Westwall

Erschienen: März 2019

Bibliographische Angaben

ORIGINALAUSGABE
Paperback, Klappenbroschur, 496 Seiten, 13,5 x 20,6 cm

Couch-Wertung:

85°

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
 50° 100°

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

10 x 91°-100°
7 x 81°-90°
2 x 71°-80°
1 x 61°-70°
2 x 51°-60°
0 x 41°-50°
6 x 31°-40°
1 x 21°-30°
4 x 11°-20°
11 x 1°-10°
B:51.590909090909
V:44
W:{"1":8,"2":0,"3":0,"4":1,"5":1,"6":0,"7":0,"8":1,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":1,"16":2,"17":0,"18":1,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":1,"29":0,"30":0,"31":1,"32":1,"33":1,"34":0,"35":0,"36":0,"37":1,"38":1,"39":1,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":1,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":1,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":1,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":1,"78":0,"79":0,"80":1,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":2,"86":0,"87":3,"88":0,"89":0,"90":2,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":1,"99":1,"100":8}
Andreas Kurth
Unter der Reichskriegsflagge werden sinistre Pläne geschmiedet

Buch-Rezension von Andreas Kurth Mai 2019

Als Monster-Bauwerk bezeichnet Autor Benedikt Gollhardt im Interview mit mir den Westwall, den Adolf Hitler in den späten 30er Jahren von über 500 000 teilweise zwangsrekrutierten Arbeitern an der Westgrenze des Deutschen Reiches errichten ließ. Das 630 Kilometer lange Bollwerk aus 12 000 Bunkern, Panzersperren und Tunnel-Systemen sollte die westliche Front absichern, während die Wehrmacht im Osten den Rest von Tschechien besetzte und anschließen Polen überfiel.

Die monströse militärische Anlage ist daher auch heute noch ein Sehnsuchtsort für Neo-Nazis und Rechtsradikale jeglicher Ausprägung. Es passt also durchaus, wenn dort eine charismatische Anführerin eine Truppe von Verlierern und Abgehängten um sich versammelt, die sie überwiegend auf der Straße aufgesammelt hat, um daraus eine Kampftruppe für den rechten Umsturz in Deutschland zu formen.

Privatleben der jungen Polizistin ist noch entwicklungsfähig

Der Thriller beginnt allerdings mit einem verwirrenden Prolog, dessen Inhalt erst sehr viel später aufgeklärt wird. Wochen vor dieser Szene setzt die Geschichte ein, und der Leser begleitet zunächst Julia Gerloff durch ihre Ausbildung als Polizeischülerin. Die wichtigste Protagonistin dieses spannenden Thriller wird gleich als höchst chaotische Persönlichkeit eingeführt, die es gerade so eben schafft, pünktlich zum Dienstbeginn auf dem Appell-Platz der Polizeischule in Nordrhein-Westfalen  zu stehen. Ohne Mutter in einer Art Hippie-Kommune in Mecklenburg-Vorpommern zwischen Bauwagen aufgewachsen, ist sie nicht nur eine ziemlich chaotische, sondern auch eine höchst eigenwillige Persönlichkeit.

Sie kümmert sich in ihrer Freizeit viel um ihren kranken Vater, der mittlerweile auch nach Köln gezogen ist. Ansonsten ist ihr Privatleben durchaus noch entwicklungsfähig, und daher ist es kein Wunder, dass sie auf die Avancen einer Zufallsbekanntschaft positiv reagiert. Der attraktive Nick ist Julia allerdings keineswegs zufällig begegnet, wie der Leser schnell erfährt. Die gravierenden Probleme beginnen, als die junge Polizistin nach der ersten Nacht mit Nick ein tätowiertes Hakenkreuz auf seinem Rücken entdeckt. Die turbulenten Ereignisse führen sie nach vielem Hin und Her an den Westwall - und zu der rätselhaften Szene aus dem Prolog.

Dem Leser zeigt sich ein hell- bis dunkelbrauner Sumpf

In verlassenen Gebäuden und Bunkern am Westwall ist Ira Tetzel mit ihrer Gruppe junger Heimatloser zu finden. Sie führt ein eisernes Regiment, Aussteiger aus der Gruppe werden mit brutalen Mitteln zurück geholt und überaus hart bestraft. Über Iras Hintergrund erfährt der Leser zunächst so gut wie nichts, nur ihre Verbindungen in dubiose neo-nazistische Kreise werden stückweise offenbart. Ihre bunte Truppe ehemals obdachloser Kinder und Jugendlicher ist jedenfalls ein ziemlich gefährlicher Haufen, denn die Kids sind ihr teilweise absolut hörig, und schrecken in ihrer Mehrheit nicht vor Gewalt zurück.

Neben Julia und Ira gibt es mit Nick, dem Polizei-Ausbilder Roosen, und den Verfassungsschützern Badtke und Keppler noch wichtige Nebenfiguren. Der hell- bis dunkelbraune Sumpf, der sich dem Leser bei der Lektüre darbietet, ist nur stückweise zu durchschauen. Die Treffen von Leuten aus dem Sicherheitsapparat, die unter der Reichskriegsflagge stattfinden, werden nur kurz angerissen. Aber die daraus resultierenden Verbindungen werden deutlich, und lassen den Leser kalt erschauern. Benedikt Gollhardt bestätigt im Interview auf der Krimi-Couch, dass ihn die Vorgänge rund um den NSU-Komplex teilweise zu seinen Schilderungen inspiriert haben. Wobei er hinter der traurigen Realität noch ein Stück zurück geblieben ist.

Polizisten und Verfassungsschützer, die ihre eigene Agenda verfolgen

Es ist schon ein perfider Plot, den sich der Autor da ausgedacht hat. Eine Aussteiger-Truppe, nach deren Mitgliedern niemand sucht, und die froh sind, einen trockenen Schlafplatz und regelmäßige Mahlzeiten zu haben. Eine skrupellose Anführerin, die mehr als finstere Pläne schmiedet. Polizisten und Verfassungsschützer, die ihre eigene Agenda verfolgen - und das keinesfalls zum Wohle der Bürger, die sie schützen sollen. Die ziemlich ausgeklügelte Geschichte fordert den Leser, der mitdenken muss, um alle Nuancen zu erfassen.

Und das alles vor der düsteren Kulisse des Westwalls. Das monströse Bauwerk, wie es Benedikt Gollhardt bezeichnet, ist im Grunde ein zusätzlicher Protagonist, denn dieser Geländestreifen, der teilweise in völlig unzugänglichem Gelände liegt, hat historisch so einiges gesehen. Wer da selbst nachlesen möchte, sollte zum Thema Schlacht im Hürtgen-Wald, Ardennen-Offensive oder zu anderen Stichworte suchen. Wie Gollhardt selbst sagt, ist da touristisch viel im Gange, mit der richtigen historischen Einordnung hapert es allerdings teilweise gewaltig. Auf jeden Fall eine grandiose und passende Kulisse für diese hochgradig spannende Geschichte.

Fazit:

Die aktuellen politischen Umwälzungen, die Digitalisierung, den Vertrauensverlust in die Politik und in den ganzen Sicherheitsapparat bezeichnet Benedikt Gollhardt als Grundverunsicherung in Deutschland, die er thematisieren wollte. Es ist ihm vor allem gelungen, den Verfassungsschutz auf Länder- und Bundesebene mal wieder ein wenig aus der Dunkelheit zu holen. Für seine spannende und gut erzählte Geschichte hat er zudem mit dem Westwall eine passende, und für ihn als Kölner naheliegende Kulisse gewählt. Das Buch entwickelt schnell einen ungeheuren Sog, Protagonisten und Dialoge sind authentisch - Kopfkino der feinsten Sorte, dass es bald auch in verfilmter Form zu sehen geben wird.

Westwall

Westwall

Deine Meinung zu »Westwall«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
11.04.2019 08:01:01
StephanieP

Julia ist Polizeischülerin und lernt einen scheinbar netten Mann kennen, mit welchem sie die Nacht verbringt. Anschließend muss Julia feststellen, dass dieser Mann nicht nur ein großes Hakenkreuz Tattoo trägt sondern ihr auch einen falschen Namen gesagt hat. Julia erzählt ihrem Vater davon und dieser reagiert sehr panisch. Er rät Julia unterzutauchen, da sie in großer Gefahr schwebt. Julia kann sich dieses Verhalten nicht erklären und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Diese Recherchen führen sie nicht nur in einen Wald sondern auch in die Vergangenheit ihrer Eltern.

Benedikt Gollhardts Schreibstil ist flüssig und fesselnd. Der Autor kann sehr schnell Spannung aufbauen, diese zunehmend steigern und problemlos bis zum Ende des Buches aufrechterhalten. Besonders gelungen finde ich, dass Anfangs die komplette Handlung sehr undurchsichtig ist und der Autor erst nach und nach die vielen Fragen aufklärt. Allerdings haben mir persönlich manche der Auflösungen etwas zu lange gebraucht. Zudem macht Benedikt Gollhardt oft kleine Andeutungen, welche mir allerdings häufig erst im Nachhinein bewusst aufgefallen sind. Der Autor versteht es den Leser durch geschickte Wendungen und unerwartete Auflösungen in die Irre zu führen. Ich dachte häufig, dass ich mittlerweile Bescheid über die Machenschaften und die einzelnen Protagonisten weiß, musste dann allerdings immer wieder feststellen, dass ich doch auf dem Holzweg war.

Die einzelnen Protagonisten sind authentisch, facettenreich und verbergen zum Teil das ein oder andere Geheimnis, welches erst im Laufe der Handlung aufgedeckt wird. Julia war mir persönlich sehr sympathisch und ich fand es schön, dass sie sich von ihren Gefühlen hat leiten lassen, dies lässt die Protagonistin besonders menschlich erschienen.

„Westwall“ ist mein erstes Buch von Benedikt Gollhardt und es hat mir im Großen und Ganzen gut gefallen, die Handlung konnte mich fesseln und die Protagonisten konnten mich überzeugen. Ich fand die Einbindung hochaktueller Themen (wie beispielsweise der Neonaziszene) gut gelungen und hoffe auf weitere Bücher des Autors. Auch in Zukunft werde ich gerne du gezielt zu Thrillern von Benedikt Gollhardt greifen.

FAZIT:
„Westwall“ ist ein fesselnder Thriller, welcher hochaktuelle Themen geschickt in die Handlung einfließen lässt und mit äußerst menschlichen Charakteren verbindet. Da mir persönlich die Handlung zu Beginn viel zu undurchsichtig war und ein paar Auflösungen lange auf sich warten lassen, vergebe ich 4 Sterne!