Der Patriot

Erschienen: Februar 2019

Bibliographische Angaben

Aus dem Schwedischen von Nike Karen Müller
(Orig.: Patrioterna)

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Andreas Kurth
Wenn die spitzen Federn zur Zielscheibe werden

Buch-Rezension von Andreas Kurth Mär 2019

Diskussionen über die hohe Zahl von Flüchtlingen gibt es seit 2015 - nicht nur in Deutschland. Auch Schweden war ein beliebtes Ziel der Migranten aus dem fernen Afrika oder dem mittleren Osten. Und die politischen Debatten haben sich größtenteils kaum von denen in Deutschland unterschieden. Da ist es kein Wunder, dass auch in dem skandinavischen Wohlfahrtsstaat einige Journalisten im Fokus von Hass-Attacken stehen. Pascal Engman, selbst Journalist beim schwedischen Expressen, hat aus den verbalen Angriffen und Todesdrohungen gegen die Mitarbeiter der Medien eine spannende Kriminalgeschichte gemacht.

Es beginnt mit dem Mord an Hannah Löwenström, einer Mitarbeiterin des Sveriges Allehanda, der größten Morgenzeitung des Landes. Auf ihren jüngsten Artikel hat sie zuvor eine Welle von Hass-Mails mit sexistischem und rassistischem Inhalt bekommen. Darunter auch Todesdrohungen, die von der Polizei erfasst und eingehend untersucht werden. Dennoch ist sie nicht darauf vorbereitet, in ihrer Wohnung überfallen und erstochen zu werden. Der Mord an der profilierten Journalistin führt - wie zu erwarten, und wie von den Killern erhofft - zu großem Aufruhr in der schwedischen Öffentlichkeit.

Wie weit werden die Verbrecher mit ihrer Todesliste noch gehen?

Parallel zu den Ereignissen in Stockholm lernen die Leser August Novak kennen, einen Schweden, der in seinem Heimatland ein Verbrechen begangen hat, und deshalb nach seiner Flucht mehrere Jahre in der französischen Fremdenlegion gedient hat. Mittlerweile arbeitet er in Chile als Personenschützer für russische Gangster. Vor seinem Abgang aus Schweden war er mit einer Frau zusammen, die mittlerweile als Journalistin Karriere gemacht hat - und deshalb auch auf der Todesliste der rechtsradikalen Killer steht.

Pascal Engman lässt seine Leser früh wissen, wer die Mörder sind, und über ihre Motive gibt es nicht den Hauch eines Zweifels. Insgesamt arbeitet der Autor dabei mit mehreren Perspektiven. Da ist neben dem zunächst völlig unbeteiligten Novak der rechtsradikale Carl Cederhielm, der Kopf der Terror-Gruppe, die es auf etliche Journalisten abgesehen hat. Dann Ibrahim Chamsai, ein in Schweden lebender und perfekt integrierter Migrant. Und schließlich Madeleine Winther, eine bis in die Haarspitzen ehrgeizige und skrupellose Journalistin. Chamsai und Winther spielen im Laufe der Geschichte wichtige Rollen, die hier aus dramaturgischen Gründen  nicht näher beschrieben werden.

Spannung bezieht die Geschichte vor allem aus der Frage, wie weit werden die Verbrecher noch gehen? Wie kommt August Novak am Ende ins Spiel? Und es gibt neben weiteren Morden einige Wendungen, die der Leser so nicht erwartet haben dürfte.

Meinungs-, und Pressefreiheit wird auf die Probe gestellt

Das Buch von Pascal Engman fesselt den Leser von Beginn an, den es setzt sich mit Fragen auseinander, die in den letzten Jahren aktuell waren und es immer noch sind, und die in der schwedischen - wie der deutschen - Gesellschaft viel diskutiert wurden und werden. Durch seine Innensicht des Medienbetriebs kann der Autor hier sehr authentisch und realitätsnah beschreiben, wie in den Redaktionen auf die Ermordung von Kollegen reagiert wird. Entstanden ist dabei eine vielschichtige und spannende Geschichte, die von ihren zentralen Protagonisten lebt.

Der Autor stellt im Interview mit der Krimi-Couch fest, in Schweden hätten im vergangenen Jahr “sieben von zehn Journalistinnen Drohungen oder Hasskommentare erhalten, und ein Drittel von ihnen hat deshalb in Erwägung gezogen, den Job an den Nagel zu hängen. Das stellt die Meinungs-, Rede- und Pressefreiheit vor eine harte Probe.” Als Pascal Engman gesehen hat, was diese Drohungen mit seinen Kolleginnen anrichten, kam ihm die Idee zu seinem Roman.

Fazit:

“Der Patriot” ist ein wirklich spannender Thriller, denn der Leser weiß nie, wie es auf der nächsten Seite weitergeht. Die Spirale der Gewalt dreht sich immer schneller, und damit nimmt auch die Spannung enorm zu. Pascal Engman profitiert von seinen  Insider-Kenntnissen der schwedischen Zeitungslandschaft, und mit seinen journalistischen Fähigkeiten hat er daraus einen rasanten Roman gestrickt, dessen erschreckende Geschichte den Leser bis zur letzten Seite fesselt.

Der Patriot

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Letzte Kommentare:
13.03.2019 11:39:06
Milli0910

Das Cover des Thrillers zeigt- vermutlich- einen Städteblock Stockholms neben einem Gewässer. Stilistisch sehr gelungen sind die tiefdunklen Wolken, welche beginnen, die Häuser ins Dunkle zu tauchen und das Licht zu verdrängen.

Zum Inhalt:

Nachdem die junge Journalistin Hannah Löwenström kaltblütig in ihrer Wohnung ermordet wurde stellt sich schnell heraus, dass sie nicht das einzige Opfer bleiben wird. Ihr Mörder, Carl Cederhielm, sieht sich selbst als Patriarch, welcher Schweden von der Liberalität gegenüber Ausländern befreien wird. Dazu will Carl die “Lügenpresse” wie er sie nennt auslöschen, indem er einen Journalisten nach dem nächsten umbringt. Er hinterlässt keine Beweise und keine Anhaltspunkte darauf, wo er und seine Anhänger als nächstes zuschlagen. Fernab von alledem, in Chile, wohnt August, ein ehemaliger schwedischer Fremdenlegionär, mit seiner Frau Madeleine. Als Bodyguard eines berüchtigten Straftäters hat auch er es tagtäglich mit Gewalt zutun und wünscht sich nichts mehr, als zurück nach Schweden gehen zu können.

Meine Meinung:

Einer meiner Highlight- Thriller auf der “jemals gelesen Liste”! Ich konnte dieses Buch wortwörtlich nicht aus der Hand legen und habe das gesamte Wochenende nur gelesen. Dadurch, dass die vier Handlungsstränge so losgelöst voneinander erzählt werden, entsteht über weite Teile der Lesezeit überhaupt kein Zusammenhang zwischen denselben. Erst mit und mit, vieles erst ganz zum Schluss, wird alles klarer, die Handlungen kommen in Bezug zueinander. Plötzlich hat man das Gefühl, dass bei dem Fehlen eines Teils das gesamte Buch, diese gesamte Konstruktion, gar keinen Sinn ergeben würde. Die sinnbildliche und nüchterne Sprache treibt einen durch das gesamte Buch. Die Spannungskurve wurde gleich zu Beginn aufgebaut und bis zum Schluss nicht mehr locker gelassen. Durch die kurzen Kapitel hatte man nach jedem einen “Cliffhanger” und konnte einfach keine Verschnaufpause einlegen. Selten habe ich so viel Verständnis für die Handlungen eines Mörders gehabt. Und zwar nicht, weil seine Taten richtig sind, sondern weil Carls Charakter so neutral, seine Gedanken und Beweggründe so plausibel dargelegt wurden. Keinem Charakter dieses Buches hätte ich die Attribute “Gut” oder “Böse” zuschreiben können.

Alles in Allem ist dieser Debut- Thriller des ehemaligen Journalisten eine absolute Kaufempfehlung für alle Thriller- Liebhaber oder die, die es noch werden wollen. Ein von vorne bis hinten durchdachter, spannender Handlungsverlauf.

04.03.2019 14:52:58
elke17

Manche Journalisten lassen sich von Drohungen mundtot machen, stellen das Schreiben ein und ziehen sich ins Privatleben zurück. Andere wiederum, wie Stieg Larsson oder Petra Reski, nutzen ihr Talent, verbinden persönliche Erfahrungen mit Gesellschaftspolitik, und bringen das, was gesagt werden muss, in spannenden Thrillern verpackt in die Öffentlichkeit. So auch Pascal Engman, ehemals Journalist bei der schwedischen Boulevardzeitung „Expressen“, der mit „Der Patriot“ sein Debüt gibt.

Von der Vorstellung, dass das liberale Schweden ein Paradies für Einwanderer ist, musste man sich bereits vor längerer Zeit verabschieden. Man denke nur an Henning Mankell, der diese Thematik bereits in dem Anfang der neunziger Jahre erschienenen „Mörder ohne Gesicht“ behandelt hat.

In „Der Patriot“ legt Engman eine Schippe drauf: Handlungsort ist Stockholm. Die Anzahl der Migranten hat sich um ein Vielfaches erhöht, Unmut innerhalb der Gesellschaft greift um sich. Schuldzuweisungen sind schnell gemacht. Es ist die Politik, die versagt hat, gedeckt durch die Presse, die unverblümt durch ihre Berichterstattung um Sympathie für die Einwanderer wirbt. Nationalistische Bewegungen, die ihr Land zurückhaben wollen, sind im Aufwind. Eine dieser Zellen wird von Carl Cederhjelm geleitet, der mit gleichgesinnten Patrioten als erstes diejenigen dafür bestrafen will, die für eine multikulturelle Gesellschaft trommeln. Ganz klar, die Journalisten der „Lügenpresse“ müssen bestraft werden, wenn es sein muss, auch mit dem Tod. Und schon bald sind erste Opfer zu beklagen…

Soweit also der Hintergrund, vor dem Engman seine Story entwickelt, deren Thematik sich sehr nah nicht nur an der schwedischen Realität orientiert. Man denke nur an die Aufmärsche der Rechtspopulisten in den diversen ostdeutschen Städten und die ausländerfeindlichen Parolen sowie die Anfeindungen, denen kritische Journalisten tagtäglich ausgesetzt sind. Letzteres vor allem in den Vereinigten Staaten. Und dass irgendwann ein Verrückter Amok läuft, scheint mir dann doch nicht ausgeschlossen.

Die Handlung hat von Beginn an Tempo und einen sauber ausgearbeiteten Spannungsbogen, der auch durch die verschiedenen Akteure, ihre Hintergründe und persönlichen Motivationen ständig hochgehalten wird. Ein spannender, intensiver Thriller, der mich mit leichtem Unbehagen zurücklässt. Scheint es doch nicht ausgeschlossen, dass die Fiktion in nicht allzu ferner Zukunft von der Realität eingeholt werden kann.

04.03.2019 09:50:38
Johannes

Nirgendwo sieht man den Wahnsinn des Neomarxismus und des ideologischen Gleichschritts besser als in diesem Roman und den Kommentaren dazu.

Statt das ursächliche Problem; die Überflutung mit integrationsunwilligen und selbstsüchtigen Menschen, die eine unfassbare Gewaltwelle über Schweden gebracht und es zur Vergewaltigungshochburg in Europa gemacht haben, zu thematisieren, werden die Wenigen, die sich gegen diese Entwicklung stellen, als Kriminelle dargestellt und mit Hass und Häme überschüttet.

Da fragt man sich wirklich, weshalb "Jud Süß" von Veit Harlan in Deutschland verboten ist.
Für mich die gleiche Konstellation; nur besser inszeniert.

03.03.2019 20:59:45
Darts

Der Patriot ist das Erstlingswerk des Autoren Pascal Engman. Der Thriller spielt in vier Ebenen - teilweise in Chile und größtenteils in Schweden. 

August Novak hat vor zehn Jahren Schweden verlassen und ist zur Fremdenlegion gegangen. Nach 5 Jahren hat es ihn nach Südamerika verschlagen, nun ist er Leibwächter des Russen Vladimir. Als seine Freundin Valeria schwanger wird, möchte er am liebsten mit ihr nach Schweden zurück. Eines Tages läuft alles schief: sein Chef und auch seine schwangere Freundin werden getötet - so kehrt er allein nach Schweden zurück. 

Zur selben Zeit finden in Schweden mehrere Attentate auf Journalisten statt. Dahinter stecken Carl und andere junge rechtsradikale Schweden, welche mit der Situation in Schweden nicht klarkommen. Sie hassen Flüchtlinge, insgesamt Ausländer und auch die Lügenpresse. Da diese die Flüchtlinge in Schutz nehmen mit ihren Berichten, sind es in ihren Augen die wahren Übeltäter die beseitigt werden müssen. 

Mit Madeleine Winther lernen wir eine Journalistin kennen die für ihre Karriere vor nichts zurückschreckt. Sie möchte ganz nach oben, da fängt sie eben eine Bettgeschichte mit ihrem Chef an. Sie und ihre Kollegen berichten fieberhaft von den Morden an den anderen Journalisten immer mit der Angst im Nacken die nächsten zu sein. 

In einem weiteren Strang wird die Geschichte von Ibrahim Chamsai erzählt. Ein Syrer der vor vielen Jahren nach Schweden kam und hier mit seiner Familie ein neues Leben begonnen hat. Er ist Taxifahrer und plötzlich ins Visier von Carl und dessen Gruppe geraten. Sie entführten die Tochter von Ibrahim und zwingen ihn dazu mit seinem Taxi eine Autobombe zu zünden. 

Nach und nach wird klar wie diese Stränge alle zusammenhängen. 

Der Thriller ist flüssig geschrieben und die Spannung hält die ganze Zeit an. Pascal Engman hat selbst als Journalist gearbeitet und wegen rechtspopulistischer Drohungen seine Arbeit aufgegeben, man merkt, dass er Ahnung hat, von dem was er schreibt. 

Leider könnte sich die Situation aus diesem Buch jederzeit im wirklichen Leben abspielen. Von mir ganz klar 5 Sterne und Leseempfehlung. 

Ich bedanke mich bei vorablesen und dem Tropen Verlag die mir ein Exemplar zeitnah und kostenlos zur Verfügung gestellt haben.

02.03.2019 13:42:36
subechto

Die Angst geht um

…nach dem Mord an der Stockholmer Journalistin Hannah Löwenström und Drohungen gegen Vertreter der sogenannten Lügenpresse. Weitere Opfer folgen. Nur eine fürchtet sich nicht: Die junge Madeleine Winther. Sie nutzt die Morde als Sprungbrett für ihre Karriere.
Woher kommt dieser Hass? Der rechtsextreme Carl Cederhielm will Rache nehmen an allen, die dazu beitragen, dass seine Heimat Tag für Tag von Flüchtlingen überschwemmt wird. Gemeinsam mit zwei Gleichgesinnten eine Todesliste mit zehn Namen aufgestellt.
Und dann ist da auch noch Ibrahim Chamsai, der einst aus Syrien nach Schweden eingewandert war, Taxi fährt und sich scheinbar voll integriert hat. Last but not least, der Schwede August Novak, ein ehemaliger Fremdenlegionär, der in Chile als Leibwächter eines Russen arbeitet.
Bald wird ihr Schicksal miteinander verwoben und in Schweden wird nichts mehr so sein wie es war…
Pascal Engman war selbst Journalist und hat mit seinem Thrillerdebüt ein aktuelles und heißes Eisen angepackt. Gut geschrieben, keine Frage. Stets glaubwürdig und niemals, wirklich nie vorhersehbar. Gleich mehrere spannende Handlungsstränge gilt es zu verfolgen. Kurze Kapitel und wechselnde Perspektiven sorgen für Dynamik. Erst ganz am Ende schließt sich der Kreis und mündet in einen actionreichen Showdown. Ich bin begeistert, auch wenn der Epilog etwas kitschig daher kommt.

Fazit: Gelungenes Thrillerdebüt. Spannend, erschreckend, real.

02.03.2019 11:52:09
hiclaire

Es beginnt mit einem Blick auf die ätzenden Auswüchse von Twitter und Co. – und dann der grausame Mord an der Journalistin Hannah Löwenström. Nach diesem Einstieg nicht weiter verwunderlich, geht es hart und gnadenlos zur Sache, an nahezu allen Fronten. Mit seinen Figuren hat der Autor wenig Erbarmen, er opfert sie stellenweise brutal und grausam, bleibt dabei jedoch einigermaßen sachlich, was es für mich umso authentischer macht.
Der Plot bietet vier Handlungsstränge und jede Menge interessanter Figuren um ein Thema, wie es aktueller kaum sein könnte.
Erzählt wird in stetem Wechsel zwischen den Perspektiven, mit kleinen und größeren Cliffhangern, die wirklich gut gesetzt sind und mich ab und an in Versuchung geführt haben, mal eben fix weiterzublättern *g*. Jedoch war ich jedes Mal binnen kurzem von den Geschehnissen des jeweils nächsten Stranges genauso gefesselt.

Die Wechsel erfolgen zwischen:
August, Schwede und ehemaliger Fremdenlegionär, sein Part beginnt in Chile, als Leibwächter eines russischen Mafioso.
Ibrahim, 1985 aus Syrien nach Schweden eingewandert, eine wunderbare Figur, mit Zivilcourage und Mitgefühl, doch er liebt seine Familie, insbesondere seine Tochter über alles…
Madeleine Winther, Journalistin beim Nyhetsbladet, ehrgeizig und berechnend, wirkt die meiste Zeit wie ein kaltherziges Luder, im Gegensatz zu Ibrahim so gar keine Sympathieträgerin. Ihre Methoden und Mittel die Karriere voranzubringen sind grenzwertig. Auch wenn im Laufe der Geschichte Gründe für ihre problematische Persönlichkeit offenbar werden, fehlt mir für sie jegliches Verständnis.
Carl Cederhielm, 35 J., mit narzisstische Zügen, aus reichem Haus und bislang eher erfolglos, vor allem in den Augen seines Vaters. Er schlägt einen schrecklichen Weg ein um sein Leben mit Sinn zu füllen, siehe Kurzbeschreibung. Mit Lars und Fredrik findet er Gleichgesinnte, schwingt sich auf zum Führer seiner „Stadtguerilla“ und fühlt sich als Kämpfer für eine gerechte Sache, deren Zweck für ihn jegliches Mittel heiligt. In dieser Figur thematisiert der Autor aktuelle Ängste und Strömungen, die derzeit besonders die westlichen Gesellschaften spalten. Er zeigt, wie und auch warum Fremdenfeindlichkeit und Gewaltbereitschaft steigen, wie versucht wird, die „Anderen“ durch eine entsprechende Wortwahl zu entmenschlichen um eventuelle Reste eines protestierenden Gewissens auszuschalten.
Das Geschehen rankt sich eng um die Hauptfiguren, die auf mich manchmal ein wenig schablonenhaft wirkten. Wobei die Betonung auf manchmal liegt, denn es gab immer wieder Momente, die mich sprachlich und inhaltlich berührt haben. Auch die Gedankengänge der „Terroristen“ und deren vermeintliche Logik schienen mir oft irgendwie simpel und plakativ, aber ich kann mir vorstellen, das entspricht durchaus der Realität. Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass der Autor den Inhalt auf das für ihn Wesentliche reduziert hat. Dadurch wirkt vielleicht manches etwas unausgegoren und nicht immer rundum glaubhaft, aber möglicherweise ist es auch tatsächlich so einfach. Mehr Information zu einzelnen Abläufen oder den Figuren hätte mehr Ablenkung von der Quintessenz bzw. Botschaft bedeutet, und gerade diese „Einfachheit“ macht sie griffig.
Der politisch gesellschaftliche Kontext spiegelt wider, was vor kurzem in Schweden bei der Wahl den Ausschlag zu Gunsten der Schwedendemokragen gegeben haben könnte. Nicht nur in Schweden wird die Atmosphäre zunehmend von Fremdenfeindlichkeit und Hass verändert, eine beängstigende Entwicklung.
Es beginnt spannend und bleibt spannend bis zum Ende, wobei der Spannungsbogen nicht geradlinig auf einen finalen Showdown zuläuft, sondern „unterwegs“ immer wieder Ausschläge nach oben hat, die einen atemlos durch die Seiten fliegen lassen.
Nicht nur ein megaspannender, sondern auch politischer Thriller, aktuell und brisant, der beleuchtet, was unsere Gesellschaften spaltet. Man begegnet Gewalt und Brutalität, aber auch Zivilcourage.
Ein starkes Debut eines noch jungen Autors, auf dessen weitere Bücher ich gespannt bin.