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Andreas Kurth
Böse Intrigen in Politik und Presse der Provinz

Buch-Rezension von Andreas Kurth Okt 2019

Susanne Mikula will unbedingt Chefredakteurin beim Tagesboten in Reinstadt werden. Die fiktive Kleinstadt in Nordrhein-Westfalen bietet die Schlagzeilen, die man in der Provinz erwarten würde. Einige davon werden an den Kapital-Anfängen zum Besten gegeben: “Eine Stadt zum Durchatmen: Beste Luftwerte seit 1948!”, “Chaos beendet: Neue Parkgebühren sorgen für Ordnung in der Innenstadt”, und “Immer weniger Temposünder: Verwaltung dämmt Unfälle erfolgreich ein!”

Wer nun glaubt, der Roman entspreche dem Duktus dieser fiktiven Zeitungsüberschriften, liegt nicht so ganz falsch. Wenn ein Karriereberater 15 Jahre lang Sachbücher schreibt, die unter anderem Titel haben wie “Introvertiertheit in der heutigen Lärmgesellschaft”, ist die Lektüre seines ersten Kriminalromans schon ein interessantes Projekt. Schließlich sind bei Spannungsliteratur andere handwerkliche Fähigkeiten gefragt, als bei einem Sachbuch. Immerhin, das lässt sich durchaus konstatieren, Martin Wehrle kann seine Geschichte gut erzählen. Mit der Spannung ist es dann allerdings so eine Sache.

Martin Wehrle hat mit Susanne Mikula eine ziemlich spezielle Protagonistin erschaffen

Immerhin, mit den Karriere-Plänen von jungen und ehrgeizigen Nachwuchskräften dürfte sich der Autor gut auskennen. Und so ist es ihm offenbar nicht schwer gefallen, mit Susanne Mikula eine ziemlich spezielle Protagonistin zu erschaffen. Die junge Journalistin ist rasend ehrgeizig, ob das auch durch entsprechendes berufliches Talent unterlegt ist, wird in dem Roman nicht so ganz deutlich. Immerhin lässt sie sich zum Büttel ihres schmierigen Verlegers machen und verkündet Entlassungen in der Redaktion. Dieser Welle fällt auch ihre beste Freundin zum Opfer, die Mikula feuert, ohne mit der Wimper zu zucken.

Die Verhältnisse in einer kleinen Provinzstadt und das Gebaren in der dortigen Presselandschaft schildert Martin Wehrle recht realistisch. Ihm geht es aber vor allem um die Arbeitswelt, in der Vorgesetzte und Kollegen für jeden einzelnen Menschen zu Gegnern werden können. Die Frage, ob man eine Entlassung einfach so hinnimmt, oder sich dagegen zur Wehr setzt, spielt für den Autor nach eigener Aussage eine große Rolle, und er ist der Meinung, in seinem Buch eine originelle Antwort gefunden zu haben. Das muss allerdings jeder Leser für sich selbst beurteilen.

Kryptisch anmutende Dialoge deuten auf Verbrechen hin

Eingestreut in die Handlung um die örtliche Zeitung, die junge Journalistin und ihr ehrgeiziges Projekt, nach ihrer eigenen Entlassung eine neue Zeitung in Reinstadt zu gründen, gibt es immer wieder kryptisch anmutende Dialoge zu lesen. Da werden Ereignisse bewertet, aber auch Verabredungen zu kriminellen Handlungen getroffen, um es einmal zurückhaltend auszudrücken. Und hier kommt Mikula wieder ins Spiel, die von ihrem Verleger schließlich mit einer üblen Intrige selbst abserviert wurde. Immerhin wird sie von bemerkenswerter Selbsterkenntnis getroffen.

“Überhaupt hatte ich seit meinem Abgang beim Tagesboten eine kritischere Distanz zum Journalismus gewonnen, vielleicht weil ich selbst mit Halbwahrheiten beschmiert worden war. Schlagzeilen schreiben und Blitzlichter schleudern ist das eine - von ihnen getroffen zu werden etwas ganz anderes.”

Bei der Zeitungsneugründung sind ehemalige Kollegen Mikula zuvor gekommen, und sie hat - wenig überraschend - arge Probleme, die Mannschaft des neuen Obdachlosenblattes davon zu überzeugen, dass sie geläutert ist, und ihr früheres Verhalten bereut. Es gibt brisante Recherche-Ergebnisse eines Kollegen, einen Brand in der Radkation des “Stadtstreichers”, und so langsam kommt dann doch etwas Dynamik auf. Die Auflösung der verschiedenen Rätsel bringt am Ende so einige Überraschungen ans Licht.

Fazit:

Martin Wehrle ist hier ein solider Krimi gelungen, der sich allerdings dem provinziellen Setting durchaus anpasst. Das macht aber nichts, denn wer gerne mal auf brutale Action und überzogene Psychotricks verzichtet, und zudem Einblick in Politik und Presse in der Provinz haben möchte, findet hier unterhaltsame, ruhige Lektüre für ein langes Wochenende.

Die Ratte

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