Die Sekte - Deine Angst ist erst der Anfang

Erschienen: Januar 2020

Bibliographische Angaben

übersetzt aus dem Schwedischen von Kerstin Schöps
Originaltitel: Sekten som återuppstod (Fog Island 2)

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Carola Krauße-Reim
Das ist kein Thriller

Buch-Rezension von Carola Krauße-Reim Mai 2020

Das vorliegende Buch ist der zweite Band der Trilogie rund um die Sekte ViaTerra mit ihrem Anführer Franz Oswald, und Sofia Baumann, die erst glühende Anhängerin ist und dann Aussteigerin und Anklägerin wird. Eine Kenntnis des ersten Bandes ist nicht unbedingt nötig, da eine kurze Zusammenfassung des bisher Geschehenen geliefert wird. Sofia ist auf abenteuerliche Weise aus der Sekte geflohen und sagt nun gegen Sektenführer Franz Oswald aus. Unterstützt wird sie dabei von Benjamin, Simon und Elvira, ebenfalls ehemalige Sektenmitglieder.

Oswald wird zu einer Freiheitsstrafe verurteilt, zieht aber aus dem Gefängnis heraus noch immer die Strippen. Sofia baut sich ein neues Leben auf, bekommt einen Job als Bibliothekarin und zieht in eine eigene kleine Wohnung. Doch dann häufen sich unangenehme Vorkommnisse, und Sofia flieht nach San Francisco um ungestört leben zu können. Aber Oswald ist von ihr besessen, und bald beginnt das alte Spiel der Macht von vorne.

Autorin war selbst Sektenmitglied

Mariette Lindstein war 25 Jahre Mitglied von Scientology und arbeitete unter anderem in deren Hauptquartier in Los Angeles, bis sie 2004 ausstieg. In Vorträgen will sie heute über die Gefahren von Sekten aufklären. Die Trilogie rund um ViaTerra ist ihr Romandebüt.

Der erste Band fand viel Anerkennung, und mittlerweile wird die gesamte Geschichte auch verfilmt. Man kann davon ausgehen, dass Lindstein weiß, wovon sie spricht, wenn sie ausgerechnet eine Sekte mit einem charismatischen Führer zum Inhalt ihrer Bücher macht, dennoch schafft sie es nicht, den Leser vollends an die Geschichte zu fesseln.

Viele Probleme, aber keine Spannung

Sofia hat es geschafft - Franz Oswald muss für zwei Jahre ins Gefängnis. Nun gilt es ein neues Leben außerhalb der dominanten Sekte aufzubauen. Sie muss sich erst wieder an die zurück gewonnene Freiheit gewöhnen. Essen, wann sie es will, Freunde und Familie treffen, und vor allem ausreichend schlafen, obwohl sie jede Nacht Albträume quälen. Auch die Jobsuche ist nicht unproblematisch, muss sie doch immer ihren Verbleib in den letzten zwei Jahren erklären.

Das alte Leben zurück zu erobern ist nicht einfach, doch es glückt Sofia nach und nach, obwohl sie immer noch Repressalien seitens ViaTerra fürchtet. Diese Probleme schildert die Autorin sehr eingehend und sehr glaubhaft, nur eben ohne jeden Spannungseffekt. Selbst als Sofia eine Kamera in ihrer neuen Wohnung bemerkt, ist das für den Leser kein Grund an den Nägeln zu kauen, denn er weiß schon längst davon. Er ist Sofia immer einen Schritt voraus, da er nicht nur sie durch das Geschehen begleitet, sondern auch Oswald selbst und vor allem seine Anwältin, Anna-Maria Callini.

Auch Simon, der auf der Insel geblieben ist und dort einen Job als Gärtner gefunden hat, wird ein Handlungsstrang gewidmet. Er kann sich Zutritt zum Anwesen der Sekte verschaffen und sie ungesehen ausspionieren. Durch diesen permanenten Wissensvorsprung kann von einer Spannungskurve, ja von Spannung generell keine Rede sein. Dieser zweite Band scheint eine Art Füllmaterial zwischen dem initiierenden ersten Band und dem finalen Dritten zu sein. Die lineare Erzählung ist ein Intermezzo zwischen der alten ViaTerra und der neuen nach Oswalds Entlassung.

Wie scheinbar schon im ersten Band, wird auch hier wieder ein Tagebuch gefunden, dass die unangenehme Geschichte rund um Oswalds Vorfahren erzählt. Für den Leser ist dieses Zwischenspiel uninteressant, bringt es doch weder die Geschichte voran, noch wird sie dadurch packender. Das komplette Geschehen dieses Buches ist in sich zwar glaubwürdig, aber zu offensichtlich oder zu vorhersehbar und selbst das Ende der Geschichte muss so sein, will die Autorin ja noch einen dritten Teil mit Text füllen.

Was finden nur alle an Franz Oswald?

Franz Oswald wird als Adonis mit einem grenzenlosen Charisma beschrieben, der Männer genauso beeindruckt, wie Frauen, die ihm reihenweise willenlos verfallen. Wahrscheinlich muss ein Sektenführer diese Qualitäten haben, um mündige Menschen für sich einzunehmen, doch hier hat es die Autorin mit der Männlichkeit und Genialität Oswalds etwas übertrieben. Keine Frau kann ihm widerstehen? Was ist er? Ein wandelndes Aphrodisiakum?

Auch seine angeblich so revolutionären und omnipotenten Thesen erscheinen eher unausgegorenes selbstverliebtes Geblubber zu sein. Die angeblich so fesselnde Figur erscheint dem Leser viel mehr als herrschsüchtig, arrogant, extrem manipulativ und mit viel selbstverliebt-intelligentem Ego, also nicht so, wie es Lindstein wollte. Sie schaffte es damit nicht, den Leser von Frans Oswald zu überzeugen und ihn durch diese Figur an die Geschichte zu fesseln.

Sofia Baumann wird als zweite tragende Protagonistin als das komplette Gegenstück geschildert. Sie scheint wenig Selbstbewusstsein zu haben und ihre Handlungen sind, trotz allem, was sie erlebt und durch gemacht hat, naiv. Auch hier ist der Autorin keine glaubhafte Charakterisierung gelungen. Das Gegenpolige zu Oswald scheint wichtiger gewesen zu sein.

Der Einzige, der eine Entwicklung durchmacht und damit glaubwürdig ist, ist Simon. Vom unscheinbaren und schüchternen Gärtner mutiert er zum furchtlosen Spion, der weiß, was er will und noch besser, was er nicht will. Er bringt mit seiner Figur viel Glaubwürdigkeit in die Handlung und trägt sie zum großen Teil, was man von den anderen Charakteren nicht behaupten kann. Dafür sind sie zu stereotyp und der Geschichte zu angepasst. Ein Prachtbeispiel hierfür ist auch Oswalds Anwältin Callini, die ziemlich hirnlos daher kommt, ihm willenlos verfällt und nicht merkt, dass sie nur seine Marionette ist.

Fazit:

Die gesamte Handlung ist fiktiv, aber geprägt durch die persönlichen Erfahrungen der Autorin und ihren Willen, auf die Gefahren von Sekten hinzuweisen. Doch das reicht nicht für einen Thriller. Und so ist „Die Sekte – Deine Angst ist erst der Anfang“ nicht mehr als ein mahnender, aber völlig spannungsfreier Unterhaltungsroman. Bleibt nur die Hoffnung, dass der dritte Band mehr zu bieten hat.

Die Sekte - Deine Angst ist erst der Anfang

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