Ein perfider Plan

Erschienen: März 2019

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Almut Oetjen
Das Wort heißt Mord: Auftritt Daniel Hawthorne und Anthony Horowitz

Buch-Rezension von Almut Oetjen Mai 2019

Diana Cowper, eine Frau mittleren Alters, wird in ihrem Wohnzimmer mit einer roten Vorhangkordel erdrosselt, wenige Stunden nachdem sie bei Cornwallis & Sons ihre eigene Beerdigung arrangiert hat. Zwei Tage später findet die Putzfrau Andrea Kluvánek Dianas Leiche.

Die Londoner Metropolitan Police steht vor einem Rätsel und engagiert den in Ungnade gefallenen ehemaligen Detective Inspector Daniel Hawthorne als Berater. Hawthorne bietet dem profilierten britischen Roman- und Drehbuchautor Anthony Horowitz an, ihn als Chronist bei der Morduntersuchung zu begleiten. Kennengelernt haben sie sich vor einem Jahr beim Dreh zur britischen TV-Miniserie „Justice“. 

Horowitz hat gute Gründe, das Angebot abzulehnen. Er ist kein True Crime-Autor, Hawthorne ist ihm ein Dorn im Fleisch, der Mörder wird vielleicht nie gefunden. Doch der Reiz ist zu groß. Wer sollte eine Frau, die anscheinend keine Feinde hatte, ermorden?

Sie einigen sich darauf, dass Horowitz sich an die Fakten hält, nicht imaginiert, extrapoliert oder den Text mit potentiell irreführenden Schilderungen verschönert, ansonsten aber schreibt, was er möchte, Kritik an Hawthorne übt, eigene Gedanken hinzufügt.

Diana Cowper war seit vielen Jahren Witwe, alleinstehend und einigermaßen wohlhabend. Es stellt sich heraus, dass sie die Mutter von Hollywood-Star Damien Cowper war, der ein ausschweifendes Leben führt und hochverschuldet sein soll. Zudem hütete sie ein dunkles Geheimnis. Vor zehn Jahren hatte sie in dem Badeort Deal die achtjährigen Zwillingsbrüder Timothy und Jeremy Godwin angefahren, den einen getötet, den anderen zum dauerhaften Pflegefall gemacht. Das Gericht sprach sie frei, die Godwins geben ihr die Schuld. Am Tag von Diana Cowpers Beerdigung geschieht ein weiterer Mord.

Eine perfekte Illusion

Das Drama der Godwins und ein Konflikt in Damien Cowpers Vergangenheit als Schauspielschüler in England bilden die wichtigsten Handlungsstränge in einem verzwickten Mordkomplott. Die Jagd nach dem Mörder, der sich geschickt hinter der Maske bürgerlicher Ehrbarkeit zu verbergen versteht, führt die beiden Hauptfiguren kreuz und quer durch London bis nach Kent.  

Horowitz gibt vor, es handele sich um einen realen Mordfall, den die Holmes-Figur Hawthorne im Auftrag der Met lösen soll, nicht um ein Produkt seiner Phantasie. Er selbst positioniert sich als Watson-Figur, erzählt „Ein perfider Plan“ in der ersten Person und zeitnah.

Dabei verbindet Horowitz geschickt Fiktion und Realität bis zur Ununterscheidbarkeit, hält sich an die Fakten, wenn es um seine Person geht. Er erwähnt seine beliebten Jugendbücher über Alex Rider, seine Drehbücher für die Fernsehserie „Inspector Barnaby“ und „Foyle’s War“, die Sherlock Holmes-Romane „Das Geheimnis des weißen Bandes“ und „Der Fall Moriarty“, den James Bond-Roman „Trigger Mortis“ und „Die Morde von Pye Hall“, einem mash-up im Agatha Christie-Stil, der einen ähnlichen Meta-Ansatz hat, die Welt der britischen Verlage, Lektoren und Autoren obduziert. Er übt Kollegenkritik und lässt reale Personen auftreten, wie seine Frau Jill Green, Produzentin von „Foyle’s War“, und seine Agentin Hilda Starke.

Als fiktionale Figur überlegt er, ob er das Buch über Hawthorne schreiben soll, diskutiert Argumente dafür und dagegen, erwähnt die künstlerischen Auseinandersetzungen mit Hawthorne, die problematischen Aspekte, die sich beim Schreibprozess ergeben, weil er Chronist ist und nicht selbst Herr der Geschichte. Das streut er relativ kurz ein, um schnell wieder in die Handlung zu springen.

Horowitz ist nicht nur Ich-Erzähler, er macht die Geschichte spannender und innovativer, indem er als interaktiver Erzähler auftritt, der vage Hinweise auf den Hintergrund der Tat gibt oder mit tiefschwarzem Humor Andeutungen auf künftige Ereignisse. Zunehmend frustriert über seine Rolle als stiller Partner will er nicht länger eine Nebenfigur in seinem eigenen Buch sein, sondern selbst zum Akteur werden. Wer Krimis schreibt, muss auch im realen Leben Mörder fangen können. Das Resultat ist ein Desaster.

Daniel Hawthorne erinnert als Detektiv an Sherlock Holmes

Vorangetrieben wird die Handlung durch Hawthorne, der nicht dem üblichen Klischee eines Protagonisten entspricht. Hawthorne war DI beim Metropolitan Police Service in London, im Befehlsbereich Putney, Spezialist für Mord, und wurde nach zehn Jahren wegen eines mysteriösen Vorfalls gefeuert, über den erst später mehr bekannt wird. Seitdem jobbt er als technischer Berater bei Filmproduktionen oder hilft der Polizei bei schwierigen Fällen. Als Detektiv erinnert er an Sherlock Holmes, zieht aus einfachsten Details wichtige Informationen, täuscht und manipuliert andere, einschließlich Horowitz, wiegt sie in Sicherheit und wartet auf den richtigen Moment, um sie zu sezieren. Er raucht, flucht, ist geizig und offen homophob, für Horowitz eine Katastrophe. Mit seiner Direktheit, Unhöflichkeit und Rücksichtslosigkeit verkörpert er alles, was unbritisch ist, bringt damit Horowitz mehr als einmal in eine peinliche Lage, so in der überaus komischen Szene, in der Hawthorne ein Meeting mit Steven Spielberg und Peter Jackson sprengt. 

Hawthorne stochert in den Geheimnissen anderer, tut aber alles dafür, um seine eigenen Geheimnisse zu bewahren. Er sei für den Leser vollkommen uninteressant, meint er, und erklärt mit einem knackigen Einzeiler, der zum Titel des Buchs wird, was der Leser wirklich von einem murder mystery erwartet.

Horowitz lässt den Leser an den Gedanken eines Autors teilnehmen, liefert interessantes Insiderwissen über seine Arbeit, diskutiert seine Position als öffentliche Person in einem Spannungsfeld zwischen künstlerischer Wahrhaftigkeit und politischer Korrektheit.

„Ein perfider Plan“ ist der erste Roman einer Reihe mit Detektiv Daniel Hawthorne und Autor Anthony Horowitz. Der zweite Roman, „The Sentence is Death“, erschien 2018 und wartet auf seine Übersetzung.

Fazit:

Eine überaus spannende, raffiniert verschachtelte Story über Rache und Schuld, die den Konventionen des klassischen Detektivromans folgt, jedoch durch die Metafiktionalisierung einen originellen und modernen Touch erhält. Vielschichtig, unvorhersehbar, unterhaltsam, verspielt und komisch.

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