Tattoo

Erschienen: Oktober 2018

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2018 unter dem Titel Splinter in the blood, deutsche Ausgabe erstmals 2018 bei Blanvalet.
London: Corsair, 2018 unter dem Titel Splinter in the blood. 438 Seiten.München: Blanvalet, 2018.
Übersetzt von Bettina Spangler. ISBN: 978-3734106514. 560 Seiten.

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Michael Drewniok
Mörder-Wahn geht tief unter die Haut

Buch-Rezension von Michael Drewniok Dez 2018

In der englischen Hafenstadt Liverpool geht seit einem Jahr der »Dornenmörder« um. Diesen Namen haben die Medien ihm gegeben, weil er seine weiblichen Opfer erst entführt, um sie anschließend wochenlang zu tätowieren oder besser: zu malträtieren, denn der Täter mischt nicht nur seine Farbe selbst, sondern benutzt Pflanzendornen. Das macht die Prozedur überaus schmerzhaft, obwohl die Frauen mit einem ebenfalls selbstgebrauten Nervengift betäubt und schließlich umgebracht werden.

Fünf Leichen gehen auf das Konto des »Dornenmörders«. Für den Fall zuständig ist das Ermittlerduo Detective Inspector Greg Carver und Detective Sergeant Ruth Lake. Vor allem Carver hat die fruchtlose Jagd frustriert und ausgelaugt. Er ist von dem Fall besessen, wurde von seiner Ehefrau verlassen und verfiel zusehends dem Alkohol. Nun findet ihn Lake in seinem Haus – betrunken und fast tot, weil ihm eine Kugel in der Brust steckt. Carver überlebt, doch er ist nicht nur angeschossen, sondern erlitt auch eine schwere Kopfverletzung, die sein Gedächtnis in Mitleidenschaft zieht und ihn körperlich schwächt.

Wer hat Carver beinahe umgebracht? Da seine privaten Unterlagen über den »Dornenmörder«-Fall verschwunden sind, liegt die Vermutung nahe, dass der Killer ihn ausschalten wollte. Kollegin Lake weiß mehr, aber sie hat in dem Glauben, einen missglückten Selbstmord zu vertuschen, den Tatort manipuliert. Als sich herauskristallisiert, dass der »Dornenmörder« wohl »unschuldig« ist, hat sich Lake dadurch in eine fatale Lage gebracht und die Ermittlungen torpediert.

Auf eigene Faust versucht sie ihren Fehler wiedergutzumachen. Gemeinsam mit Carver versucht Lake dessen letzte Tage zu rekonstruieren. Plötzlich ist Carver selbst ein Tatverdächtiger in einem anderen Mordfall. Zudem lauert im Hintergrund der »Dornenmörder«, der ebenfalls wissen will, was eigentlich vorgeht …

Brust- als Startschuss

Der Start in eine neue, hoffentlich erfolgreiche, weil nur dann fortgesetzte Serie benötigt einige Planung. Man kann als Autor/in »klassisch« starten und hoffen, durch eine bewährten und beliebten Vorgaben folgende Handlung und Figurenzeichnung ein Publikum zu finden. Das ist quasi ein »soft opening« und nicht ohne Risiko, denn es droht die Gefahr, in einem Meer ähnlich gestrickter Serien unterzugehen.

»Ashley Dyer« – hinter der sich das Autorinnen-Duo Margaret Murphy und Helen Pepper nicht unbedingt verbirgt – setzt deshalb auf einen einleitenden Knalleffekt: Als wir die Hauptfiguren Greg Carver und Ruth Lake kennenlernen, liegt er mit einer Kugel in der Brust in seiner Wohnung, während sie die Tatpistole und seine Ermittlungsakten verschwinden lässt. Das weckt unsere Aufmerksamkeit, denn natürlich wollen wir wissen, ob wir »Zeuge« eines polizeiinternen Verbrechens geworden sind.

Hinzu kommt die Kenntnis um die »Unschuld« des »Dornenkillers«, um den es eigentlich geht. Ihm soll das Handwerk gelegt werden, doch das ist noch schwieriger geworden, weil Lake in guter Absicht, aber trotzdem voreilig Beweise vernichtet hat, die den Ermittlern nützlich gewesen wären. Weil es die Dramaturgie des modernen Mainstream-Thrillers erfordert, sind die Untaten des »Dornenkillers« natürlich trotzdem verknüpft mit dem Attentat auf Greg Carver – oder ist er gar selbst ein Mörder?

Alle sind verdächtig

Wer hat auf Carver geschossen? Warum wurde auf Carver geschossen? Hat er im Suff-Frust selbst auf sich geschossen? Weitere Fragen gehen nicht nur dem Leser, sondern auch dem »Dornenmörder« nicht aus dem Kopf – ein Schachzug, mit dem die Autorin geschickt das Interesse zu schüren weiß, zumal sie unseren Blick in einen Winkel zwingt, aus dem betrachtet jede Deutung möglich ist. Dieses Gleichgewicht weiß Dyer lange zu halten – bis sie einen der Bälle, mit denen sie jongliert, plötzlich zu Boden fallen lässt: Ganz nebenbei lüftet sie das Geheimnis, wie Carver zu der Kugel in seiner Brust kam. Warum dies gerade jetzt geschieht, bleibt unklar; Dyer lässt grundlos Spannung verpuffen.

Gewahrt bleibt immerhin die Doppelzügigkeit der Handlung. Dazu gehört wie gesagt, dass sich die beiden Stränge irgendwann treffen: Zwar hat nicht der »Dornenmörder« versucht Carver umzubringen, aber dennoch hat er seine Finger im beinahe tödlichen Spiel. Wie das zusammenhängt, ist in der Auflösung ein wenig dünn, obwohl es durchaus plausibel wirkt.

Vertrauen ist unter den beteiligten Polizisten eher Glückssache. Dyer ist ganz nahe bei Schriftstellerkollegen wie Ian Rankin oder Stuart McBride, wenn sie die moderne (englische) Polizei als Einrichtung schildert, die Verbrechen fast schon nebenbei aufklärt. Stattdessen werden Karrieren geplant, Seilschaften geknüpft und Absprünge in die Politik vorbereitet. Entsprechend gepolte Ordnungshüter beschränken sich auf die Vermeidung von Fehlern, die den Aufstieg hemmen könnten. Verantwortung wird geleugnet oder abgewälzt. Verschärft wird die Situation durch eine überbordende Bürokratie, während gleichzeitig der Rotstift regiert. Auf vorbehaltsfreie Unterstützung darf Lake also nicht hoffen, was ihre Situation weiter (spannend) verschärft.

Schleppende Ermittlungen

Wie im modernen britischen Krimi – und nicht nur dort – üblich, spielt das Privatleben eine große Rolle, was an sich eine gute Sache ist, da nicht einmal Sherlock Holmes es geschafft hat, sich als emotionsfreie Ermittlungsmaschine zu etablieren. Polizisten sind schließlich auch (nur) Menschen. Allerdings stehen nicht gerade wenige Autor/innen auf dem Standpunkt, dass nicht »der Fall«, sondern die privaten Krisen der Ermittler im Zentrum des Geschehens stehen; der Krimi bleibt schmückendes Beiwerk.

Für solche Schmonzetten gibt es durchaus ein Publikum, während die Freunde des »echten« Krimis oft verzweifeln, wenn sie wieder einmal in den Schmalztopf gegriffen haben, statt spannend unterhalten zu werden. Ashley Dyer versucht auf dem schmalen Grat oberhalb beider Welten zu wandeln. Das hat die Seifenoper-Fraktion durchaus bemerkt und der Autorin angekreidet, was zu Recht die Neugier des »echten« Krimi-Freundes weckt.

In der Tat bleibt Dyer erfreulich zurückhaltend. Gefühle sind mit dem unmittelbaren Geschehen verknüpft, Abschweifungen unterbleiben. Ruth Lake ist ein spröder Charakter und nicht auf der Suche nach Mr. Right, weshalb ein Happy-End an der Seite Greg Carvers ausbleibt. Das mag sich in den folgenden Bänden ändern, doch ob es diese geben wird, bleibt abzuwarten. Mit »Tattoo« – wieder einmal trifft den Autoren/die Autorin keine Schuld an einem pseudo-dramatischen deutschen Titel – ist Ashley Dyer kein Meisterwerk gelungen. Positiv fällt das offensichtliche Wissen um den modernen Polizei-Alltag auf, mit dem sich die Figuren mal volens, aber immer wieder auch nolens abfinden. Das ist jenseits (hysterischer) Gefühlsduseligkeit ein solides Fundament, auf dem eine Serie wachsen kann.

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