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Thomas Gisbertz
Aktueller Politthriller im XXL-Format

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Nov 2019

Ein achtloser Online-Post aus Malawi stürzt die ganze Welt mehr und mehr ins Chaos: Die Armen erheben sich gegen die Reichen, der Zorn derer, die nichts haben, lodert hoch. Nur Tage später kommt es überall zu Unruhen, Demonstrationen und Anschlägen. Straßenschlachten und Polizeigewalt bestimmen das tägliche Leben - alles dokumentiert unter dem Hashtag KillTheRich.

Es gibt nur zwei Personen, die den globalen Bürgerkrieg noch verhindern können: die mutige niederländische Diplomatin Conrada van Pauli und der alternde indische Starjournalist Bimal Kapoor. Während Conrada nach Brasilien reist, um sich ein Bild von der Lage zu machen, verfolgt Bimal eine Spur, die nach Frankreich führt. Doch beide haben sich mächtige Feinde gemacht, die vor nichts zurückschrecken.

Ausgangspunkt Südamerika

Chaos bricht aus, als bei Unruhen in Brasilien dessen rechtskonservativer Präsident Jair Bolsonaro von Rebellen getötet wird. Diplomatische Vertretungen werden von Aufständischen belagert und gestürmt. Reiche, die als solche erkennbar sind, müssen um ihr Leben fürchten. Auch in anderen Ländern Südamerikas kommt es zu offenen Revolten und Demonstrationen: In Chile töten Angehörige des indigenen Volkes der Mapuchen Mitarbeiter eines Forstunternehmens und stürmen später das Rathaus von Temuco; In Mexiko-Stadt wird ein bekannter Streetart-Künstler von der Polizei halb tot geprügelt. Hundetausende strömen aus Protest dagegen auf die Straßen, während das Militär mit Waffengewalt und Panzern die Demonstrationen niederzuschlagen versucht. Mehr und mehr schwappt die Welle der Gewalt auch nach Europa.

Gleichzeitig wird Bimal Kapoor in seinem Heimatland Indien unfreiwillig Zeuge eines brisanten Gesprächs. Während er im angetrunkenen Zustand eine Drohne erstmals testen will, belauscht er eine Gruppe von Männern. Einer von ihnen ist Frederic McFadden, Schotte und einer der einflussreichsten Männer weltweit. Er bietet den Reichen seine „Dienstleistungen“ an und beeinflusst dadurch global auch die politischen Machtverhältnisse. Dass diese Männer um McFadden keinen Spaß verstehen, merkt Bimal spätestens, als sein Freund und Geliebter Jitendra brutal ermordet wird. Aus Verzweiflung will sich der Journalist selber töten. Er entscheidet sich letztendlich aber dazu, den Kampf mit den Bösen und Mächtigen der Welt aufzunehmen.

Debüt eines jungen Thrillerautors

Autor Lucas Fassnacht wurde 1988 in Dieburg geboren. Nach seinem Studium in Altgriechisch, Germanistik und Linguistik machte er sich als Schriftsteller selbstständig. Neben seiner Arbeit gibt er Workshops für Kreatives Schreiben und veranstaltet regelmäßig Literatur-Shows. „#KillTheRich“ ist das Thrillerdebüt von Lucas Fassnacht. Bereits 2016 begann er mit der Arbeit daran. Nach der Fertigstellung des Romans im März 2017 sollte es noch zwei Jahre dauern, bis ein Verlag den Thriller in aktualisierter Fassung veröffentlichte.

Ambitionierter Autor

Lucas Fassnacht hat für seinen Debüt-Thriller ein mehr als vielschichtiges Thema und einen ausladenden Plot gewählt. Die Welt steht vor einem globalen Bürgerkrieg, den die Politiker, allen voran die der EU, zu verhindern versuchen. Fassnacht hat die wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Aspekte und Zusammenhänge nicht nur sehr gut recherchiert, sondern ihm gelingt es auch, diese überwiegend verständlich darzustellen. Allerdings fällt es mit zunehmender Lektüre schwerer, die komplexen Verflechtungen nachzuvollziehen. Besonders für den politisch weniger interessierten Leser wird dies die Freude am Thriller deutlich schmälern.

Überfrachtete Handlung

Wer sich über das Personenverzeichnis in den Romanen Nele Neuhaus' zurecht aufregt, wird beim vorliegenden Thriller Panikattacken bekommen: Nicht weniger als insgesamt 57 (!) Namen von Politikern, Staatsmännern und Industriellen samt Amtsbezeichnungen und Aufgabenfeldern werden zusammen mit Figuren, die nur am Rande erwähnt werden, im Anhang aufgeführt. Dabei fällt die Zahl von 22 Organisationen, Verbänden, Geheimdiensten und Spezialeinheiten fast schon lächerlich gering aus. Dass diese auch ständig mit ERCC, INTCEN, UNASUR, UNHCHR usw. abgekürzt werden, trägt nicht unbedingt zum Lesefluss bei, da man ständig in das Verzeichnis schauen muss.

Meines Erachtens enthält der Thriller genügend Material für eine mehrteilige Serie. Fast 700 Seiten liest man nicht einmal eben im Vorbeigehen. Trotz des großen Textumfangs bleibt die Personenzeichnung leider auf der Strecke und den Figuren fehlt es an genügend Tiefe. Stattdessen eilt der Leser mit Conrada und Bimar im hohen Tempo um die Welt, erlebt Anschläge, Attentate und politische Intrigen. Die Zeit alles zu verarbeiten und einordnen zu können, lässt Fassnacht dem Leser leider nicht. Schade, denn sein Thriller besitzt hohe Aktualität und Brisanz.

Dynamik des Internets

Inhaltlich geht es nicht nur um die wirtschaftlichen Missverhältnisse zwischen Arm und Reich, der Autor thematisiert gleichermaßen die Macht der sozialen Medien sowie deren Einfluss auf die Gesellschaft. Die Politiker sehen in der Mobilmachung der Aufständischen weltweit durch das Internet lediglich ein temporäres Phänomen: „In einem System, in dem jede Information verfügbar ist, ist keine lange interessant“. Eine fatale Fehleinschätzung. Leider versäumt es Fassnacht, diesen medialen Hype, der durch das Internet enorm forciert wird, kritisch zu hinterfragen und auch dessen mögliche dramatischen Folgen wie die Fehleinschätzung von Gefahren, das Lancieren von Falschmeldungen und die unkontrollierbare Aufwiegelung und Hetze zu beanstanden. Dies zeigt, dass sich der Autor, bei aller Mühe, die er sich macht, an der Mammutaufgabe seines literarischen Projekts in dieser Hinsicht scheitert.

Wirtschaftliche Theorie im Mittelpunkt

Ähnlich wie bei seinem Schriftstellerkollegen Marc Elsberg in seinem neusten Werk „Gier – Wie weit würdest Du gehen?“ rückt Fassnacht ökonomische Thesen in den Mittelpunkt, die eine Lösung der ungleichen monetären und materiellen Verteilung weltweit aufweisen soll: ein wirtschaftlicher Lastenausgleichsfond. Diese Idee ist sicherlich wünschenswert, aber leider greift sie genauso wie Elsbergs Theorien zu kurz. Besonders das Ende des Thrillers enttäuscht, da es dermaßen schnulzig und hollywoodlike um die Ecke kommt, dass man schmunzeln muss. Aber vielleicht ist bei der vorliegenden Thematik nur so - unter Ausblendung aller realistischen Aspekte - ein „guter“ Schluss möglich.

Fazit:

Lucas Fassnacht ist ein Autor mit großem Talent. Leider hat er sich mit seinem Debüt etwas übernommen. Es gelingt ihm nur ansatzweise, dem hochaktuellen und gesellschaftspolitisch wichtigen Thema der wirtschaftlichen Ungleichheit auf der Welt genügend Platz einzuräumen. Das ein Autor parallel die Gesetzmäßigkeiten, aber auch Gefahren der sozialen Medien und des Internets darstellt, ist ein wichtiger Gedanke und in der Verbindung logisch. Hier überfrachtet der Autor aber seinen Thriller, da er – trotz fast 700 Seiten -  nicht kritisch genug mit dem Thema umgehen kann. Die einzelnen Charaktere werden nur oberflächlich skizziert, der Gruppe der Armen, die sich auflehnen, wird zu wenig Platz eingeräumt, und das Ende ist trotz diskussionswürdiger Theorie zu einfach und simpel konstruiert.

#KillTheRich

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