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Carola Krauße-Reim
Erst war alles so klar, aber dann…

Buch-Rezension von Carola Krauße-Reim Jul 2019

Petra Johann hat einmal mehr ein überaus spannendes Buch abgeliefert. Nach „Die Einsamkeit des Todes“ und „Schatten der Schuld“ lag die Messlatte, was die Erwartungen betraf, ziemlich hoch, ebenso hoch war die Gefahr, doch enttäuscht zu werden. Aber die Autorin setzt ihre Erfolge fort und von Enttäuschung kann wirklich keine Rede sein.

Die Entführung und das Leben danach

Die Freundinnen Leni und Ronja verschwinden am letzten Tag ihrer Ferien am Chiemsee spurlos. Kurz darauf verlangt der Entführer Lösegeld von Lenis wohlhabendem Vater. Nach anfänglichen Problemen wird das Geld gezahlt, aber es gibt Tote und seelisch schwer Verletzte.

17 Jahre später wird, im zweiten Teil der Geschichte, eine skelettierte Leiche gefunden, die den Fall wieder aufleben lässt und für alle Beteiligten neue Erkenntnisse, aber auch neue Abgründe bereit hält.

Petra Johann hat wieder einmal bewiesen, dass sie logisch denken kann (wie sollte es bei einer promovierten Mathematikerin auch anders sein). Die Handlung hat Hand und Fuß, es gibt keine Schwachpunkte. Was im ersten Teil vielleicht noch undurchdacht erscheint, entpuppt sich im zweiten Teil als logische Folge vorhergehenden Handelns.

Spannung kommt bei dem schlüssigen Plot nicht zu kurz

Es macht Spaß einen von Anfang bis Ende schlüssigen, plausiblen und dadurch überaus glaubhaften Plot zu lesen. Dabei kommt die Spannung aber wahrlich nicht zu kurz. Der Leser bangt mit den beiden Entführten genauso wie mit den Angehörigen, die für die Polizisten nicht immer einfach zu betreuen sind. Und die beiden Kommissare haben auch noch eigene Probleme, die aber dezent im Hintergrund gehalten werden und den Fokus nicht vom Geschehen abziehen.

Im zweiten Teil wird der Leser dann ein um das andere Mal in die Irre geführt. Kaum denkt man die Lösung zu erahnen, kommt die nächste Wendung und man steht wieder am Anfang. Erst ganz langsam, Schritt für Schritt, aber immer plausibel, wird das Knäuel aufgedröselt. Und, was dann die Lösung ist, war zumindest für mich so nicht vorstellbar, und auf den ersten Blick, aber auch nur auf den ersten, nicht besonders wahrscheinlich. Doch dann denkt man sich – wie würde ich gehandelt haben? Und schon ist die Lösung nicht mehr ganz so weit hergeholt und durchaus nicht fragwürdig.

Glaubhafte Charaktere, die Klischees sein mussten

Was bei anderen Krimis oft ein Makel ist, der die Lesefreude mindert, war hier unabdingbar nötig. Die Charaktere mussten dem Klischee der muckibudenhörigen Kraftprotze mit der Tendenz zum Kriminellen entsprechen, oder den sozial benachteiligten Emporkömmlingen. Genauso, wie der geistig armen Modepuppe, der ängstlichen Tochter und der entwurzelten Familie aus der Ex-DDR. Nur mit diesen wandelnden Schablonen war die Geschichte überhaupt möglich.

Und dennoch schafft es Johann, das Plakative in Menschen zu verwandeln, denen wir alle mehr oder weniger schon einmal begegnet sind. Dabei sind manche so dermaßen unsympathisch, dass man am liebsten ins Buch kriechen und sie abkanzeln würde. Andere hingegen sind der personifizierte Schrei nach Hilfe, das wandelnde Selbstmitleid oder duldungsgewohnte Hörige.

Dass einige davon eine Entwicklung durchmachen, somit ihr eigenes Klischee verlassen, macht sie noch glaubwürdiger und menschlicher. Es macht einfach Spaß, diese Menschen zu begleiten, wenn sie sich der Herausforderung der Entführung und der späteren Annäherung an die Lösung stellen müssen.

Fazit:

„Die Entführung“ ist ein durch und durch gelungener Kriminalroman. Flüssig geschrieben, mit guten Dialogen,logischen Handlungen und Folgen zieht er den Leser von Beginn an in seinen Bann. Unvorhersehbare Wendungen lassen das Geschehen zudem nie langweilig werden. Lediglich Ronja kommt für meinen Geschmack etwas zu kurz. Von ihrem Leben hätte ich gerne mehr erfahren, ist sie doch ein wichtiger Teil der Geschichte. Dennoch, nehmen sie sich nicht zu viel vor, während sie das Buch lesen. Jede Störung ist eine zu viel - und zum Schluss ist man einmal mehr dankbar, dass Petra Johann sich dem Schreiben gewidmet hat und nicht bei der Mathematik geblieben ist.

Die Entführung

Die Entführung

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Letzte Kommentare:
14.05.2019 09:47:52
leseratte1310

Lena und Ronja sind 15 Jahre alt und beste Freundinnen. Sie verbringen einige Wochen der Sommerferien bei Ronjas Vater am Chiemsee. Am letzten Ferientag werden die beiden entführt. Bei Lenas Vater, dem bekannten Unternehmer Karl Festing, geht eine Lösegeldforderung in Höhe von drei Millionen ein. Es beginnt ein Machtspielchen zwischen dem Entführer, der sich „Der Vollstrecker“ nennt und Karl Festing, der seine eigenen Vorstellungen hat, wie die Sache zu regeln ist. Keine leichte Sache für die beiden Münchner Kripobeamten Eva Schaller und Jakob Schuster. Es kommt zu einer Katastrophe.
Siebzehn Jahre später sorgt ein Leichenfund in der Nähe des damaligen Verstecks dafür, dass das Geschehen von damals in einem anderen Licht erscheint.
Dieser Krimi hat mich von Anfang an gepackt. Diese Geschichte wird auf eine ungewöhnliche Art erzählt. Im ersten Teil erleben wir die Entführung der beiden Mädchen; der zweite Teil spielt siebzehn Jahre später.
Alle Charaktere sind sehr gut und facettenreich ausgearbeitet. Ronja ist selbstbewusst und lebenslustig und liebt ihren Vater Stefan sehr. Sie wird von der unsicheren Lena bewundert. Lena lebt bei ihrem Vater Karl Festing. Seine Persönlichkeit ist imponierend und dominant. Er überlässt es seinen Angestellten Nathan und Gloria, sich um das Mädchen zu kümmern.
Die Mädchen haben mir leidgetan. Ich konnte ihre Ängste gut nachvollziehen, denn einer ihrer Entführer scheint sehr gewaltbereit zu sein. Außerdem hat Leni Zweifel, dass ihr Vater sie so liebt, dass er für sie zahlen wird. Als es Ronja im Versteck nicht gut geht, entwickelt Leni eine ungeahnte Stärke. Derweil haben Jakob und Eva nicht nur mit der schwierigen Situation im Hause Festing zu kämpfen, sondern auch noch mit eigenen Problemen. Karl, der an sich schon schwierig ist, hat nun auch noch seine alkoholsüchtige Ex Corinna im Haus, sowie das Ehepaar Birgit und Renate Aurich, die sich Sorgen im ihre Tochter machen. Die Nerven liegen blank. Nathan Müller sorgt dafür, dass die Verhandlungen mit den Entführern nicht im Chaos enden.
Dieser Krimi ist von Anfang an spannend und das Ende der Entführung dramatisch. Was sollte da noch kommen? Aber auch nach siebzehn Jahren bleibt es spannend, denn es zeigen sich Verstrickungen und Wendungen, die unerwartet, aber sehr schlüssig sind.
Ein toller Kriminalroman, der mir sehr gut gefallen hat und den ich nur empfehlen kann.

07.05.2019 18:35:07
Ulrike Frey

Ich habe mitgelitten

Das Cover zeigt eine Scheune auf dem Land. Es macht - gemeinsam mit dem Titel - neugierig.

Der Prolog des Romans "Die Entführung" lässt das allerschlimmste befürchten. Zumal, wenn man mitbekommt, dass das Buch dann zeitlich zurück in den September 2000 geht, in den Monat, in dem zwei 15-jährige Mädchen am letzten Tag ihrer Ferien am Chiemsee entführt wurden - Ronja Aurich und ihre beste Freundin Magdalena, Leni genannt, die Tochter des millionenschweren Emporkömmlings Karl Festing.

Die Mädchen werden unter schlimmsten Bedingungen festgehalten und die Entführer verlangen von Lenis Vater drei Millionen Mark. Dieser ist jedoch nicht bereit, sich erpressen zu lassen. So geht man mit einem "erfolgsgewohnten Festing" nicht um. Alle sind erschüttert. Was nun? Wird er sich von den Kriminalbeamten, von Ronjas Eltern und Lenis Mutter bearbeiten lassen, doch zu zahlen? In der Villa Festing spitzt es sich dramatisch zu. Wird sich der Entführer überhaupt erneut melden? Es beginnt ein erbitterter Nervenkrieg.

Bei den beiden Mädchen geht es mindestens ebenso schlimm zu, ja sie sind auch noch körperlicher Gewalt ausgesetzt.

Wenn ich jetzt noch mehr über die Handlung verrate, spoilere ich, was ich natürlich nicht möchte.

Eines ist wichtig zu wissen: Petra Johann hat ein Werk mit starken dramatischen Effekten und Überraschungsmomenten geschrieben. Alle meine Überlegungen, diese Entführung während des Lesens aufzuklären, liefen ins Leere. Erst zum Ende des Buches (September 2018) ist alles, aber auch wirklich alles im Reinen.

Es ist für uns toll, dass sich die Autorin Petra Johann ihrer Berufung als Krimi-Autorin zugewandt hat. Und ganz besonders toll ist, dass bei ihren Romanen keine Frage offen bleibt. Alles ist logisch, wie es sich für die Mathematikerin Petra Johann gehört. So kann der Leser die Handlungen nachvollziehen und bleibt nicht in Vermutungen hängen. Der Roman wird von mir überall die höchste Punktzahl erhalten.