Vier Jahre

Erschienen: November 2019

Bibliographische Angaben

übersetzt aus dem Schwedischen von Nike Karen Müller
Originaltitel: Det som göms i snö

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Thomas Gisbertz
Brillant verschachtelte Story mit schwächerem Ende

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Feb 2020

Winter 2014: Gotland ist bedeckt von einer dicken Schneeschicht. Eine junge Frau steigt bei einem fremden Mann ins Auto. Gleichzeitig macht sich auf der anderen Seite der Stadt ein Liebespaar auf den Weg zu einem heimlichen Treffen. Kurze Zeit später wird die Stille der schwedischen Wälder zerrissen: Zwei Autos befinden sich bei eisglatter Fahrbahn auf Kollisionskurs. Einer der Wagen stürzt in den Abgrund. Ein Unfall, der nicht nur einen Mann das Leben kostet, sondern auch verheerende Folgen für alle Beteiligten hat. Doch das Schlimmste daran: Unter der Eisschicht liegt eine Wahrheit begraben, die erst Jahre später an die Oberfläche drängt.

Gemeinsames Schicksal

Seit ihre Tochter Charlotte mit vier Jahren an Leukämie gestorben ist, scheint die Ehe von Jeanette und ihrem Mann nicht mehr dieselbe. Während sie zuhause nur Abweisung erfährt, lernt Jeanette mit Peter einen Mann kennen, der ihr Wärme und Geborgenheit geben kann. Beide beginnen eine Affäre - und werden auf besondere Weise in den Unfall verstrickt. Gleiches gilt für die junge Sandra, die sich von einem Unbekannten nach einem Einkauf in einem Baumarkt mit nach Hause nehmen lässt. Zwar wirkt dieser zunächst freundlich, aber er scheint stark alkoholisiert zu sein, und fährt trotz Eis und Schnee viel zu schnell. Wenn Sandra wüsste, was ihr noch bevor steht, würde sie sich wünschen, nie in das Auto gestiegen zu sein.

Schwedische Autorin

Carin Gerhardsen studierte zunächst Mathematik an der Universität Uppsala und arbeitete anschließend als Informatikerin einige Zeit in London, bevor sie sich dem Schreiben widmete.1992 debütierte sie mit ihrem ersten Roman „Auf der Flucht vor der Zeit“. International erfolgreich wurde sie ab 2008 mit einer Reihe von Kriminalromanen, der sogenannten Hammarby-Serie, in deren Mittelpunkt Kommissar Conny Sjöberg und sein Team stehen. Die Reihe ist in Deutschland bei Bastei Lübbe erschienen. Gerhardsens Bücher stehen regelmäßig in den schwedischen Bestsellerlisten. „Vier Jahre“ ist ihr erster Roman im Heyne-Verlag.

Packender, atmosphärisch dichter Roman

Der aktuelle Thriller von Carin Gerhardsen spielt auf zwei Zeitebenen. Zum einen geht es um ein schicksalhaftes Ereignis im Jahr 2014 und dessen fatale Folgen: Ein dramatischer Autounfall verändert das Leben aller Beteiligter abrupt und auf einschneidende Weise. Vier Jahre später kreuzen sich die Wege einiger der Beteiligten erneut. Plötzlich erhalten diese eine ganz neue Sicht auf den Unfall und dessen Folgen. Die Grenzen zwischen eigener Wahrnehmung und der Realität verwischen zunehmend. Nicht nur für eine der beteiligten Personen von damals stellt sich nun die entscheidende Frage: Wenn Du die Zeit zurückdrehen könntest, würdest Du es tun?

Durchdachter Handlungsplot

Gerhardsen überzeugt mit einem wirklich außergewöhnlich gut komponierten, facettenreichen Thriller, bei dem es der schwedischen Autorin gelingt, den Leser immer wieder in die Irre zu führen. Zwar wird schnell klar, dass es 2014 zu einem verheerenden Autounfall gekommen ist, aber erst allmählich gewährt Gerhardsen einen Einblick in die tatsächlichen Umstände und Folgen des Ereignisses. So hat jeder der Beteiligten ein anderes Bild des Unfalls. Nach und nach erst erkennen die einzelnen Protagonisten - und auch der Leser - was damals wirklich geschehen ist.

Eine der damals Beteiligten ist Sandra, die inzwischen Mutter ist und ehrenamtlich für eine Seelsorger-Hotline arbeitet. Sie lernt durch Zufall im Rahmen ihrer Tätigkeit Kerstin kennen, deren Mann in den Unfall verwickelt war. Durch die zahlreichen Gespräche erhält Sandra Informationen, die nicht nur ihr Leben auf den Kopf stellen, sondern in ihr auch den Entschluss reifen lassen, ihr Schicksal nun selbst in die Hand zu nehmen. Ihr eigenes Leben wurde damals auf äußerst widerwärtige Art aus der Bahn geworfen. Kann sie die Schuldigen nun endlich zur Rechenschaft ziehen?

Bedrückende Atmosphäre

Gerhardens Thriller kommt gänzlich ohne Ermittler aus. Im Zentrum der Handlung steht auch weniger der Autounfall, gleichwohl er Ausgangspunkt des Geschehens ist. Vielmehr geht es um Eitelkeit, persönliche Vorteilnahme, sozialen Abstieg und die Frage, ob es so etwas wie Gerechtigkeit geben kann. Die Autorin gibt den Figuren dabei genügend Raum und rückt sie in den Mittelpunkt. Fünf Personen haben unter den damaligen Ereignissen mehr oder weniger bis heute noch zu leiden. Aus der Sicht von drei Protagonisten wird die Handlung in den einzelnen Kapiteln erzählt. Dies gelingt Gerhardsen auf sehr eindringliche Art.

Zum Schluss hin schwächer

Der Thriller bewegt sich insgesamt auf sehr hohem Niveau - hätte Gerhardsen am Ende nicht zu viel gewollt. Statt es bei der aktuellen Auseinandersetzung mit den damaligen Geschehnissen zu belassen, laufen die Ereignisse zum Schluss hin in eine andere Richtung. Auch spielt der Zufall eine immer stärkere Rolle, um die einzelnen Figuren zusammenzuführen. Dadurch wirkt die Auflösung zu konstruiert und unglaubwürdig. Dies betrifft auch das Handeln der einzelnen Protagonisten. Schade, denn dadurch bleibt am Ende ein negativer Beigeschmack hängen.

Fazit:

Man sollte den Thriller von Beginn an sehr aufmerksam lesen. Dann darf man sich auf die eine oder andere Überraschung gefasst machen. Gerhardsen beeindruckt mit einem mehr als geschickt verknüpften Handlungsplot, der zum Schluss hin aber seine Schwächen hat. Trotzdem gelingt der Autorin ein spannender und clever erzählter Thriller, der gänzlich ohne Gewaltorgien auskommt und stattdessen mit psychologischem Feingefühl überzeugt.

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