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Michael Seitz
Blut ist nun mal dicker als Wasser

Buch-Rezension von Michael Seitz Feb 2019

Stell Dir vor, Du sitzt nichtsahnend vor Deinem Computer und liest eine Krimi-Couch-Rezension. Plötzlich ruft Deine Schwester an und gesteht Dir unter Tränen, sie habe soeben ihren Freund umgebracht. Nicht mit Absicht natürlich, er hat sie angegriffen und sie hat sich nur gewehrt, und da ist es eben einfach passiert. Zeugen gibt´s natürlich keine, und nun sitzt sie in seiner Wohnung und weiß nicht weiter. Hand auf´s Herz, würdest Du die Polizei rufen? Natürlich nicht. Du würdest hinfahren und Deiner Schwester helfen, einfach weil Blut nun einmal dicker ist als Wasser.

Die hübsche Schwester ...

Genauso reagiert auch die Ich-Erzählerin Korede, als Ihre kleine und überaus hübsche Schwester Ajoola sie anruft. Sie fährt quer durch Lagos in die Wohnung von Femi, so heißt - Pardon: hieß - der Lover, und übernimmt das Kommando bei der Reinigung der Wohnung und bei der Entsorgung der Leiche, klassisch eingewickelt in einen Teppich und ab in den Lagos River. Ihre Vorliebe für´s gründliche Putzen kommen ihr dabei ebenso zugute wie Ihre Ausbildung als Krankenschwester. Das Dumme ist nur: Korede macht das nicht zum ersten Mal. Bereits zwei Liebhaber hat Ajoola, der alle Männer scheinbar unterschiedslos verfallen, auf diese Weise entsorgt, stets erstochen mit dem Zierdolch Ihres verstorbenen Vaters.

… und die Vernünftige

Wie weit kannst, wie weit willst Du gehen, um Deine Familie zu schützen, das ist hier die entscheidende Frage. Während Ajoola scheinbar völlig entspannt ihr für nigerianische Verhältnisse durchaus luxuriöses Leben im Elternhaus mit Mutter, Schwester und Dienstmädchen fortsetzt, plagen Korede, die Vernünftige, doch arge Gewissensbisse. Schön, wenn man dann jemanden hat, der einem zuhört, und noch besser, wenn derjenige nichts weitererzählen kann. Und so vertraut sich Korede in dem Krankenhaus, in dem sie arbeitet, einem Patienten namens Muhtar an, der schon seit Monaten im Koma liegt. Heimlich verliebt ist sie in Tade, einen jungen und sympathischen Arzt, der zwar Koredes Fähigkeiten als Krankenschwester überaus zu schätzen weiß, sie aber als Frau gar nicht wahrnimmt. Das ist für Korede durchaus in Ordnung, bis Ajoola sie eines Tages im Krankenhaus besucht und dabei auch Tade kennenlernt. Klar, für wen der seit diesem Tag nur noch Augen hat. Das Schicksal nimmt seinen Lauf und Korede gerät in einem wilden Strudel aus Eifersucht, Schuldgefühlen und Geschwisterliebe. Und als dann auch noch Muhtar unerwartet aus dem Koma erwacht, ist das Chaos perfekt.

Ein Kammerspiel des menschlich-allzumenschlichen

Angelegt ist dieser Roman als eine Art Kammerspiel. Eine durchaus überschaubare Anzahl von Protagonisten agiert fast ausschließlich im Elternhaus der beiden Schwestern und an Koredes Arbeitsplatz im Krankenhaus. Teilweise extrem kurze Kapitel liefern Rückblenden in die problematische Familiengeschichte der beiden Schwestern, und erst nach und nach erschließen sich - wenn auch nur andeutungsweise - die Gründe für deren seltsames Verhalten. Zudem erfahren wir einiges über die Lebensgewohnheiten, Sitten und Gebräuche der Menschen in Lagos, ja ein eher ungewöhnlicher Ort für ein Krimi-Setting. Manches davon erscheint  dabei fremd und manchmal für einen Mitteleuropäer schwer nachvollziehbar, so etwa die äußerst zurückhaltenden Ermittlungen der Polizei in der Sache, die nicht nur offenkundiger Inkompetenz, sondern scheinbar auch dem Sozialen Status der Familie von Korede und Ajoola geschuldet sind. Wirkliche Spannung will zwar nicht so recht aufkommen, dafür ist die Geschichte zu eindimensional. Ihr Reiz liegt vielmehr im Ausloten der Untiefen zwischenmenschlicher Beziehungen. Liebe, das ist nur etwas für die Schönen, stellt Korede voller Selbstmitleid fest. Männer können nun einmal besser gucken als denken, sie ziehen in der Liebe die Schönheit der Intelligenz vor, das gilt offenbar auch in Nigeria, und so tapsen sie alle - unbeholfen wie blinde Welpen - in ihr Unglück.

Fazit:

Dieses Erstlingswerk der Autorin Braithwaite ist mehr ein Stück nigerianische Erzählliteratur als wirklich ein Krimi. Dennoch: Die Figuren sind ebenso glaubhaft wie die Geschichte selbst, und die Schilderung von Koredes Frustration angesichts des unverdienten Erfolges ihrer mörderischen Schwester ist teilweise auch zum Brüllen komisch. Das unerwartet offene Ende lässt einen verdutzt und etwas ratlos zurück. Andererseits versteht es die Autorin meisterhaft, mit Sprache umzugehen, und allein das macht dieses Buch lesenswert, dazu aber auch die Wärme, die die Geschichte trotz manch brutaler Szenen gleich der sengenden nigerianischen Sonne ausstrahlt. Wer menschliche Abgründe vor exotischer Kulisse mag, dem sei dieses Buch durchaus empfohlen.

My Sister, the Serial Killer

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