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Michael Seitz
Böse Jungs werden fiese Männer

Buch-Rezension von Michael Seitz Feb 2019

Jay Desmarteaux ist kaum aus dem Knast entlassen, da versuchen auch schon scheinbar alle in Nutley, New Jersey, ihn loszuwerden. Kein Wunder, hat er doch im zarten Alter von 15 Jahren einen Mitschüler mit einer Axt erschlagen. Er wurde zu lebenslänglicher Haft verurteilt und nur einem guten Anwalt und seiner Jugend zum Zeitpunkt der Tat verdankt er es, dass er nun, nach 25 Jahren, wieder in Freiheit ist. Schon auf den ersten Metern versuchen zwei vierschrötige Typen, ihn auf den Zug nach New Orleans zu setzen, der Heimat seiner Kindheit. Aber so leicht lässt Jay sich nicht abwimmeln, der Knast hat ihn hart und zudem zu einem erstklassigen Kampfsportler gemacht. Jay hat noch ein paar alte Rechnungen offen in Nutley und ist wild entschlossen, die auch zu begleichen. Unterschlupf findet er bei seinem alten Kumpel Tony, der eine Autowerkstatt betreibt und der ihm - wenn auch eher widerwillig - dort einen Job gibt, denn Jay hat im Knast nicht nur alles über das Boxen, sondern auch über Automechanik gelernt. Die meisten anderen in Nutley sind nicht so entgegenkommend, und deshalb hat Jay bald von allen Seiten Ärger am Hals, denn er weiß ein paar Dinge, die für seine früheren Kameraden, die zwischenzeitlich zu Wohlstand und Ansehen gelangt sind, gefährlich werden können. Und die Kontakte aus dem Knast, die Jay ebenfalls wieder auffrischt, machen die Sache nicht besser. Nur seine Jugendliebe Ramona hält zu ihm, wenn auch nach anfänglichem Zögern, ist sie doch heute mit einem der Männer verheiratet, die Jay einst im Stich ließen.

Some people need killing …

lautet Jay´s Motto, und so sterben dann auch bald eine ganze Reihe Leute in seinem Umfeld, und das obwohl Mac, sein Mentor in der Gefangenschaft, ihm beigebracht hat, das es die beste Rache an seinen Feinden ist, ein gutes Leben zu führen. Daran hält sich Jay nun aber gar nicht, sondern er setzt mit geradezu stoischer Dickköpfigkeit den Peinigern seiner Jugend nach, auch wenn er dabei selbst jede Menge Prügel und Schlimmeres bezieht. Und ganz ehrlich, wer von uns hätte nicht schon mal den Gedanken gehabt, dass manche Leute den Tod einfach verdienen? Nur setzten wir diesen Gedanken gottlob nur höchst selten in die Tat um. Hier allerdings fliegen alsbald soviel Blut, Kotze und Exkremente durch die Gegend, das man sich manchmal vor dem geistigen Auge in einem Splatter-Movie wähnt. Dieser Roman ist ganz sicher nichts für zart besaitete Gemüter, und sicher ist auch nicht alles glaubwürdig, was hier so passiert. Wenn einer mit einem Müllwagen mitten in eine Villa fährt und anschließend dem Hausherrn an seinem Swimmingpool die Kehle durchschneidet, dann zieht das auch in New Jersey intensive polizeiliche Ermittlungen nach sich, selbst wenn es sich bei dem Opfer um einen bekannten Mobster handelt. Allerdings hat die hiesige Polizei auch selbst einiges zu verbergen, was Jay hilft, sich seinen Häschern immer wieder zu entziehen.

…but always boogie on

Trotz allem, dieser Roman hat einen Rhythmus, einen Boogie, der einen in seinen Bann zieht, wo man einfach mitmuss. Dieses Buch ist wie eine Kerze, die jemand an beiden Enden gleichzeitig angezündet hat. Mit schnellen Schnitten schildert der Autor abwechselnd die Ereignisse in Jay´s Jugend, die schließlich zu dem Mord führten und die Ereignisse im Knast und nach seiner Entlassung, und das so virtuos, dass sie wie zwei Züge außer Kontrolle bis zum tragikomischen Ende aufeinander zurasen. Hier geht es um eine amerikanische Kleinstadtgesellschaft, unter deren dünnem Firniss aus spießiger Wohlanständigkeit ein stinkender Sumpf menschlicher Abgründe brodelt, in den Jay mit Haut und Haaren eintaucht. Dass er beinahe darin unterzugehen droht, stört ihn dabei nicht im mindesten. Dort gibt es Kerle, die so hart sind, dass sie nicht einmal sich selbst ihre Homosexualität eingestehen können, fiese Angeber und Opportunisten, die ungerührt ihre besten Freunde ans Messer liefern, wenn es ihren Zielen nutzt und hasserfüllte Wutbürger, die alles und jeden mit sich in den Abgrund zu reißen bereit sind. Von Zivilisation keine Spur, trotz Geld und schnellen Autos. Eine archaische Gesellschaft, in der es um falschen Stolz, die vermeintliche Ehre und um das nackte Überleben geht. Und so entwickelt man durchaus Sympathie für Jay, der - obwohl selbst kein Kind von Traurigkeit - in dieser Hölle wirkt wie der Waisenknabe, der er quasi von Geburt an ist. Erst am Schluss des Buches erfährt man - wie es sich für einen ordentlichen Krimi gehört - was Jay´s Rachegelüste in Wahrheit antreibt, und diese Wahrheit ist so widerwärtig, das man gar nicht anders kann, als Verständnis für Jay´s Handeln zu entwickeln.

Fazit:

Wer hard-boiled Krimis mag, der ist hier genau richtig. Jay ist einer dieser unbeirrbaren, knallharten, aber im Grunde doch moralisch integren und auf lakonische Weise sympathischen Helden, die schon seit Philip Marlowe die Welt des amerikanischen Kriminalromans bevölkern. Sein innerer Frieden ist ihm wichtiger als das viele Geld, das man ihm immer wieder bietet, damit er endlich verschwindet. Die Figuren sind glaubhaft und differenziert gezeichnet, die Sprache ist der Slang der Straße und manchmal nicht ganz einfach zu lesen. Brutalste Action kontrastiert mit zum Teil fast lyrischen Szenen, etwa wenn Jay und Ramona über Ihre verkorkste Jugend räsonieren. Es sind diese Gegensätze, die "Bad Boy Boogie" spannend und lesenswert machen, mag es der Plot auch an manchen Stellen mit der Schlechtigkeit dieser Welt und der Menschen darin ein wenig übertreiben.

Bad Boy Boogie

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