Stirb zuerst

Erschienen: Mai 2018

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2018 bei Droemer Knaur.

Couch-Wertung:

70°
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Kirsten Kohlbrei
Bis der Pfarrer euch tötet – Eheversprechen werden nicht gebrochen

Buch-Rezension von Kirsten Kohlbrei Dez 2018

Die Bremer Hauptkommissarin Nora Jacobi ist gerade aus ihrem sechswöchigen Urlaub zurückgekehrt und startet mit einer Wochenendschicht, um möglichst ruhig wieder im Polizeialltag anzukommen. Ein Anruf aus der Notrufzentrale durchkreuzt diesen Plan jedoch und wirft sie ohne Schonfrist in das kalte Wasser eines neuen Falls.

Am Telefon ist eine aufgelöste Frau mit einer nahezu unglaublichen Geschichte.

Die Anruferin Olivia Kubat berichtet, dass sie in einer Art leerstehender Lagerhalle festgehalten wird. Sie schildert, wie sie dort nach dem Joggen, an einen Tisch gefesselt, zu sich gekommen war. Leise Kirchenmusik war zu hören und ein Mann, im Talar eines Pfarrers gekleidet, tauchte auf. Er beschuldigte Olivia und ihren, wie sie erfuhr, an einem anderen Ort ebenfalls festgehaltenen Mann Rolf, des Verrats an ihrem Eheversprechen vor Gott und bezichtigte insbesondere sie, der Neugierde als »einer vom Teufel gesäten Saat.«

Der angebliche Geistliche hatte sie vor eine Entscheidung gestellt. Mit einem zu ortenden Smartphone könne sie anrufen,wen sie wolle, um Hilfe zu holen. Doch sobald ein Ehepartner gerettet würde, müsse der andere sterben. Träfe sie nach Ablauf von acht Stunden keine Entscheidung, würde er zunächst Olivia und danach Rolf töten. Dann war er verschwunden. Als erhofften Ausweg, hatte sie nach fieberhaftem Überlegen, schließlich den Notruf gewählt und dabei Nora angefleht: »Sie müssen mir versprechen, dass Sie mich nicht retten«.

Die Kommissarin zweifelt keinen Moment an der Echtheit der bedrohlichen Lage und bringt sofort den ganzen Polizeiapparat ins Rollen, um natürlich beide Eheleute Kubat zu befreien.

Unterstützt wird sie dabei von ihrem Freund und Kollegen Paul Diekhoff.

Das Ultimatum des Pfarrers läuft und die Zeit drängt. Mit Hilfe von Handy-Ortung gelingt es Nora und ihrem Team dann zwar rechtzeitig die Aufenthaltsorte der Gefangenen ausfindig zu machen, aber der Zugriff schlägt fehl. Es gibt ein Todesopfer und der Entführer entkommt.

Ermittlungen in einem ganz persönlichen Fall

Trotz der misslungenen Rettungsaktion behält Nora die Leitung des Falls. Die Ermittlungen starten im Umfeld der Kubats, wobei der Zustand ihrer Ehe im Mittelpunkt steht.

Nora sieht sich nach ihrem vermeintlichen Versagen besonders gefordert. Zudem fühlt sie sich aus einem anderem Grund involviert. In ihr keimt zunehmend der vageVerdacht, dass das Geschehene kein Zufall ist, sondern sie ganz persönlich betrifft. Denn wie Olivia ihren Mann, hatte sie ihren Ex-Freund mit Hilfe eines IT- Kollegens über dessen Handy ausspioniert. Die Beziehung zu Henk endete in einem psychischen Kleinkrieg. Im Zuge der Vernehmungen verdichten sich nun die Hnweise, dass Henk seine Finger mit im Spiel haben könnte.

Als dann auch noch Noras beste Freundin Krümel und ihr Mann in die Gewalt des Pfarrers geraten, besteht für sie kein Zweifel mehr. Dessen Taten sind die Ahndung ihres moralischen Fehlverhaltens und können nur gestoppt werden, wenn sie seine Herausforderung annimmt und ihn aufspürt.

Pseudonym eines Bestseller-Autors

Frank Kodiak ist ein Pseudonym, unter dem der Erfolgsautor Andreas Winkelmann seit 2017 eine zweite Thriller-Reihe veröffentlicht. Winkelmann hat sich mit seiner Leidenschaft für spannende und packende Stories und einem flüssigen Schreibstil in den letzten Jahren eine wachsende Fangemeinde erschrieben. Beides Qualitätsmerkmale, die sich in »Stirb zuerst«, aus der Feder der ins Leben gerufenen Schriftstellerpersönlichkeit Kodiak, nun wiederfinden lassen. Sprachlich gut lesbar, bietet auch die Wahl des bedrohlichen Ausgangsplots grundsätzlich eine Vorlage für eine überzeugende Geschichte mit ausreichendem Nervenkitzel. Diese Erwartung wird jedoch im weiteren Verlauf der Handlung nur bedingt erfüllt.

Das titelgebende Motiv der tödlichen Entscheidungsnot bleibt zwar präsent, wird aber insgesamt wenig thematisiert und gerät in den Hintergrund. Stattdessen gewinnt Noras persönliche Betroffenheit zunehmend an Bedeutung. Das wirkt sich auch auf ihre Ermittlungsarbeit aus, da sie erst versteckt, später offensichtlich, von Henk als Täter ausgeht.

Trotzdem bemüht sie sich zunächst, in alle Richtungen zu ermitteln. Der Leser begleitet Kodiak bei der Verfolgung unterschiedlicher Spuren, die zwar in sich schlüssig sind, aber in ihrer Vielzahl eine gewisse Unruhe mit sich bringen. Ähnlich wie manche Handlungsabläufe, die angeschnitten, aber nicht zu Ende geführt werden. So etwas kann wohlwollend als temporeich, andererseits auch als störend empfunden werden. Letztendlich zerfasert die Erzählung dadurch.

Prediger und ihre Moralmotive

Erfolgreich Verwirrung erzielt der Autor durch Texteinschübe aus Tätersicht, kombiniert mit Reflexionen aus der Sicht eines Pfarrer, bei denen es zu entschlüsseln gilt, ob die Verfasser deckungsgleich sind. Generell verliert man im Personenreigen der Erzählung in Sachen Kirchenvertreter allerdings ohnehin etwas den Überblick zwischen falschem Pfarrer, frustriertem Pfarrer, totem Pfarrer, Pfarrerssohn. Dank Paul gelingt es der aufmerksamen Leserschaft trotzdem zum Ende hin, eigenständig die wahre Identität des Täters aufzudecken und sie ist damit in der dramatischen Schlusssequenz Nora einen Schritt voraus.

Kodiak charakterisiert die Ermittler angenehm dicht, so dass man versucht ist anzunehmen, sein Thriller wäre kein Einzelband, sondern Fortsetzung einer Krimireihe. Mit dem befreundeten Ermittlerduo Nora und Paul und dem Vertrauen und der Offenheit in ihrer Beziehung setzt er einen Kontrapunkt zu mangelnder Kommunikation, Verrat und Hintergehung.

Jenen Kritikpunkte im menschlichen Zusammenleben, die das Motiv des Täters ausmachen und die dieser als Übel in der Institution Ehe verortet. Sein Groll richtet sich dabei gegen kirchlich getraute Ehepaare, deren Ehen schlecht laufen. Das ist dem stimmigen Gesamtbild eines Inquisitors, der Verstöße gegen Gottes Gebote ausmerzt geschuldet und erforderlich, damit die Rolle des richtenden Pfarrers überhaupt überzeugend wirken kann. Bezogen auf Noras gescheiterte Beziehung bekommt dieses Bild jedoch eine zu gewisse Schieflage, da sie mit Henk gar nicht verheiratet war.

Handy als Geißel der Menschheit

Letztlich geht es um generelle Beziehungsthemen wie verschmähte Liebe, Misstrauen und Trennung, die auch bei der Scheidungsrate von 2017 mit einem Tiefstand seit Jahrzehnten, nicht an Bedeutung verlieren. Kodiak stellt diese, oft Resultat mangelnder Aussprache der Partner untereinander, in Relation zu den Kommunikationsformen der digitalen Welt. Eine Welt, in der vor allem das Handy als Werkzeug die Kontaktaufnahme über Messenger und soziale Netzdienste immens vereinfacht und die Hemmschwelle zur Offenlegung persönlicher Dinge oft unbemerkt dramatisch sinken lässt. Und dessen technischen Möglichkeiten wie etwa Ortung den Einzelnen kontrollierbar macht.

Eine Gesellschaft »übers Handy beherrschbar und manipulierbar« …»Ist das nicht ein bisschen to much?« fragt da auch Nora, aber einen berechtigten Denkanstoß liefert der Verfasser damit allemal.

Wer es bei einer Geschichte also auch etwas tiefgründiger mag, bekommt das wohldosiert vom Verfasser geliefert. Dabei sollte man sich nicht von dem religiösen Touch abschrecken lassen. Die Erzählung ist auch für Leser, die mit Glaubensdingen nichts am Hut haben geeignet, und kommt nicht etwa missionarisch daher.

Fazit:

Insgesamt ist »Stirb zuerst« ein Thriller der »Nun-ja«- Art. Man klappt ihn nach der Lektüre zu, fühlt sich unterhalten, irgendwie mäßig, aber eben auch nicht schlecht und behält den Autor Frank Kodiak daher für einen neuen Anlauf im Auge.

Stirb zuerst

Stirb zuerst

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Letzte Kommentare:
07.01.2019 16:16:58
Leseratte

Durch Zufall kam ich an das Buch von Frank Kodiak. Der Anfang ist spannend, aber man weiss auch gleich, worum es in dem Plot geht. Danach wird es ein bisschen zäh. Hier ein Pfarrer, dort ein Pfarrer. Der Plot ist sehr gut ausgearbeitet und geschrieben, aber auch teilweise zu langatmig. Guter Durchschnitt, dass "Thriller" finde ich aber übertrieben.