Hinterhalt

Erschienen: Oktober 2018

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2017 unter dem Titel Det som aldri dør, deutsche Ausgabe erstmals 2018 bei Droemer.
Folge 2 der Bogart-Bull-Serie.

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Carola Krauße-Reim
Der Nordirland-Konflikt schwelt immer noch

Buch-Rezension von Carola Krauße-Reim Dez 2018

In Kürze: Der Osloer Europol-Kommissar Bogart Bull will mit seinem Vater in Nordirland das Grab seiner Mutter und Großmutter besuchen. Doch kaum sind sie in Belfast angekommen, muss er den Mord an einem norwegischen Ehepaar untersuchen. Die Spur führt nicht nur in die Vergangenheit Nordirlands, sondern auch in seine ganz persönliche Familiengeschichte.

Ein sympathischer Ermittler

Hinterhalt ist bereits die zweite Geschichte rund um Bogart Bull. Durch seine irische Mutter hat er eine starke Verbindung nach Belfast, wo auch sein greiser Großvater in einem Seniorenheim lebt. Mit Bull entwarf der Autor einen authentischen Mann, der gezeichnet ist durch den gewaltsamen Tod seiner Frau und Tochter, durch ein nicht ganz einfaches Verhältnis zu seinem exzentrischen Vater und der Zuneigung zu seinem Großvater. Es fällt nicht schwer, sich auf diesen Ermittler einzulassen, der nicht cool und abgebrüht daher kommt, sondern überaus menschlich, der seine Schwächen genauso gut zulassen kann, wie seine Stärken.

Reale und fiktive Geschichte gut gemischt

Oistein Borge schafft es hervorragend die reale Geschichte Nordirlands mit der fiktiven Geschichte von Bulls irischer Familie zu verknüpfen. Um die Komplexität der Handlungen zu verstehen ist es aber durchaus von Nutzen, wenn man die jüngste Vergangenheit Nordirlands kennt. Der Grund für die Morde in der Gegenwart wurzelt in den sogenannten »Troubles«, den Kämpfen der katholischen Nordiren gegen die, in ihren Augen, protestantischen Besatzer.

IRA auf der einen und UVF auf der anderen Seite sind wohl die bekanntesten Organisationen, die sich einen blutigen Kampf lieferten, in dem wohl jeder Einwohner Nordirlands involviert war, ob er wollte oder nicht. Auch Bulls irische Familie erlebte diese gewaltbestimmte Zeit. Bald stellt sich heraus, dass diese persönliche Vergangenheit unmittelbar mit den Morden in der Gegenwart zu tun hat.

Spannung von der ersten Seite an

Gleich zu Beginn schafft es Borge den Leser nach Irland zu versetzen. Die Suche nach der Grabstelle einer während den Troubles ermordeten Frau wird zum Aufhänger für den Mord an dem norwegischen Touristenpaar. Und schon ist man mitten drin im Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten. Dass die Vorkommnisse, die zum Tot der Frau vor vielen Jahren geführt haben, der Grund für die Morde in der Gegenwart sind, kristallisiert sich immer mehr heraus. Stück für Stück wird die Vergangenheit aufgedeckt und Stück für Stück wird die ganze Verzweiflung und Gewalt offensichtlich.

Beide Handlungsstränge, die Vergangenheit im Jahr 1976 und die Gegenwart im Jahr 2016, sind gut ersichtlich getrennt. Ein switch wird durch Orts- und Datumsangabe eingeleitet. Der Leser weiß immer, wann er sich wo aufhält. Diese Wechsel zwischen den Zeiten erhöht noch einmal den Nervenkitzel beim Lesen. Besonders spannend wird es aber, als klar wird, dass Bulls Familiengeschichte auch eine tragende Rolle spielt.

Doch der Weg zur Lösung ist weit, aber so intensiv und packend erzählt, dass er nur wenige Momente aufweist, in denen die Spannung etwas nachlässt. Die Lösung des Ganzen ist dann zwar etwas vorhersehbar, aber nichts desto trotz stimmig und durchaus vorstellbar, denn nicht alle sind mit dem Friedensabkommen von 1998 einverstanden.

Nicht für Jeden etwas

Oistein Borge erzählt im ansprechend schnörkellosen Stil, der flüssig zu lesen ist. Die Geschichte ist packend, das Ende auch, sogar eine vielleicht neue Beziehung Bulls wird aufgebaut. Und dennoch kann ich mir vorstellen, dass dieses Buch nicht jeden Leser begeistern wird.

Der Bezug zu den Troubles ist stark. Wer diesbezüglich unbedarft oder auch ohne Interesse ist, wird keinen großen Gefallen an der Geschichte finden, bilden sie doch das Gerüst. Wer aber gerne Bücher liest, die Fiktion und Realität verknüpfen wird hier fündig. Und der sympathische Europol-Kommissar Bogart Bull lässt auf noch kommende spannende Ermittlungen hoffen.

Hinterhalt

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