Nichts ist verloren

Erschienen: Januar 2018

Bibliographische Angaben

  • Marseille: Éditions Jigal, 2016, Titel: 'Rien ne se perd', Seiten: 270, Originalsprache
  • Hamburg: Polar, 2018, Seiten: 312, Übersetzt: Cornelia Wend

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Les Verrières. In einer verrotteten Vorstadt tauchen plötzlich Parolen an den Wänden auf, auf denen Gerechtigkeit für Said gefordert wird. Er ist als Fünfzehnjähriger ums Leben gekommen. Der elfjährige Mattia Lorozzi versucht dahinterzukommen, was geschehen ist und trifft auf eine Welt voller Hass, Trauer und Lügen. Er hat keinen Vater mehr und lebt mit seinem Vormund Zephyr Palaisot, einem vierundzwanzigjährigen Nachtwächter, und dessen selbstmordgefährdeter Freundin Gabrielle in einer Wohnung. Seine Mutter hat sich seit Wochen nicht mehr gemeldet, die Schwester ist auf Reisen und taucht erst zu Weihnachten wieder auf. Eine Psychiaterin betreut Mattia, um zu verhindern, dass er in ein Heim gesteckt wird. Zwei Männer lauern ihm und seinem Vormund auf. An die Polizei kann er sich nicht wenden. Sie wird nicht sehr geschätzt in Les Verrières, da sie vor fünfzehn Jahren den jungen Said Zahiti erschossen hat und vor Gericht straffrei ausging. Damals kam es zu Unruhen im Viertel. Mattia war zu der Zeit noch nicht geboren. Er findet heraus, dass Saids Tod mit seinem Vater zu tun hat. Es ist nicht auszuschließen, dass jemand die Tat damals rächen wollte. Mattia begibt sich auf die Suche nach der Wahrheit, in einer Welt voller Ungerechtigkeit und Rache, in der die Erinnerungen den Hass am Leben halten.

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02.01.2019 11:23:29
elke17

Eine Wohlfühllektüre ist „Nichts ist verloren“ absolut nicht, aber das ist auch nicht das, was ich von den Büchern des Polar Verlags erwarte. Der mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete zweite Roman der Autorin Cloé Mehdi lenkt einmal mehr unseren Blick auf das Leben in den französischen Vorstädten, den Banlieu, Heimat für Migranten und Abgehängte. Problemviertel nennt die Politik das gerne, nicht wahr haben wollend, dass sie es ist, die diese Probleme befeuert. Die Lebensumstände sind schlecht, es fehlt an Perspektiven, Polizeigewalt ist allgegenwärtig. Und doch ist es Heimat.

Les Verrières. Hier lebt der elfjährige Mattia mit seiner Ersatzfamilie. Vater tot, Mutter weg, Bruder weg, Schwester auch nicht präsent. Sein Vormund Zé und dessen suizidgefährdete Freundin Gabrielle taugen auch nicht wirklich als Vorbilder, und eine Ahnung von familiärer Geborgenheit vermitteln sie dem Jungen nur dann, wenn die Vertreterin des Jugendamtes mal wieder ihren üblichen Kontrollbesuch macht. So schlecht seine Lebensumstände auch sein mögen, vermitteln sie dem Jungen doch ein Gefühl von Stabilität. Aber auch das gerät ins Wanken, als in dem Viertel Parolen an den Wänden auftauchen, die Gerechtigkeit für Said fordern, einen vor vielen Jahren von der Polizei erschossenen Jungen. Ein Tod, der unmittelbare Auswirkungen auf Mattias Leben hatte, denn sein Vater fühlte sich verantwortlich und brach unter dieser Last zusammen. Es folgte die Einweisung in die Psychiatrie und schließlich dessen Selbstmord. Mattia begibt sich auf Spurensuche, will herausfinden, was damals wirklich mit seinem Vater geschehen ist, warum er sich Saids Tod so zu Herzen genommen hat und er mit der Schuld nicht mehr leben konnte. Doch offenbar passt dieses Herumschnüffeln manchen nicht in den Kram.

Mattia ist der Ich-Erzähler, aus dessen Perspektive der Leser einen Blick auf dessen Leben in der Banlieu wirft. Bisweilen kommt der Elfjährige ziemlich altklug daher, wirkt recht abgebrüht, musste früh erwachsen werden. Aber da sind auch seine Ängste, die Zweifel, die er hat, das Gefühl der Isolation. Zeigen würde er das nie, könnte ihm ja als Schwäche ausgelegt werden. Dann doch lieber mit einer flapsigen Bemerkung darüber hinweggehen.

Es ist das Bild einer kalten, dunklen Gesellschaft, das Mehdi zeichnet. Wo Menschen aus Profitgier aus ihren Viertel vertrieben werden sollen. Einer Gesellschaft, in der Gewalt an der Tagesordnung ist. Wo Mitgefühl ein Fremdwort ist. Einer Gesellschaft, die allen alles abverlangt. Wo es aber dennoch für den einen oder anderen so etwas wie einen Hoffnungsschimmer gibt. All das vermittelt die Autorin dem Leser in einer klaren, nüchternen und präzisen Sprache ohne Drumherumgerede in einem Roman, der lange nachhallt.