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Jochen König
Durch die Jahre mit Claire DeWitt

Buch-Rezension von Jochen König Apr 2019

Claire DeWitt, die beste Detektivin der Welt, ist zurück. Sechs Jahre nach „Das Ende der Welt“ ermittelt sie im dritten Roman der Reihe „Das Ende der Lügen“ in eigener Sache. Der Fall des unendlichen Asphalts („Infinite Blacktop“ ist der Originaltitel) beinhaltet drei Zeitebenen. 1986, das Jahr in dem Claires beste Freundin und kongeniale Co-Ermittlerin Tracy spurlos verschwand. 1999 muss Claire um die Erteilung ihrer Privatdetektiv-Lizenz kämpfen. Sie muss dafür Arbeitsstunden ableisten, in denen sie den Tod des Künstlers Merritt Underwood untersucht. Und schließlich ein Sprung ins Jahr 2011, in dem Claire mit offenen Rätseln ihrer Vergangenheit konfrontiert wird und zumindest einen Teil davon entschlüsselt.

Crash Boom Bang

Der Roman beginnt mit einem Crash. Claire DeWitt wird das Opfer eines absichtlich herbeigeführten Autounfalls. Natürlich wartet sie nicht ab bis die Polizei ihre Arbeit aufnimmt, sondern trollt sich vom Tatort, um ihre eigenen Ermittlungen aufzunehmen. Die zu einer von Betäubungsmitteln begleiteten Reise werden, hinein in die Tiefen der eigenen Geschichte.     

„Das Ende der Lügen“ ist kein straighter Hardboiled-Roman, in dem die Detektivin sich einer Ermittlung widmet, die sie gegen widrige Um- und Zustände zu einem mehr oder minder befriedigenden Abschluss bringt. Der Fall des unendlichen Asphalts folgt verwinkelten, hügeligen Straßen, voller Kurven, Auf- und Abfahrten und diverser Schleichwege.  Es ist die Historie von Claire DeWitts Leben als Ermittlerin, angefangen mit einem eingeschworenen Freundinnen-Trio, das zufällig Jaques Silettes wegweisendes Kompendium „Détection“ auf Claires Dachboden findet.

Die Lektüre lenkt Claires Leidenschaft, Detektiv zu spielen, in eine ganz eigene Richtung, die vor allem einer Direktive verpflichtet ist: Der Wahrheit. In Kauf nehmend ständig damit konfrontiert zu werden, dass kaum jemand sie wissen will. Inklusive der jeweiligen Auftraggeber. Denn in den meisten Fällen entlarvt die Wahrheit nur etwas, dass man bereits wusste und durch Hoffnung, Täuschung, Angst vor Schmerzen oder schlicht gedankliche Faulheit verdrängte. 

Wahrheit kann nicht nur schmerzen, sondern auch zerstören. Weshalb die Anhänger Jaques Silettes gegen viele Widerstände zu kämpfen haben. Was Claire mehrfach am eigenen Leib erfahren muss. Insbesondere, als sie sich 1999 um die Erteilung einer kalifornischen Privatdetektivlizenz bemüht.

Wahrheit verpflichtet

Spielte das grundlegende Werk Jaques Silettes bereits in den vorangegangenen Büchern eine zentrale Rolle, wird diesmal seine Biographie ausgearbeitet und in Bezug zu Claire DeWitts Leben gesetzt. Beginnend damit, dass sie als Assistentin seiner gelehrigsten Schülerin (und Geliebten?) Constance Darling arbeitet und (nicht) endend mit einer Verbindung zu Claires Trauma, der Angst, das große Mysterium des eigenen Lebens nicht entschlüsseln zu können – oder zu wollen. „Das Ende der Lügen“ splittert sich auf in Anekdoten, kleine und größere Kriminalfälle, die am Wegesrand liegen, Erinnerungsarbeit und Abenteuer aus dem surrealistischen Traumtagebuch. Wie jene Episode, in der die von einem Übermaß an Schmerzmitteln beeinflusste Claire eine Maus entdeckt, die in ihrem Motelzimmer in einer „Détection“-Miniaturausgabe liest. Nicht nur hier grüßt einmal mehr David Lynch.

Ein Künstlerleben und -tod

Die ausführlichste Ermittlung widmet sich dem Tod des Künstlers Merritt Underwood, mit der Claire ihre Pflichtstunden für die Lizenzerteilung bei dem obskuren, in der Zertifikatausstellung aber reellen Detektiv Adam Dubinsky ableistet. Sara Gran macht daraus eine Studie in Sein und Schein, spielt ironisch mit den Marotten der sich selbst bespiegelnden Kunstwelt, ohne Kunst und Kreativität zu diskreditieren.

Am Ende geschehen auch hier Morde aus nachvollziehbaren Motiven und falsch gedeuteten Erkenntnissen. Täter sind Opfer und Opfer tot. Vielleicht auch nicht. Die beste Detektivin der Welt findet es heraus. Und zieht, trotz zweier Autounfälle, vorerst keinen Schluss auf sich selbst.

Über den Tellerrand und weiter

Die Autorin arbeitet meisterlich mit Verweisen auf Interna und weit darüber hinaus. „Das Ende der Lüge“ wird deshalb gerne als „Meta-Krimi“ bezeichnet, was durchaus stimmt, denn der Roman bietet eine Art Nabelschau, die die verschiedenen Aspekte des Ermittelns ebenso zum Thema hat, wie das, was im Fokus der Ermittlungen steht.

Im Mittelpunkt steht nicht nur die philosophische Suche nach Wahrheit, sondern auch der quälende Prozess, nach dem man am Ende möglicherweise findet was man sucht. Wir leben in einer schmerzvollen Welt, und nicht nur Claire DeWitt steht vor der Frage: Wie weit ist man bereit und in der Lage einen dornigen Weg zu gehen? Ohne zu spoilern lautet die Antwort in Claires Fall: Sehr weit. Und wenn man Glück hat, gibt es eine Glückwunschkarte, die bestätigt, dass man nicht alleine dort draußen ist.

Mit der wilden Detektivin über den unendlichen Asphalt

Unabhängig davon funktioniert „Das Ende der Lügen“ ausgezeichnet als vergnüglicher Trip durch die Asservatenkammer des Kriminalromans. An allen Ecken und Enden gibt es etwas zu bestaunen, lächelnd oder nachdenklich zu betrachten und im besten Fall wiederzuerkennen. Das ist auf ganz eigene Art spannend und hochunterhaltsam. Wenn man sich darauf einlässt.

Fazit:

Wer Sara Gran und Claire DeWitt schon früher verwirrend und zu abseitig empfand, wird auch an „Das Ende der Lügen“ keine Freude haben. Alle anderen, die die Rätsel und Vielschichtigkeit dieser Welt  schätzen, keine Angst vor Kontroversen haben und auch vor belesenen Mäusen nicht kneifen, sind beim dynamischen Duo Gran/DeWitt bestens aufgehoben.

Das Ende der Lügen

Das Ende der Lügen

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