefunden.“

„Verstehe. Auch eine Art, uns das Wochenende zu ruinieren.“

Beim Einblick in den eigentümlichen Tresorinhalt verriet Benson, dass er hoffe, ein Unrecht aus der Vergangenheit beheben zu können. Peterkin, eigentlich Lektor von Kriminalgeschichten, fühlt sich dem Ermordeten verpflichtet den Fall zu lösen, zumal der ermittelnde Beamte von Scotland Yard sich höchst verdächtig aufführt. Dessen Name: Horatio Parker. Schnell zeigt sich, dass die Spuren des Mordes in die Vergangenheit führen. Vor sechs Jahren verschwand in Sotheby Manor die junge Chinesin Emily Ang, die dort als Krankenschwester arbeitete und in die Benson verliebt war.

Erster Weltkrieg, Goldenes Zeitalter, Rassismus – ein gelungener Mix

Autor Christopher Huang erlebte seine ersten Jahre in Singapur bevor er nach Kanada zog und kann von daher aus eigener Erfahrung nachvollziehen, wie es sich mit fremder Identität in der neuen Heimat anfühlt. Sein Protagonist Eric Peterkin ist Halbchinese und erfährt Rassismus in meist sprachlicher, aber genauso verletzender Form. Er kämpfte für die Königlichen Füsiliere in Flandern, fühlt sich voll als Engländer und beherrscht keine zwei Wörter der chinesischen Sprache.

Im Britannia Club lernt er einige ebenso versnobte wie verschrobene Figuren kennen, deren Wege sich im weiteren Handlungsverlauf immer wieder kreuzen und letztlich in Sotheby Manor ihren Ursprung haben. Hier zeigt sich, dass damals beim Verschwinden Emilys gleich mehrere Personen durch ihr - überwiegend gut gemeintes - Verhalten eine Kettenreaktion auslösten, die noch in die Gegenwart wirkt.

Sehr präsent sind die Kriegsgeschehnisse in Flandern. Nie zuvor wurden in einem Krieg Giftgase eingesetzt, noch immer leiden viele unter den Folgen ihrer Erlebnisse, die sich ganz unterschiedlich auswirken. Vom Granatenschock, der immer noch zu Panikattacken bei plötzlichen Knallgeräuschen führt, bis hin zur Morphiumsucht.

„Sobald man die Todesangst hinter sich gelassen hat, sobald man weiß, dass man weiterleben wird, fängt man an, sich zu fragen, was das eigene Leben noch wert ist ohne Arme, ohne Beine … ohne Gesicht.“

Christopher Huang outet sich in seinem lesenswerten Nachwort als großer Fan von Detektivgeschichten aus dem sogenannten Goldenen Zeitalter, jener Zeit zwischen den Weltkriegen, in der sich die „Kriminalliteratur“ enorm weiterentwickelte. Wichtige Autorinnen und Autoren jener Zeit waren, um nur einige zu nennen, allen voran Agatha Christie ebenso wie Margery Allingham, Ngaio Marsh, Ellery Queen und Rex Stout. In deren Stil ist auch „Tod eines Gentleman“ geschrieben, ein klassischer Whodunit, in dem sich kurz vor Schluss alle Verdächtigen in einem Raum begegnen und von Eric Peterkin in bester Hercule-Poirot-Manier über den Mörder aufgeklärt werden.

Fazit:

Der Übergang des Viktorianischen Zeitalters in die Moderne, Kriegstraumata und technischer Fortschritt sowie eine weitverbreitete Ablehnung der in Großbritannien lebenden Chinesen und Südostasiaten bilden die Kulisse dieses beeindruckenden Debütromans. Da nur ein knappes Dutzend Personen mitwirken, ist es diesbezüglich leicht, den Überblick zu behalten, wohingegen die Handlung etliche Wendungen erfährt. Der Protagonist ist sympathisch, und so erfreut den Leser, dass Eric Peterkin auf den letzten Zeilen des Buches bereits zu seinem nächsten „Fall“ aufbricht.

Krimi im Kreuzfeuer - Folge 14

"Tod eines Gentleman" von Christopher Huang (Heyne) im Ziel von Jochen König (Krimi-Couch.de Spezial) und Birgit Stöckel (Krimi-Couch.de Redaktion).

Folge 14 jetzt anschauen

Tod eines Gentleman

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Letzte Kommentare:
25.01.2020 11:25:04
Boadicea

Leider habe ich mir das Buch wegen des Lobs im Krimi im Kreuzfeuer gekauft und bin total enttäuscht! Die Handlung wurde schon oft viel spannender umgesetzt, die einzelnen Szenen sind dermaßen langatmig erzählt, dass ich regelmäßig eingeschlafen bin, Gott sei Dank habe ich es jetzt überstanden! Auch äußerst unglaubwürdig die Rassismus-Thematik - ich glaube nicht, dass Gentlemen im England der Zanziger Jahres des vorigen Jahrhunderts diese Worte gewählt hätten, auch wenn sie sich abfällig über andere Rassen geäußert haben, aber sicher nicht so primitiv!!!! Absolut KEINE Kaufempfehlung

05.01.2020 08:27:55
elke17

1924. London in den „Goldenen Zwanzigern“. Der Erste Weltkrieg ist überstanden, die Heimkehrer versuchen, ihre traumatischen Erlebnisse hinter sich zu lassen und wieder einen Platz im Leben zu finden. Einigen gelingt es, wieder andere kämpfen tagtäglich mit ihren Verwundungen an Leib und Seele. Unabhängig vom sozialen Status.

So auch die Mitglieder des Gentleman’s Club „Britannia“, in dem die Kriegsveteranen aus gutem Hause ihre Zusammenkünfte pflegen. Doch das traute Beisammensein wird jäh unterbrochen, als ein Mitglied (im Nachgang zu einer Wette) erstochen im verschlossenen Tresorraum des Clubs aufgefunden wird. Und das wird nicht der einzige Mord bleiben.

Im Zentrum des Romans „Tod eines Gentleman“ steht Eric Peterkin, Engländer mit chinesischer Mutter, der sich aufgrund seiner Herkunft tagtäglich mit Vorurteilen und Diskriminierungen auseinandersetzen muss. Im Krieg „durfte“ er in Flandern für ein Land kämpfen, das ihn gering schätzt und nicht haben will. Ein Stachel im Fleisch der Clubmitglieder, und nur deshalb geduldet, weil einer seiner Vorfahren diesen gegründet hat. Als er dann auch noch alles daran setzt, unangenehme Fragen zu stellen, um den Täter ausfindig zu machen, zeigt deren Rassismus sein wahres Gesicht.

Es sind aktuelle Themen, die der Autor in dieser historischen Whodunit-Story beschreibt, und genau das macht den besonderen Reiz dieses Romans aus. Das „Stiff upper lip“ der englische Oberklasse, deren Alltagsrassismus, die posttraumatischen Belastungsstörungen der Kriegsheimkehrer und deren daraus resultierende Drogenabhängigkeit, all das arbeitet Christopher Huang stimmig und mit viel Fingerspitzengefühl in die Geschichte ein und macht damit „Tod eines Gentleman“ zu einem realistischen und entlarvendem Porträt moderner Gesellschaften.

Fans historischer Golden Age-Romane und englischer Krimis gleichermaßen empfohlen. Die Filmrechte sind bereits verkauft, wir dürfen auf die Umsetzung gespannt sein.