Die Entführung

Erschienen: Mai 2019

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Carola Krauße-Reim
Erst war alles so klar, aber dann…

Buch-Rezension von Carola Krauße-Reim Jul 2019

Petra Johann hat einmal mehr ein überaus spannendes Buch abgeliefert. Nach „Die Einsamkeit des Todes“ und „Schatten der Schuld“ lag die Messlatte, was die Erwartungen betraf, ziemlich hoch, ebenso hoch war die Gefahr, doch enttäuscht zu werden. Aber die Autorin setzt ihre Erfolge fort und von Enttäuschung kann wirklich keine Rede sein.

Die Entführung und das Leben danach

Die Freundinnen Leni und Ronja verschwinden am letzten Tag ihrer Ferien am Chiemsee spurlos. Kurz darauf verlangt der Entführer Lösegeld von Lenis wohlhabendem Vater. Nach anfänglichen Problemen wird das Geld gezahlt, aber es gibt Tote und seelisch schwer Verletzte.

17 Jahre später wird, im zweiten Teil der Geschichte, eine skelettierte Leiche gefunden, die den Fall wieder aufleben lässt und für alle Beteiligten neue Erkenntnisse, aber auch neue Abgründe bereit hält.

Petra Johann hat wieder einmal bewiesen, dass sie logisch denken kann (wie sollte es bei einer promovierten Mathematikerin auch anders sein). Die Handlung hat Hand und Fuß, es gibt keine Schwachpunkte. Was im ersten Teil vielleicht noch undurchdacht erscheint, entpuppt sich im zweiten Teil als logische Folge vorhergehenden Handelns.

Spannung kommt bei dem schlüssigen Plot nicht zu kurz

Es macht Spaß einen von Anfang bis Ende schlüssigen, plausiblen und dadurch überaus glaubhaften Plot zu lesen. Dabei kommt die Spannung aber wahrlich nicht zu kurz. Der Leser bangt mit den beiden Entführten genauso wie mit den Angehörigen, die für die Polizisten nicht immer einfach zu betreuen sind. Und die beiden Kommissare haben auch noch eigene Probleme, die aber dezent im Hintergrund gehalten werden und den Fokus nicht vom Geschehen abziehen.

Im zweiten Teil wird der Leser dann ein um das andere Mal in die Irre geführt. Kaum denkt man die Lösung zu erahnen, kommt die nächste Wendung und man steht wieder am Anfang. Erst ganz langsam, Schritt für Schritt, aber immer plausibel, wird das Knäuel aufgedröselt. Und, was dann die Lösung ist, war zumindest für mich so nicht vorstellbar, und auf den ersten Blick, aber auch nur auf den ersten, nicht besonders wahrscheinlich. Doch dann denkt man sich – wie würde ich gehandelt haben? Und schon ist die Lösung nicht mehr ganz so weit hergeholt und durchaus nicht fragwürdig.

Glaubhafte Charaktere, die Klischees sein mussten

Was bei anderen Krimis oft ein Makel ist, der die Lesefreude mindert, war hier unabdingbar nötig. Die Charaktere mussten dem Klischee der muckibudenhörigen Kraftprotze mit der Tendenz zum Kriminellen entsprechen, oder den sozial benachteiligten Emporkömmlingen. Genauso, wie der geistig armen Modepuppe, der ängstlichen Tochter und der entwurzelten Familie aus der Ex-DDR. Nur mit diesen wandelnden Schablonen war die Geschichte überhaupt möglich.

Und dennoch schafft es Johann, das Plakative in Menschen zu verwandeln, denen wir alle mehr oder weniger schon einmal begegnet sind. Dabei sind manche so dermaßen unsympathisch, dass man am liebsten ins Buch kriechen und sie abkanzeln würde. Andere hingegen sind der personifizierte Schrei nach Hilfe, das wandelnde Selbstmitleid oder duldungsgewohnte Hörige.

Dass einige davon eine Entwicklung durchmachen, somit ihr eigenes Klischee verlassen, macht sie noch glaubwürdiger und menschlicher. Es macht einfach Spaß, diese Menschen zu begleiten, wenn sie sich der Herausforderung der Entführung und der späteren Annäherung an die Lösung stellen müssen.

Fazit:

„Die Entführung“ ist ein durch und durch gelungener Kriminalroman. Flüssig geschrieben, mit guten Dialogen,logischen Handlungen und Folgen zieht er den Leser von Beginn an in seinen Bann. Unvorhersehbare Wendungen lassen das Geschehen zudem nie langweilig werden. Lediglich Ronja kommt für meinen Geschmack etwas zu kurz. Von ihrem Leben hätte ich gerne mehr erfahren, ist sie doch ein wichtiger Teil der Geschichte. Dennoch, nehmen sie sich nicht zu viel vor, während sie das Buch lesen. Jede Störung ist eine zu viel - und zum Schluss ist man einmal mehr dankbar, dass Petra Johann sich dem Schreiben gewidmet hat und nicht bei der Mathematik geblieben ist.

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