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Sabine Bongenberg
Willkommen im Dilettanten-Stadl

Buch-Rezension von Sabine Bongenberg Dez 2019

Es gibt Dinge, die sind nicht so, wie sie scheinen. Es gibt Menschen, die laden dich zu einem Abendessen ein, weil sie sich gerne mit dir unterhalten, andere tun es, weil ihnen langweilig ist, andere deswegen, weil sie dich ermorden wollen. Jeder hat seine verschiedenen Motive und es ist die Kunst, klug zu erkennen, wer was im Schilde führt. Verschiedenen Frauen in Sabine Thieslers neuem Buch ist das nicht gelungen.

Sie tappen regelrecht in die Venus-Fliegenfalle, die ihre Opfer nicht wie ihr biologischer Vetter mit strengen Gerüchen, sondern mit dem Anstrich von Bildung, Reichtum und einem schönen Anwesen anlockt. Grundsätzlich wäre das die Grundlage für ein spannendes – wenn auch sicherlich nicht unerhört neues – Buch. Leider gelingt es der Autorin hier nicht, diese Spannung tatsächlich am Leben zu erhalten und weiter zu entwickeln.

Lustlose und dilletantische Polizisten verheddern sich im Zuständigkeitsgerangel

Möglicherweise liegt das daran, dass dieser Krimi mit einer Buchstärke von fast 500 Seiten nicht einmal die Hälfte seines Umfangs erreichen würde, wenn die ermittelnde Polizei nicht dermaßen dilettantisch ihren Job erledigen würde. Im Zuständigkeitsgerangel zwischen der unfähigen, dilettantischen italienischen Polizei und der lustlosen, dilettantischen deutschen Polizei gehen alle wichtigen Hinweise unter, wird auf Hörensagen vertraut und offenbar lieber in der Nase gebohrt, als einmal zu ermitteln.

Im Hinblick auf überflüssige Seiten ist auch fraglich, ob es bei den Kurzauftritten der verschiedenen Opfer dennoch notwendig ist, deren Lebensgeschichte zu erzählen oder Handlungsstränge um ihre Angehörigen einzurichten. Ein guter Effekt ist sicher, dass auf diese Art und Weise niemand glaubt, dass so eingeführte Personen tatsächlich alsbald abtreten, dennoch wird sehr viel Aufwand für nichts betrieben. In diesem Zusammenhang empfand ich es auch als nervig, mit welcher Hartnäckigkeit eine besondere Verwertung der verschiedenen Mordopfer angedeutet wurde. Ein subtiler Hinweis sollte ein solcher bleiben. Wird er immer und immer wieder eingebaut, winkt alsbald dann doch der viel gescholtene Zaunpfahl.

Motive bleiben im Dunkeln

Absolut unwahrscheinlich erscheinen dagegen die Motive der handelnden Bösewichte. Der hauptsächliche Motor der Taten liefert keinen Grund für seine Abartigkeit. Eine körperliche Einschränkung stellt keinen ernsthaften Grund dar, sonst müsste sich die Allgemeinheit vor jedem Behinderten fürchten. Denkbar wäre die geschilderte Perversion im Hinblick auf einen anderen Beteiligten, aber dennoch finden sich auch hier keine explizit dargestellten Schlüsselszenen, die eine solche Entwicklung rechtfertigen könnten.

Ärgerlich sind generell die langatmigen und in weiten Teilen überflüssigen Lebensgeschichten verschiedener Akteure. Wenn ein Autor vom Format eines Thomas Harris den Lebenslauf seines vieldiskutierten und weltberühmten Helden Hannibal genauer vorstellt, ist das sicherlich die eine Sache, hier aber eine vollkommen andere, wenn Thiesler den Werdegang ihrer blassen Protagonisten beschreibt.

Hier fragte ich mich auch gelegentlich, ob die Autorin tatsächlich der Meinung ist, dass eine alleinerziehende Frau in Deutschland schon fast gezwungen ist, nebenher anzuschaffen und ob das deutsche „soziale Netz“ tatsächlich so wenig bekannt ist. Ab und an fühlte ich mich schon fast an die literarische Welt eines Charles Dickens erinnert, die in vielen Punkten aber mit der Gegenwart nichts mehr zu tun hat. Und das ist gut so.

Fazit:

Insgesamt kann Thieslers neues Werk leider nicht den literarischen Keller verlassen. Ich könnte es auch mit den Worten der Autorin beschreiben, die oft und gerne zum Ausdruck bringt, dass sie offensichtlich des Italienischen mächtig ist - und das wäre dann ein entschlossenes „Non mi piace!“.

Der Keller

Der Keller

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Letzte Kommentare:
20.02.2020 11:06:10
Nerozuechtetkeineorchideenmehr

Dieses Buch ist so unterirdisch wie sein Titel.
Unlogisch , unglaubwürdig und die Dialoge absolut hölzern.
Von mir nur zwei Punkte - damit die Bäume nicht umsonst gestorben sind .

25.09.2019 08:06:55
Annette Traks

Die Eltern von Hannah Gassen halten sich für ein paar Monate in ihrem Ferienhaus in der Toskana auf. Doch der Mutter geht es sehr schlecht; daher besteigt die schwangere Tochter trotz ihrer Flugangst in Berlin den Flieger nach Florenz, um ihre Eltern mit einem Besuch zu überraschen.

Während des Fluges unterhält sie sich sehr angeregt mit ihrem charmanten Sitznachbarn, der ihr auch hilft, die Angst vorm Fliegen in den Griff zu bekommen. Was die junge Frau nicht weiß: Der Mann sitzt nicht zufällig neben ihr.

Nach einer verspäteten Landung gegen Mitternacht in Florenz nimmt sie seine Einladung an, bei ihm und seiner Frau in deren Palazzo zu essen und zu nächtigen. Am nächsten Morgen will sie dann ausgeruht und im Hellen mit einem Mietwagen zu ihren Eltern in die Nähe von Ambra fahren.

Ihrem Mann schickt sie noch eine SMS, dass sie gut gelandet ist, dann bricht jeder Kontakt zur Außenwelt ab – Hannah Gassen ist spurlos verschwunden.

Während sich das Engagement der deutschen und italienischen Polizei – hier in Person von Commissario Donato Neri – in sehr engen Grenzen hält, verzweifeln die Angehörigen und unternehmen eigene Versuche, die Verschwundene zu finden. Doch ihre Möglichkeiten sind stark eingeschränkt.

Als in einem abgelegenen Waldstück in den umbrischen Bergen Leichenteile einer Frau gefunden werden, steht die Identität der Toten bald fest: Hannah Gassen.

Doch sie bleibt nicht die einzige Frau, die in der Toskana spurlos verschwindet.

Resümee:
Die Bände um Commissario Donato Neri aus Ambra fand ich bislang immer sehr spannend, doch dieses Buch übertrifft an Spannung alles bisher Dagewesene.

Der Fall der Hannah Gassen wird exemplarisch sehr ausführlich geschildert. Dabei geht die Autorin auch auf die verzweifelte Situation der Angehörigen ein, wenn ein Familienmitglied aus heiterem Himmel spurlos verschwindet, man gar keinen Anhaltspunkt für dessen Verbleib hat und das Engagement der Polizei verschwindend gering ist.

Bei den weiteren Fällen stehen Planung, Motiv und Durchführung der Taten sowie die psychische Disposition und Entwicklung der Täter im Vordergrund. Hier gibt es im Laufe der Handlung immer wieder eine Steigerung … auch wenn der Leser sich das jedes Mal kaum noch vorstellen kann. Neris Ermittlungen – sofern man davon reden kann – treten dabei wie meist bei Thieslers Büchern in den Hintergrund.

Allerdings gibt es auch in diesem Band eine Entwicklung im Privatleben des Commissario. Mehr noch: Er und seine Familie werden in den Fall hineingezogen, denn sie kommen dem unheimlichen Killer sehr, sehr nahe. Ich gestehe es: An diesem Punkt habe ich es vor Spannung nicht mehr ausgehalten und schon mal einen Blick auf die letzten Seiten geworfen.

Sabine Thiesler hat 20 Jahre lang in der Toskana gelebt, kennt die Gegend und Mentalität der Menschen dort hervorragend, was man beim Lesen deutlich merkt: Bei der Beschreibung der Örtlichkeiten hat der Leser stets den Eindruck, sich mittendrin zu befinden, und die Reaktionen der Italiener sind immer authentisch. Interessant ist es auch, wenn deutsches und italienisches Naturell aufeinandertreffen.

Fazit: ein wahrer Thriller; ein Pageturner, wie er packender nicht sein kann!

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