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Thomas Gisbertz
Wirtschaftskrimi vor orientalischer Kulisse

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Apr 2019

Dem Privatdetektiv Walter Calanda eilt der Ruf eines zuverlässigen und diskreten Ermittlers voraus. Aus diesem Grund wird er von einem Schweizer Lebensmittelkonzern, der sich mit der Erforschung von Aromen beschäftigt, nach Zürich beordert. Der in Hamburg lebende Calanda soll sich auf die Suche nach Bernhard Lieblig machen, der genauso wie vier weitere Mitarbeiter der Firma in geheimer Mission im Mittelmeerraum unterwegs war und nach einem Flugzeugabsturz in Marokko verschollen ist.

Die Konkurrenzfirmen dürfen nicht erfahren, dass das Schweizer Unternehmen glaubt, einen neuen, sechsten Primärgeschmack entdeckt zu haben. Als nach und nach die anderen ausgesandten Mitarbeiter getötet werden, wird deutlich, in welche Gefahr sich Calanda bei seinen Ermittlungen begibt.

Gefährliche Suche nach der Wahrheit

Der Privatermittler versucht sich zunächst genauer in das Gebiet der Aromen und deren Bedeutung einzuarbeiten sowie die Spur des Gesuchten an seinem Berliner Wohnort aufzunehmen. Währenddessen startet Liebligs Sohn August, der bei einem anderen Flug ebenfalls in Nordafrika abgestürzt ist und als einziger überlebt hat, bereits die Suche nach seinem Vater in Nordafrika.

Seine Reise führt ihn von Marrakesch über Fès, Tunis,Tobruk, Tripolis, Damaskus bis nach Aleppo. Dabei scheint sein Vater ihm immer einen Schritt voraus zu sein. Während das Schweizer Unternehmen auf einen schnellen Erfolg drängt, spürt Calanda bereits den Atem seiner Verfolger im Nacken, die mit aller Macht verhindern wollen, dass seine Suche erfolgreich verläuft. Steckt der angeblich noch immer existierende Geheimbund „Die Bewahrer des Wohlklangs“ dahinter? Oder will ein Konkurrenzunternehmen schneller sein?

Chefredakteur als Krimi-Autor

Florian Harms, 1973 in Stuttgart geboren, studierte Islam- und Politikwissenschaft in Freiburg und Damaskus. Er war jahrelang für SPIEGEL Online tätig, zuletzt als Chefredakteur. Seit 2017 arbeitet er als Chefredakteur der Berliner Redaktion von t-online.de. Harms ist ausgewiesener Kenner Nordafrikas und des Nahen Ostens. Die Grundlage für seinen aktuellen Kriminalroman legte er bereits vor 16 Jahren. Zusammen mit dem Fotografen Lutz Jäkel reiste er zu Recherchezwecken monatelang durch Nordafrika und den Nahen Osten. 2004 veröffentlichten sie dann gemeinsam das Buch „Kulinarisches Arabien“, in dem es unter anderem um die arabische Küche, Essgewohnheiten, Speisevorschriften und den Einfluss auf die europäische Küche geht. All dies verarbeitet Florian Harms in seinem Roman „Versuchung“ und verbindet dabei die Mystik des Orients mit einer modernen Kriminalgeschichte.

Das größte Geheimnis der Welt

Im Zentrum der Handlung steht die Suche nach dem vermeintlich sechsten „Geschmack“, den der Züricher Lebensmittelkonzern entdeckt zu haben glaubt. Neben süß, sauer, salzig, bitter und unami (letzterer wird vor allem in Ost- und Südostasien wahrgenommen) kennt die Biochemie eine sechste Primärgeschmacksform namens „Abesse“, einen Geschmack, den es dem aktuellen Forschungsstand zufolge gar nicht gibt und den es eigentlich auch nie geben wird.

Durch Zufall könnte dieses bis dato unbekannte Aroma jetzt aber von dem Schweizer Lebensmittelunternehmen, das Calander beauftragt hat, in einem kleinen Stück Holz entdeckt worden sein. Laut Firmenleitung könnte es die Welt der Genüsse und sinnlichen Versuchungen revolutionieren, da schon kleinste Partikel des bisher unbekannten Stoffes, die extrahiert werden konnten, einen geradezu animalischen Heißhunger und große Anziehungskraft erzeugten.

Wer dieses Aroma besitzt, könnte die Ernährungsgewohnheiten großer Teile der Menschheit beherrschen. Auch finanziell würde das Unternehmen in schwindelerregende Dimensionen vorstoßen.  Jedoch ist das gefundene Holzstück derart verunreinigt, dass eine Aufschlüsselung der Einzelkomponenten und eine Verfielfältigung des Aromas auf dieser Grundlage nicht möglich ist.

Der bei uns noch weitgehend unbekannte österreichische BENEVENTO-Verlag preist Harms Roman als eine Mischung aus packender und rasanter Kriminalgeschichte, einem Thriller über Biotechnologie, einer sinnlichen Erkundungstour voller kulinarischer Köstlichkeiten sowie einer abenteuerlichen Jagd um die halbe Welt an, bei dem die Magie des Orients auf die Welt der Wissenschaft trifft. Der Verlag lässt dabei sogar noch zwei wichtige Aspekte ungenannt: den Geheimbund „Die Bewahrer“ sowie die historischen Bezüge des Romans, wenn Harms auf geschichtliche Episoden Nordafrikas eingeht. Allein diese Bandbreite zeigt bereits, wie ambitioniert der Autor bei seinem Erstlingswerk war. Aber auch wenn der Roman seine Stärken besitzt, die ihn deutlich aus der breiten Masse abheben, hat sich Harms insgesamt doch etwas viel aufgebürdet.

Afrikanische Küche und kulinarische Genüsse

Wenn der Autor die Leser über die arabischen Suqs führt und in beeindruckender Weise die Menschen, Gerüche und Empfindungen schildert, wird der Leser geradezu Teil dieser faszinierenden Welt der Sinneseindrücke. Man schmeckt förmlich die dargebotenen Gerichte und riecht die unterschiedlichen Gewürze und Essenzen. Mit jeder Seite mehr spürt der Leser die Liebe, die Harms für den Orient empfindet.

Dabei verfängt sich der Autor manchmal aber leider etwas zu sehr in Nebenschauplätzen, die für sich betrachtet zwar bezaubernde Erzählungen über die Geschichte und die Menschen Nordafrikas darstellen, die aber oftmals nur eine sehr geringe oder gar keine Bedeutung für die eigentliche Handlung bzw. deren Fortgang haben.

Inhaltliche und erzähltechnische Schwächen

Wie gelingt es einem Privatermittler, an wirtschaftlich und politisch hochbrisante Informationen zu gelangen und sogar mit Geheimdiensten in Kontakt zu treten? Ganz einfach: Überall arbeitet ein Kontaktmann, ein Bekannter oder alter Freund Calandas, der ihm weiterhilft. Dabei spielt es keine Rolle, ob es ein Mitglied des EU-Parlamentes, der Leiter der Entwicklungsabteilung bei Airbus, ein Freund bei einem Nachrichtenmagazin, der Kontakte zum Bundesnachrichtendienst hat, ein amerikanisches Software-Genie oder eine Freiburger Hochschulprofessorin und Islamwissenschaftlerin ist, die ihm unter anderem einen Kontakt zum syrischen Geheimdienst herstellt. Das wirkt alles zu einfach, da der Ermittler eigentlich nie auf Probleme oder Widerstände stößt. Alle geben ihm bereitwillig Auskunft über die noch so geheimsten Informationen.

Darüber hinaus zeigt Augusts Suche nach seinem Vater zwar den Facettenreichtum der nordafrikanischen Länder, deren Kultur und Geschichte auf, wirkt aber oftmals unglaubwürdig, da der Zufall hier zu oft hilfreich eingreift.

Einen besonderen Clou hebt sich Harms für den Schluss auf. Dies ist sicherlich überraschend und gut gedacht, verwirrt den Leser aber letztendlich nur, da eine finale Auflösung fehlt und es nicht mehr möglich ist, zwischen Wahrheit und Mystik zu unterscheiden.

Fazit:

Für alle, die die Verbindung von arabischer Küche und Kriminalroman mit einem besonderen orientalischen Flair mögen, kann man Harms Erstlingswerk  empfehlen. Man muss aber auch in Kauf nehmen, dass der Roman seine Schwächen hat und am Ende auch verwirrt. Insgesamt erinnert „Versuchung“ in seiner Kombination aus Wissenschafts- und Kriminalroman an Veröffentlichungen von Marc Elsberg, auch wenn sich Harms hiervon insbesondere durch seinen eigenen Sprach- und Erzählstil positiv abhebt.

Versuchung

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