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Michael Seitz
Mit diesem historischen Krimi ist Fesperman eine großartiges Buch gelungen.

Buch-Rezension von Michael Seitz Dez 2018

Als Woodrow Cain, Ex-Polizist aus dem ländlichen Horton, Virginia, im Februar 1942 in New York ankommt, um dort – eher widerwillig – seinen Dienst als Sergeant bei »New Yorks Finest« anzutreten, brennt am Hafenpier gerade die »Normandie«, ein ehemaliger Luxusliner, den die USA – soeben nach dem Trauma von Pearl Harbour in den zweiten Weltkrieg eingetreten – zum Lazarettschiff umrüsten wollten.

War es deutsche Sabotage? Hatte die Mafia ihre Hand im Spiel? Für diese Fragen interessiert sich Caine zunächst nicht im mindesten, er hat eigene Sorgen. Das Schicksal hat ihm übel mitgespielt. Nicht nur musste er, der Akademiker, während der großen Depression einen unterbezahlten Job als Provinzpolizist annehmen, um über die Runden zu kommen, er hat auch weit über seinem Stand die Tochter eines New Yorker Anwalts geheiratet, die sich schon bald mehr der Flasche als der gemeinsamen Tochter zuwandte, sich vor allem aber seinen Freunden intensiver widmete, als es einem Ehemann lieb sein kann.

Das führt zu einem Dienstunfall, der Woodrow nicht nur seinen bisherigen Job gekostet hat, sondern den die Familie des Opfers auch nicht wahrhaben will. Und so verdankt er den neuen Job niemand anderem als seinem wenig geliebten Schwiegervater. Der wiederum hat Caine auch nicht etwa inŽs Herz geschlossen, sondern vor allem ein Interesse daran, seine Enkelin Olivia in seiner Nähe zu wissen, die einstweilen bei der Verwandtschaft im Süden untergebracht ist, aber alsbald ihrem Vater in die Ostküsten-Metropole folgen soll, nachdem Ihre Mutter auf unabsehbare Zeit in einer Entzugsklinik für die Reichen und Schönen verschwunden ist. Diese undurchsichtige Vergangenheit und zudem die unüberhörbare Tatsache, dass er Südstaatler ist, macht Caine bei seinen neuen Kollegen nicht eben beliebt, von seinem Vorgesetzten, Captain Mulhearn, mal ganz zu schweigen.

Ein Provinzcop in der großen Stadt …

Natürlich ist Woodrow oder »Citizen Cane«, wie ihn sein neuer Boss alsbald nennt, als Frischling im 14. Revier nicht mit derart politischen und prestigeträchtigen Fällen wie dem Feuer auf der »Normandie« befasst, aber immerhin schwimmt ihm schon am ersten Arbeitstag aus dem Hudson River eine Leiche sozusagen direkt vor die Füße. Ein undankbarer Fall, ist der Tote doch scheinbar nur ein armer Schlucker, der allerdings mit glühenden Zigaretten gefoltert wurde, bevor man ihn erschlug und in den Fluß warf.

Anhaltspunkte, wer der Mann war oder wer ihn getötet haben könnte, sind rar. Nur eine kleine Tätowierung des Namens »Sabine« an der rechten Schulter des Opfers gibt vielleicht einen Hinweis darauf, wer der Tote sein könnte. Während Caines Captain die Sache nur möglichst schnell und geräuschlos loswerden will und schon dabei ist, sie an eine andere Dienststelle abzugeben, erscheint eine merkwürdige Gestalt mit Namen Danziger auf dem 14. Revier und verlangt, Caine zu sprechen. Mit der Behauptung, etwas über den Toten und die Hintergründe der Tat zu wissen, gewinnt Danziger CaineŽs Aufmerksamkeit.

...und ein geheimnisvoller Briefeschreiber

Dieser Danziger, Sohn jüdisch-deutscher Auswanderer, ist in der Tat eine überaus schillernde Erscheinung. Seine Profession ist es, Briefe und Dokumente für Leute zu verfassen, die selbst des Lesens und Schreibens oder der Sprache, in der geschrieben wurde, nicht mächtig sind. In seinem kleinen Büro in Yorkville, auch »Little Deutschland« genannt, bewahrt er tausende von Schriftstücken auf, ohne zu wissen, ob die Empfänger sie jemals abholen können oder werden, und ist so gleichsam für seine Klienten ein wandelndes Archiv der aktuellen Ereignisse auf dem alten Kontinent.

Auf diese Weise erfährt Danziger natürlich eine ganze Menge, auch wenn er – wie er stets betont – das Gelesene und Geschriebene zu seinem eigenen Wohl größtenteils sofort wieder vergisst. In einer Zeit, in der in Europa schon seit drei Jahren ein verheerender Krieg tobt, und in der ein Brief oft das einzige Kommunikationsmittel ist, mit dem die vielen ausgewanderten Europäer Kontakt zu Ihren Lieben in der alten Heimat halten können, hat ein Mann wie Danziger natürlich viel zu tun. Er verfügt dazu über eine erstaunliche Vielfalt an europäischen Sprachen, darunter auch Russisch und Deutsch, und so erklärt sich auch seine Verbindung zu dem Toten, zu dem sich alsbald noch weitere gesellen, allesamt deutsche Auswanderer und Tagelöhner, wie sich bald herausstellt.

Zu CaineŽs Verdruss gibt dieser Danziger aber seine Informationen allenfalls häppchenweise preis, auch weil sie auf das engste mit seinem eigenen Schicksal verwoben sind. Und so bleibt unserem Helden nichts anderes übrig, als den geheimnisvollen Spuren zu folgen, auf die der »Briefeschreiber« ihn mal mehr, mal weniger behutsam leitet. Und das erweist sich als gar nicht einfach, denn schnell bekommt Caine Druck von allen Seiten. Nicht nur schneiden ihn seine Kollegen größtenteils, auch sein Vorgesetzter bemüht sich nach Kräften, ihm das Leben schwer zu machen.

Damit nicht genug, erpresst ihn auch noch der gerade inŽs Amt gekommene Commissioner Lewis Valentine, seine Kollegen im 14. Revier auszuspähen, um herauszufinden, warum gewisse Kreise der organisierten Kriminalität dort stets ungeschoren davonkommen. Dazu braucht es einen »Outsider«, wie Caine nun einmal einer ist. Als Hebel dient Valentine dabei, dass Caine den Job nur durch die Protektion seines Schwiegervaters bekommen hat, und das er, der Chef aller New Yorker Polizisten, das auch jederzeit wieder rückgängig machen kann.

Und so bleibt Caine nichts anderes übrig, als nicht nur in der Mordsache, sondern auch gegen seine eigenen Kollegen zu ermitteln. Und dann steht zu allem Überfluss auch noch seine zwölfjährige Tochter vor der verabredeten Zeit vor der Tür. Trotz all dieser Widrigkeiten stößt Caine bei seinen Ermittlungen, bei denen er unerwartete Hilfe von der für damalige Verhältnisse höchst emanzipierten Beryl, der Tochter eines Danziger-Klienten erhält, auf Ungeheuerliches: Mafiagrößen wie Meyer-Lansky treffen sich ebenso regelmäßig wie heimlich mit mehr oder weniger offiziellen Vertretern der amerikanischen Marine. Als Caine nachfasst und alle Warnungen in den Wind schlägt, die Finger von der Sache zu lassen, geraten nicht nur er und Danziger, sondern auch seine Tochter Olivia in höchste Gefahr.

Geschichtsstunde der spannenden Art

Mit diesem historischen Krimi ist Fesperman eine großartiges Buch gelungen. Wer seinen Erstling »Lügen im Dunkeln« gelesen hat, der weiß, welches erzählerische Potential in diesem Autor steckt, trotz manch schwächerer Bücher in der Folgezeit. Meisterhaft versteht er es, das historische Umfeld mit seiner fiktiven Geschichte zu verweben. Tatsächlich brannte die »Normandie« und löste einen Hexenjagd auf vermeintliche und wirkliche Nazi-Kollaborateure in den USA aus (obwohl es sich in Wahrheit gar nicht um Sabotage handelte). Tatsächlich gab es im New York der 40er Jahre nicht nur deutsche Auswanderer, sondern auch amerikanische Banker, die mit den Nazis gemeinsame Sache machten. Historisch belegt ist auch die Zusammenarbeit zwischen dem Mob und dem US-Militär im Interesse der amerikanisch-patriotischen Sache während des zweiten Weltkrieges.

Fesperman führt uns auf überaus spannende und höchst unterhaltsame Weise ein Stück wenig bekannter US-Geschichte vor Augen, die es in sich hat. Die Atmosphäre ist dicht, die Figuren sind größtenteils glaubwürdig und differenziert gezeichnet. Aber das alles wird überragt von der ebenso anrührenden wie unglaublichen (aber deshalb doch keineswegs unglaubwürdigen) Geschichte des Briefeschreibers Danziger, der eigentlichen Hauptfigur dieses Romans. In dieser Figur verdichtet sich das ganze Schicksal der europäischen, insbesondere der jüdischen Einwanderer, ihre Träume, ihre Hoffnungen, ihre Erfolge, vor allem aber ihre Enttäuschungen. Allen, die Spass an einer spannenden Geschichtsstunde haben über eine Zeit, die gar nicht so weit weg ist, sei dieses Buch wärmstens ans Herz gelegt.

Wenn man denn unbedingt etwas kritisches zu diesem Buch anmerken möchte, dann vielleicht ein gewisser Mangel an Humor, den man allerdings bei Fesperman – anders als bei vielen anderen angloamerikanischen Autoren – ohnehin vergebens sucht. Den Schluss gestaltet Fesperman als »Happy End«, was überrascht, hätte doch im wirklichen Leben wohl ein tragisches Ende um einiges näher gelegen. Das aber sei seinen ebenso sympathischen wie überzeugenden Hauptakteuren Caine und Danziger durchaus gegönnt.

The Letter Writer (Engl.)

The Letter Writer (Engl.)

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